Grenzen ruinieren Europa

Ich bin nicht der Erste, dem das einfällt:

Wo ist das Europa, das schützt?

Im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie lassen EU-Länder die Schlagbäume herunter. Dabei könnte eine europäische Antwort viel effektiver sein als diese Kleinstaaterei.

Ein Kommentar von Ulrich Ladurner, Brüssel, und weiter: „Die Bürger wollten ein starkes Europa, das sich gegen seine Feinde wehren kann, die Feinde im Inneren wie im Äußern. Dann breitet sich das Coronavirus aus, und es schützt nicht Europa, sondern der Nationalstaat – das wird jedenfalls mit den Grenzschließungen jedenfalls suggeriert. Wie erfolgreich wird diese praktizierte Kleinstaaterei im Kampf gegen Corona sein?

Wir wissen es nicht. Früher oder später wird das Virus unter Kontrolle gebracht werden. Natürlich werden diejenigen, die die Schlagbäume niedergehen ließen, sagen: Es waren die Schlagbäume. Gewissheit werden wir darüber nicht haben können. In diesen Tagen sehen wir mit wachsendem Entsetzen, dass Europa schwach ist.“ ZEIT Online 2020/03/17)“.

Recht hat er, wie so oft. Aber dahinter steckt leider noch mehr:

Und das gedemütigte Italien leidet zu Recht unter Deutschland:

Matthias Rüb in der FAZ (19.3.2020):

Den tiefsten Schock verursachte aber der Entschluss Berlins, verstärkte Kontrollen an den Grenzen zu Österreich, Frankreich und der Schweiz vorzunehmen. Der Leitartikel der linksliberalen, europafreundlichen Tageszeitung „La Repubblica“ vom Montag trägt den Titel „Es war einmal ein Europa“. Darin heißt es unter anderem: „Den Entschluss, die Schengen-Grenzen zu schließen, hat Berlin im Alleingang gefasst, nach Maßgabe einer nationalen Logik. Er wurde nicht mit den Partnern besprochen, er wurde nicht auf die Außengrenzen des Schengen-Raumes begrenzt. Stattdessen zog man es vor, den eigenen Grenzzaun Stück für Stück hochzuziehen, um die unruhig gewordenen Wähler zu besänftigen.“ Derweil erhalte Italien medizinische Hilfe von „den klugen Chinesen statt von den zaghaften europäischen Freunden“. Das Virus habe „die Heucheleien zerfressen“. Es bleibe nur noch „Rhetorik“, schreibt die Zeitung.

NATIONALISTEN NUTZEN DAS VIRUS

Das ist keineswegs übertrieben: Schneller als erwartet käme das Problem der Außengrenzen der EU in ein sinnvolles Licht, wenn es nicht gegen Flüchtlinge und andere Menschen geht, sondern um eine koordinierte Maßnahme zur Verlangsamung der Ausbreitung des Virus. Hier aber kommt der übelste NATIONALISMUS, diese Mischung aus lokaler Beschränktheit und planmäßiger Zerstörung der Idee und der Wirklichkeit von Europa zum tragen.

Ohne CoVid zu verharmlosen: WAS BEWIRKEN DIE GRENZKONTROLLEN?

  1. Nichts
  2. Die Bundespolizei wird von ihren wichtigen Aufgaben abgezogen, weil sie die Einreise des Virus weder erkennen noch stoppen kann (Vgl. dazu die richtigen Aussagen von Fiedler, dem Chef der Bundespolizeigewerkschaft, DLF 17.3. 17.15)
  3. Die Deutschen werden zurückgeholt, egal, ob sie infiziert sind oder nicht; die meisten andern müssen „draußen“ bleiben. (Da andere Länder das auch so machen, gibt es eine Kaskade von Draußen-Draußen…bis zu den elenden Lagern, wo die Menschen mit unserer Politik verrecken, in Hunger Not und meist ohne das Virus…noch ohne das Virus. Jedenfalls haben die andere Sorgen. Und die EU ist nicht in der Lage 5000 Kindern zu helfen).
  4. Der Nationalismus wird gestärkt. Beeindruckend, wie die hilflosen Uniformträger sich an echten Menschen an den Grenzen vergreifen: was wollen Sie in Deutschland? Einkaufen – gibt’s nicht. Tourismus – gibt’s nicht. Geht Sie nichts an – gibt’s nicht. Pendeln und Kommerz gibt’s schon. Husten Sie die LKW-Fahrer nicht an! Das ist keine Vorsichtsmaßnahme, sondern ein Akt der nationalistischen Entsolidarisierung mit den Ankommenden, die weniger gut gerüstet sind. AfD, Seehofer, Deutschnationale: – Ursachenforschung, WARUM diese Ankommenden weniger gut gerüstet sind, können wir später machen. Es geht um das Jetzt und Hier, nicht nowhere sondern Now Here.
  5. Die rechte antieuropäische Front wird gestärkt – das ist NICHT NUR Seehofer, das sind die Regierungen etlicher europäischer Länder, die endlich einmal nicht europäisch sein müssen. Ausdrücklich: Nur Italien und Spanien müssen hier anders, ganz anders, gesehen und behandelt werden. Ladurner greift auch das auf und richtig.
  6. Im übrigen. Wer, infiziert oder noch nicht, die Grenze passieren will, kann das ohnedies tun (es gibt keine dichten Grenzen mehr, außer man schießt: das wird man nicht ohne weiteres tun), nur nicht zwischen Griechenland und der Türkei – das haben wir mit zu verantworten. Die Loyalität und Glaubwürdigkeit auch unseres Staates IN EUROPA UND IN DER EUROPÄISCHEN UNION wird beschädigt. Das ist schon deshalb schade, weil viele Maßnahmen, Kontakteinschränkungen usw. durchaus sinnvoll sind und wir – von Steinmeier bis Merkel bis zu den Nachbarn mehr gegen die rasche Ausbreitung des Virus tun als manche Landespolitiker, die sich Zeit für etwas lassen, was sie nicht mehr kontrollieren können.
  7.  Das GRENZREGIME gehört NICHT zu den SINNVOLLEN POLITIKEN, DIE GLOBALE REISEWARNUNG SCHON.

Wir müssen nicht nur Schengen wieder herstellen,  sondern noch mehr für EUROPA tun und weniger für die Deutschen, Österreicher, Tschechen, Franzosen….NUR WENN WIR WIRKLICH WIE und ALS EUROPÄER HANDELN, können wir die gewünschten Effekte zur Seuchenbekämpfung erzielen.

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