Man schreibt immer immer über das Gleiche, sechs oder sieben Themen, die sich abwechseln, einmal in der Reihe, einmal durcheinander, und wer die Blogs regelmäßig liest, fragt sich, warum ich nicht mehr Variationen einbringe. Falsch. Es sind mehr Themen, viel mehr, aber sie laufen zusammen, das ist die Wirklichkeit, über die ich blogge…Aber wenn ich über Israel und Palästina und das Judentum schreibe, oder wenn ich Korruption und Fahrlässigkeit kritisiere, oder wenn es um Umwelt geht, dann ist auch für mich spannend, wie die kleinen und kleinsten Variationen der Interpretation sich darstellen, wenn die schlechte Unendlichkeit der dauernd, übermäßigen Wiederholung sich schon kaum mehr lesen lässt. Schlechte Unendlichkeit, das ist die Gegenwart der Menschen ohne Hoffnung, ohne Zukunft, manchmal der Faschisten, oft der oberflächlichen Dünnköpfe. Sich da heraus zu begeben, ist mühsam, und ehrlich: ich bin zunehmend erschöpft. Weil es nicht darum geht, dass mir zu Trump oder Putin oder zum Klima nicht noch etwas einfällt, sondern was es ist, das euch Leserinnen und Leser aufweckt, animiert oder bewegt.
Zu vielen dieser Statements gehört auch, dass ich, wenn sie das erste Mal als veröffentlichten Blog selbst lese, sofort weitere Gedanken, Veränderungen, auch Kritik und Verbesserungen andenke, und bisweilen auch eintrage, aber meist schon am nächsten Schritt, also Blog lande. Und da komme ich zu meiner Erschöpfung. Die langweilige dauernde wiederholte fast schon wiederholte Einsicht in weltpolitische oder lokale Wirklichkeiten, die ja immer mehr sind als Ereignisse, erschöpfen – und machen das Paradox der schöpferischen Weiterentwicklung. Einschließlich einmal längere Zeit über bestimmte Personen oder Ereignisse NICHTS zu schreiben, sollen sie noch so am Tagesablauf brennen: der Tagesablauf ist eben oft schlechte Unendlichkeit. Anders gesagt: was fällt mir zu Putin oder Trump oder Netanjahu oder zur Hamas noch ein? Dieses NOCH hält mich am Schreiben.
Ich habe das vor einiger Zeit in einem Buch versucht: – Flanieren im Mythos – Sexualität und Gewalt, edition splitter, Wien 2023, € 26,00 . Es verkauft sich nicht gut, weil man es nur beim Verlag und bei mir bekommt. Darum geht es jetzt nicht. Wichtiger ist, dass die Wahrnehmung der Wirklichkeit nicht journalistisch ist und nicht politisch, sondern intellektuell und persönlich reflektiert wird. Der Reflex führt zurück in die Kultur. (PS: Ihr könnt das Buch v.a. in Deutschland direkt bei mir bestellen, über die Buchhandlungen dauert es länger und ist teurer).
Ich denke, ihr könnt das jetzt im Sommer gut vertragen, dass ich erst in ein paar Tagen wieder zu den Ereignissen und Personen zurückkehre, denen ich durch meinen Blog ja Überleben sichere, ihre Vergänglichkeit etwas umbaue…
P.S. Nicht nur zur Politik: was soll ich heute zum herrlichen Sommerwetter, zum blauen Himmel, den Bienen auf meinem Balkon, der erträglichen Literatur noch schreiben? Mein Gewitter kommt schon wieder, keine Angst.