Verbrecher Trump…und.

Liebe BlogLeserInnen: eine längere Ausführung heute, noch ist nicht Wochenende, also weder Einkauf noch Advenzkranzanzünden stehen an (z…z…z). Da ich nie getwittert habe und es auch nicht tun werde, muss ich weiter ausholen. 

Die Spitzen unserer Elite & Regierung, von Steinmeier ganz oben bis zum Bodensatz plädieren gegen die VERROHUNG unserer gesellschaftlichen Kommunikation, sie fordern eine neue STREITKULTUR. Das ist löblich. Worin besteht nun die Verrohung? Es werden unziemliche Begriffe und Handlungen an die Stelle gebotener Ausdrucksweise und Aktionen gestellt. Roh kann auch heißen, dass man ungegarte Sachverhalte hinunterschlingt, sie im ursprünglichen Zustand verschlingt, und dann wird das Rülpsen zum ungeliebten Ausdruck.

Es gibt eine unheimliche Gefahr: Zensur durch Anstand. „Sehr geehrter Herr Mörder…mein lieber Vergewaltiger…und bitte, lassen Sie sich durch die Opfer nicht einschüchtern, dies ist ein freies Land…aber ich bitte Sie, Herr Scheuer,  die Steuerzahler geben doch gerne in die Staatskasse für ein kleines Mautmalheur…“. Natürlich ist das nicht gemeint. Aber es kommt so rüber, vor allem, wenn bestimmte gesellschaftliche Gruppen und Klassen sich ihre Anstandsregeln nicht angreifen lassen, weil sonst der Schaden größer würde als der Nutzung aus Offenheit und Wahrhaftigkeit.

Die von mir ernsthaft geschätzte (nie gewählte und oft kritisierte) Kanzlerin und Trump in London bei der NATO. Wie soll sie sich denn anders verhalten? Das ist keine Frage des Augenblicks. Sondern eine Frage der politischen Kommunikation (Als Schröder den Verbrecher Berlusconi umarmte, habe ich das vor n+1 Jahren schon einmal diskutiert, etwas zähes ist da bei mir, das mich besonders anregt und aufregt).

*

Mein eigenes Beispiel: ganz professionell, beruflich, hatte ich einige Zeit mit politischen Mördern zu tun. Ich konnte sie mir unbekleidet vorstellen mit Blut, sagen wir, bis zum Ellbogen. Statt dessen:  Anzug, gute Essmanieren, vertrauensvolle Blicke. Die Sache, um die es ging, hatte mit den Untaten dieser Personen wenig zu tun. An solchen Tagen habe ich mich gefragt, was ich hätte anderes machen sollen. Ich weiß es nicht.

Heute unterscheide ich deutlicher, was ich als Wissenschaftler sagen kann und muss, und was als politisches Tier, Zoon politikon, das aktiv sich gesellschaftlich einmischt, und was als Privatier, und das kam nicht spontan. Da kommt jetzt eine bedeutsame Intervention: die Verrohung von Politikern in unserem größeren Bündnisumfeld, EU, NATO, Reste des Westens, berühren mich stärker als der rohe oder fragile Ton von Diktatoren anderswo (weil ich den erwarte und schon vorher analysiert habe).  Aber Johnson, Trump, Orban, … na, die üblichen Namen hier, auch im Blog, die fordern mich heraus. Sie sonnen sich geradezu darin, als Bodensatz attaciert zu werden, weil sie dann die Eliten beschimpfen können, was beim Bodensatz gut ankommt, und die politische Ökonomie hinter dieser Tektonik vergessen lässt – es geht nur um Kommunikation.

Was anders soll ich sagen als dass Donald Trump ein Verbrecher ist. Kleine Verbrechen oder Untaten, sexistisch, rassistisch, steuerbetrügerisch, Lügen… folgenreich für andere Menschen, scheußlich, widerlich, ….Verbrechen sind dann einerseits sein HANDLUNGSRAHMEN, andererseits einige Entscheidungen wie der Verrat an den KURDEN, die Zerstörung von NATURRESERVEN in den USA.

Und dann sitzt man neben dem Verbündeten, und freut sich, dass uns die USA schützen. Darf ich mich von einem Verbrecher schützen lassen? Trump ist nicht die USA, aber er hat Macht über deren Gewaltapparat.

Jetzt lest:https://www.newsweek.com/donald-trump-accused-using-war-criminals-pardoned-political-props-florida-fundraiser-1476136?utm_source=email&utm_medium=morning_brief&utm_campaign=newsletter 2019/12/10

President Donald Trump has come under fire after appearing alongside a convicted war criminal at a closed-door fundraising event in Florida this weekend.

The president spoke at the Republican Party of Florida’s annual Statesman’s Dinner on Saturday night, the Miami Herald reported. During his speech, Trump invited First Lieutenant Clint Lorance and Major Matthew Golsteyn—both recipients of presidential pardons related to war crimes in Afghanistan—to join him on the stage.

Trump made headlines last month by pardoning three U.S. soldiers convicted or accused of war crimes, including Lorance and Golsteyn. He did so despite protests from the Pentagon and concerns from lawmakers on both sides of the aisle.

Lorance was serving a 19-year prison sentence before Trump pardoned him, having ordered his soldiers to shoot unarmed men in Afghanistan. Golsteyn was due to stand trial for the alleged 2010 extrajudicial killing of a suspected Taliban bomb-maker.

Many Twitter users expressed their disbelief and frustration that the president would appear alongside such figures, suggesting their involvement cast a shadow on Trump’s campaigning.

Bishop Garrison, an Iraq veteran who now works at the Human Rights First advocacy group and leads Veterans for American Ideals, said, „War criminals are now officially political props for the president. It took no time at all.“

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Trump ist Gott. Er pardoniert Mörder und Folterer, weil er alle pardonieren kann. Wir sitzen mit diesem Verbrecher und während Suppe, Vorspeise, Hauptgang und Dessert benehmen wir uns, wären wir einer Eliteuniversität an der Ostküste entsprungen (die Trump auch nicht mag). Gibt es bei diesen Essen eigentlich einen Vorkoster? Früher hätte man vielleicht zu Arsen gegriffen…das macht die Haare schöner.

Wir lassen uns alles gefallen: des Botschafters (ein Trump-Afterling) Interventionen bei der deutschen Wirtschaft (sollten wir einmal das Gleiche drüben versuchen, z.B. bei den amerikanischen Flugzeugen…?); die Sanktionen gegen die EU und Deutschland wegen des Iran (nur, weil wir dort auch, auch!?, einen Unrechtsstaat wissen, den zu schädigen nicht so schlimm ist?), die Zerstörung der WTO (nur weil wir nichts dagegen machen können, dass keine Richter von den USA ernannt werden können?); … wir lassen uns alles gefallen, weil wir nicht so verroht sind. Das ist die Lösung des Rätsels. Wer wird denn den Verbrecher nachahmen? Könnten wir gut, weil wir ohnedies weniger Macht haben…Aber die Mimesis, dieses nachahmerische Grundprinzip, spukt in unseren Köpfen, und was dann aus unserem Mund kommt, ist ROH.

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Wir steuern auf ein ehernes Zeitalter zu. Das ist, bitte schön, kein Witz. Mit der nachlassenden Bindungswirkung internationaler Verträge, Konventionen etc. bedienen wir die Globalisierung, und gegen die anzureden ist so sinnvoll wie die Erde wieder zur Scheibe zu erklären.

Es macht wenig Freude, den POTUS als Verbrecher zu bezeichnen. Aber da man mit ihm nicht auf Twitter befreundet ist, sondern über ihn, und nicht über die USA als Gesellschaft spricht, hat man keine Wahl. Er ist ein Verbrecher.

Nun stellt sich noch eine Frage: was ist dann Herr Seehofer, in kleinerem? – völkerrechtlich nicht, zahlenmäßig vielleicht – Maßstab:  Kaum jemand spricht öffentlich über das schreckliche Schicksal der auf Seehofers Betreiben abgeschobenen Afghanen. Der Innenminister und seine Schreibtischtäter begehen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. (Heute: DLF 7.45)

*

Wenn wir Trump als Feind behandeln, was geboten wäre, sind wir noch lange nicht so verroht wie die, die ihn bewundern und nachahmen. Der Verbrecher in der Demokratie ist etwas anderes als der Verbrecher in der Diktatur.

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