Zeit des Pöbels…

Als hätten sie drauf gewartet, die plebejischen, klassenübergreifenden Zukunftsfeinde. Jaha, jetzt hetzen wir Habeck und Baerbock. Stefan Aust von der Welt, immer gut für Absenken des Medienniveaus … gibts den überhaupt noch?“ und bei Baerbock will der Pöbel natürlich glauben, was die Putin-Fake-Produktion da verbreitet. Nicht nur den schlichten Oberschlicht-Liberalen Lindner wirds freuen, auch die ganzen Zögerer der alten Großparteien. Wie schön war doch die große Koalition, man hatte weder das Parlament noch die Kritik zu fürchten und hat sich russisch geölt und amerikanisch angebiedert. Das ist der Stoff für Politsatire, gewürzt durch das neue Bündnis von Linkspartei und AfD.

*

Deutschland, erwackle.

Gegenthese: Habeck hat handwerkliche Fehler gemacht und sich unklug verteidigt. auch wenn das seine Ministerialfachleute waren, und auch wenn es keine optimale Lösung gibt, er hat sie schlecht vermittelt. Baerbock muss damit rechnen, dass ausländische Geheimdienste, die inländische Hetzpresse und natürlich die politischen Gegner ihre Worte nicht auf die Goldwaage, sondern auf den Augenschein legen. Und Lindner tut nichts anderes als seine Partei und alle Marktliberalen, nämlich die Reichen schützen und Freiheit für die Ärmeren zu deren Lasten und Verantwortung predigen. Hat man gewusst, als man diesen Inselfürsten in die Koalition nahm.

Deutschland, wackle.

Mir ist egal, welche Lesart jetzt „stimmt“. Meine Überschrift zum Pöbel bleibt. Denn beide Varianten sind unwürdig Anlass für hysterische Erregungsdebatten zu sein.

Wenn erst Angst geschürt wird und dann Staatsvermögen zur Besänftigung ausgehandelt wird, ist das fragwürdig. Dass Russlands Angriffskrieg auch unsere Ökonomie schwächen wird, hat man vom ersten Augenblick an gewusst, zumal im Energiesektor wir an Russlands Politik mit schuldig sind UND dazu im Inland viel versäumt haben (Seitenhieb: vor allem im dumpfdeutschen Baiern).

Solidarität besteht nicht einfach darin, Flüchtlinge aufzunehmen und die richtigen Waffen im Kampf gegen Russland zu liefern. Sie muss auch darin bestehen, die eigenen Lebensformen, den Wohlstand, vielleicht unsere Errungenschaften zu prüfen, – nicht wieweit sie verdient sind, das nehmen wir einmal an, nein, wieweit sie eingesetzt werden können, um im Verteidigungskampf – nicht nur der Ukraine, da gibts noch mehr bedrohte Gesellschaften – einen Beitrag zu leisten, den wir auch spüren. Wir müssen nicht „leiden“, aber Empathie und Mit-Leiden haben auch ihren Preis. Solange man es sich leisten kann, unverändert weiterzuleben, obwohl man hilft, solange hilft man zu wenig.

Das heißt natürlich, dass die Reichen und Wohlhabenden mehr Steuern zahlen müssen und dass die Armen entlastet werden müssen. Ein Lufthansapilot verdient 280.000 € und verlangt 16% mehr im Tarifvertrag für die nächsten Jahre: diesen Kampf müssen wir genauso aufnehmen wie den Schutz derer, die wir nicht durch Steuerentlastungen und Almosen absichern können. Krieg und Sozialpolitik sind enger verknüpft, als man gemeinhin von oben deklariert.

Und das bedeutet, dass man sich den vielfachen Diskursen des Pöbels entgegenstellen muss, anstatt allen ihre Freizügigkeit am Heruntermachen zu gönnen.

Zu den Anlässen: Welche der obigen Varianten richtig ist, steht auf einem Blatt. Welche schwer zu heilenden Angriffe auf Menschen hier aus den ideologischen Schreibstuben des Pöbels getätigt werden, steht auf einem andern.

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