Sprachwut

7.2.2016

Sprachwut

Seit 10 Jahren kämpfe ich gegen eine gefährliche Phrase: in allen Sendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gilt die Sprachregelung, von radikal-islamischen Taliban zu sprechen. Alle Aufforderungen, das zu korrigieren, sind vergeblich geblieben. Jetzt, in einer von den Rechten dominierten öffentlichen Sphäre, sind solche Korrekturen wichtiger denn je, weil sich die Rechte eben der sprachlichen Ungenauigkeit bedient, um ihre Hetzmeuten zu pflegen. Die Taliban sind nicht islamisch. Es sind Muslime, die sich oft einer islamistischen Terminologie bedienen. Sie berufen sich oft, nicht immer, auf Religion, um ihre Sache glaubwürdiger zu machen und wohl auch gegen kritische Angriffe zu schützen. „Aber ist Religion nicht immer eine Art Mantel, nicht der Kern der Sache?“, fragt Slavoj Zizek zu Recht (Spiegel 3/2016, 29). Islamistische Taliban würde die Aufständischen besser bezeichnen. Und von wegen radikal. Radikal-Gläubige sind fundamentalistisch oder revolutionär, oder beides. Beides sind die Taliban nicht. Sie „sind“ als soziale Gruppe überhaupt nicht politisch, sie handeln oft extremistisch, manchmal terroristisch. Religion ist ihr Mantel so gut wie der christliche von Pegida oder – noch nicht so extrem – der C-Parteien. Was aber ist der Kern der Sache? Daran geht der Begriff radikal-islamische Taliban vorbei, hat sich aber durch ständige Wiederholung in den Wortschatz des Alltagsdiskurses eingetragen. Und führt zu einer Islamfeindlichkeit, die besser durch Religionskritik ersetzt würde.

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