Heute zu, morgen offen?

Erinnert ihr euch an Claire Bretecher, die französische Karikaturistin? In einem Strip mault der Mann: Du rauchst zu viel, vom Rauchen bekommt man Lungenkrebs! Und sie: Vom Nichtrauchen bekommt man Arschkrebs! Nicht lustig, ich weiß.

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Alle tragen Mund- und Nasenschutz, Masken. Weil man soll, an manchen Orten muss. Ob das irgendjemandem nützt, ist selbst bei den Virologen umstritten, und die Frage, wie man eine Maske aufzusetzen, abzusetzen hat, wird die Beraterliteratur ebenso anfeuern, wie die, die jetzt mit überteuerten Gesichtsfeudeln ein Zusatzgeschäft machen.  Ich hab auch eine Maske bei mir, und ich trag sie an den vorgesehenen Orten, nicht, weil ich eine Meinung dazu habe, sondern weil ich aus einem Nebenwiderspruch keine private Politik machen möchte.

Warum die Menschen ein Fußballstadium brauchen, wenn man die Vereine so gut im Fernsehen sieht?

Warum Möbelhäuser und Kirchen und … offen sind oder geschlossen bleiben?

Warum sich die Wiederkehr der kapitalistischen Normalität, also einer sozialen Verschlechterung unter dem Deckmantel staatlicher Solidarität als Verstätigung des Ausnahmezustands tarnt, oder umgekehrt?

Ihr kennt alle die Antworten. Immerhin ist heute das erste Mal seit Wochen, dass das Klimaproblem Teil der staatlichen Diskussion ist, nachdem es wochenlang in den Hintergrund geschoben wurde.

Ihr kennt alle die Antworten?

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Zu den Kirchen noch ein Wort. Da der jeweilige Konfessionsgott bewiesen hat, dass er gut abwesend sein kann von bestimmten Orten, mögen manche glauben, dass er wenigstens in der Kirche anwesend ist und dass Hostien so wenig ansteckend sind wie rituelle Fastenspeisen. Gemeinschaftsgefühl, nicht kollektive Solidarität…Die Politik macht daraus natürlich Politik, so wie mit dem Fußball. Sozusagen die Trump-Wahlkampfmasche auf niedrigerem, weniger weltpolitischen Niveau. Hausaufgabe: warum geht es um die Religionsfreiheit (=Ritualgenehmigung) so sehr viel mehr als um die Glaubensfreiheit, die ich sogar zu Hause ausleben kann?

Sieht denn niemand, dass dieses Problem unsere Gesellschaft auch spaltet? Ja, für ein paar Wochen wird es mehr gemeinsame Gebete geben – analog oder digital – dann wird der Gott, der abwesend zu sein hat, sich wieder verflüchtigen und was bleibt, ist die Erinnerung an die schreckliche Zeit. Rückwärts immer, vorwärts nimmer.

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