Krisenmenu und Fastenpolitik

Olympia ist vorüber. Der Stammtisch und die halbfertige Politik brauchen neue Diskussionsformate…Wenn es so einfach wäre (Stammtisch) oder so pragmatisch (Politik). Hinter diesen Plakaten verbergen sich Angst, Unsicherheit, und sehr viel Gleichgültigkeit – aber die nicht aus Charakterschwäche, sondern aus einer scheinbaren Einsicht, dass man ohnedies nichts mehr machen kann. Die Umwelt wird unumkehrbar dem Wirtschaftswachstum, der weltweiten Kriegen und der persönlichen Lebensführung der Gegenwart geopfert und marginalisiert. Die Demokratie wird nicht weiterentwickelt, sondern auf lokale Wahlen in der Umsetzung auf Politik reduziert und macht zunehmend Platz für faschistische und populistische Eroberungen. Über Widerstand und demokratische Selbsteinbringungen – aktive Beteiligung! – wird zwar diskutiert, aber zu wenig getan, oft nicht, weil man nicht will, sondern weil man nicht weiß wie. Ist das alles grausig? Ja, ist es – und doch wieder nicht.

Man kann, wir können, das alles auch ganz anders sehen. Nicht etwa, dass sich bei Ökologie, Ökonomie, Frieden etc. doch etwas zum Guten wendet, vor unseren Augen, und ohne unsere Hände, sondern, paradox, dass der Abbruch der Zivilisation vielleicht doch in einer zivilisierten, humanen Weise geschieht. Human, nicht gerade humanistisch, was man sich wünschen könnte. zum Guten kann ja vieles bedeuten.

Ich denke, dass mit Blick auf unsere Kinder und Enkel, aber auch auf unsere Einwanderer die Politik eine Haltung des „Als Ob“ einnehmen sollte, als ob wir die Zukunft noch wirklich gestalten könnten und nicht in der Opiumhöhle gegenwärtiger Passivität angstvoll betrachten. Gehen wir einmal vom Niedergang Europas, weltpolitisch, klimatisch sozial, aus – so sagen es die Wissenschaften und die Politik der anderen Kontinente voraus, dann ist die Alternative ein neues Fahrenheit 451, eine Form von kulturellem Überleben, die uns – Abstieg oder nicht – am aktiven Leben hält. Das bedeutet auch den Widerstand gegen die kapitalistische Gegenwartsanbetung und gegen die Diktatoren, deren Tod wir ja gar nicht befördern müssen, die sterben von alleine, und da ist etwas wichtig: nicht schon jetzt ihre Nachfolger, die neun Köpfe der lernäischen Schlange, so zu behandeln, als wären sie schon an der Macht und würden uns ähnlich beherrschen wie die jetzigen Diktatoren. Anders als diese müssen wir auf eine Zukunft setzen, siehe oben: Kinder, Enkel, Immigranten. Das können die Selbstherrscher nicht. Auch nicht mit Robotern, Algorithmen und Unterdrückung: sie sind an ihre Gegenwart gebunden. Und wir haben zur Zukunft auch noch eine Vergangenheit, die wir in unsere Gegenwart einbringen können. Kritisch bitte, nicht planierend.

Ich sags ironisch: wenn man schon eine Alternative zur humanen Phase des Abgleitens sucht, dann keine spirituelle oder pessimistische. Das geht nur moralisch und politisch, nicht unbedingt mit der Konfrontation der pragmatischen Politik mit einer unpraktischen Moral. Klingt nach Philosophie, meint aber Überleben für die nähere Zukunft – siehe oben. In meiner 68er Jugend hätte man gesagt: nicht der Ideologie anhängen, sondern die eigene Realität einbringen. Das musste ich mühsam lernen, andere auch.

Ich hoffe darauf, dass unsere Lebenspraxis eine Überlebenspraxis wird, die nach uns noch Chancen eröffnet, nicht schon heute einengt. Überleben kostet Anstrengung, vielleicht Opfer, sicher auch Selbstkritik – und den Kampf gegen die Beruhigungsstrategien der Weltwirtschaft im Kleinen, im Persönlichen. Widerstand hilft auch gegen Angst, man muss sie nur orten und erkennen können.

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