NAZIS…die Welt VOR dem Ende?

NAZI-Welt….Die Welt VOR dem Ende?

Die Sonderzeichen machen das… und ?, und die Großbuchstaben.

Um es klar zu machen, für meine Leser*innen und die BLOG-Kommentare. Ich verwende bewusst und gezielt den Begriff NAZI für autoritäre gegenstaatliche Bewegungen, wie die Nazis VOR 1933, um deutlich zu machen, dass mit 1945 oder dem Ende mehrerer späterer faschistischer Diktaturen und nationalsozialistischer Effekte keineswegs Gefahr und Plattformen für derartige Bewegungen aufgehört haben zu existieren.  Ich provoziere damit nichts anderes als die Reaktion auf einen Befund, der Wahrheits-haltig ist. Auch wenn es schmerzt,  z.B. dass in Österreich eine Nazipartei regiert, de facto den reaktionären christsozialen Mehrheitskanzler austrickst; auch wenn es schmerzt, den stumpfen Antifaschismus der Poststalinisten als Gegner und nicht als Verbündeten zu begreifen, die haben das „sozialistisch“ im NS bis heute nicht verstanden; auch wenn es schmerzt, sich von der symbolischen Abgrenzung, dem Widerstand durch Empörung oder Resignation, durch spontane Reaktion oder Isolation distanzieren zu müssen, um politisch klar denken zu können.

Und: bei aller Vorliebe für komplexe Gedanken zu komplexen Themen ist nicht die Zeit zur philosophischen Differenzierung und Feinarbeit eines Zustands, in dem wir  zu Recht von der gestundeten Zeit sprechen können, einem großartigen Begriff von Ingeborg Bachmann.

*

Die Attacke der österreichischen Nazis auf den Journalisten Wolf ist nur ein Beispiel für die perfide Vorbereitung der Machtübernahme. (SZ 30.4., ORF 29.4. u.a.). Es geht um Pressefreiheit, aber auch um mehr: haben NAZIS das RECHT, die GRUNDRECHTE auszuüben? Nur weil sie da sind? Nur weil viele von ihnen gewählt wurden, demokratisch, wie es heißt? Nur weil sie sagen, was sie zu denken vorgeben? Es liegt am „Nur“ und nicht ausschließlich am Einzelfall, der geprüft werden muss, in jedem Fall.

Gegeneinwand der abwägenden Pluralisten: müssen es denn immer gleich Nazis sein? Es reicht doch, diese Leute als Rechtspopulisten zu bezeichnen? Verharmlost man die Nazis nicht? Nein, vor 1933 wäre diese Frage noch radikaler zu stellen; es mussten schon damals die Nazis und nicht einfach die DNVP sein, die Nazis und ihre Unterorganisationen. Aber man darf auch die Schnittstelle zur KPD nicht vergessen. Und die Gegner der Nazis, Demokraten meistens, aber nicht nur. Der Weimarvergleich ist wichtig, weil die Umstände so verschieden von heute waren, aber viele Erscheinungen der radikalen Rechten und ihre schwachen, schmalen Gegner sind doch verblüffend (?) analog. Woher kommt das? Und woher kommt die globale Neigung von Menschen, sich a) als Volk zu begreifen und b) gegen ihre Interessen und ihr Wohlergehen autoritäre, umweltzerstörende, militaristische Führer zu wählen, – die es ihnen nicht einmal danken werden. (Geht’s den Ungarn unter Orban besser? Wird der Regenwald unter Bolsonaro eine dauerhafte Ressource sein? Gibt es in den USA weniger Verbrechen, seit Trump die NRA umarmt?).

Dazu kommt das Gegenteil von rechter Weltverschwörung. Was mich irritiert, dass man jeden Tag in den meisten glaubwürdigen Medien Belege für diese globale Verrohung findet, dass die Nazis, ob AfD, FPÖ oder Salvini, meist nicht einmal Gerichte bemühen, um sich vom Vorwurf des Tatsächlichen zu befreien, sondern mit zwei Fingern auf ihre Wunden zeigen wie weiland Christus: seht her, ich bins, seht her, das ist es.  (Wer den Vergleich blasphemisch findet, sollte ihn einmal ausloten in Bezug auf das Selbstbewusstsein des zur Verteidigung Unwilligen).

Ich denke, dass es hinlänglich viele und genaue Analysen dieses Zustandes gibt, die aber wenig Antworten eben auf die Frage geben, warum die Menschen – „die Menschen“? die Bevölkerungen? Das Volk? Hier liegen noch ein paar Stolpersteine – warum sie also diesen Tyrannen Macht und Legitimation geben. Das zu ergründen, lohnt alle Wissenschaft. Meine Vermutungen teile ich hier nicht mit, weil sie zu unscharf und vorläufig sind. Aber als Phänomen kann man sagen: jetzt, angesichts von Finis terrae, vor dem Erstickungstod der Erde, mehren sich die Zeichen, Vorboten der Apokalypse. Nur braucht es keiner Metaphysik, um sie zu erkennen – und meist haben die Nazis mit dem Ende der Welt nichts zu tun. Um eine Metapher zu gebrauchen: die Nazis kommen an die Macht, damit wir den realen Weltuntergang nicht mehr erleben brauchen – oder, um durch Gewalt schnell als durch den Klimawandel allmählich zugrunde zu gehen. Ja, kommen sie denn an die Macht? Anscheinend schon. Und ihr Gehilfen, die dummen, bösartigen oder auch nur verblendeten Mächtigen – nicht die Herrschenden, sondern ihre Vollstrecker – besorgen ihr Handwerk, sie schieben ab, sie salben die Waffen- und Autohersteller, sie servieren die Gifte zum Frühstück und zum Souper, sie verpesten und erschöpfen und verzögern alles, was leben will. Und sich nicht wehren kann oder will, schon resigniert hat oder keinen Ausweg weiß. (Und keine Metapher wäre es, vorzuziehen, dass wir kämpfend untergehn als kampflos verröcheln; pathetischer Blödsinn).

Und dann sind sie da, die Nazis, die Kickls, Gudenus und Straches in Österreich, und kein Karl Kraus lässt Gott sprechen: „Ich habe es nicht gewollt!“. Nein, die Wiener werden den Heldenplatz wieder füllen, wenn der Richtige am Balkon der Hofburg erscheint.

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Jetzt reichts aber. In der Hofburg sitzt ein Demokrat, Alexander van der Bellen, vor ihm saß dort ein anderer Demokrat, Heinz Fischer. Beide gewählt und  Garanten der anderen Seite, der Hoffnung, der demokratischen Republik.  Auch das ist richtig. An keiner Stelle habe ich behauptet, dass diesen Nazis gar kein Widerstand entgegen gesetzt wird. Ich frage nur, wie er sich artikulieren soll, um diesem Pack eine neuerliche Erklärung der Menschenrechte, ein neues Asylgesetz, eine neue Umweltkonvention entgegen zu setzen und dann – regieren. Natürlich: Macht auszuüben, das zu tun, was die res publica uns nahelegt. Das kann schwierig werden, schwieriger als es jetzt schon ist, das kann Gewalt verlangen, jedenfalls mehr, als jetzt als legitim angesehen wird, das kann Entscheidungen erforderlich machen, die uns privat, persönlich nicht attraktiv erscheinen. Wir werden das überleben, aber für uns machen wir das gar nicht mehr. Sollen unsere Enkel einst, wenn sie es erleben, auf unser silbernes Zeitalter zurückblicken.

Gebt den Nazis also nicht die Freiheit, die sie uns zu nehmen und zu zerstören drohen. Freiheit ist keine linke Backe. Und was meinen Begriff Nazis betrifft. Das ist nicht einfach eine Bezeichnung für „Rechte Gewalt“, es meint eine Entwicklungsstufe der stagnierenden zivilen Evolution. Aus der Lethargie sollte man sich mit dem Gegengift befreien, dass nicht nur wir kein zweites Leben haben, sondern die nach uns auch nicht. Nützen wir die gestundete Zeit.

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