Die Medien sind voll mit Hinweisen, Erklärungen, Schulungen und Prognosen zur künstlichen Intelligenz. Seit Jahren verfolge ich einige für mich verständliche historisch-prognostische Beschreibungen dessen, was uns umgibt. Vor allem hat es mir Yuval Noah Harari angetan, „Sapiens“, „Homo Deus“ und andere. Jetzt aber seit Monaten Nexus, „A Brief History of Information Networks from the Stone Age to AI“ (Vintage 2025). Das Buch ist 2024 geschrieben, also ziemlich zeitnah.
Die Wissenschaftsgeschichte ist spannend, besonders aber für mich das spannend, das III. Kapitel „Computer Politics“, ab S. 305, die Theorie der historisch-analytischen Beschreibung, wenn man so will. Er kennt sich schon aus, vereinfacht vielleicht zu sehr für die Experten, aber nicht für die Laienleser. Spannend: Konservativ (nicht reaktionär) ist historisch einleuchtender als progressiv (nach linkem Aufstand siegt der mächtigere rechte…). Hitler und Stalin waren äquivalent. Hitler und Roosevelt machten gleichzeitige unterschiedliche Entwicklungen. Jetzt aber Trump: Zerstörung der demokratischen Progressivität (ohne neuen Aufbau, wie vor hundert Jahren…. Gefahren für die Demokratie durch die neuen AI und Roboterentwick-lungen, aber auch Hoffnung auf Erneuerung…Demokratie muss die Veränderungen der Geschichte wissen und vor allem verstehen. Bürokratie, so gefährlich sie war, war „human“ und beschränkt. Da ist jetzt eine Gefahr, dass sie von AI überbaut wird.
Es gibt die menschliche Möglichkeit, den Rassismus von Verfassung und Bibel zu korrigieren. Algorithmen werden von Gerichten nicht verstanden. Das trifft auf Juristen zu, aber auch auf mich. Und: Spielzüge von AI-Akteuren können, auch wenn sie erfolgreich sind, nicht erklärt werden: Das unterwandert Demokratie. Andererseits können Algorithmen leichter durchschaubare Urteile fällen als „Humans“. Und die wiederum müssen verstehen, was Algorithmen aussagen, bedeuten. Die Vermutung Hararis, dass die Algorithmen mit sehr vielen Quellen ehrlichere Schlussfolgerungen auch im juristischen Bereich ziehen können, nicht immer und nicht müssen, ist im Vergleich zu den Humans deprimierend, aber nicht unlogisch. Die Analyse von diktatorischen Systemen im Umgang mit AI kennen wir etwas besser…Interessant ist, dass im 21. Jahrhundert sich die Struktur früherer HighTech wiederholt, ob analog oder elektronisch spielt in der Beschreibung keine Rolle, aber die Beziehung von politischer Macht und privater Entwicklung ist so einsichtig wie der koloniale Abhang gegenüber den nicht-globalmächtigen Staaten außerhalb der drei oder vielleicht vier oder fünf. Der Abschnitt „Data Colonialism“ heisst zu Recht so. Die Aufteilung der Welt, nicht nur der Erde, zwischen China und den USA über AI wird unsere Aufmerksamkeit verlangen. Keine Vorhersagen, sondern eine Reise durch Möglichkeiten, die nicht sicher so sein werden oder anders, aber möglich sein können…Harari ist vorsichtig und weitsichtig. Der Abschnitt über Religion bräuchte den AI Rahmen gar nicht, der Körper wird in Zukunft auch wichtig(er) für die Möglichkeit verschiedener Identitäten. Die Coda: lass unserer kritisches Bewusstsein, unser innovatives Bewusstsein nicht der AI unterordnen…naja, schwierig genug. Aber dafür brauchen wir Nexus.
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Das ist keine Rezension, ich habe auch keine Seiten angegeben, oder Zitate eingebaut. Was mich fasziniert ist die Begrenztheit der Evolution menschlicher Vernunft, aus der heraus die scheinbare Überlegenheit der künstlichen Intelligenz produziert wird, und die uns ja offensichtlich stärker einengt als unsere Optimisten und Philosophen es wollen: politisch, kulturell, ökonomisch und umweltorientiert. Natürlich schreibt Harari nicht über den Erduntergang bzw. das Verschwinden der Menschen von der Erde – ob es dann noch eine natürliche Erholung gibt, ohne uns? Aber die Endzeitanalogie ist schon sehr durchsichtig im Text. Ob wir nun KI, Algorithmen, Roboter und künstliche Intelligenz verstehen oder gar durchschauen, oder nicht. Wenn uns das dann nur scheinbar und nicht wirklich überlegen ist, dann darf die Evolution nicht in der Gegenwart zu Ende gehen, wie die Faschisten aller Kulturen es gerne hätten. Die gibt es natürlich auch bei uns, Resilienz reicht nicht, politische Praxis ist schon angesagt.