Post. Postismus. Postillion

Alles, was mit Post beginnt, ist zweifelhaft, von der deutschen Post über die Postmoderne und den Postillion bis zum POSTHUMANISMUS. Das ist eine intellektuelle und wissenschaftliche Be4wergung, die sich schon lange gegen die aufgeklärte Vorstellung von den Menschen als den Anführern der Geschichte für ihre Zukunft wendet und jetzt, angesichts des realen Endes unseres Lebens auf dieser Erde, philosophischen Auftrieb erhält. Es geht um einen Abstieg aus der Superiorität über alles und jedes, also der gesamten Natur, und den Versuch, sich mit allem in dieser Natur gleichzustellen. Für mich ist das nicht wirklich neues, das Peter Neumann in der ZEIT 18.8.2022, S. 45 da zusammenfasst, „Wenn wir erst weiche Wesen wären“, Pilze, Flechten, …, etwas schlecht verdeckte Ironie in einem instruktiven Artikel. Wogegen sich die PhilosophInnen des Posthumanismus wenden, weist Neumann zurück. „Der Mensch gehört zur Natur, aber er ist jederzeit mehr als nur Natur“. Nebbich. Aber wie sich das beweisen lässt angesichts unserer dominierenden Position, die nicht nur zu unserer, sondern vielleicht zur dauerhaften Verwundung der Erde führen kann?

Naja, ich bin kein Philosoph, und musste bei Harari auch lachen, der ein Szenario entworfen hatte, bei dem die IT die menschliche Intelligenz überholte. Und natürlich können die Theoretiker des Posthumanismus ja nur aus der Intelligenz der jetzt lebenden Menschen eine Vorstellung darüber entwickeln, wie wir ein „Zurück zur Natur“ bewerkstelligen, ohne die Einsichten in die Natur, der wir auch angehören, zu verlieren, also ohne Menschen zu sein.

Was mich aber schon lange fasziniert, habe ich in meinen Blogs schon öfter erwähnt: wenn wir am Ende der Evolution passiv der Erderwärmung und ihren Folgen, also der Unbewohnbarkeit der Erde – der Welt? – unterliegen, dann verfassen wir Szenarien, in denen wir beschreiben, was niemand mehr lesen, erleben und bedenken wird können, weil es die Menschen nicht mehr gibt, auch nicht den philosophischen Singular „Der Mensch“. Die Menschen = Uns. Das habe ich im letzten Blog zur Harpman, Haushofer, Streeruwitz ja ausgeführt. Ich füge dem hinzu, dass das kein Gedankenspiel ist, sondern schon melancholisch macht, für keine künftige Leserschaft oder Audienz zu arbeiten, und also nicht vergessen zu werden, sondern einfach im NICHT zu verschwinden, und dann ist es egal, ob einzelne Moleküle von uns oder vom Schimmelpilz in die Ewigkeit hineindauern, sie merken keinen Unterschied.

Ganz aktuell bedrückt mich, wie jetzt, schon ist fast alles zu spät, eine neue Form von Tierliebe, Naturnähe, Erdbezug unsere philosophische und religiöse Exzeptionalität – also die Ausnahmeposition – vor allem und allen anderen aushöhlt: wenn wir menschlich werden, obwohl es bald keine Menschen mehr gibt, ist es spannend, welche Spezies sich ohne uns weiter entfalten wird. Die Hoffnung wird nie eingelöst, aber sie beruhigt zum Abschied.

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