A E I O U

Austria erit in orbe ultimo – Bis zuletzt wird Österreich auf dem Erdball bestehen. AEIOU – vokal- und anspielungsreich ist dieses Land, hunderte Variationen beginnen mit „Allen Ernstes ist Oesterreich u…“, meistens „un….“. Nicht lustig, nicht einmal für Patrioten.

Jetzt haben wir (Österreicher) endlich einen guten Bundespräsidenten, Alexander van der Bellen, der muss optimistisch in die Wahlwiederholung gehen. Die Nazis haben erfolgreich die Wahl angefochten, mit guten juristischen Gründen, die sie aber schon vor der letzten Stichwahl hätten vorbringen können; aber da hatte ihr Kandidat Hofer, der weichgespülte Nazi, noch aussichtsreich vorn gelegen. Jetzt ist Hofer, als einer der drei Nationalratspräsidenten, interimistisch schon Präsident.

Zu meiner Begrifflichkeit für FPÖ und Hofer: Ich habe mich in meinem Blog mehrfach mit dem Nazi/Faschismusbegriff auseinandergesetzt. Ich verwende ihn ziemlich unemotional, sozusagen immer an der Schwelle zum Wahrheitsbeweis. Wenn ich die FPÖ nazistisch und Hofer einen weichgespülten Nazi nenne, dann sind mir Unterschiede in der Erscheinungsform gegenüber der Zwischenkriegszeit vor 1933 bzw. 1938 schon klar. Aber es geht hier um die Rhetorik, die diskursiven Strategien dieser Leute – und da reicht der Begriff national-populistisch nicht aus, weil es in dessen Feld auch etliche unerfreuliche Typen gibt, die nun mit Nazis nichts zu tun haben.

Natürlich lässt er sein Amt nicht ruhen; natürlich hetzen er und seine Gesinnungsgenossen weiter und natürlich gibt ihm der Brexit Aufwind.

Österreich wird seine Diktaturen nicht los, die Krukenkreuzler (Austrofaschisten) und die Hakenkreuzler (Nazis), und gerade weil sich eine knappe Mehrheit nach 1945 doch demokratisch hat weiter entwickelt, ist die hinterhältige Wut der alten neuen Nazis verständlich (das sind keine Neofaschisten, die suchen keinen autoritären Staat, sie suchen eine Identität, die sie in Österreich ethnisch schwer begründen können, deshalb konstruieren sie umso unverhohlener – weitgehend mit den alten Mitteln).

Aber Österreich hat eine Art von Resilienz entwickelt, ich würde gern sagen, immer schon, aber das war ein anderes Österreich gleichen Namens, vor 1918, vor 1945; aber der Widerstand ist sprachmächtiger – im Vergleich – als er in Deutschland war, weil er durchschaut, welches Danaergeschenk die Alliierten dem Land gemacht hatten, als sie es 1943 zum „ersten Opfer“ der Nazis erklärten.

Warum rege ich mich so auf? Es kann ja wieder noch einmal gut gehen? Die beiden großen Volksparteien (dass ich nicht lache: Kräwägerln sind die, schaffen noch nicht einmal eine Wahlempfehlung für VDB, man könnt es ja einmal mit der FPÖ versuchen, denkt da manch einer), die beiden Volksparteien also sind schwindsüchtig unerheblich, lass sie regieren, herrschen tun längst andere. Bin ich doch ein Patriot? Nein, aber ein Österreicher, dem das Haben keiner nationalen, schon gar ethnischen Identität den Vorsprung eines Kosmopolitismus verschafft hat, auf den sich ein Teil des guten Lebens aufbauen lässt, in Wien oder Berlin. Natürlich rege ich mich auf, auch weil die Rechten in Österreich sich nicht anders aufführen als die Orbans, Kaczinskys, Zemans, Ficos…und kommen sie doch irgendwie aus der gleichen Ursuppe, aus der auch Österreich kommt.

Lest, Leute, lest, lest Karl Kraus, Joseph Roth, Bernhard, Jelinek, Menasse, lest auch, was uns 1968 in Deutschland gefehlt hat. Lest Freud und Bachmann. Auch damit unterstützt man einen, der selbst anständig widerständig ist.

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