Zapfenstreich und deutsche Lernschwäche

Evacuations: The Biden administration will begin evacuating Afghans who aided the U.S. and are endangered by the troop withdrawal. Flights will begin the last week of July. (NYT 15.7.2021)

WICHTIG ZU LESEN

Fleeing bombs and bullets in Afghanistan’s Kunduz province

15.7.2021 BBC: https://www.bbc.com/news/av/world-asia-57841719?fbclid=IwAR2jJD16opVM97Jw42pKuUPfoIuw8ekBztJA4wA1qwwNxSm6XSZpKsv2qMQ

Fleeing bombs and bullets in Afghanistan’s Kunduz province

The UN has told the BBC that the situation unfolding in Afghanistan is a ‘humanitarian catastrophe’ and is one of the worst crises in the world. Around 18 million people, more than half the country’s population, are in urgent need of life-saving support. There’s been a sharp surge in violence across the country between the Taliban and Afghan government forces following the withdrawal of foreign forces from the country.

BBC correspondent Yogita Limaye travelled to strategically vital Kunduz province, in northern Afghanistan. All of it, except the provincial capital, has fallen to the Taliban. The UN says 35,000 newly displaced people have arrived in Kunduz city in just over a month in search of safety and shelter.

Video by Mahfouz Zubaide, Sanjay Ganguly and Aakriti Thapar.

Bitte schaut auch die Begleitberichte von BBC zu dieser Meldung.

Das Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte e.V. hat heute eine Pressemitteilung veröffentlicht:

PRESSEMITTEILUNG Verein bringt Ortskräfte in Safe House in Sicherheit •

Das Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte e.V. hat durch Spenden finanziert seit letztem Sonntag den ersten 90 Ortskräften eine sichere Unterkunft in Kabul ermöglicht um den Visa-Prozess durchlaufen zu können • Da die Taliban schon Teile des Landes kontrollieren wurden auch Flugtickets zur sicheren Anreise bezahlt • Die Ausreise nach Deutschland wird wo immer nötig ebenfalls sichergestellt Eberswalde/Potsdam/Kabul, 15.07.21 Militär, Polizei und Entwicklungshilfe sind zum Erfüllen der politischen Ziele zwingend auf Ortskräfte angewiesen. Oft aus Überzeugung für unsere Ziele unterstützten sie uns, meist Jahre oder Jahrzehnte lang. Nach Beendigung der Bundeswehr- und Polizeimission wächst der Einflussbereich der Taliban schnell, die in unseren ehemaligen Angestellten Verräter sehen. „Ehemalige Angestellte der Bundesrepublik Deutschland müssen nach unserem Abzug um ihr Leben bangen.“ Um so erstaunter sahen Ortskräfte und die Zivilgesellschaft wie die letzten Maschinen mit deutschen Soldaten, sogar früher als geplant, abhoben. Dass die Regierung eine Nachsorge für die Ortskräfte als juristisch nicht vorgesehen bewertet, unterstrich eindrucksvoll die Tatsache das zwar Bierdosen und Tonnen schwere Gedenksteine, nicht aber die Ortskräfte an Bord dieser Maschinen waren. Was juristisch möglich ist sollte aber nie die Leitschnur des Handelns sein. Erst die moralische Bewertung haucht dem Handeln eventuell Humanität ein. Da dies politisch nicht geschieht, springt hier die Zivilgesellschaft ein. So wurde durch die großzügige Spende einer Monatsmiete, vom Zentrum für politische Schönheit, ermöglicht bereits letzten Sonntag das Safe House BEACON (Leuchtturm) in Kabul in Betrieb zu nehmen. Ausgestattet mit zwei Bunkern und bewaffneten Wachen gibt es mittlerweile schon mehr als 90 Ortskräften Hoffnung. „Wir fordern mit Nachdruck, dass die beteiligten Stellen nun in Rekordzeit Visa erstellen damit unsere Ortskräfte sich schon bald mit Linienflügen nach Deutschland aufmachen können.“ sagt Marcus Grotian, Vorsitzender des Patenschaftsnetzwerks. Wo immer nötig werden sie dabei weiter auf dem Weg in die Sicherheit unterstützt, sei es durch Flugtickets oder nötigenfalls durch Chartern von Flugzeugen. Wenn Sie denken, dass die juristische Bewertung in der Politik allein zählt, dann klatschen sie auch weiter für Pflegekräfte. Wir glauben das Anstand die Gesellschaft zusammenhält. Je mehr wir tolerieren, das politisch darauf verzichtet wird, um so mehr werden Politiker diese Gesellschaft schleifen bis hin zur Unkenntlichkeit von Moral und Werten. Jede Spende zählt. Hintergrund: 2400 erteilte Visa stehen weitere 2000 Antragsberechtigte gegenüber, die noch nicht einmal den Visaprozess starten konnten. Weitere 4000 ehemalige Ortskräfte bleiben aufgrund politischer enger Vorgaben ausgeschlossen von der Möglichkeit des Antragsverfahren, ebenso wie ca. 1000 Contractoren, wie zum Beispiel der Erbauer der Kirche im Camp Marmal, der für uns dadurch eine Todsünde begangen hat. „Was du sagst das du tun möchtest, zeigt wie du sein willst. Wie du handelst, zeigt wer du bist.“

Pressekontakt Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte e.V. Herr Marcus Grotian pr@patenschaftsnetzwerk.de

Hier ist eine Möglichkeit zu spenden: https://www.betterplace.org/de/projects/28235-unterstuetzung-afghanischer-ortskraefte-in-deutschland

  • Nachbemerkung zu diesem Blog und zur Politik

Nach drei Blogs zu Afghanistan in Folge werde ich zu anderen Themen weitergehen, die Verbindungen zu den engagierten und experten Akteurinnen und Akteuren sind einsehbar und schließlich haben es die InitiatorInnen geschafft, in die Medien zu kommen, also in die Öffentlichkeit und wenigstens Teile der Politik.

In diesen Tagen darf man – darf ich – sich nicht den spontanen Wutausbrüchen oder pauschalisierenden Angriffen auf Regierung und Bundeswehr hingeben. Das macht es nicht einfacher. Mittelfristig wird eine präzise Kritik die Politik zu Korrekturen ihres wenig humanitären, wenig empathischen und vor allem wenig pragmatischen Kurses bewegen. Teile der jetzigen Koalition, aber nicht nur, stehen unter erheblichem Rechtfertigungsdruck, nicht nur im Vergleich mit der Afghanistanpolitik anderer Länder und einer rückblickenden Neubewertung der deutschen Beteiligung an der Intervention. Neubewertung und Kritik dürfen nicht zu einer postkolonialen Schönfärberei führen, auch nicht um Wahrheitsverbiegung mit Rücksicht auf den psychischen Zustand heimgekehrter BW-Angehöriger.

Denkt daran, wenn die ewig Gestrigen meinen, dass der Zapfenstreich etwas zur Anständigkeit und Kultur der demokratischen Gesellschaft beiträgt. Ohne die Ortskräfte wären sicherlich mehr BW-Angehörige in Afghanistan gefallen.

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