Aufklärung, was sonst?

Am Ende fällt alles zusammen…“Neu“-Anfang?

Schon möglich, z.B. prä-anthropologisch oder als Evolutionssatire. Wir werden das nicht mehr erleben. Aber vielleicht schon meine Urenkelinnen, oder gar deren Mütter? Wenn man die grauenhafte Götterdämmerung von Wagner bis zum Ende sieht, hat man eine Vorstellung vom Zerfall hier unten und von oben. Fromme Menschen fragen nach der jenseitigen Regie, aufgeklärte eher nach den diesseitigen Weichenstellungen.

Heute ist der 25. Oktober, die Uhrzeit ist ver-rückt, der Regen bestürmt uns, und trotzdem hören wir Nachrichten. Stichworte:

  • Audi leckt Trump und baut in 4 Jahren ein Milliardenwerk in den USA. Erste Meldung
  • Sudan und Südsudan metzeln einander zu Tode und hungern
  • In Brasilien neigt sich die Wahl zu einem trumpischen Faschisten als Präsident
  • In Israel bereitet sich Netanjahu mit seiner faschistischen Koalition auf den Wahlsieg vor; Hamas greift wieder an
  • In Frankreich, Italien, Albanien, Spanien und anderswo rebellieren Junge, nicht mehr nur für Bildung und Wohnraum
  • Die EU vertreibt weiter nicht-weiße Europäer und steuert auf einen hochaltrigen Zuwachs an nichtgepflegten Bedürftigen zu

Das alles in 7 Minuten. Das erträgt nur, wer aufgeklärt genug, satt und nachdenklich ist. Ukraine natürlich, nicht mehr im Zentrum. Und zur Zeit Innenpolitik zum Weghören, zB. Söder…

Gehen wir zurück:

Es gibt kein zurück:

Die Weltalter versinken in einer Richtung, nur in einer:

„…Hart ist das letzte von Eisen.

Jählings brachen herein in die Zeit von schlechterer Ader

Alle die Greul; es entflohen die Scham und die Treue und Wahrheit,

Einzug hielten statt dessen Betrug und tückische Falschheit,

Hinterlist auch und Gewalttätigkeit und verruchte Besitzgier.

…

Tod gar sinnet der Mann dem Weib, wie diese dem Gatten;

…Achtende Scheu ist dahin, und von blutbefeuchteten Ländern

Kehrte die Jungfrau heim Astraea, der Himmlischen letzte“. (Ovid, Die vier Zeitalter, übersetzt von R. Suchier, Reclam 1986, 10-11)

Keine Zeit beschreibt er so genau wie diese, soll ich sagen „wie unsere“. Astraea in der letzten Zeile lohnt sich nachzulesen Astraea (Mythologie) – Wikipedia . Sie war mit uns auf der Erde und ist nun ein Stern…Die scheinbare Gleichgültigkeit unserer Erdteile, vor allem im Norden, gegenüber Umwelt und Bildung, ist kein Zufall, darüber habe ich in letzter Zeit viel angemerkt. Mich fröstelt es dabei, aber ich teile nicht die Angst der Massen, die damit ja die Tyrannen befestigen.

*

Gehen wir weiter:

Die aufgeklärte Moral gibt sich nicht einfach den Herrschenden hin, also auch nicht der Religion und der Ideologie. Schaut man auf die obige Liste, dann sieht man die rechtsradikalen Religionen in den USA, in Brasilien, in Israel – alle Religionen in ihrer dogmatischen Form, in ihrer Anbiederung an die Herrschaft, sind die Gegner von beidem: Glauben und Aufklärung. Wir können die ovidischen Prädikate allemal auf die gewalttätigen und ideologischen Akteure global anwenden. Dazu kommt ein Problem, das oft nicht sichtbar ist: wenn man über die großen Diktatoren denkt, spricht, schreibt, dann vermenschlicht man sie. Obwohl sie, nur sie, ihre Gewalt auch ausüben können. Die kleineren Diktatoren segeln sozusagen im Windschatten der großen, und machen genügend Ärger. Auch sie sind bisweilen verrückt. Nur: wenn ihr so etwas sagt, vor allem über die nukleare Dreifaltigkeit, müsst ihr fürchten, dass sie euch, uns, individuell bestrafen, vergiften, einsperren oder verarmen. Alle Diktatoren. Also sagen wir so etwas nicht direkt, das ist mehr als Kultur.

Oben sagte ich, dass ich die Angst der Massen nicht teilte. Warum eigentlich? Geht man an der Umwelt oder Asozialität oder Diktatur zugrunde, ist man tot und spürt nicht mehr, wie die Täter wahlweise feiern oder leiden. Meist letzteres. Da kann man an die Aufklärung anschließen. Was nicht nur sonnig ist, nein, auch schattig, aber richtig.

Nun kann man auch die Opposition gegen die Dogmen betreiben, für uns. Wenn ich sage, das wäre die menschliche Reaktion, ist das nicht kitschig oder pathetisch.  Man kann mit den Diktatoren, Verrückten, auch mit den Gewalttätern und Ideologen nicht immer „umgehen“, oft muss man für sich selbst handeln. Das kann menschlich auch vorbildlich sein.

Rückzug

Das wäre ein schöner Begriff für die deutsche Bundesbahn. Man fährt mit ihr nirgendwo hin, sondern immer nur zurück, und da kann der Zug lange wo stehen, nur um nicht auszuweichen.

Politisch auch ein vielfältiges, gut manipulierbares Wort. Wovon und warum und wie man sich zurückgezogen hätte, und was eigentlich zurück jeweils bedeutet, ist in der Politik so vielschichtig wie beim Militär. Übrigens auch im Privaten, wo es viel mehr Karikaturen über den Rückzug gibt als den Angriff, am besten bei Poth, aber das Gegenteil ist ja auch kompliziert, Vorzug ist etwas anderes als Vormarsch…

Rückzug ist auch ein Moment der Demokratie, die sich zurückzieht und einmottet, Angriffen wenig widersetzt und lieber bei sich bleibt, wie die SPD, oder sinnlos als rechtslastige Konkurrenz auf die Linke schimpft wie der bairische Wurstmogul, oder sich nicht wirklich demokratisiert, wie die Linkspartei selbst. Hat alles nur scheinbar etwas mit den Faschisten zu tun: die AfD profitiert von den demokratisch schwachen Diskursen.

Darüber wird mittlerweile doch einiges geschrieben und gesagt, aber kaum über die Auswirkungen auf Bewusstsein, Denken, Empathie und Logik. Die Demokratie braucht ja nicht nur ein Präsidium, sondern viele Menschen, Bürgerinnen und Bürger, die sie praktisch weiterleben.

Dazu gehört auch, nicht nach jedem Stöckchen zu schnappen und über all die große Weisheit anzuwenden, wo es unterhalb oder neben der Demokratie zu bleiben genügt. Kein Abbau, keineswegs, aber nicht alles muss auf das ethisch-politische Podium gehoben werden, über das die Demokratie herrscht. Im Unten der Gesellschaft ist der Begriff D. allein schon zu aufgeblasen, Nachbarschaft und Sportverein können demokratisch sein, ohne Demokratie zu stilisieren oder zu propagieren. Das ist das Gegenteil von Abbau. Die individuelle Freiheit schafft mehr Begriffe zur demokratischen Gesellschaft (deshalb auch nicht gesellschaftliche Demokratie als Begriff). Solidarität, Republik, Bindung und Absetzung, … da gäbe es viel, und was der Demokratie nur schadet, wäre zB. die Projektion ökonomischcr Dogmen in das Zentrum demokratischer Diskurse. Klingt das so fremd?

(Wenn man manche Politiker hört, zB. Parteitage, jetzt gerade CSU, dann ist das alles nicht banal).

Ich erinnere mich an einen Rückzug in Zentralasien (Hin war ich geflogen und habe nichts erlebt). Schon allein um Mitternacht in ziemlich vollbelegte Abteile sich noch zu viert einbringen, bedeutete Kommunikation, Dialoge, Essen tauschen, trinken, und sich einrichten, als würden wir noch tagelang weiterfahren. Um 6 Uhr kamen wir in der Hauptstadt an, ungeschlafen, aber kollektiv, und über alles war gesprochen worden, wie ich mich erinnere, nur nicht über die Plus und Minus lokaler Demokratie. Die gabs damals noch nicht. War das „undemokratisch“? dennoch glaube, dass etwas demokratisches bei allen hängen geblieben war, über viele Formen sozialen Verhaltens agitiert. So etwas gibt es dauernd, hier und anderswo.

Mut im Herbst, Vorsicht im Winter

Überall Warnungen. Es wird zunehmend erklärt, warum die weltweite Abkehr von der Demokratie stattfindet – also eine Zuwendung zu Abhängigkeit von Diktatur oder zu Faschismus. ABER es wird kaum deutlich gemacht, was das für die ZUKUNFT bedeutet. Dass wir jetzt in die vierte, grausige Periode der Weltgeschichte schlittern, wird von denen seltsam einfach hingenommen, die an Deck der Welt-Titanic sich ans Geländer stützen und unten, in den Wellen, den Unrat finden. Heroben ist noch Luxus.

Die UN sagt, dass die nicht-umkehrbare Erderwärmung bald eintritt – viele Blogs dazu. Auch zu Trump und Putin, auch Xi, die bereiten die Vernichtung von Zivilgesellschaften in Europa und anderswo vor. Auch zu unsinnigen wirtschaftlichen Abbau-Politiken von Sozialem und Kulturellem. Auch zur individuellen und gemeinschaftlichen Sicherheiten von Daten und Persönlichkeiten. Nur in der ständigen Wiederholung kann man die Blogs weitertreiben, so, wie auf guten Bühnen gute Stücke wieder aufgeführt werden, immer wieder. Miss Sophie und James auf allen Ebenen, immer wieder. Aber wir sind noch keine Murmeltiere, auch im Herbst nicht. Auch zu Weihnachten nicht.

Es ist an der Zeit, sich zu wappnen, sich nicht nur körperlich einzuhüllen, sondern auch psychisch, geistig darauf einzustellen, selbst zu bleiben, nicht abhängig zu werden, weil das angeblich weiteren Wohlstand, weitere Sicherheit, weitere Beständigkeit garantiert. Woher kommen solche Gedanken. Ideologie, Religionen und vor allem politische Wirklichkeiten trommeln mit diesen Ausblicken auf uns, aber es ist schlechte Unendlichkeit, also ungute Gegenwart. Ihr habt genug über Trumputin erfahren. Die Ukraine wird in diesen Tagen schwer beschädigt – wie andere Gesellschaften auch, und Europa spielt da keine gewichtige Rolle. Ob wir mitspielen oder nicht. Aber um uns zu wappnen, müssen wir nicht nur, nicht nur!, diese Wirklichkeit immer weiter wahrnehmen, beobachten, erklären, verstehen. Wir müssen auch unsere, die widerständige Wirklichkeit, stärken. Moralisch, sozial, kulturell, gegen den blöden neo-Kapitalismus. Nicht nur der o,7 Regierung, nein, global. Zugleich müssen wir schlicht wahrnehmen, wie und warum das Ende des europäischen Fokus auf „alles“ sich nicht nur abzeichnet, nein, schon eingetreten ist. Global an sich ist ja nicht schlecht, nur welches „global“, darauf kommt es an.

Das bedeutet einerseits, dass wir uns auf abgestiegene soziale Wirklichkeiten, auf politische Kontroversen von unten einstellen müssen: Schaut auf Paris, Mailand, das kommt auch zu uns. Dass wir uns darauf einstellen müssen, wie wir mit der faschistischen Vorherrschaft demokratisch umgehen werden müssen. Noch nicht heißt nicht nicht. Die Alternative kommt nicht von sich her, nur von uns.

Der Herbst hat noch einige schöne Tage. Der Winter kann sie haben, aber daran und dazu müssen wir etwas tun.

Merzende – welcher Ausgang ist offen?

Oft gehen Discos in die Katastrophe, weil die Ausgänge (= Gratiseingänge) verbarrikadiert sind. Merz ist kein DJ in der politischen Disco Deutschland, sondern ein 0,7 Kanzler, der das Volk umgarnt un die Bürgerinnen und Bürger um die Zukunft betrügt. Nicht nur er, klar, er hat Hintermänner und -frauen, mächtige Lobbies, reiche Demokratiefeinde und engstirnige Christdemosoziale…aber er ist leider der Kanzler, das muss man anerkennen.

An dieser Stelle hört bitte im DLF: Lea de Gregorio: Wie das Leistungsprinzip Sozialstaat und Gesellschaft angreift (18.10.2026). Der Titel lenkt schon auf Merz, man braucht dazu keine Ausrede im Blick auf Trump oder andere Diktatoren. Lea De Gregorio – Wikipedia

Die 0,7 Regierung von Merz hat auch einen neo-kapitalistischen Flügel, man kann auch sagen: neo-liberal, man kann auch sagen: anti-sozial. Dass man Merz nicht absetzen soll, hat ganz andere Gründe, nicht hier. Und eine Entscheidung, gestern und heute, gemeinsam mit Frankreich, nein: mit Emmanuel Macron, dem sich Abhalfternden, den man jetzt auch nicht ersetzen kann: Weiterhin Benzin- und Diesel in PKWs zu versetzen, damit die rückwärtsgewandte Autoindustrie weiter Unsinn betreiben kann. Merz-edes Bentz….

Natürlich keine Umweltgedanken, natürlich keine Sozialgedanken, die deutschen und französischen Autodiener werden weiter – auch von den Gewerk-schaften – gestützt, in die Vergangenheit zu schrauben. Der Fortschritt wird ausgemerzt.

Das ist ein Beispiel für vieles, das Frau Gregorio genau und fundiert darstellt. Das Viele heißt aber KONKRET Sozialabbau, Kulturabbau, die Schonung von 4/5 der Wohlhabenden zu Lasten von 1/5 der Verarmenden, immerhin 16 Millionen echter Menschen, unter irrsinnig falschen Rationalisierungs- und Reformversprechungen – und was sich in den USA und anderswo abzeichnet, steigt auch bei uns auf. Dabei könnte und müsste man umgehend richtige Reformen nicht nur herbeireden, sondern machen, im Sozialen, in der Bildung, und ja, auch in der Wirtschaft, als einer abhängigen Variable von aufwachsendem Umweltschutz. Ohne den gehen die O,7 Regierenden Deutschlands noch vor 2035 (PKW!) in die Grube, und unsere Kinder, Enkel, Urenkel werden leiden, hungern, wenn sie überleben. Merz ist nur ein halbwegs Trumpoid. Trump oder Putin stecken als Globalverbrecher ineinander, von Faschisten und einer globalen Leibgarde gehalten. Schaut euch um, global, schaut auch US IT an, schaut nach Israel, Nahost, Afrika, schaut nach Brasilien, schaut…es hängt alles zusammen, man kann es beweisen, aber eben nicht oberflächlich kausal. Merz wird weiter die Umwelt verarschen und Unterstützung finden, für seine jetzigen Entscheidungen, vielleicht neben Macron auch bei Meloni (Dort gibt es auch schon Konflikte Proteste in Italien: Festnahmen, Feuer und Krawalle) und in Osteuropa beim PKW Bau. Er wird aber vor allem bei uns bei den Gewinnern seiner entsolidarisierenden Sozialspaltung gewinnen…und doch soll er sich die Ereignisse in Paris gestern und die letzte Woche anschauen. Es steht ihm Widerstand bevor. Vielleicht anders, vielleicht wirksamer, jedenfalls nicht autobasiert.

Aufbau von Reserven? Politsport.

Natürlich hoffe (auch) ich, dass ich Unrecht habe, dass der dritte Weltkrieg doch nicht so heftig ist, dass alles so schlecht IST, indem es besser werden muss…aber wir Menschen sind nicht so. Hoffnung ist etwas anderes als Erwartung, und so wichtig sie ist, nicht alles liegt bei ihr.

Worauf wir hoffen können, ist eine Menge. Das wisst ihr. Was wir nicht erwarten können, ist kurz- und mittelfristig eine Wiederherstellung der demokratischen, friedlichen Weltpolitik und der demokratischen Innenpolitik in der EU und Deutschland. „Wiederherstellung“ heißt, dass es schon mal besser war. Nicht in weiter Vergangenheit, aber vor einiger Zeit – nennen wir das die LETZTEN Reformzeiten, die Perioden fortschrittsorientierter Politik, Zeiten eher solidarischer Kooperation, Abwehr von faschistischer und krimineller Unterwanderung. Wann das war? Denkt ein paar Jahrzehnte zurück, nicht nur bei uns. Ich gebe keine genauen Zeiten an, weil das nie so punktuell gegangen ist. Oder doch: Willy Brandt steht für eine solche Periode, und 1968. Das ist heute eher blass, hinter den Vorhängen der Realität. Aber es lohnt, das Falsche im Richtigen der guten Zeiten herauszubuddeln, mehr als heute, das kleine Richtige im großen Falschen zu sezieren. Das klingt banal, oder pathetisch, aber ist es nicht so?

1968 war demokratieschaffend, vergangenheitskritisch, politisch zukunftsorientiert – aber auch wenig frauenfreundlich, wenig umweltfreundlich. Das ist, bitte, EIN Beispiel, nicht dran kleben bleiben.

Mir geht es jetzt nicht um Politik, sondern um die schwierige Konstellation, im eigenen Fortschritt immer auch die Fallen und Leerstellen wahrzunehmen, die sich zeitlich und in der Wirkung anders ausprägen als das, was man richtig macht. Die meisten PolitikerInnen, Lehrenden, Unternehmer nutzen das aus – und lassen die Fehler andere ausbaden (zB. die Steuerzahler bei der CSU Maut). Wenige handeln da anders, und dazu muss man nicht nur über politische Ethik, über persönliche Moral nachdenken, sondern über Politik selbst. Andere baden die Fehler aus, manchmal persönlich, manchmal gesamtstaatlich (zB. beim jetzt verhafteten ehemaligen BfV Chef). Aber noch einmal: was macht das mit uns, und was machen wir damit? Nicht nur die Diktatoren, auch viele Spitzenpolitiker in der Demokratie nehmen die missbräuchliche Hürde „im Kleinen“ oder Größeren nicht ernst und wundern sich, wenn die BürgerInnen das wahrnehmen und sich abwenden. Oder, wie die AfD und andere Faschisten, die Spieß umdrehen und genau das den Demokraten vorwerfen, was bei ihnen System ist. Und oft fallen die Demokraten darauf hinein.

Wir sollen nicht nur, wir „müssen“ sogar solche Themen für uns aufbringen und bearbeiten, denn sie stärken uns für die großen Probleme: seltsam, sie stärken uns, wenn wir konkrete Themen, in denen wir auch vorkommen, bearbeiten, und dann eher in der Lage sind, die großen Probleme nicht gleich in die wirren Angst- und Überfüllungspsychen zu schieben. Seltsam, aber nachprüfbar. Ich werde Beispiele bringen, in den nächsten Blogs.

Die sarkastische Ironie hat uns gesagt, wie ein Flügelschlag eines Falters im Himalaya eine weltweite Wetterkatastrophe bewirken kann, und manche haben diese Ableitung geliebt. Ich mache da nicht mit, die Alternative ist einfacher: Bevor ich mich über globale Fehlentwicklung so aufrege, dass ich nicht mehr handeln kann und nicht politisch reagiere, schaue ich loieber, wie sich etwa lokal der Frage des Umweltschutzes wieder in die unmittelbare Politik einbauen lässt. Das erzeugt beides: Projekte und Widerstand. Damit kann man auch den Faschisten und der AfD entgegentreten.

Schuldumkehr und Wendungen

Oder soll ich sagen: „Windungen?“

Aus einem Gespröch zum 90. Geburtstag von Biermann:

Giovanni di Lorenzo: Sehen Sie die AfD in einer Linie mit dem Nationalsozialismus?

Wolf Biermann: Nein, nicht mit dem Nationalsozialismus. Der war noch schlimmer. Sondern mit dem Faschismus.

(ZEIT Magazin 1.10.2026, S. 14).

Ich stimme den Begriffen im Kontext zu.

Es geht natürlich um den 7. Oktober. Vergleiche dieses Tages in Israel mit der Shoah und anderen Historien können gelten, müssen aber nicht richtig sein. Es gilt Omri Boehms wichtige Aussage, dass es mehrere Wahrheiten gibt, aber nur eine Gerechtigkeit. Und die ist nun wirklich schwierig. Dazu muss ich mich von meinem Inneren ebenso drängen lassen, wie vom gestrigen Aufblitzen des Faschismus in Sachsen-Anhalt. Auch schwierig.

Einwurf: Da war ja beides zu erwarten. Ja, schon, aber beides nicht so.

Eine Analyse der beiden Schrecken ist umfänglich, aber nicht grundsätzlich schwierig. Auch kann man beides in ein globales Umsichgreifen des Faschismus einordnen. Beides sind dann spezielle Fälle einer allgemeinen Entwicklung, die Demokratien von der aufgeklärten Welt abzutrennen, faschistisch zu ersetzen.

Einwurf: Ist der Faschismus-Begriff nicht zu vage und ungenau? Viele sagen besser „autoritäre“ oder „diktatorische“ Systeme… Ja, schon. Aber Faschismus ist eine Bewegung vor allem, mit einem antidemokratischen Kern und verschiedenen Auswüchsen, die einander auch widersprechen können.

Mit engsten FreundInnen diskutieren wir das, und kommen zu wenigen Schlüssen, eher zum Schweigen über die Optionen der näheren und mittleren Zukunft. Aber global erklärt sich nicht, was sich in Sachsen-Anhalt, bei der AfD, dem BSW, aber auch bei der CDU/CSU deutlich, bei anderen demokratischen Parteien jedenfalls ansatzweise auch abzeichnet: Die Zuwendung zur faschistischen Gegenwart, die Abwendung von der demokratischen Zukunft. Anscheinend will man dem Volk aufs Maul schauen, um die Wirklichkeit zu verstehen…daran ist fast alles falsch. Wir demokrati-schen BürgerInnen sind nicht „das Volk“.

Warum ist das so gekommen? und nimmt weiter zu? in Sachsen-Anhalt, im Nahen Osten, weltweit?

Jetzt einmal keine Diagnosen und große Theorien. Grad mal beobachten, was sich „getan“ hat und was „unterlassen“ wurde. Die meisten Gruppen, politisch, religiös, thematisch, haben sich immer mehr darum gekümmert, in ihrem Bereich miteinander zu kommunizieren, sozusagen „Klarheit“ für sich zu schaffen anstatt anderen klar zu erscheinen – in der Demokratie braucht man beides. Miteinander wird immer deutlicher abgetrennt von einem mit-Anderen, das ja nicht Übereinstimmung oder Verbindung bedeutet. Das ist, zugegeben, zu banal _ aber wendet es an auf Religion, auf die Differenz zwischen Bürgern und Staat, auf die Vielfalt von sozialwen und kulturellen Lebensentwürfen, wendet es an und es entsteht ein Mosaik. Das zweite ist die falsche Gewichtung von Wahlen und anderen Elementen in der Demokratie, Projekte, Praktiken (auf dem Land, nicht nur in der Stadt….), Kontroversen, und das dritte ist die Wahrnehmung, dass auch die beste Demokratie unfertig und unvollkommen ist und – bleiben wird (dagegen agiert der gegenwartsbezogene Faschismus, der ja gar nicht auf die Zukunft baut: was aufgefressen ist, wird verdaut).

Zurück nach Israel, zurück nach Sachsen-Anhalt. Die Politisierung der Identität und die falsche Begriffsbildung, z.B. bei Zionismus – obwohl man es besser wissen könnte – oder z.B. bei Heimat – obwohl man das besser er- und beleben kann, das sind zwei Probleme, konkret und schwer wiegend. Und hier hilft eben NICHT die so genannte Realpolitik, CDU wählt AfD, dann wird ruhig zusammen regiert, gleich mit dem BSW…Hier muss die Kontroverse ausgetragen werden, und das Volk setzt auf den Machtgewinn, und sei er gewalttätig – kommt noch, auch hier, wartet nur! – und die demokratischen BürgerInnen setzen auf Teilhabe und Teilnahme. Das wäre es eigentlich.

Und jetzt an die Themen. Nicht gleich alles applanieren, auch Konflikte und Widerstand austragen, im Verhalten, aber vor allem in der Überzeugung. Das meint „eigentlich“.

Vorsicht, Wirklichkeit

Befreiung aus mehr als einer Abhängigkeit…Gott, die Natur, Klima, Armut, Staaten…man kommt ja gar nicht den Listen nach, mit der man seine Freiheit erreichen möchte. Also runter von den großen Sonnen und Planeten, rein in die Wirklichkeit der ja auch noch nicht befreiten Hirne. Auch in Deutschland. der 0,7 Kanzler Merz will weniger für die EU tun, zusammen mit ähnlichen Demokratieskeptikern. Merz will auch nicht wirklich mit dem Koalitionspartner „regieren“, er will, dass sich etwas entwickelt, das er anstößt. Wenn da nur nicht die Menschen wären, die BürgerInnen, von denen fast die Hälfte sich als Volk begreift und negativ zu allem steht, was kommen könnte, wenn nur das, was ist, angeblich besser für das Volk wäre, wenn es nicht regiert würde, sondern angeführt.

Die Situation ist, zukunftsorientiert, schlecht, weil die Regierung den notwendigen Abstand zu den Bürgern nicht begreift, meint, sie müsse Volk aufs Maul schauen und möglichst zufriedene Reaktionen erzielen. Natürlich müsste sich viel geändert haben, im Sozialen, in der Bildung, im Verkehr, in der Bürokratie. Hat sich aber nicht, und in diesem Fall ist Vergangenheit doch keine Garantie für die Zukunft, siehe Rente, siehe Schule…da gibt es viel, was allgemein zur POLITIK gehört, und im besonderen Fall zur DEMOKRATIE oder, negativ, zur Überwältigung durch den FASCHISMUS. Die „Rechten“ trauen sich nicht einmal mit der AfD zum Ve4rfassungsgericht zu gehen, und die „Linken“ haben die Orientierung verloren, dass es keine „Mitte“ gibt, dass sie ein Politmythos war und ist. Und dass vieles, das in der Politik richtig ist, noch lange keine Wahrheit(en) darstellt, wenn es um Kommunikation, Lebensbeziehun-gen, Gerechtigkeit usw. geht. Das ist schwierig, ich weiß, weil viele sich an das, was für sie Wahrheit ist, anklammern. Aber wir leben nicht in der Welt der Religionen, Philosophien oder auch Zufälle, wir leben in der einzigen Wirklichkeit, die es gibt. Selbst, wenn wir uns vor ihr verstecken.

Das hat mehr mit der Politik zu tun, die eben nicht einfach die Spiegelung der Meinungen des Volkes sein darf (stellt euch vor: Todesstrafe als Volksmeinung oder …). Politik muss die Menschen in Freiheit zusammen-halten und nicht aufteilen, je nach Meinungsverteilung. Und dazu müssen Menschen legitimiert sein. Und dazu ist Demokratie besser geeignet als Faschismus, oder?

Natürlich muss man dazu den BürgerInnen schon deutlich machen, was der Preis ist, dass Wohlfahrt oder Bildung weiterentwickelt werden kann. Aber dazu hat man ja auch die Politik. Der Preis kann weniger Wohlstand sein oder auch eine Umordnung der persönlichen Lebensprioritäten. Und zwar nicht nur anderswo, bei den Ärmeren der 3. Welt oder bei den Nachbarn, sondern bei uns. Das ist gar nicht abstrakt. Auch das ist der Preis von Freiheit und Mündigkeit. Und das sollten die Vertreter der Politik auch anfordern.

Bin gespannt, wie man mit der Pflegeversicherung umgeht, oder mit der Rentenreform. Nicht, dass die BürgerInnen das letztlich zahlen müssen, wenn man es nicht gänzlich privatisiert, ist das Problem, sondern dass das Bewusstsein von Gerechtigkeit wirklich begründet werden muss. Dazu können die BürgerInnen durchaus etwas opfern, so wie sie Geld für die Änderung der Verteidigung und die Befreiung von den Abhängigkeiten auch werden zahlen müssen, nicht einfach sollen.

Eigentlich ist das alles „einfach“, trivial? banal? Aber darum geht es in der Demokratie auch: „Eigentlich“ durch Wirklichkeit zu ersetzen.

Deutscher Sonderfall: ungebildet

Wieder sagt die Statistik, was wir seit 40 Jahren WISSEN: DAS DEUTSCHE BILDUNGSSYSTEM; VOR ALLEM FÜR KLEINE UND GRÖßERE KINDER; IST ABSCHÜSSIG; ABGRÜNDIG; TEUER UND INHUMAN: Das sagt sich so leicht, und wenn man die schwachen bis unfähigen Regierungsmitglieder im Bildungs- und Wissenschaftswesen analysiert. Aber ich warne davor, BILDUNG als Kampffeld zwischen Parteien, Weltanschauungen und Politiken zu reduzieren. Ich behaupte, dass die DEUTSCHE Abwendung von guter Bildung gesellschaftlich, kulturell und sehr weit in der Geschichte verankert ist. Das ist angesichts von SpitzenwissenschaftlerInnen und dem Zuzuzug ausländischer Studierender und ProfessorInnen ein schlimmer Vorwurf, den ich rechtfertigen will, wenn ich das kann.

Warum ist das Schulsystem nach wie vor klassenorientiert, das bedeutet, dass sich die Oberschicht, vor allem die inländische, erfolgreicher reproduziert – nicht nur über das Gymnasium, sondern über eine bildungsorientierte Sozialisation und Erziehung, die man den unteren Schichten verweigert – von Kindergärten über Nachhilfe, ganztägiger intensiver Bildung, realitätsnahe und gesellschaftskritischen Inhalten etc. Über „Bildeung“ wird ideologisch – und nicht intensiv – diskutiert, aber Bildung, und Erziehung, und Sozialisation sind insgesamt in der Gesellschaft nicht so prioritär wie in anderen Gesellschaften. Das kann analysiert werden – wir haben ja genügend pädagogische Expertise, vor allem an Hochschulen, aber der gesellschaftliche Hintergrund, das Versagen an der Aufklärung, der Mutterkult langer Epochen, und die Unfähigkeit des Staates, die Gemeinsamkeit von Lehrenden und SchülerInnen im Rahmen sozialer und kultureller Allgemeinheit sind typisch deutsch, und das sollte man aufdecken (ich behaupte, man kann es erklären und einsehen, man könnte hier viel mehr wissen, aber es belastet das scheinbar so erfolgreiche Schichtmodell). Ja, es hat bessere und schlechtere Perioden des staatlichen Bildungssystems gegeben und seiner ideologischen Parallelsysteme. Aber all das erklärt nicht genau, warum Bildung von Kindern insgesamt in der Hierarchie der persönlichen, familiären, umgebungsrelevanten und gesellschaftlichen Prioritäten nicht so im Vordergrund steht. Wie etwa der Flugverkehr…lacht nicht, schaut euch die Argumente an, und auch die Presse und Medien dazu.. Jedenfalls seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ist die soziale Durchlässigkeit, das Muster des bildunsgrelevanten „Aufstiegs“ aus den Schichten in Deutschland schlechter als anderswo, jedenfalls seit dem ersten Weltkrieg. Vergleicht es mit den Nachbarn Wien oder Frankreich, oder Estland und Skandinavien, nicht gleich mit Singapur und Japan. Man kann das erklären.

Nun keine Sorge. Ich schreibe hier nicht spontan eine „Bildungsgeschichte“, einiges habe ich früher versucht, aber eher im Hochschulbereich – Die Wiederherstellung der Hochschule, Köln 1993, Heinrich Böll Stiftung. Damals sind etliche, „Reformmodelle“ aufgebracht worden, andere als meine, vielleicht bessere, aber wenige haben sich mit der Wiederherstellung befasst, und wir alle haben den Sprung zu den Säuglingen, den Kleinkindern und Kindergärten, den Grundschulen vernachlässigt, und dort geht es eben nicht nur um Bildung und Erziehung, sondern um eine Sozialisation außerhalb der Familie und mit ihr. Und DAS muss bedacht und erklärt werden. Heute kann man ein Interview lesen, mit Aladin El-Mafaastani „Es braucht einen echten Kulturwandel“ (SZ 19./20.9.2026 im Interview).

Also: wir können erklären und verstehen, warum es keine wirklich gute und wirkungsvolle Bildungspolitik gibt. Partei- und institutionsübergreifend. Aber warum steht die Gesellschaft da nicht vehement dahinter, anders als beim Tankrabatt?

In den besten Schulsystemen der Welt, in reicheren und ärmeren Ländern, ist das nicht nur eine finanzielle Antwort auf die Bedürfnisse des Bildungssystems, auch nicht nur elterlich, mütterlich vor allem, aber doch: das zählt!, jenseits der Abgabe von Kindern an den „Staat“. Und Vorsicht: das ist nicht die völkische Antwort der AfD auf diese und ihre Interessen, sondern, verkürzt: ihr Gegenteil. Dieser Diskussion möchte ich (wieder, teilweise) erleben. Denn ohne Gesellschaft geht die Sozialisation nicht, auch nicht innerhalb der Mauern vorbestimmter klassen-, schicht-, ethnie- und finanz-orientierter Einpassungen. Das Glück von Kindern hängt schon auch vom Glück der Eltern ab, sich darum nicht ausschließlich, aber mit Vorrang zu kümmern. Aber ich sage hier deutlich „auch“.

Ich werde keine Bildungsgeschichte verfassen, ich werde auch nicht Bildungspolitik mit der Sozialpolitik verbinden, das ist für mich auch erfahrungsgemäß um Jahrzehnte passé. Aber ich will ausdrücklich auf die ethnischen, ethnologischen und sozialen Begründungen des deutschen Debakels erinnern. Und natürlich sollte gerade hier die Kritik an der Regierung und den unterschiedlich betroffenen Parteien (Da gibt es schon auch Reformen) nicht ausbleiben, aber wir müssen schon auf die Gesellschaft und ihre Geschichte verweisen, also auch auf uns im weiteren Sinn.

Ich weiß, dass es viele gute LehrerInnen und beteiligte Eltern und soziale Hilfen für Schülerinnen und Schüler gibt. Aber warum das alles weniger wirkt als anderswo, hat mit diesen Ausnahmen nicht so viel zu tun wie mit der Frage, wie wichtig Bildung und Sozialisation ab der Geburt sind. Das kann man philosophisch beantworten, eher egal, oder psychologisch, soziologisch (eher wichtiger). Aber vor allem der Abbau der klassen- und schichtspezifischen Schranken vor den Möglichkeiten gerechter und gleichberechtigter Bildung vom frühen Zeitpunkt an ist das, was der Gesellschaft im Bewusstsein fehlt.

Keine Angst

Auch ein Trostpflaster: wartet einmal ab, OB die AfD überhaupt an die Regierung kommt, und WENN, dann wartet mal ab, WIE sie regieren möchte, und wenn ihr dann weiterhin gegen sie seid, dann rüstet zum WIDERSTAND. Wenn man das Pflaster auf seine Sommersprossen klebt, verkleinert sich die AfD zu einem Pünktchen im Großhirn.

Ich schreibe jetzt nicht gegen oder zur AfD, und ihr konntet schon vorgestern lesen, was ich unter welchen Umständen erwarte, vor allem an Fragen…und natürlich an unserer Haltung. Ich schreibe von allen möglichen „Außen“, und weiß gar nicht recht, wer „(dr)innen“ ist. Die Diskussion um die schlechte Politik während der richtigen Vereinigung von BRD und DDR kann ja historisch Sinn machen, aber so wie sie geführt wird, erinnert sie mich an den den Kampf der weißen gegen die schwarzen Magier. Also überblättern. Ich schreibe lieber zum – Herbst.

Wann ist denn Herbst? Ausnahmsweise keine Rilkegedichte, keine Ölbilder gelber Ahornblätter über braunem Grund, keine Musik mit Datumsgabe in a-moll, keine melancholischen Familienromane, die zu Ende gehen. Mir geht es um die JAHRESZEIT, um gesternheutemorgen. Ich merke den Herbst unter anderem daran, dass es immer dunkler wird, wenn ich um 21.30 mit dem Hund den Häuserblock gehe, dass die halbstarken Laternen wieder leuchten, dass die erste Blätterabsammlung schon erfolgt ist, aber vor allem: die Luft ist anders, sie riecht nach anderen Sonnenunter-gängen und Sternhimmeln. Schon wieder werden Gewitter angekündigt, die uns über die trockene Hitze trösten sollen (peinliche Unehrlichkeit), während wir vielleicht das letzte Mal Bäume und Sträucher sehen, die noch ein dürres Jahr nicht übersehen. Warum ich darüber nachdenke und schreibe? Kluge Leute haben über die Umweltschäden der laufenden Kriege, v.a. Russland gegen die Ukraine, Sudan, USA und Israel gegen Iran und die Golfstaaten nachgedacht, beobachtet – alle haben sie prognostiziert, dass diese Kriege der Erderwörmung und dem Naturzerfall noch mehr Vorschubleisten als schlechte Umweltpolitik subnormaler Regierungen. Ich sagte: Kluge Leute. Leider haben sie die Menschen der Gesellschaft nicht erreicht, – und wenn dann El Nino oder das nepalesische Erdbeben und ein Felsabbruch in den Alpen zusätzlich die Lebenszeit des homo sapiens verkürzen, fällt das den so erträglichen Menschen gar nicht mehr auf. Nun mache ich gerade daraus kein melancholisches Zukunftsszenario. Die Umweltkatastrophen kommen früh genug, für die Politik unserer Kinder und Enkel, dass unsere Versäumnisse nicht weiter anwachsen (ob sie noch einmal geheilt werden? eher nein, bei 2,0° C bald, und 3,0° C noch vor der Jahrhundertwende, und unumkehrbar wird es so weiter gehen). Nein, mir geht es um etwas anderes. Wenn das Ende, der Absturz, der kollektive und nicht individuelle Tod ansteht, also das Sterben einer evolutionären Gattung, – muss man dann die Überlebenszeit so mit Robotern und KI und Blogs kompensieren? Paradoxe Antwort: ja. So hat man immer reagiert, wenn die bisherige Sozioökonomie abgestorben ist. Aber das heißt natürlich, dass die Überbrückung hin zum gesellschaftlichen Tod noch nichts sagt, ob und wie man das Sterben für die Mehrzahl der Menschen erträglich macht, wir sind ja keine Lemminge oder Pinguine. Keine Frage der Philosophie. Hitzeschutz macht das Altern erträglicher, oder? Das Ausblenden des Absterbens des homo sapiens, aufzuhalten, ist kaum möglich, ist unwahrscheinlich; es zu ignorieren ist so ziemlich ident mit der Umweltpolitik der Wirtschaftswachstumsregierungen, auch unserer 0,7 Truppe. Klingt grausig, ist aber realistisch. Und: wir müssen darin und darum ja weiterleben, wir sind eben keine Lemminge. Ihr fragt nochmal, warum ich das schreibe? Oben steht, was politisch und moralisch ansteht. Jetzt mit Umwelt statt mit alternativen Politiken zu reagieren, verändert erstmal uns und dann natürlich schon die Umwelt. Dass wir da abnehmen, individuell, an Körper, Bewegungsmöglichkeiten, Globalerfahrung, dass wir ärmer werden (müssen, nicht strategisch sollen), gehört leider zum Abbau des evolutionären Astes von homo sapiens, an dem wir ja sägen. Was heißt wir? Natürlich Trum, Putin, Xi und andere Diktatoren mehr als wir gerade, wir einzelne? Natürlich Zuckerberg, Gates, die Technos etc. und andere Wirtschaftsdiktatoren, natürlich auch ideologische und religiöse Strömungen, die unsere Ufer zerstören. ABER wäre das so anders, wenn die nicht uns zu kleinen Hilfsarmeen reduzierten? Ja, es wäre anders, aber nicht bei den vielen Dingen, die wir ändern müssen. Machen wir es richtig, haben die eine politische Oberfläche, und die müssen wir auch polieren, nicht nur unser moralisches Selbstbewusstsein.

Naja, ich gehe jetzt in den Herbst. Der ist noch nicht das Ende, über das ich nicht schreibe.

Nach(t)denken

Was wird sein? ist eine der dauerhaftesten Fragen der Menschen. Und die Antworten sind wahlweise komisch, absurd, deprimierend oder gleichgültig. Was wird sein, wenn…das ist schon anders. Was wird bei einem Wahlsieg der Faschisten (AfD), mit oder ohne Unterstützung von BSW, sein? Wer wird wie darauf reagieren müssen, sollen, dürfen, können?

Und wenn die AfD es nicht an die Regierung schafft, dann haben die WählerInnen das das zwar richtig gemacht, aber wie können oder sollen die Regierungen, das 0,7 Merz Regime, reagieren? Was wird dann sein?

Ich stelle mir diese Fragen entgegen den aktuellen Nachrichten der Medien, den Umfragen. Ich schalte mich auch nicht in die Diskussion ein, ob man sich mit welcher Begründung um OSTdeutschland kümmern soll und halte die Geschichte von WESTdeutschland auch längst nebensächlich: was 1979ff. falsch gelaufen ist, wissen wir, historische Fehler können bestenfalls kritisiert, aber nicht rückgängig gemacht werden. Aber man darf sich auch nicht ganz der Gegenwart verschreiben, ohne einen Blick in die Zukunft zu werfen – Was wird dann sein, und was machen wir? Gewinnen die Faschisten die Verwaltungsmacht, dann muss sich und kann sich unser Verhalten ändern. Aber da habe ich eine Vorfrage: wenn unter dem Schutz der AfD öffentlich Bedienstete agieren, waren die nicht schon vor der Wahl auch bei der Partei, mit der Partei? Sind sie es nicht? Das beschäftigt mich schon lange, und manchmal trifft man ja auf solche ParteigängerInnen, unerwartet, überraschend. Werden sie sich unter AfD Schutz ändern, oder bleiben sie, was sie ohnehin schon sind?

Analogien zu früheren Faschismen sind instabil; in mancher Hinsicht richtig, in vieler Hinsicht überholt. In vieler Hinsicht gehen der intellektuell unterbelichtete Faschismus Diskurs und historische Fragwürdigkeiten zum Thema des ansonsten guten Journalisten Gustav Seibt an der Auffassungsgabe der LeserInnen vorbei (SZ 23.8.). Dieser Diskurs ist zur Zeit ständig präsent, in allen Medien und auch in persönlichen Gesprächen, bisweilen unerwartet. Die obigen Fragen werden oft nicht deutlich gestellt. Viele hoffen auf das „Wunder“ der Umkehr vieler WählerInnen im Wahlmoment, auf 5+ % für die SPD und die Grünen, gar die FDP. Aber auf das populistische Selbstbewusstein der AfD direkt einzugehen, wagen viele nicht. Denn es ist nicht einfach, WählerInnen klar zu machen, wie falsch die Position ist, der AfD zur Macht zu verhelfen, wenn man selbst – subjektiv, in der Klasse und Schicht durch die Politik dieser Partei sicher verlieren wird. Aber auch das kennt man aus der Geschichte.

Also was? Die demokratischen Parteien müssen sich (alle? alle.) soweit erneuern, dass es glaubwürdig wird, wenn der Staat viel Soziales reduziert und an vielen öffentlichen Förderungen einspart, um das Sozialsystem und das Kultursystem zu erhalten und sich entwickeln zu lassen (Ihr erinnert euch: Von Umwelt ist abzuleiten, was sozial, bildungsmäßig und ökonomisch zu entwickeln ist). Dabei muss man nicht auf die Faschisten hinhauen, denn die eigene Erneuerung hängt von ihnen nicht so sehr ab, oder?

Beachtet die Fragen in den ersten drei Absätzen. Wie werden wir unter welchen Umständen mit den AfD Aktivisten umgehen und was müssen wir erwarten, dass uns untergraben wird? Diese Diskussion kann auch teilweise dazu führen, uns selbst zu erneuern – wir müssen Abschied nehmen auch von unserer eigenen Einbettung in scheinbar friedlich, schein sozial gerechte Wirklichkeiten, die zu viele Menschen ausgeschlossen haben, und nur von wenigen, zu machtvollen Menschen, dirigiert werden. Das wird mehr sein als eine Steuerdebatte.