Arbeitsplatz Fetisch & Tabu I

Bedingungsloses Grundeinkommen, bedingtes Grundeinkommen bei gemeinnütziger Arbeit,  bessere Arbeitsbedingungen für die, die bereits Arbeit haben, kein Arbeitseinkommen für die, die keine Anstellung mehr bekommen, weil Arbeistplätze wegfallen, Abstand bei den Lebensbedingungen zwischen Arbeitsplatzbesitzern und Arbeitslosen, zwischen so genannten Deutschen und so genannten Ausländern, gar Flüchtlingen, Arbeitsverbot für die letzteren.

Die Diskurslandschaft ist vielfältig und breitet sich wie ein unübersichtliches zerklüftetes Land vor den Augen der Betrachter aus, die allesamt den Zustand der Arbeit in unserer Gesellschaft reflektieren, von den Problemen der Nicht-Arbeit aber wenig bis nicht betroffen sind.

Ich habe dies mehrfach WOHLSTANDSVERWAHRLOSUNG genannt und bin dafür geschoilten worden.

Ich weiß nicht sofort, warum mich diese Diskussionen so nerven, fast aggressiv machen. Sozialpolitik ist zentral für alle öffentliche, staatliche und auch private Politik, sie ist konstitutiv für unsere Gesellschaft; und wenn heute soviel vom Prekariat, von den Abgehängten, den Verlierern die Rede ist, dann kann einem die Spielart des Kapitalismus aggressiv machen, die zur Zeit erreichte Reformen gefährdet.

Philosophische, polit-ökonomische und kulturelle Rahmungen geben dem Begriff der Arbeit ein einatmend-erhabenes Gepräge. Das sei fern von diesem Blog. Ich denke mir, wir suchen etwas anderes: mit der veränderten Arbeit einen Bezug zum guten Leben, Grundlage jeder Ethik, und was das eine mit dem andern zu tun habe, wenn soviel schon vorgegeben ist.

Ein wenig Etymologie und Sprachgeschichte haben mich auf den Punkt meines gereizten Umgangs mit dem Thema gebracht:

„hard labour“ ist im Englischen Strafarbeit, Zwangsarbeit, „unfreie Arbeit“; Ergebnis eines Urteils. „Hard work“ ist schwere (körpelriche, oder geistige) Arbeit, immer kontextabhängig von der eigenen Konstitution und gesellschaftlichen Einbettung.

Was mich stört: Alle möglichen Interessengruppen knüpfen den deutschen Arbeitsbegriff recht willkürlich an die mit Arbeit verbundene Würde. Erhält der Mensch seine Würde wirklich durch die ihm auferlegte Strafe: Hard Labour ist die Strafe für Ada und Eva in Genesis 3. Die Würde kommt später…

Dass arbeiten zu unserem Leben gehört, kein Zweifel.  Dass sich zu reproduzieren, lebenswerte Umstände zu schaffen, angenehm, ja „gut“ zu leben, aufwändig ist, und oft unangenehmes „hard work“ ist, ebenfalls kein Zweifel. Im Kapitalismus und in der freien Lohnarbeit geht aber die Schere des Missvergnügens am Thema weit auf: die einen arbeiten, um zu überleben, und im Überleben steckt in der Tat die Menschenwürde. Die andern begnügen sich mit der Verantwortung dafür, dass die einen arbeiten, und ziehen daraus keine Würde, sondern schlicht Lebensumstände, die unmoralisch sind und zum Himmel stinken. Wer das nicht glaubt, soll einemal die Rechtfertigung für 10 mio € Jahreseinkommen des gerade gefeuerten VW Chefs Müller lesen, der ja wegen der Verantwortung soviel verdient…

Ich setze dem einen scheinbar naiven, aber sehr ernst gemeinten Ansatz entgegen, den ich in meine Evolutionskritik und Finis terrae einbauen wollte, aber dazu muss ein Vorsatz her. Das Leben vom hard labour zu befreien und hard work weniger hard zu machen, bedeutet, zu leben, und zwar frei. Die wirkliche Arbeit ist Leben, und dazu gehört jede Art von Anstrengung, aber nicht jede davon ist „frei“ im grotesken und ambigen Verhältnis der freien Lohnarbeit.

Daraus leite ich die Forderung nach dem bedingten Grundeinkommen ab, das an gemeinnützige – und nur solche – Arbeit geknüpft ist.

So, die Details kann ich mir hier sparen. Nicht aber das Prinzip. Mich regt die Situatio so auf, weil man Menschen, die hard work nicht können – können können, eigentlich, zu hard labour verurteilen möchte, und andere für die hard work eine Bereicherung oder gar Erlösung wäre (Ausländer in Berufen, für die sich Deutsche, incl. ihrer Gewerkschaften zu gut vorkommen, zur hard labour der Untätigkeit und Lebensverminderung verurteilt (AfD, CSU, deutsch-polarisierte Gewerkschaften).

Es ist wohl kein Paradox, dass wir erst über Leistung und leistungsorientierte Differenzierung sprechen können, wenn dieseUnterscheidung politisch sitzt.

(Teil II: Baut Arbeitsplätze ab, zB. in der Kohle, bei den Autos usw. – Konfrontiert die Menschen mit der Option, anders zu arbeiten oder eben nicht).

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