Amis, go home?

Ach, wenn es so einfach wäre. Besatzungstruppen heimwärts zu wünschen, das hat Tradition, nicht nur demokratische.

Der Abzug von US Truppen aus Deutschland hat mit der Sicherheit, auch mit den Aufgaben von NATO, wenig zu tun. Richtig ist die Bemerkung der sanften Bundesregierung, die Amerikaner schadeten sich selbst, weil sie ja ihre Kriegsoperationen, u.a. in Asien, von deutschem Boden aus, also aus der EU heraus betreiben. Das würde sich im Prinzip nicht ändern, wenn mehr Truppen nach Polen oder ins Baltikum verlegt würden. Die Drohung bezieht sich nicht auf Sicherheit, sondern auf Geld und die Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands zu Russland.

Amis, go home – die Linkspartei ist darauf reingefallen, und begrüßt das Vorhaben, eine erpresserische Ankündigung; naja, rhetorisch voreilig. (https://www.linksfraktion.de/themen/nachrichten/detail/us-truppenabzug-ja-bitte/ 20200618).

Dass sich der Brandstifter Grenell dabei wie ein Kolonialoffizier verhält, und nicht wie ein Diplomat, gehört zum Spiel.

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Als ob es noch weitere Belege bräuchte, freuen sich manche über John Boltons neues Buch und seine verheerenden Berichte aus dem Zentrum der Macht von Donald Trump. (https://www.nytimes.com/2020/06/17/us/politics/bolton-book-trump-impeached.html?action= click&campaign_id=7&emc=edit_MBAE_p_20200617&instance_id=19482&module=Top+Stories&nl=morning-briefing&pgtype=Homepage&regi_id=60540671&section=topNews&segment_id=31175&te=1&user_id=dba22290721c371ead84cc760ca98496 – tut mir leid für die lange Quelle…20200618). Der Artikel und seine Vorgeschichte lohnen wirklich. Weil hier rein ganz konservativer, eigentlich  ein schrecklicher Rechter, sich mit Trump anlegt (mit Trumps Worten: „Lies and Fakenews..“ (heute), das ist der Kampf der Syndikate?).  Die bittere Kritik des Buchs ist unvermeidlich: https://www.nytimes.com/2020/06/17/books/review-room-where-it-happened-john-bolton-memoir.html?campaign_id=7&emc=edit_MBAE_p_20200617&instance_id=19482&nl=morning-briefing&regi_id=60540671&section=topNews&segment_id=31175&te=1&user_id=dba22290721c371ead84cc760ca98496 . Es kann sein, dass dies Trump hilft, nicht was die Wahrheit betrifft, sondern wie Bolton sich jahrelang verhalten hatte, lange vor Trump schon. Er wird nicht unser Verbündeter mit seinem Buch.

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Amis, go home. Wenn wir nicht das Zentrum der militärischen Außenpolitik der US-Streitkräfte sind, dann bleibt es doch wahrscheinlich in Europa, – es überrascht euch, wenn ich sage, dann lieber in Deutschland als in Polen? Schaut mal, wer dort wie regiert. Aber selbst die Polen rudern ja mit ihrem Willkommen zurück. Und, im schroffen Gegensatz zu den abstrakten Abrüstungsforderungen, plädiere ich für eine EU (europäische) Armee, weil sie die auch von den USA mitbetriebene Privatisierung von Militär verhindert und uns nicht von Wahnsinnigen wie Trump abhängig macht. Auch die Diktatur – oder ihre autokratische Vorstufe – hat mehr mit Wahnsinn als mit historischen Schlacken zu tun.

Eien dringende Leseempfehlung: Masha Gessen:  Surviving Autocracy (Rezension dazu Hari Kunzru: Democracy’s Red Line, NYRB 2.7.2020, 4-6). Trump-Kritiker gibt es viele, können gar nicht genug sein. Aber Masha Gessen ist besonders. (Überblick: https://de.wikipedia.org/wiki/Masha_Gessen; die englische Wiki-Eintragung ist genauer als die deutsche, zB. wird hier klar: Gessen is nonbinary and uses they/them[5] pronouns. https://en.wikipedia.org/wiki/Masha_Gessen. Warum ist das wichtig? Weil sie nicht nur an der politischen Front, IN Russland und IN den USA recherchiert und für die Demokratie kämpft, sondern auch eine präzise Verfechterin hochdifferenzierter Selbstwahrnehmung, was gegen den Sexisten Trump besonders wichtig ist. In ihrer Analyse macht sie es wahrscheinlich, dass gerade die Coronakrise mit den zehntausenden von Toten Trumps Diktatur zum Ausbruch verhilft, weil er den Ereignissen entgegenhält „I was right“. (4. Mai 2020). Und Gessen hält es für möglich, dass der Tod von George Floyd ihn gerade zur Machtübernahme einlädt, wenn er mit Gewalt (polizei und oder Militär) die Proteste niederschlägt. (Meine Assoziation ist dabei Erdögan, der sich eben Gülen ausgesucht hatte, um selbstherrscherlich zu agieren; den erwähnt Gessen nicht). Gessen verweist auch auf die weiße, rassistische „Ownership“ die sich wie ein Stützring um Trump bindet; dabei kommt ihm CoVid zur Hilfe, es schwächt ihn nicht. Weil es gegen die Schwarzen, die Minderheiten, gegen die geht, die eben nicht zur Ownership gehören.

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Amis, go home…wenn die amerikanischen Soldaten auf europäischem Boden diese Politik repräsentieren, dann müssen sie abhauen, aber nicht, weil Trump es befiehlt, sondern weil wir sie nicht hier dulden wollen. Aber das ist vielleicht gar nicht der Fall. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass sich die amerikanischen Garnisonen gegen den POTUS auflehnen, aber man kann auch auf Subversion hoffen, die es ja in der Generalität auch schon gibt.

Lest Masha Gessen, lest mehr von ihr, und lest mehr in der neuen Ausgabe der NYRB. Da kann man beides lernen: die USA auf dem Weg zur Diktatur, und die Bedeutung einer unzensierten, freien Presse, die sich auch mit Wahrheiten mehr traut als nur den Konjunktiv. Das verbindet uns mit den Amis…

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