Langsam werden die Tage kürzer, die Abende und Nächte länger, langsam, noch sind die Abende hell, und es ist heiß. Selbst schlichte Gemüther sehen die Höchsttemperaturen als Ergebnis des Klimawandels – natürlich nicht die 0,8 Bundesregierung, die gerne aufwärmt, damit man gar keine Klimapolitik mehr braucht, aber ich rede von ernsten Menschen, und habe ohnedies heute ein anderes Thema. Übrigens: Merz schwitzt angeblich nicht. Also zurück zum Sommer. Ich erinnere mich an die kurzen Wanderungen von der Wohnung zur Bootshütte, aus der konnte ich hinausschwimmen, der See war sehr kühl, und draußen war es sehr heiß, und die Tage wurden oft endlos, wenn wir neben der Bootshütte langsam älter wurden und sich die Haut dunkelte. Dass irgendwann der Herbst doch käme, zeichnete sich nicht einmal im Bewusstsein ab, jeder heiße Tag, bis zum erhofften Gewitter kurz vor derm Abendessen, zog sich ereignisarm dahin, was aber bedeutete, dass man über alles mögliche nachdenken und reden konnte, wenn man nicht schwamm oder langsam älter wurde. Es mussten diesen Tagen schon Ereignisse in die Quere kommen, dass sie anders abliefen (aus dem Gedächtnis haben sich Regenstunden und -wochen völlig absentiert, gab es einfach nicht). Warum ich das heute erinnere? 30° war schon heiß, der See war im Juli noch kühl, ich war jung. Ich denke an die Jahrzehnte, in denen ich immer weniger den Fakten, den Berichten und den Mythen der Klimaänderung ausweichen konnte, später wollte, und wenn ich heute zurückdenke, bin ich – ernsthaft, nicht ironisch – enttäuscht. Selbst Sommerhardware ist anders, wenn schon die Software so abgestiegen ist: keine Insekten, geht ja noch, keine Schmetterlinge, geht nicht mehr, keine spürbare Gewalt gegen die Verfechter der Pflanzenvergiftung, nicht nur Bayer als Vorreiter, … es ist Unsinn zu sagen, dass „alles schlechter“ geworden sei, auch wenn alles schlechter geworden ist, weil ja wirklich spannend ist, woran ich mich erinnere, und was ich schon meinen Enkelinnen vieles nicht mehr zeigen, sondern nur beschreiben kann. „Alles“ ist so unsinnig wie der Vergleich „schlechter“ oder eben „besser“… Das gab es früher natürlich auch, nur nicht umfassend, und ohne die absonderliche Gewissheit einer nicht umkehrbaren Klimazukunft. Was andere Verhaltensweisen und Diskurse bewegte als heute. Darüber kann man nachdenken, dichten, analysieren; sich fragen, ob die künstliche Intelligenz uns eine Fristverlängerung oder eher einen schnelleren Absturz gewähren wird, und warum die Politik und das Volk von Umwelt gleichermaßen nicht wissen wollen. Das ist das Argument gegen das „Volk“. Nicht gegen die Menschen. Aber wenn selbst Demokraten die Ökonomie der Politik und Ökologie als Triebfeder vorziehen, wird es gattungsmäßig mehr als peinlich. Demokraten haben wenigstens eine Zukunft, Faschisten können keine haben, weil ihre Gegenwart sie so anziehend für das Volk hat, dem keine Zukunft mehr wirklich vorscheint.
Nach einem langen Spaziergang zurück zum Sommer vor dem Herbst. Erinnerung überdeckt die unangenehme Wahrnehmung der gegenwärtigen Wirklichkeit. Der Sommer begünstigt beides, den schönen Anblick und die Erinnerung. Das Gewitter kommt plötzlich, Starkregen /Der Keller schwimmt wieder/ und geht schnell vorbei, immerhin hat das Wasser genützt, heute Morgen wieder heiß und trocken. Die Nachrichten sind ärgerlich (Iran/USA) oder deprimierend (Venezuela) oder neben der Sache. Der Sommer zieht weiter, und uns mit.