Jüdische Bibliothek

Da hat einer, Mendel Uminer, eine große jüdische Bibliothek, er liest die ganze Zeit, ein junger Gelehrter:

Alex Vadukul

By Alex Vadukul

July 9, 2026

For a young Jewish scholar and writer named Mendel Uminer, books are the wellspring of enlightenment. So when he scored a studio apartment a block away from Central Park on Manhattan’s Upper East Side a year ago, he brought his books with him — all 10,000 of them. What followed, at least for a little while, was a charmed existence in his 600-square-foot temple of knowledge.

Towering stacks of Judaica lined the walls, heaps of film criticism and opera history filled the prewar bathroom, piles of plays and poems blocked a window, and Uminer slept on a floor mattress engulfed in dog-eared novels. Waking up around noon, he spent his afternoons on his sunlit chaise, devouring the works of Yiddish writers like Chaim Grade and critics like Edmund Wilson, nourishing his mind while the city churned outside.

“I’m always reading,” Uminer, 31, said. “I’m reading to extract knowledge. Every book I own, I need. My library is my manual for life.”

He worked as a freelance Hebrew translator and used the apartment as the headquarters for his fledgling literary journal, Notarikon Review, hosting parties that gained a reputation among quarters of New York’s literary underclass. Striving writers drank beer among the teetering stacks while arguing over foreign affairs and Greek poetry….

Die Vermieter kritisieren diese Bibliothek: „“You are maintaining the Premises in a severely overcluttered condition; permitting the over-accumulation of books in the Premises; creating a fire hazard by over-accumulating combustible books in the Premises.”“

Die weitere Geschichte „Too many Books“ (NYT 10.7.2026) ist zwar spannend, aber mich fasziniert etwas anderes, berührt mich direkt: Jüdische Bildung durch lesen.

Es gibt nicht nur viele Bücher über Bibliotheken, über die Buchkunst, die Sammlungsvariationen, den Zusammenhang von AutorInnen und ihren Texten, die Lektorate, – das alles gibt es, verdoppelt durch den Blick auf die jüdische Geschichte im Text, mit Texten, das Wort verbindet nicht nur Gesellschaft mit Natur oder Gott oder Schicksal, sondern schafft auch eine Evolution, in der Judentum eine Rolle hat, die es hervorhebt, absondert, begünstigt…eine Rolle, die nicht unbedingt religiös geblieben ist, aber über Jahrhunderte religiös oder – religionskritisch war, nicht wirklich ironisch sage ich: wir lesen eben die Welt. Damit kommen auch alle anderen Künste ins Spiel, damit findet die Kritik ihren Grund ebenso wie das Dogma, und die Konflikte gehören dazu.

Nun kann man hier das Tor zur Bildung öffnen, aber mehr noch zur Aufklärung, was für die Geschichte der europäischen (und nicht nur europäischen) Monotheismen schon spannend ist. Nicht nur Texte vermitteln Humanität, aber sie halten sie fest, mehr als vieles andere. (Und bisweilen müssen sie zurücktreten, Musik und Kunstwerken den Vortritt lassen).

Die Zerstörung von Teilen des Judentums durch den ultra-orthodoxen, aufklärungsfeindlichen dogmatischen Politikstil – gegenwärtig, nicht vergangen – ist nicht nur mir peinlich, aber solange der Geist fliehen kann und keine Körper hinter sich lassen muss, zeigt sich schon Rettung. Schade, wieviel Bildung und Lesekunst bedroht ist, nicht nur in Israel natürlich.

Aber zurück zum Lesen, das ja das dauernde erneuerte Schreiben anregt (mehr als umgekehrt). Die Fortschrittsgeschichte der Menschen ist da nicht so schwieirg zu erklären. Jetzt interessiert mich mehr, warum nicht „bloß“ der Text, sondern auch sein Träger mich bindet, warum ich Bücher und Texte aufbewahre, die ich nicht nur einmal gelesen habe und nicht mehr lesen werde, die ich vielleicht registriert oder katalogisiert habe – anderes gebe ich leichter weg. Aber diese Texte verkrtöpern, weil ich sie gesammelt habe, auch ein Stück meiner Existenz. Ein Stück, bitte, nicht alles und nicht ganz. Und bei den Texten die ich, die wir, selbst geschrieben haben, ist die Brücke zu den VerlegerInnen, zum „Verlag“ von großer Bedeutung, sozusagen als Gegenüber zur Reaktion von LeserInnen auf die Texte. Da geht es nicht um einige übersehene Rechtschreibfehler oder Satzkrümmungen, da geht es um die Verdopplung des Textes durch die Kritik, die im Lektorat eingebunden ist, sozusagen als Freigabe. Das kann man historisch bis auf weit vor unserer Zeit verfolgen, und man kann es jetzt gegen die Feinde von Bildung und Lesen anwenden. Eine langdauernde Kunst.

Das alles schreibe ich jetzt nicht als Werbung. Umgekehrt, meine, unsere Verlage sind von dem Text, der „als Buch“, als „Aufsatz“ tatsächlich erscheint, nicht zu trennen (es sei, man sei sein eigener Verleger und Drucker, – nicht mein Anliegen). Und wenn ich einen Teil meiner Bibliothek „übertrage“ oder einer Institution, zB. einer jüdischen Institution widme, ist es immer mehr als nur eine Textsammlung.

Es gibt kein Ende…der Geschichte

Zu allen Zeiten verzweifelten Menschen an der Wirklichkeit der Politik. Sie bedachten das Ende der Geschichte als Mythos oder sehnten den Neubeginn im Jenseits herbei – jedenfalls für die Menschen, die an der Wirklichkeit dieses Erdenlebens wirklich litten. Das Ende von Freiheit ist heute nicht mehr so einfach. Wie Demokratien und wohlhabende Staaten aus den Diktaturen herauskommen, ist nicht trivial, und ob sie es schaffen, in mehr und nicht weniger Freiheit zu kommen, ist immer fragwürdig. Israel ist ein gutes Beispiel, weil manche in Deutschland die Gründung und Entwicklung des Staates mit der undemokratischen Regierung verwechseln. Dazu spielot auch die Presse eine Rolle, unabhängig von der Regierung und wenn möglich ein sachkundiger Berater der Realität gegen die Strategie der Diktatur.

„But so is ours: Haaretz will not cower. Instead, we will double down on our mission to report accurately and critically, serve our readers and safeguard free speech – no matter how many cinder blocks come our way.

A free press cannot be broken.“ (8.7.2026 Yishai Halper, Haaretz English Editor)

Jetzt bleibe ich aber nicht bei Israel, ich muss dieses Land mit seiner trumpoiden Regierung nicht herauspicken. Gerade ist der NATO Gipfel, rhetorisch geheuchelt, trumpophil und zugleich ironisch zu Ende gegangen. Kritisches Selbstbewusstsein wird nur in einem schmalen Sektor der Medien ausgeführt, aber – das ist wichtig in der Demokratie: Immerhin. So hat man das im Rundfunk zeitnah erfahren. „A free press cannot be broken“, das ist die Hoffnung der besseren Zeitalter.

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Dazu jetzt. Ihr erinnert euch, wie oft ich Ovids Zeitalter beschrieben habe, Golden und Silber ausführlich aber Ehern und Eisern knapp und deutlich in den Abläufen. (Ovid: die vier Zeitalter. In: Metamorphosen, 9-11, Leipzig 1986). Ehern ist die Gegenwart, solange sie „den schrecklichen Waffen geneigter, aber verbrecherisch nicht“ (Das sagt die NATO zu den USA und viele Europäser sagen es auch). „Hart ist das letzte, von Eisen. Jählings brachen herein von schlechterer Ader alle die Greuel; es entflohen die Schaum und die Treue und Wahrheit, Einzug hielten stattdessen Betrug und tückische Falschheit“. Das geht noch so weiter, und wir wissen, wen wir heute meinen können. (Das sind nicht nur Putin und Trump und Xi und Erdogan und …Meinen heißt auch bedeuten und nicht nur Meinung haben). Es deprimiert, wie sich die Pundits winden und wie wenig der Wahrspruch der Haaretz ernst genommen wird von der Macht. Bleiben unsere Diskurse und Dialoge, aber wir brauchen weiter Information.

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Die haben wir zum Beispiel in der Innenpolitik, aber beschränkt und beschädigt, und die Kontroverse darum, v.a. zwischen Schwarzrot und Grün, geht um mehr als Information. Dass unsere rechtslastige Bundesregierung Freiheiten einschränkt und Kultur wie Soziales reduziert, ist deas eine – das erträgt eine Demokratie, auch mit ihrer Opposition. Dass aber die Kultur und Information rechtlich und mehrheitlich eingezwängt wird, hindert nicht nur die Opposition, sondern auch die Auseinandersetzung, ohne die keine Bundesregierung dauernd regieren kann, außer eisern und ehern. Hier und überall.

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Scheinbar ist das alltagsgeebnet. In der Realität aber nicht. Und wie sich der rechte, neo-kapitalistische Regierungsflügel durchsetzt, habe ich gerade schon beschrieben, auch gestern. Aber heute darf nicht heute bleiben. Und man kann sich auf die Ehrenämter im Sozialen, Kulturellen, auch im Ökonomischen (Nahrung für Arme, 1,2 Millionen in Deutschland!) eher verlassen als auf diese Regierung. Das gibt Hoffnung, oder mit Ovid wenigstens Silber. Gold ist zu weit entfernt.

Aufschub durch Lächerlichkeit

Der Abstieg Europas ist natürlich nicht spontan, die Länder Afrikas, Asiens, Lateinamerikas strecken sich in die Zukunft, China hat schon gegen die USA gewonnen, wer weiß, wie lange, andere wachsen und stärken sich…Weltgeschichte war und ist kompliziert, die Vereinfachung ist nicht nur eine Schwäche, sondern ein Abweg aus der Wirklichkeit.

Das kann man genauer und im Detail nachprüfen, es gehört zur Grundbildung, zur Kultur, zum eigenen Beruf…mache ich hier nicht, aber: ich frage mich, wie die sub-minimale Politik der deutschen Regierung innerhalb der schwachen EU den Abstieg noch weiter garniert. Weil es keine Alternative gibt, zur Zeit, verachte oder verdamme ich diese Regierung nicht, deshalb trifft meine Kritik ihre Entscheidungen, nicht so sehr den Rahmen in dem Merz&Co handeln. Die absurde Vernachlässigung von Umwelt, Kultur und Sozialem durch das Programm des Wirtschaftswachstums lässt sich leicht widerlegen, auch durch Einzelaspekte wie Bevölkerungswachstum, Zuwachs an nicht-deutscher Einwanderung von Menschen, Asyl, Abschwächung der Kreativität, Sieg der großen und kleinen Lobbies etc. Weil das evident ist und keine kritische Erfindung von Minderheiten, mache ich hier nicht weiter, das könnt ihr überall – fast überall – belegen und belesen. Ich leide eher, oder fühle mich bedrängt, durch die Lächerlichkeit der Herrschaft auch dort, wo sie vernünftig agieren könnte, von den Menschen unterstützt, also nicht vom „Volk“ etc. Das ist ein Aufriss gesellschaftlicher Bildung. Nicht nur Sozialisation, nein, Bildung – nehmen wir den Begriff aus der deutschen Geschichte heraus, verallgemeinern wir ihn zur Aufklärung hin, also auch gegen Religion, Aberglauben, Schicksal und alle möglichen Weltzyklen, die immer nur die eigenen Schwächen der „Natur“ zuschreiben (das war nicht nur zu Beginn des 20. Jahrhunderts so…man kann auch Oswald Spengler oder Rudolf Steiner aufrufen, mit komplizierten, aber nie ungebildeten Sackgassen). Für mich bedeutet das, dass es nie aufhört, aufgeklärt die Wirklichkeit zu analysieren, und auch die gefährlichen Abgründe und nicht nur die aufgeklärte Erkenntnis wahrzunehmen. Dieses letzte Wort ist mir wichtig: was in der Geschichte, Politik, Kultur….„wahr“ sein kann, um zur Praxis zu leiten – das bedeutet schon, dass man sich selbst anstrengen muss und eben nicht die Algorithmen für einen selbst agieren lässt. Und, paradox?, mir fehlt das bei der bloßen Ansicht der Politik in unserem Land, auch anderswo. Was heißt, es fehlt? Dass ich nicht weiterkomme, Wahrnehmung ohne Ausgang. Kompliziert? Beispiel: die Politik, aber vor allem der Diskurs zum Telefonverbot der Krankmeldung und zur Verordnung des Praxisbesuchs…Man kann hier schon die Gründe für das jetzige Misstrauen aufzählen, aber leider tut man das nicht, und deshalb ist der Akt einer des Misstrauens und keiner der konkreten Kritik; er befestigt die Misstrauenskultur anstatt den wirklich krankleidenden Menschen zu vertrauen – und den MontagsFreitagsSonstigen Betrügern mit ablehnender Haltung zu begegnen. Karikatur von Teresa Habild in der SZ von heute. Nur eines von vielen Beispielen, die ja eigentlich darauf hinauslaufen, dass die Regierenden den Menschen der Gesellschaft grundsätzlich misstrauen. Darauf kann keine Demokratie stabil stehen. Und das hat auch mit Bildung zu tun.