Amerika unser Spiegel

Wenn rund um uns alles, fast alles=vieles, ins Wanken gerät, wenn Demokratien abbauen, wenn einfache Herrschaft erstrebenswerte Unterwerfung verheißt, wenn die einen vor Panikmache warnen und die andern vor Ignoranz, wenn sichtbare Auswege nur sehr schwer zu erreichen sind – nicht jeder kann die Watzmann Ostwand erklettern, wenn Politik so überkomplex erscheint, dass man sich in Kulturbetrachtungen flüchtet – früher war fast alles besser, WENN das alles so schrecklich sich entwickelt, dann liegt eines nahe:

Ein neues Biedermeier.

Da ist noch immer Platz für Ironie, da ist noch immer ein kleines kritisches Reservat frei, und wenns nicht politisch aussieht, muss die Zensur nicht einschreiten.  Heute weniger noch als damals, denn wir sind so vollkommen überwacht und ausgespäht, dass schon die Möglichkeit des subversiven Gedankens längst in den Algorithmen der Geheimdienste und Warenverkäufer aktiviert wird: und dann kann man die Tierchen ja spielen lassen.

Heute wie damals war das nicht geschlossen, nicht vollständig tyrannisch und bewegungshemmend, denn der Kapitalismus braucht immer seine Korrektur- und Entwicklungsinstanzen.

Ich spotte nicht über die möglichen Kulturleistungen des Biedermeier, weil die eine Politik oft simulieren, die als Politik gar nicht möglich gewesen wäre. Was in den Künsten sich politisch verbarg, hat nun mit Biedermeier so wenig oder so viel zu tun wie die heutigen Widerstände gegen das an den Rand der zivilisierten Welt gedrängt Werdens. (Finis terrae ist ja kein Spaß, aber noch im Heraufziehen der Apokalypse kann man Witze machen oder blasphemisch sein; wenns der Widerstandskraft nützt).

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Der langen Vorrede kurzer Sinn: da macht der kranke Sexist Trump Handelspolitik und belegt Alu und Stahl mit Strafzöllen. Unsere Wirtschaftsvertreter winseln, und bei der Politik meint man, dass sie sich lieber im Kompromiss dem Tyrannen unterwerfen möchte als irgendeine vorhandene Option ernsthaft anzugreifen (Landwirtschaft, Diesel, Pharma, etc. siehe gestrigen Blog: Finis terrae XIX). Nicht einmal nur reden, nicht einmal das. Nichts tun. Wenn der Oettinger einmal recht hat, rücken alle von ihm ab; wenn wir Fahrverbote haben könnten, sind alle Anbeter des Selbsters einmütig dagegen (weil es die – Freiheit einschränke); abgesehen von den Arbeitsplätzen. Selbst beim Verbot der Tabakwerbung bremst die deutsche Regierung –  Steuereinnahmen, Arbeitsplätze. Kohlekommission – Regierung, Wirtschaft, Gewerkschaften verzögern sie: Arbeitsplätze. Nur beim Kuscheln zur FußballWM mit der russischen Diktatur sinds nicht die Arbeitsplätze, sondern die Vorlieben des Volkes (das möchte ich einmal sehen, das Volk).

Vieles sieht aus wie ein Satyrspiel zum Libretto von Trump, aber vom Ohnsorgtheater aufgeführt.

Also nicht aufregen. Aber man könnte sich trauen, aus einem früheren Forderungskatalog einige Drohungen auszusprechen. Manchmal ist das SAGEN von Wahrheiten ein Mittel gegen das Tun von Gegnern.

Herr Maas in Abstimmung mit dem ganzen Kabinett verkündet: ab 3. Juni Visapflicht für alle US Bürger. Im vereinfachten Formular steht die Frage, ob der/die Beantragende beabsichtigt, gentechnisch behandeltes Essen in Deutschland einzuführen und die Bundesregierung zu stürzen. Was geschieht, wenn er so etwas sagt, weil er so tut, als wähnte er die Mikrophone abgeschaltet?

Und wenn dann Herr Seehofer verfügt, dass Mitglieder NRA, des Ku Klux Clan und der  Trump-Familie gar kein Visum bekommen, es sei denn, sie unterzögen sich einer vierwöchigen Quarantäne in Andechs. Was dann?

Zugleich ein Angebot: schafft die Zölle für US Autos ab, die kauft ohnedies keiner, weil sie einfach schlecht sind. Denn die Tragik ist, dass die Deutschen zwar bei den Abgasen betrügen, nach wie vor, aber die Autos sind noch immer besser als die aus Detroit: lasst die Amerikaner doch versuchen, den Schrott hier loszuwerden…

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Die GroKo hat so viele machbare, vernünftige Dinge NICHT gemacht, weil sie im Guantanamo der Lobbys hinreichend stabil gefangen ist, dass man ihnen eigentlich mehr zuhören muss, den Predigern des Rechtsstaats (Seehofer unterscheidet seit gestern nicht mehr zwischen Menschen und Polizisten), den Predigern aller deutschen Tugenden, …das Biedermeier durchschaut sich selbst, und belässt es dabei.

Man kann auch anderswie provozieren oder auf Trump reagieren (man könnte sogar Macron folgen, aber dazu sind die nationalen Leitverkalkungen unserer großen Parteien und Verbände noch zu fest), man kann sogar Politik machen. Aber man sollte nicht versuchen, sich als SO anders gegen den Irren im Weißen Haus zu profilieren, dass man an eigenen Taten gemessen wird.

Die Species der Trumpoideae hat sich längst globalisiert.

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