Nach wie vor keinen Kommentar zu den Leitartikeln und Nachdenklichkeiten und Oberflächlichkeiten zur Situation in Sachsen-Anhalt. Eher Freude darüber, wie lokale Alpenzeitungen die Situation nicht zu kombinierender Optionen einfach beschreiben, wie die „Dolomiten“ gestern…aber es kommt noch, keine Angst.
Man kann sich ja wirklich fürchten, als die Gewitterfront die Alpen zwei Tage nach den Südtirolfeiern überquert, um 4 Uhr früh, die Kirche donnert Alarm, Blitze, Donner, Regen (gut so), Hagel (ungut so), es geht in tagsüber Regen über. Wie gesagt, Urlaub und Oberflächenblick sind in Ordnung, je mehr Details man untersucht, desto mehr spürt man die wirkliche Privilegierung unserer Touristenschicht und privilegierte Wirklichkeit derer, die hier den Tourismus pflegen, außerhalb der schwierigen Landwirtschaft, der absteigenden Naturbalance, von verschwindenden Gletschern ganz zu schweigen. Die „soziokulturelle“ Beobachtung von bekannten Menschen, Familien, Bediensteten…., der man nicht entgehen soll und möchte, gibt einen Einblick in eine etwas andere kulturelle und politische Welt als die nationale, vom Faschismus hier wie dort gepresste Realität. Der Begriff „Umgang miteinander“, wienerisch bei mir, ist so Einblick gewährend – während die Worthülsen sowohl der paralmentarischen Demokraten wie der Faschisten gerade dort ihre Hohlheit deutlich machen, wo man Kontroversen erhofft und demokratisch erwartet. Hier im hohen Bergtal ist eine andere Unmittelbarkeit. Sagt nicht „alpin“, das ist am Meer auch so und dazwischen, aber hier sozusagen heimatlich leichter verständlich für mich. Und manche kennt man ja schon lange…Der Regen hört auf, bald gehen wir wieder hinaus und hinauf, oder heute eher hinunter, ins Tal. Man bekommt nach ein paar Tagen einen differenzierenden Blick auf einzelne Tiere und Pflanzen, mit einer Differenz zur Analyse des veganen oder ökologischen Speiseplans. Und hier bin wirklich ernst, wenn ich euch berichte, welche Falter, Insekten, Heuschrecken, Käfer ich als Kind so gesehen habe, dass ich sie erinnere – und jetzt darüber nachdenke, was die EnkelInnen interessiert, wenn ich das erzähle, und – oder, was sie selbst ergehen, erfahren wollen. Das hat nämlich nicht nur mit der Natur hier zu tun, und auch nicht, was man urban übertragen kann, sondern mit einem selbst, wo man jugendlich oder erwachsen selbst Natur verschwen-det, wo man sie beschützt hatte, und beides ja politisiert hat, oder – leider bei vielen – nicht. Und doch muss ich beim aufsteigen, bei der Orientierung, bei der Umsicht befristet befreien von diesen politisch Reaktionen, sonst verstehe ich gar nicht, was hier IST. Die Lokalzeitung ist, wie gesagt, interessant, auch dass Italien und Deutschland in der Bildungspolitik im Keller sind, und Südtirol versucht, etwas besser zu sein. Das liest man und beobachtet, wie Menschen mit einander umgehen, und paradox kommt mir Brecht ins Gedächtnis „Die in Dunkeln sieht man nicht“, oder doch nur am Rande. Ich kanns nicht lassen. Seit meinem 8. (!) Geburtstag führe ich ein Tourenbuch, zwei kleine DINA16 Büchlein, wo ich meist ohne Kommentare meine Wanderungen beschrieben und die Hüttenstempel eingedrückt hatte. Bis ich neunzig sein werde, reicht das zweite Buch noch…ich lese wenig nach. Aber was ich heute nicht mehr gehen kann und will, spielt schon eine Rolle wie das Festhalten an dem, was noch neu oder anders ergangen wird. Oder elebt, wie das außergewöhnliche Gewitter heute Nacht.