Kaum zu glauben

Apropos Tote: In Berlin dürfen bei Bestattungen mit Pfarrern/Predigern momentan mehr Menschen (max. 30 P.) teilnehmen, als bei solchen mit weltlichen Ritualen (max. 10 P.). In Wilmersdorf hatte ein entsprechender Hinweis für Aufsehen gesorgt. CP-Kollege Julius Betschka hat bei der Gesundheitsverwaltung nachgefragt, sechs Tage später hieß es: Die unterschiedliche Behandlung von Beisetzungen mit oder ohne Pfarrer/in ergibt sich aus der Privilegierung der Religionsfreiheit in Art. 4 GG.“ Merke: Vor Gott sind alle Menschen gleich, aber manche sind gleicher. (Tagesspiegel 30.10.2020)  
Wilmersdorf ist nicht die Welt. Tja, lohnt die Aufmerksamkeit nicht. Oder doch. Die Privilegierung der Religionsfreiheit ist Unsinn, ebenso wie Glaube und Religion nicht das Gleiche sind, können die mit ihnen verbundenen FREIHEITEN gleichgesetzt werden. Keine Angst, hier folgt kein Ausflug in die mehrtausendjährige Apologetik religiöser Unterwerfung, gleich welcher Konfession. Machen wir es einfach: Glaubensfreiheit gehört zur menschlichen Würde (und ist ohnedies nicht zu kontrollieren und zu überwachen, es sei denn durch Folter, Einschüchterung – oder Religion). Religionsfreiheit ist nicht die Freiheit der sozialen Institution „Religion“, sondern letztlich die Freiheit einzelner Menschen, sich einem Verein anzuschließen, der aus dem Dogma einen Herrschaftsanspruch ableitet: PiS  das Recht auf den weiblichen Körper, viele muslimische Länder mit dem Konversionsverbot, die Deutschen Christen mit dem Antisemitismus im Namen Gottes etc. Der Name Gottes steht a) für den Zweifel, dass der Glaube einzelner Menschen hinreichend für das Privileg der Religionsfreiheit ist – siehe oben: da haben ein paar Deppen etwas nicht verstanden, und b) dient dieser Name zur Befestigung unserer Gotteskonstruktionen, und ist deshalb nicht universell, kann es nicht sein. * Nicht wegen der Berliner Verhunzung des Grundgesetzes, sondern weil ja überall zitiert wird, dass islamISTISCHE Mörder gerne „Allahu Akbar“  (Gott ist groß) rufen, so wie früher Christen gegrölt haben „Deus lo vult“ (Gott will es), d.h. man ruft sein Gottesbild an, um in seinem Namen geschützt Unrecht tun zu dürfen.  Auf dem niedrigen Niveau des Beerdigungsdiskurses kann man sagen, wenn Gott beim Begräbnis im Spiel ist, gilt die Glaubensfreiheit weniger…das kann man so machen, aber mehr Kircheneintritte wird es auch nicht geben. Nun ist die Situation aber ernster, es werden immer wieder mehr Menschen im Namen Gottes gedemütigt und getötet, und zwar um DIE MACHT DER RELIGIONSGEMEINSCHAFTEN VOR DEM ZUGRIFF DER VERNUNFT ZU SCHÜTZEN.      

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