Bleibt das Judentum? Das Jüdische?

Seit langem forsche ich, und lerne ich die Differenz zwischen dem ethnischen und dem ethisch-kulturellen Judentum differenziert kennen. Es gibt da viele Facetten. Eine hat mich gestern aufgeschreckt:

So etwas lese ich häufig, ärgere mich über die doppelbödige DEUTSCHE Reaktion und viele Brücken nach Israel, nicht alle gut und richtig. Aber gestern hat mich meine Vergangenheit eingeholt:

DPA 28.3.2025

Mit einer Mahnwache soll an den Brandanschlag auf die Oldenburger Synagoge vor rund einem Jahr erinnert werden. «Wir wollen gemeinsam dafür einstehen, dass Menschen aller Religionen und Weltanschauungen hier bei uns in Frieden zusammenleben», meint Organisatorin Kathleen Renken. Der Arbeitskreis Religionen Oldenburg, die Kirchen und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Oldenburg laden um 19.30 Uhr zu der stillen Kundgebung an der alten Synagoge in der Petersstraße ein.

Ein junger Mann soll am 5. April 2024 einen Brandsatz gegen die Eingangstür der Oldenburger Synagoge geworfen haben. Zwei Hausmeister eines benachbarten Kulturzentrums entdeckten das Feuer und löschten die Flammen. Niemand wurde verletzt. Der Anschlag löste bundesweit Entsetzen aus. Die Polizei bildete nach dem Vorfall eine Ermittlungsgruppe unter Leitung des Staatsschutzes.

Nach der Ausstrahlung des Brandanschlags in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY … Ungelöst» nahmen die Ermittler Ende Januar einen Verdächtigen fest. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft legte der Mann aus dem Landkreis Vechta ein Geständnis ab. Er sitzt in Untersuchungshaft.“

Auf den ersten Blicken wie immer, wie überall. Immer meine Fragen: was haben vorherrschende Religionen mit Antisemitismus zu tun und was nicht, was isoliert die kriminellen Attacken in der Aufklärung und Strafverfolgung bei der Justiz, was berührt mich besonders, wenn es um das Allgemeine geht?

Das letztere ist wichtig. Das Allgemeine – klar gegen Ausländer, gegen Juden, gegen die „Anderen“. Was mich stört ist die doppelbödige Diskurswirklichkeit der Religionsgemeinschaften. Christlich-Jüdisch, Christlich-Jüdisch-Muslimisch etc. Drei konkurrierende Monotheismen und mit anderen Religionen, die sich seit langem nichts geschenkt hatten, haben, schenken. Und doch reflektieren sie nicht, wie die Religion die ethnische Realität – Antisemitismus der arabischen Welt, Antipalästinensismus der israelischen Regierung, islamisch-hinduistische Kontroversen in Asien, Vereinnahmung des Christentums durch die Faschisten um Trump etc. – unterwandert, untergräbt, an den Rand drückt.

Im Konkreten kenne ich die Synagoge in Oldenburg, die jüdische Gemeinde, ihre Entstehung, ihr Wachstum, ihre Praxis, seit 40 Jahren, die Rabbinerinnen, die Rabbiner, Ein- und Austritte, die Veränderung durch die osteuropäische Einwanderung, v.a. Juden aus der Ukraine und aus Russland, schon bevor die beiden getrennt waren…Und einerseits war es eine der am wenigsten kontroversen jüdischen Gemeinden in Deutschland, auch dank Sarah Schumann, Bea Wyler, Alina Traiger, mit einer interessanten Verbindung zur Universität Oldenburg und den dortigen Protestantinnen v.a. Andrea Strübind, aber andererseits ist das Judentum nicht durch Religion allein auch nur beschreibbar, erklärbar…

Was mit der Einwanderung in Deutschland geschehen ist, war und ist bislang weitgehend politisch richtig, kulturell, ideologisch und sozial aber weitgehend einseitig, teilweise falsch.

Auch wenn man den islamischen Antisemitismus erklären kann, versteht man ihn nicht und kann auch nicht gegen ihn vorgehen, wenn man sich die religiöse Engführung nicht kritisch vornimmt. Hier kann man empirisch und auch theoriegeleitet in die Details gehen, aber vom Allgemeinwissen sind die meisten weiter entfernt als selbst in ihrer religiösen Grundkenntnis.

Mich schmerzt das Oldenburger Ereignis, aber mehr noch die Tatsache, dass die Diskurse um die antisemitische/antijüdische/anti-israelische Wirklichkeit zu sehr an religiöse Wahrheiten und Tabus gebunden sind. Augen auf, kann ich da nur sagen.

Oldenburg macht mich retrospektiv etwas betroffen. Ich bin ja nicht mehr dort, Sara Ruth Schumann ist schon lange tot, Alina Treiger ist in Hamburg, die Gemeinde hat sich gewandelt (ich kenne sie genau genommen kaum mehr, und ich kann auch nicht russisch/ukrainisch). Generell betroffen macht mich die zähe, fast endlose Schleife des spezifisch deutschen Antisemitismus.

Verzeiht die Analogie: so wie die Demokratien heute gewaltsam unter Druck stehen, als Demokratien, nicht als Wirtschafts- und Militärmächte, so steht das Judentum unter Druck, als Verbindung ethnischer und religiöser jüdischer Entwicklung nicht nur über die Zeiten hinweg, auch ganz und gar gegenwärtig. Wenn wir uns nicht weiter entwickeln, verschwinden wir.

P.S. werte LeserInnen, wer hierzu in Dialog treten will, ist besonders willkommen. Ich mag hier den persönlichen Dialog lieber als den institutionellen

Vor Ostern kein Western?

Natürlich liefern sich die künftigen Koalitionspartner keine Duelle, aber mögen tun sie sich auch nicht. Und bis auf einige antisoziale Gemeinsamkeiten wissen sie wahrscheinlich noch nicht, worüber sie sich wirklich einig sein müssen, Das ändert nichts daran, dass wir ihnen Einsicht, schnelles Lernen und Erfolg wünschen müssen, während sich die Wolken kommender Weltkrisen türmen und der Horizont politisch zwischen blutrot und grau glitzert.

Es kann sein, dass die Handlungen des amerikanischen Diktators und die des russischen Diktators sich auf eine Zerlegung, auf ein politisches und ökonomisches Zerreiben Europas hinauslaufen, und zwar bald. Nicht nur, was die Autozölle betrifft. Wenn man die menschenrechtlichen Grausamkeiten beider Tyranneien anschaut, holen die USA schnell auf. Auch was den Zynismus betrifft, mit dem die neuen InnenpolitikerInnen deutlich machen, dass Innen und Außen keine getrennten Sphären mehr sind. Aber damit befasse ich mich nur insoweit, als es mir um EUROPA geht, und da sind einigende Anstrengungen zwar zu begrüßen, aber viel zu wenig, zu langsam, zuviel mit Scholzischem Zaudern verbunden. Wenn ich an Europa denke, gehts mir weniger um die richtigen Zollantworten gegen die Amerikaner. Wie soll sich denn Europa zusammenraufen, als Macht, als Wirklichkeit, als Option…Leute, das sind ja WIR.

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Die einzige Chance ist, sich von der Verbindung der Nationalismen zu lösen und eine Art von machtvoller Verbundenheit zu entwickeln, zu erproben, die dem vereinten Europa noch immer weitgehend – nicht ganz – fehlt. Nehmen wir die Chance nicht wahr, werden wir politisch und wirtschaftlich halb-kolonisiert und abgeschoben. Natürlich wurde das nach den beiden Weltkriegen auch schon so diskutiert und ist auch vielen EuropolitikerInnen nicht fremd, aber…aber dann drücken doch die Nationalismen und die Lobbies (jetzt einmal PKWs…vor kurzem noch Stahl…davor Pharma…davor und immer Agrar…und immer die Börsen….) den guten Absichten Muttermal auf die Haut.

Trump und sein untergebenes Pack demonstrieren uns einen schlechten Western, der aber in etlichen Serien und Einzelvorstellungen durchaus Erfolge feiert. Die Loslösung vom Western ist teilweise eine auch vom Westen. Das tut weh, wie eine Bandage, die man bei geheilten Wunden abnimmt. Der Westen, das waren schon vor allem die USA, haben unserer Generation (1938-1950) viele Facetten von Kultur gegeben, die den bloßen wirtschaftlichen Support weit übertroffen haben. Aber die Wirkung hat die berechtigten und später unrechte Dankbarkeit weit überbaut. Aber die Loslösung vom Überich zum Ich, zum Wir der demokratischen, „neuen“ Europäer ist jetzt an der Zeit. Nichts wird geschenkt, aber wir gehören so wenig zum Trumpschen Westen wie Grönland dazugehört. Deshalb sollte man den Trumpisten und ihrem Diktator nirgendwo hineinkriechen, ihn nicht dauernd zitieren und schon gar nicht Brücken bauen, die ihn irgendwie besser machen als seinen Freund Putin. Die US Justiz kann uns teilweise helfen, aber das Trumpsche Environment nicht. Die Schmerzen haben wir uns nurm teilweise selbst eingebrockt, es wird ja wirklich alles schlechter. Aber das müssen wir durchleben.

Frühlingsdiktaturen blühen auf

Im Prater blühn wieder die Bäume…der Frühling ist wieder in Wien.

Dem Imperator blühn wieder die Bäume, der Frühling zieht sich dahin…

So einen schlechten Vers mache ich absichtlich, nicht um euch zu ärgern, sondern um meinen Ärger einzugrenzen. Wir – das Volk, die Leute – brauchen ja nicht auf alles zu reagieren, was den Alltag und die nahe Zukunft gefährdet, wir wollen das gar nicht, aber mal ehrlich: hält man das aus? Erdögan blüht auf – Europa ist von ihm abhängig, also schweigt man. Die faschistoide Dilettantentruppe unter Trump macht uns verächtlich, also regt sich in unserer Regierung niemand wirklich auf. Die meisten Regierungschefs schmeicheln Trump, aber sie haben nichts in der Hand, ihm zu drohen. Er ist eben nicht ganz so arg wie Putin, und letztlich noch im Westen…

Schaut in den Frühling hinaus, lasst die Politik, die ohnedies keine ist, sondern nur politischer Diskurs und Rhetorik. Die Märzenbecher kommen schon und die ersten Leberblümchen und Veilchen. Wenn man die Hügel im Wald bei Berlin besteigt, sieht man das Grün aus den Zweigen sprießen, und Grün ist bekanntlich besser als Braun, sagt nicht nur die Politik. Man geht durch den Frühlingswald, und die wirkliche Welt, mit ihrer Politik und Unpolitik, scheint nicht einfach weit weg zu sein, sondern gar nicht. Man hat das Gefühl, dass viele schon länger in diesem Zustand sind, weil ja der Abstieg vom goldenen zum silbernen, vom bronzenen zum steinernen Zeitalter keinen Weg zurück nach oben erlaubt. Da geht man lieber in den Wald, die Gegenwart ist (wie) ein Rückblick: so schön hätte es sein können. Unsinn, ist es. Der Schrecken hat es nicht nötig, seine Umgebung einzufärben, einzustimmen. Es bleibt alles ganz schön schön, ganz erfreulich. Da die meisten diese Periode nicht überleben, ist es egal, ob es im nächsten Jahr, in den nächsten Jahrzehnten auch noch „so schön“ ist. Man geht weiter, schaut sich die Blumen an und das frische Grün zwischen den alten Blättern, und mag nicht zu glauben, was man weiß. Der Clou: Das war schon immer so.

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Auch unter schrecklichen Umständen, bei denen es um Überleben, körperliche und geistige Sicherheit und Unversehrtheit geht, aber auch unter geringeren Verzerrungen der gewünschten Lebenspraxis, hat es immer Formen von Widerstand gegeben, die nicht gleich in Kampf und Martyrium mündeten. Das war nicht privater „Rückzug“ oder Sich-Verbergen. Für fast alle waren es individuelle Entscheidungen, die Resilienz und das Überstehen der schlechten Zeit zu betreiben – nicht aus übergeordneter Ethik oder Religion, sondern einfach um weiter zu leben, zu überleben, – jeder Mensch lebt ja nur einmal.

Was hat das mit den ersten Absätzen zu tun, die ich hier geschrieben habe? Ich denke doch: einiges. Denn wenn wir, gerade wenn wir den Schrecken der Wirklichkeit, der nur oben Trumputinxi heißt und weit ins wirkliche Leben hinunter wurzelt, überstehen wollen, sollten wir uns auch auf die Umstände im Vordergrund der Weltbühne konzentrieren, denn sie zeigen ja einen Zweck des Überlebens, zu leben. Nicht Ausweichratschlägen folgen, schon wahrnehmen, was wirklich ist, aber eben – das ist eine Einsicht – nicht nur. Dazu gehört der Alltag in einer Situation, in der man nicht sagen soll, das Schreckliche sei noch nicht eingetreten. „Nicht“ reicht, um dagegen anzugehen, anzuleben.

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Ich bin wieder im Frühling. Der hellgrüne Schleier über dem alten Braun, heute im Nebel, macht Hoffnung auf eine gute Periode erneuten Blühens und Wachsens, auch wenn wir die Angriffe auf die Natur kennen und wahrnehmen. Es ist kein Paradox, in Zeiten um sich greifender Kriege und Faschismen gerade auch der Ökologie einen Vorrang vor der Ökonomie einzuräumen (das ist meist immer auch praktisch), und das bringt uns die Politik richtig in das private Leben. (Leider ein pathetischer Satz, pardon: Aber diese Lebensart macht kräftiger im Widerstand gegen die sich ausbreitende Gewalt.

Nach dem goldenen und dem silbernen Zeitalter verbindet Ovid das eherne und das eiserne Zeitalter, wie oft dritte und vierte Sätze bei Symphonien zusammenkleben.

…es entflohen die Scham und Treue und Wahrheit, / Einzug hielten statt dessen Betrug und tückische Falschheit,/ Hinterlist auch und Gewalttätigkeit und verruchte Besitzgier… (Metamorphosen, (129-131)

Ach ja. Eine Umkehrung der Zeitalter gibt es nur in der Hoffnung, die Politik ändern zu können, dann muss man sie aber ändern wollen. Überlegt einmal unpathetisch ob „Überleben“ ausreicht, wenn man noch wirklich weiter leben möchte. Dazu aber muss man vielen Menschen helfen, zu überleben. Das ist Politik, nicht Glauben oder Meinung.

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Mir fällt auf, dass es am Rand der Aufmerksamkeit eine gewisse Abgestumpftheit gegenüber den dauernden Tagesereignissen, der „schlechten Unendlichkeit“ a la Hegel, gibt. Das ist ein Hinweis auf die Nähe und Gefährlichkeit dieser Zusammenballung von Ereignissen. Auch ein Hinweis, wovon wir uns lossagen sollten, bevor wir in den Strudel gerissen werden. Wenn ich durch Wald gehe, halte ich schon lange keine Monologansprachen in einem politischen Umfeld, das ich mir ausdenke. Schade, eigentlich. Statt dessen schaue ich mir die verschwindende Natur genauer an als früher, will mich später besser erinnern. Manches ist verschwunden: Insekten, Schmetterlinge usw. Sind die vielen Wildschweine ein gerechter Ersatz? Oder die amerikanische Wildkirsche, die im Park alle anderen jungen Bäume erstickt? Das geht zeitgleich mit der Politik, so gut sind wir noch…

Sonnenuntergang

Nach vielen wolkenlosen Tagen fahre ich zurück nach Hause, schon bei der Abfahrt von Wolken begleitet, und auch hier ist der Himmel nicht mehr eintönig blau. Kein Thema für mich, ich kann bei jedem Wetter, und immer spielt die hoffnungslose Austrocknung meiner befreundeten Parks und Wiesen eine Rolle. Muss euch nicht interessieren. Aber es hat sich schon etwas geändert: der Sonnenuntergang ist vielfarbiger, dramatischer, wie auf der Bühne…schön so. Mein heutiger Post sollte eigentlich ein Kalauer sein:

So `nen Untergang…

Das geht mir jeden Tag durch den Kopf, wenn ich die Nachrichten höre und lese, wenn ich mit Bekannten diskutieren soll, obwohl es dazu ja mehr als einer Meinung bedarf. Die habe ich vielfach. Aber was nützen die Meinungen, wenn es keine Adressaten gibt, auf die sie einwirken oder gar Veränderungen mit sich bringen. Wenn wir alle diese Einseitigkeiten, Meinungsverbreitungen wie Pfeilabschüsse, ohne Ziel, für einen Augenblick verdecken, so `ne Finsternis, dann bleiben wenige politische Aussagen zurück. Eine Einsicht, sozusagen eine negative Bestätigung, dass die sich ausbreitenden rechten Mehrheiten real existieren: viel Unterstützen Trump, in der Ukraine, bei den Abschiebungen, bei den Rechtsverletzungen, bei der Misshandlung von Kultur und Geist. Aus mancher liberalen Ecke bekomme ich für solche Beobachtung zu hören: Das sei eben die Folge von der linkselitären intellektuellen Hybris, es denen schon zu zeigen, wo es hingehen soll. Und was soll man, soll ich, dazu sagen? Wozu?

Es gibt Kritik an meinen Aussagen, vom beginnenden dritten Weltkrieg und vom globalen Faschismus. Wenig Kritik, gut so. Und auch nicht an der Vergleichsaktion Trump-Hitler <–> Putin-Stalin hat es bisher keine Kritik gegeben. Das heißt nicht, dass alles SO stimmt, aber es stimmt soweit.. Und was bedeutet das? Auch darum geht es mir, dass die bloße Absonderung von Meinungen bisweilen die schlechte Situation noch verschlechtert – wenn man in der eigenen Meinung einen Rückzugsort vor der Tatsache sucht, dass man an der grausigen Wirklichkeit nichts ändern kann, schon gar nicht durch seine Meinung. Es ist ja grausig, dass wir Trump und Putin und ihre faschistischen und tyrannischen Untergebenen nicht einfach „so“ bekämpfen können. (Ist ja gut, so werden wir wenigstens keine Opfer oder Märtyrer, Aber Vorsicht: manche, die sich vorwagen, sind es bereits…und zwar wirklich und nicht nur in der Erzählung dessen, was sein könnte.)

Schon vor dem Sonnenuntergang denkt man an die Dunkelheit, die danach kommt. Darum geht es mir schon: es kommt diese Dunkelheit, genau weiß man das nicht, aber sie kommt: als faschistische Herrschaft, als soziale Abwärtsbewegung, als Einschränkung von Freiheiten, und immer als Begleiterscheinung eines Kriegs, den es schon gibt, nicht weit entfernt, auch wenn er global gerade andere Schwerpunkte hat, und doch herkommen kann.

DIE KEHRTWENDE

Wenn das richtig ist, was tun wir dann, jetzt und wie?

Das Paradox hat auch etwas Gutes: weil das bloße Anreden gegen den Faschismus und die Diktaturen und ihre Unterläufigen nicht reicht, oft versäumte Praxis bedeutet, müssen wir handeln. Auch angesichts der Bedrohung, auch angesichts der wirklichen Unterdrückung (fragt die UkrainerInnen in eurer Umgebung), auch angesichts fehlender Adressaten für demokratische Kompromisse – kann man doch etwas tun: HIER & JETZT Demokratie wirklich weiter leben. Doch, das können wir. Nicht so tun als ob, sondern wirklich tun. Wirklichkeit schlägt oft die Wahrheiten. Allein im Umgang mit den mehr als 25% nicht-Deutschen haben wir noch genug zu tun, „Luft nach oben“; allein mit unserer kritischen Fortbildung, um zu wissen, wer uns wie versucht abzulenken; allein mit unserer politischen und intellektuellen Unterstützung demokratischer Parteien. Und da müssen Nebenwidersprüche ausgehalten werden. Ausnahmsweise „müssen“, nicht bloß „sollen“. Das heißt auch, bestimmte Bildung nachzuholen und zu erneuern. Und wenn die dunkle Wirklichkeit auf uns zurollt, immer daran denken, was ihre Gewalt uns ohnedies antun kann, wenn wir uns nicht vorbereiten und uns zu wehren lernen.

Das ist nicht Aufrüstung oder dagegen Verhandeln. Das sind Selbstbewusstsein, Empathie, Handeln, wo Aus- und Aufrufe wenig Sinn machen. Wir sind die Frösche im Milchglas…naja, es gibt bessere Metaphern.

Wann, wenn nicht jetzt?

Hoffentlich bekommen wir eine gute neue Bundesregierung und eine erfolgreiche Opposition. Wer keine Hoffnung dazu hat, Wer sich ein Scheitern wünscht, erwartet ein Desaster oder den Aufstieg der Faschisten. Also erhoffen wir ein Kompromissregime und wenden uns von der Politik ab und dem Alltag zu.

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Ich muss HIER nicht begründen, warum ich die GRÜNE Verhandlungsposition richtig finde. Es wird schon klappen mit dem Verteidigungshaushalt. Mit dem zivilen Investitionspaket wird es schwierig, weil Unsinn wie die Mütterrente da nicht hineingehört und UMWELT UND SOZIALES viel stärker befestigt werden müssen. Aber – siehe oben – das wird schon gehen. Wenn der Merz nur echte Menschen mit echter Regierungserfahrung als Stütze hat und nicht den eifersüchtigen Söder als Klotz an der Politik. Also, was ist Alltag?

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Gar nicht so einfach, weil er natürlich auch längst in das kapitalistische Konsumschema eingearbeitet wurde, und dennoch: der Zugriff der Superreichen und Betrüger ist zwar umfassend, aber angreifbar, kritisierbar. Ich mache einen wichtigen Umweg: über eine Rezension eines mir wichtigen Kapitels bei Eva Illouz. Ich schätze sie immer schon, eine Psychosoziologin von Format, israelisch-französisch und der Soziopsychologie zugetan. https://de.wikipedia.org/wiki/Eva_Illouz (13.8.2025). In ihrem neuen Buch Explosive Moderne“ geht sie auf gegenwärtige komplexe Gefühlsgefahren ein – sehr empirisch, gut belegt, oft kontrovers, mir jedenfalls hilfreich. (Eva Illouz: Explosive Moderne. Berlin 2024, Suhrkamp)Es geht um Angst, Enttäuschung, Wut und alles weitere Mögliche, das immer mehr vom Kapitalismus (genauer von seinem Konsumimperium) vereinnahmt wird. Mich beeindruckt besonders das Kapitel über den Neid, bevor es an die Demokratie und den Nationalismus geht: S. 105-143.

Da kann man viel wissenschaftliches und auch literarische Geflecht zusammentragen, aber Illouz gelingt es, mit Rückgriffen auf Bourdieu und Adorno) gut lesbar die vielen Varianten des niemals erfüllbaren Konsum?traums?rausches?fluchs? im Abschnitt: Neid: das stumme Gefühl darzustellen. Ich bringe das hier zum heutigen Thema unter anderem, weil die künftige rot-schwarze Regierung unter anderem die scheinbaren Bedürfnisse ihrer jeweiligen Klientel durch ein Megaschuldenprojekt befriedigen möchte, aber zu wenig um die Struktur sich kümmert – man kann schon vom multizentrischen Neid der Koalitionäre sprechen, die so einfache Dinge, wie den unabdingbaren Abstimmungspartner, die Grünen, nicht einbezogen zu haben; auch geht es um den Neid von Söder gegen Merz, auch geht es um den Neid des großen Kapitals gegen das mittlere, und der Reichen gegen die Wohlhabenden, natürlich zu lasten der abgehängten ärmeren Segmente. (Dass Merz denen gegenüber neidig ist, die regieren können, ist eine sekundäre Allee, wer wer, vielleicht lernt er?). Die seit der Entwicklung der menschlichen Gattung präsente Beziehung von und durch Neid ist insofern interessant, als sie bei den scheinbar politisierten Gefühlen gar nicht so im Vordergrund steht wie Angst, Abwehr, aber auch Hoffnung und Vertrauen. Aber Neidbeziehungen sind irgendwie so umfassend, dass sie konsumorientierten Kapitalismus der Mitte, nicht der ganz armen und der ganz reichen Ränder, am besten dominiert. Und darum gehts mir, wann, wenn nicht jetzt?

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Es ist nicht klar, ob Deutschland eine funktionsfähige Regierung bekommt, die innenpolitisch, außenpolitisch und langfristig so agiert, dass man ihr vertraut und dass die Bürgerinnen und Bürger mit dem wichtigen europäischen Staat kooperativ und vertrauensvoll zusammenleben und -arbeiten. Da müssen schon viele Bedingungen kurzfristig und effektiv erfüllt werden – wie gesagt, wir dürfen hoffen, aber auch nicht mehr. Im Kompromissregime sind wir Bürgerinnen und Bürger mehr als früher, fast zu spät, gefragt, nicht nur mehr zu tun – dazu muss man ja auch mehr denken – sondern auch Dinge selbst in unserem Alltag zu ändern und uns nicht von neiderfüllenden Lobbyisten z.B. der Autoindustrie, der Kernenergie, der Pharma etc. und von den menschenverachtenden Abschottungsversuchen gegen Bürgerbewegungen und Zivilgesellschaft abdrängen lassen. Das setzt Konfliktfähigkeit voraus, die wir zum Teil nicht genügend haben…noch nicht?

Wann, wenn nicht jetzt. Für die einen ist Fastenzeit, für die anderen Frühling, für die meisten Hoffnung, mit wenig Zuversicht. Man kann das gesellschaftliche Politisierung nennen. Oder aber auch Aktvierung des Alltags gegenüber der, bis gegen die Politik. Es geht um unsere alltägliche Wirklichkeit, auf deren Boden wir gegen alle möglichen Versprechungen, fake news und Wahrheiten angehen müssen. Darüber können wir nicht nur nachdenken, wir können auch handeln.

Keine Adjektive für die Diktatoren, bitte.

Was auch immer Trump und Putin sind, die Kennzeichnung durch Eigenschaftswörter sollte unterbleiben. Jedes einzelne Adjektiv schafft eine Reihung mit anderen Beschreibungen und zerfleddert das Ganze, das den Diktator ausmacht.

Sagt nur, meine Sorgen möchtet ihr haben. Da beide Diktatoren jeden Tag Kultur, Menschlichkeit und Wohlstand zerstören, verlockt ihre Kennzeichnung zu jeweiligen Einseitigkeiten, davon bleiben einige hängen, u.a. bei größeren beschädigten Gruppen, andere treten in den Hintergrund oder werden marginalisiert. Ich weiß, das ist nicht immer durchzuhalten, aber man sollte es ernsthaft so machen. Die Beschreibung von Herrschern – der schöne König, die kluge Gräfin, der nette Fürst etc. – hat sich über lange Zeit fest- und durchgesetzt. Aber bei den Diktatoren musste man immer schon aufpassen. Georg Kreisler gibt da einen Rat:

Den Max darfst du nur loben, weiter nichts!
Denn unser Max bleibt unser Max!
Zwar, wer was sagen will, na der sag’s
Jedoch nur Gutes, denn ansonsten sieh dich vor!
Auch wenn Max dumm ist oder schlecht
Der Max bleibt Max, drum hat er recht
Und wer einen Witz macht, der hat keinen Humor!

(https://genius.com/Georg-kreisler-max-lyrics)

Und ich gehe weiter, auch gute Adjektive sind bei den Diktatoren gefährlich.

*

Keine Grammatikstunde bitte; wenn ich sage, dass Adverbien angebracht sind, kann man das unschwer interpretieren, was Diktatoren tun und wie sie es machen, dient zur Erklärung und zum Verständnis.

Gerade heute haben wir im Detail erfahren, wie Trump mit einigen Erlassen praktisch die gesamte US Wissenschaft und Universitätslandschaft und viele Studierende ruiniert. Das ist natürlich für die USA schlecht und für die Welt auch angesichts der Vernetzung und Kooperation, aber vielleicht für uns nicht so dramatisch schlimm. Der Hass auf die Wissenschaft, auf das rationale und kritische Denken hat fast schon religiöse Züge. Er ist schon früh bei der Vorbereitung der zweiten Amtszeit entstanden – und die Wissenschaft, die Demokraten, die Gebildeten haben da zugeschaut, weil sie es nicht wirklich fassen konnten. Die Wiederherstellung einher Diktatur wurde ein paar Jahre lang vorbereitet und in wenigen Tagen durchgeführt. Das kann auch im faschistischen Vorfeld in Europa, bei uns, angestrebt werden, noch von einer Minderheit in einigen EU Ländern, von einer Mehrheit in anderen.

Versteht ihr jetzt, warum ich Diktatoren von allen Adjektiven freihalten will. Was sie sind, ist was scheinen, was sie tun, ist wirklich. leider.

DRITTER WELTKRIEG #2 Ost-West

Ich bin ja nicht allein. Das Thema gehört mir nicht allein, und nachhören könnt ihre das bei DLF 10.00-11.30 heute 10.3. und in den Medien, NYT, BBC etc.

Ostwest ist was?

    Manche meinen / lechts und rinks / kann man nicht velwechsern / werch ein llltum (Ernst Jandl)

    Kann man das auch für Ost und West so entkernen?

    Mein erster Essay wurde einerseits kritisiert, weil der WELTkrieg bedeutet, dass die ganze Welt zusammenhängend an EINEM Krieg beteiligt ist, und zB. der Kongo nichts mit der Antarktis zu tun hat. Andererseits wurde ich bestärkt darin, dass die drei NUKLEARgroßmächte die Kriege – ALLE – zwischen einander aufteilen und führen. Ich bleibe bei meinem Begriff, aber mir bleibt auch der Einwand. Was kausal und direkt, was indirekt und was scheinbar zufällig sich ordnet und ereignet, kann man oft nicht trennen.

    „Eigentlich“ möchte ich in den Ost-West Diskurs nicht einsteigen, ganze Bibliotheken sind voll davon. Aber fast täglich wird in der konfliktreichen Auseinandersetzung mit den USA oder mit der Anbiederung, die eine Unterwerfung ist, der „Westen“ dauernd zitiert. Und „eigentlich“ habe ich in „“ gesetzt, weil meine Sozialisation schon die Ost-West Situation aus Wiener Sicht ganz anders dargestellt hatte als ich später in Deutschland erfahren sollte. Ohne es zu wollen, hat sich als erstes heute aufgedrängt: „Vor grauen Jahren lebt’ ein Mann in Osten, der einen Ring von unschätzbarem Wert aus lieber Hand besaß….“ (Lessing, kennt jeder), warum im Osten? und ich erspare euch eine fast lebenslange Auseinandersetzung mit Ost und West, die mich beruflich und vor allem kulturell beschäftigt hat hat. Nur ein Hinweis: Die Kirchenspaltung kam nicht direkt mit der Reichsteilung 395 nC, , sondern erst das Schisma 1054, mit gewaltigen Folgen. Und all das hatte Einfluss auf unsere Kulturerziehung und dafür, was aus dem Osten kam und was zum Westen gehörte. Passt nicht hierher? Falsch. Ich erinnere genau, dass die Begriffe mit der Verteidigung der USA gegen linke und natürlich rechte Angriffe in Bezug auf unseren kulturellen Aufwuchs (mehr noch als auf die Verteidigung gegen den Kommunismus, den „Osten“, ganz wichtig war. Vgl. dazu Vorgänge, 39. Jg, Heft1, März 2000 „Linker Antiamerikanismus“, wobei schon damals auch die Neue Rechte in den Blick geriet, nicht nur die unterschiedlichen Linken. Ich war damals schon stark mitbeteiligt („Eliten, Gemeinschaften, Aggressionen“ Über die US Spitzenunis, S.11-18 in diesem Heft). Für mich war „Westen“ lange Zeit der unverzichtbare Import von fast aller Sozialisation, nicht nur Jazz und Monroe und…TROTZDEM war Österreich in dieser Hinsicht, ist es teilweise bis heute, von Deutschland unterschieden, weil sowohl der Westen pejorative und der Osten positive historische und Struktur-Einflüsse hatte. Meinen ersten, spontanen Aufsatz zur deutschen Wiedervereinigung würde ich heute etwas anders schreiben, aber vieles stimmt: „Was mich angeht, was mich ärgert“ in: Kogel-Schütte-Zimmermann: Neues Deutschland, Frankfurt 1993, S.42-44). Ich zitiere aus meinem Nachwort: „Es waren immer die deutschen Konservativen, die sich gegen die westdeutsche und amerikanische Zivilisation gewehrt haben, damit die Tiefe und Zerrissenheit der deutschen Kultur umso strahlender erschiene“ Das würde ich SO heute nicht mehr sagen, aber es ist historisch richtig. Nur Links-Rechts stimmt nicht mehr im Kontext, Elon Musk und die AfD, Trump und Putin…

    Ostwest hat vor deutschen Teilung und Vereinigung mehrere Rollen gespielt, es spielt auch anders wo eine Rolle, und immer anders als die aktuelle Nordsüd-Diskussion.

    Vorläufig rate ich davon ab, die Ost-West-Diskussion zu einem aktuellen Diskurs um Freiheit von Deutschland und Europa anwachsen zu lassen, wir müssen andere Koordinaten finden, nicht zuletzt neue Bedingungen für Frieden (was den Pazifismus erneuern und ändern heißt) und die Abwehr des europaweit, weltweit und lokal sich ausbreitenden Faschismus, was erneuerbare Elemente der Demokratie mehr als die bloße Kritik der Faschisten bedeutet.

    Trocken

    Manche lernen, dass trockene Witze oder Unterhaltungen einen besonderen Reiz haben, vor allem als Antworten auf schwülstige oder (tränen)feuchte Wortbeiträge. Wenn man wandert, ist trockenes Wetter auch meistens besser als von Anfang an Regen. Überhaupt, ein eher gutes Wort, nicht wahr? Ich zögere. Seit vielen Tagen gibt es trockenes Wetter, der Himmel blau, unter Tags ist es warm, viele Blumen sind schon sehr früh entfaltet, und so geht man gerne über die Flldflur und vor allem in den Wald, wo sich schon ein erstes Grün zeigt. „Romantisch“ – darauf muss man trocken antworten: ja, aber.

    So schön der Wald ist, so bedrückend nehmen wir die Bäume wahr, wenn wir genau hinschauen. Viele sind bereits vertrocknet, von anderen fallen Äste herunter, nicht ungefährlich, der Boden ist trocken. Mit anderen Worten: der Klimawandel im lokalen Detail ist nicht zu verdrängen, auch wenn es jetzt, im frühen Frühling noch nicht so augenfällig ist. Man muss da keine Witterungstheorie entwickeln oder kennen, es war zu warm, ist zu warm, und anderswo geht es noch schlechter, heißer zu. Was im übrigen auch Einfluss auf Flüchtlinge und Asylpolitik hat…Das steht nun nicht im Vordergrund der politischen Verhandlungen, auch nicht der Weltpolitik. Klima wird (wieder) eine Folge von Krieg und nicht empathischer Politik gegen die, die „man“ weniger schätzt. Also eine Politik von Männern, überwiegend weißen Männern, wie man am Frauentag zu Recht hört, aber nicht so laut. Diktatoren wie Putin oder Trump sind hier ganz offen. Aber nicht nur in der Geschlechterpolitik, in der Kunst, Literatur, und im Alltag wird das Klima verdrängt, als ob die Mülltrennung von Einzelnen die Welt retten könnte.

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    Was hat das Klima mit dem Geschlecht zu tun? Jedenfalls leiden die Frauen, die Minderheiten, die Behinderten und die Kinder und Alten mehr unter den Auswirkungen des sich verschlechternden Klimas, und sie haben weniger Macht und Instrumente, in die Klimapolitik einzugreifen. Was könnte also ein neues Regierungsprogramm hier ändern, verbessern?

    Ich bin skeptisch. Das ist kein populäres Thema und es erfordert viele und große Investitionen, die man ja nicht gegen die Verteidigung gegen Trump und Putin aufrechnen darf. Also, woher die Pläne und das Geld nehmen? Pläne und Begründungen gibt es genug. Jetzt kann man ohne Scheu wieder auf Schule und Bildung zeigen, wo schnell, sofort das Thema wirkungsmächtig vermittelt werden sollte. Fachleute dazu hätten wir genug.

    Ich gehe weiter unter trockenen Bäumen. Es gibt schon noch Hoffnung: Umweltpolitik, d.h. gerade nicht Verlagerung der Verantwortung NUR auf Einzelne. Also Politik, nicht Meinung und Ethik allein.

    Sonnentag, Diensttag, Frautag

    Ein alter Kalauer wird nicht besser, aber an einem WELTtag wie heute, WELTFRAUEN tag, sind Kalauer im Rabatt. Die Reaktion auf die Geschlechterfeindlichkeit der Diktatoren-Gemeinschaft Trump und Putin hat weniger Reaktionen hervorgerufen als erwartet, es geht ja auch ans Geld. Und schon folgen Wirtschaft und Politik, mal stärker, mal schwächer dem Trend, nicht nur mehr Gleichberechtigung, sondern auch LGBTQ+ zu reduzieren. So wie die EU die Umwelt dem Auto opfert, so opfern die Männer nicht nur real, auch symbolisch die Frauen und Nichtbinäre – schaut euch das erste Verhandlungsteam von CDUCSU an…

    Nicht mein Hauptthema, sondern basso continuo gesellschaftlicher Wahrnehmung. Das braucht man schon, um nicht an der Wirklichkeit vorbeizuschauen.

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    Aber zur Umwelt, die der Wirtschaft (oder der Religion) geopfert wird – Sacre du Printemps (schaut nach, das muss keine richtige Ideologie sein, aber aufrüttelnd) – es ist politisch zum aus der Haut fahren, aber auch real. Ich gehe mit dem Hund durch den Park: mit den vertrockneten Ästen unter den großen Bäumen kann man ein Jahr lang heizen. Schon ist es lange trocken und wird es weiter zur falschen Zeit sein, ähnlich wie zu später Regen. Ärgerlich, dass diese Erkenntnisse schon lange in die Freizeit eingedrungen sind, in die Sonnentage. Bei den Diensttagen ist natürlich die Umwelt noch mehr an den Rand gedrückt. Ich schreibe „natürlich“, weil es wenig Bewusstsein über die Umwelt bei der Arbeit gibt – obwohl da die Aufklärung schon sehr gut ist: was man an Gift einatmet, zum Beispiel, wenn man nur atmet. Ich bin dieser Erkenntnisse weniger müde als der schlechten Unendlichkeit der Tagespolitik, weil sie – im 3. Weltkrieg, wie ich sage – weil sie ja mit der Umweltzerstörung zu tun hat, die mich und uns überlebt (bei manchen Begräbnissen können wir hingegen noch dabei sein, die Hoffnung stirbt zuletzt). Aber Diensttag kann auch Dienst an der Umwelt mit meinen. Das ist deshalb hochpolitisch, weil es den Umgang an der Basis mit allen möglichen Menschen, Quartieren, sozialen Gruppen bedeutet (abstrakt lässt sich keine Politik machen), und dabei stößt man nicht nur auf Unwissenheit und Unwilligkeit, sondern auch auf politische Rahmen, die man eher gar nicht wahrhaben will und sich abwendet. Wer sagt denn, dass Grün nur Links ist? Und wenn die Rechte Grün ist, wie wendet man sich von Rechts ab und unterstützt Grün? Die Diskussion erlebe ich häufiger als mir selbst lieb ist, aber die gibts (Ironisch findet sie sich auch bei zunehmender Wolfsjagd und Schafsschutz, aber plötzlich wird das real). Es gibt in der Gesellschaft keine Brennpunkte wie in der Geometrie. Wenn die Rechten „richtigen“ Naturschutz machen, dann müssen wir über das Richtige im Falschen nachdenken. Und z.B. die Rechten nicht dort hervorheben und angreifen, wo es nicht um ihren Faschismus und ihre schlechte Politik geht (da gibt es tausende Beispiele dafür, was und warum man es an den Rechten kritisiert oder eher nicht kritisieren soll). Ich gebe zu, dass das wirklich sehr schwierig ist, auch im Nachdenken darüber. Aber wenn die Formel vom Richtigen im Falschen und wenn die Fehler im Richtigen keine bloßen Blasen sind, muss man sich dem schon widmen, weil man sonst an der gesellschaftlichen Basis nur mehr auf Unverständnis stößt, wenn man seine eigene Blase verlassen hat.

    Diese Rechts-Links-Diskussion ist wichtig, weil die Mitte kein Kompromissfeld ist, bestenfalls ein Vorfeld. Vor allem ist sie ein Beweis dafür, jedenfalls ein Hinweis, dass wir uns z.B. bei der Umwelt um unser Bewusstsein, um unsere Kritik, um unsere Kommunikation kümmern müssen, damit wir mit „anderen“, deutlich: auch mit Gegnern, nicht von Anfang an verstummen.

    Trotzdem lesen hören denken…Trotzig

    Ich verspotte die nicht, denen schlicht die Nachrichten und Berichte zuviel sind. Ich bedaure sie auch nicht, ich rufe sie nur auf, doch zu tun, was schwer erträglich ist. Ich selbst habe, gegen meine Gewohnheit, die Stunden reduziert, in denen ich die Nachrichten, „News“, Kommentare höre und lese. Aber ich kann nicht ohne aktuelle Einblicke, weil sonst die Trennung von Politik und Privatleben nicht funktioniert, beides in meinem Bewusstsein vertrocknet. Das klingt pädagogisch, ist aber politisch.

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    Im „Streiflicht“ vom 7.3.25 (SZ) wird die dauernde Fokussierung auf Trump allüberall kritisiert und verhöhnt. Dann ein Ratschlag: „So geht das nicht weiter. Wie wäre es, wenn Merz zum Start unserer neuen Bundesregierung gleich mal einen wöchentlichen trumpfreien Tag einführte?…Weder in den Medien noch sonst wo dürfte von Trump die Rede sein“. Sehr gut. Am Ende wird der Autor historisch: „Angeblich wollte Caligula sein Lieblingspferd zum Konsul ernennen. Ein Pferd als US-Präsident? Das hätte etwas Beruhigendes“.

    Ich halte mich heute dran, kümmere mich um den Überbau, Kunst und Erziehung. Ihr erinnert euch an meinen Blog, in dem ich die Normalisierung der AfD beschrieben und kritisiert hatte. Das geht jetzt alle Tage so vor sich, immer weiter. Fast heimtückisch objektiv beschreibt die Autorin Christine Lemke-Matwey in der ZEIT #10, 6.3.2025, den Cellisten Matthias Moosdorf, „Er spielt jetzt bei der AfD“, seit vielen Jahren in der AfD, seit 2021 im Bundestag. Natürlich ist sie nicht für die AfD, aber dass der Cellist sich als Querschädel begreift, entlastet ihn nicht als Faschist. Moosdorfs Büronachbar Klonowsky wird abschließend, abschätzig zitiert: „Wer sich allzu sehr feminisiert, ob Mann oder Land, sollte sich nicht wundern, wenn schließlich auch gefickt wird“. Naja, wenn das normal, in der Kultur außerhalb der Politik ist? Und normal für die AfD. Die Normalisierung passt zu einer juristischen Frage, ob man die AfD als „faschistisch“ bezeichnen darf. Man muss, solange man keinen anderen, noch richtigeren Begriff hat.

    Jetzt einmal ein ernst gemeinter, positiver Einschub. Anstatt vor dem Fernseher sitze ich in einer GRÜNEN Diskussion mit neuen Mitgliedern. Spannend, wie versucht wird, einzuführen oder sich zurecht zu finden. Schon gut, dass der Zuwachs vor und nach der Wahl alle Parteien hinter sich lässt. Bevor die Formalie die Runde austrocknen, platzt die Schutzhülle des Gesprächs zum Kennenlernen und eine intensive Diskussion beginnt, wie man denn, wie wir denn also, vor Ort, an der Basis, in der Stadt, in den Stadtteilen für die Partei werben könne(n), und wie man sich, wenn überhaupt, mit der AfD auseinandersetzen kann, soll, darf, muss…Ich gehe jetzt nicht in die Diskussion, sondern sage nur wie befreiend es ist, sich an diesen vier Verben abzuarbeiten. Nur, wenn wir uns um uns, unsere Politik, unsere Entwicklung, unsere Politik kümmern, können wir mit anderen Demokratien (Parteien u.a.) umgehen und auch mit der AfD kommunizieren, d.h. u.U. nachhaltig gegen sie. Und wenn dort Menschen ohne faschistoide Einstellung gelandet sind, kann es sein, dass man sie aus dem Block herausbricht, aber das ist vielleicht ein zu konkretes Ziel, zunächst geht es darum zu verstehen, was sie dorthin getrieben hat. Tja. Sehr ambivalent, deshalb lesenswert: Frauke Rostalkski vom Ethikrat, Professorin, schreibt „Eine Brandmauer löst keine Probleme“ (Spiegel #10, 1.3.2025): Eine Diskursverschließung vor der Wahl habe zum großen Erfolg der AfD beigetragen. Und die Resilienz gerade dadurch wachsen zu lassen, „uns nicht im Dämonisieren und Ausgrenzen derer zu verlieren, die eine andere Meinung haben als wir selbst„. Naja, wo ist da die Grenze? Es geht der Juristin also auch um die Normalisierung der AfD, irgendwie postmodern sind alle Meinungen auf einer Ebene des Diskurses. Das ist ambivalent, nicht falsch, nicht richtig, nur nicht normal.

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    Jetzt zum anderen aktuellen Thema. „Schaffen wir das? So nicht!“ (Martin Spiewak, ZEIT #10). Es geht um das deutsche Schulsystem, seit Jahrzehnten vernachlässigt und im Vergleich zu anderen zunehmend schlecht. Was besonders erschreckt ist die Missachtung und Erfolglosigkeit eingewanderter Kinder – was ihren schulischen Aufstieg und ihre Integration betrifft. „In Deutschland lebt mit 20 Prozent ein größerer Anteil Eingewanderter als in jeder anderen Industrienation“ – das wissen wir seit Jahren. Wenn jetzt die AfD auch noch die Wirtschaft, die Touristen und die Ausländer gleichermaßen verjagt, was bleibt dann? Jedenfalls nicht das „Deutsch“, das noch immer mit „Deutsch“ assoziiert wird…und wie stellen wir uns im Budget darauf ein? doch am besten mit dem Bildungsbudget, aber davon ist noch nicht die Rede zwischen Rüstung, Sozialem, Straße und IT. Wir sind, als viertgrößte weltweite Wirtschaftsmacht, mit die schlechteste Bildungsnation der Führungsmächte. Was man dazu sagt? Das ist es ja, durch die dauernde Verdrängung aus der Politik und in die Nischendiskussion haben die Menschen keine politisch wirksamen Begriffe, das Thema an der Wirklichkeit anzubinden.

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    Worüber und über wen ich NICHT schreibe ist klar. Langsam entsteht der Widerstand, sogar in den USA, und bei uns auch. Lernen und Widerstehen => Resilienz