Nur was man wirklich mag, aktiviert Kritik

Die letzten 24 Stunden USA. In Europa geht mir Italien nebst Heimat Austria am nächsten, und Israel transkontinental, und eigentlich lange Zeit die USA vor anderen Americanae. Das ist gar nicht so subjektiv, wie es klingt. Denn die eigene Geschichte hatte mit den Nachkriegs USA so viel zu tun wie wenige andere Länder, und das Sprachstudium, die Reisen, die Universitäten, die Freundschaften haben sich wie ein Pelzkragen um die Familienmitglieder dort gelegt. Nun, die meisten leben nicht mehr, und meine Schwester hat einen deutschen Pass genommen, GsD.

Dass unsereins Trump nicht mögen kann ist mehr als ihn bloß nicht mögen zu dürfen. Man muss einen Diktator ohnehin nicht mögen, auch wenn er im Vergleich zu anderen Tyrannen vielleicht noch erträglich ist. Obwohl: wäre man ein ärmerer US-Bürger, müsste man unbehandelt und hungrig auf private Wohlfahrt oder eben das Nichts angewiesen sein (Thema vieler DLF und ORF Nachrichten, weniger der Sozialpolitik bei uns).

Wie auch in anderen sich festigenden Diktaturen ist der Widerstand gegen Trump erstaunlich gering, bei den Demokratien wie in der Presse. Und meine (abonnierte e-paper) New York Times verfolgt er brutal, das verschreckt die kleineren liberalen Blätter, auch wenn er den 15 Mrd $ Prozess nicht gewinnt. Allein heute die Nachrichten: TV-Shows werden abgesagt, Finanzdiener werden in die Federal Bank eingeschleust, absurde bis faschistische Strafprozesse erhalten immer weniger Widerstand von der Justiz.

Scheinbar gibt es noch mehr Widerstand gegen die Einschränkung der Grundfreiheiten, v.a. Meinung und Presse, mehr Widerstand als in Russland oder China. Aber die US Diktatur macht sich ja gerade „normal“. Das ist eines meiner Probleme: wie schnell die außergewöhnliche, rechtslastige und kulturfeindliche erste Präsidentschaft Trumps heute so akzeptiert wird, dass die Ränder seiner Normalität sich mit der Normalität der Meisten? jedenfalls vieler US BürgerInnen decken.

Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich keine Eigenschaftswörter und Adverbien für Trump, Putin oder Xi übrig habe, denn Diktatoren dieser Dimensionen können „alles“ tun und auch das Gegenteil, und sich so darstellen, wie ihr Ego es will und nicht, wie wir es wahrnehmen. Bei den sich unterwerfenden Demokratien oder Faschismen darf und kann man gut differenzieren, sie sind natürlich divers, vergleicht den Britischen Hof mit Melonis Inn- vs. Außenpolitik mit NATO usw. Aber mir geht es um etwas anderes: die kaum behinderte Zerstörung der amerikanischen Kultur – die ich immer besonders mochte, siehe oben, – wird sich auf die gegenwärtige und auf die nächsten Generationen so auswirken wie Putins Verschleppung von Kindern in die russische Armut. Wo Trump sich mit den beiden anderen Diktatoren gleicht: im brutalen Misshandeln von Texten und Kultur, v.a. natürlich im Bildungswesen und bei der Umwelt. Und werte LeserInnen und Leser, mal ehrlich, was unterscheidet Trump von den beiden anderen Atomdiktatoren wirklich? Natürlich auch, dass wir noch unter dem Schirm der USA vergleichsweise liberale Spielräume haben, ja, kulturell sogar opponieren dürfen, in Grenzen. Und klar, er hofft auf vorbeugende Selbstzensur der Massen. (Dass die AfD ihm auch ins Trump kriecht, ist kein Zufall, aber auch kein Wunder, nur: die Mehrheit der Politik legt sich etwas weniger peinlich an seine Seite…).

Richtiger Einwand: Was sollen wir denn in Europa tun, ohne die USA überfällt uns Russland, und dann geht auch der Wohlstand verloren. Wenn es nur der wäre, wird das sicher sich so entwickeln, weil Europa am Ende ist, Karthago zwischen II und II Krieg. Aber das dauert länger als Trump überlebt und mit seiner Camarilla herrscht.

Noch haben wir die New York Times. Beispiel heute zu Israel: nicht monothematisch, nicht einseitig:

  1. Israel Is Committing Genocide in Gaza, U.N. Inquiry SaysBy Nick Cumming-BrucePage A8
  2. Trump’s Laissez-Faire Stance Gives Netanyahu Free Pass for Gaza EscalationBy Michael CrowleyPage A9
  3. Why Many Israelis Oppose Netanyahu’s Offensive Into Gaza CityBy Isabel KershnerPage A9
  4. Gaza City Panics as Israel Launches Ground OperationBy Liam Stack, Abu Bakr Bashir and Ameera Haroud

Oder den Kampf von Trump gegen die US-Kulturgeschichte: https://www.nytimes.com/2025/09/16/climate/trump-park-service-slavery-photo-tribes.html

Er ist wie seine Mitarbeiter und Kumpel ein Rassist, vor allem ist er ein Diktator. Nur: er wird breit im so genannten Volk unterstützt. Aber das: Donald Trump will Antifa-Bewegung als Terrororganisation einstufen (Spiegel online 18.9.2025). das kann ein Diktator so wollen. Wo sind die Grenzen?

Aber was bedeutet es, „nur“ eine NYT zu haben? Es bedeutet, unsere Resilienz zu stärken und unser Bewusstsein nicht einlullen zu lassen. NYT und die New York Review, machen nicht mein ganzes US Bewusstsein aus, aber einen guten Teil. Was wir von den USA wissen, ist meist die intellektuelle Couvertüre der Ostküste, der Westküste, der großen Städte – oder kulturelle Höhepunkte. „Auf dem Land“ ist in den USA ziemlich weitläufig, viele Distrikte sind größer als deutsche Bundesländer, zum Arzt oder Supermarkt ist es weit, die lokalen Zeitungen verdienen oft den Namen nicht und die Medien werden durchaus von trumpoiden Radikalen beherrscht: Fox – forscht da einmal nach…https://de.wikipedia.org/wiki/Fox_News_Channel oder im Detail https://www.msn.com/de-de/nachrichten/other/t%C3%B6tet-sie-einfach-fox-news-moderator-schockt-mit-gewalt-aufruf/ar-AA1MwcLx (18.9.2025) – man kann sich da einarbeiten. Weiter: Ein Mord als Vorwand. Jocahim Käppner in der SZ: „…Hoffnung liegt in der Geschichte. Schon einmal, in der Ära des eifernden „Kommunistenjägers“ McCarthy in den frühen 1950er-Jahren, driftete die älteste Demokratie des Westens ins Autoritäre ab. Damals war die Demokratie stark genug, um zu widerstehen. Vielleicht setzt sich der traditionelle Common Sense der Amerikaner auch diesmal durch. Aber es wird schwer“. Und hier bei uns: Nehmt die Erfahrungen mehrerer Generationen mit der Springer-Presse…oder Diskussionen um ZDF-Einführung: da sieht man schon Unterschiede auch im gesetzlichen Bereich. Aber dagegen die gibt es die kaum limitierte Meinungsfreiheit in den USA, die zur Zeit gewaltsam nach rechts gedreht wird….Das alles wirkt schon auch auf uns. Aber es wird schwer…

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Alles heute. Vielleicht morgen etwas anderes, aber nicht anders. Aus Karthago nach Rom schauen, ist nicht immer angenehm. Aber es hilft, sich ein wenig real einzurichten.

Sind wir am Ende? Ja, aber: wovon?

Keine Apokalypse, bitte. Wenn die Menschheit von der Erde verschwindet, wird das etwas kürzer dauern als bei den Sauriern, aber länger als bei den meisten von uns vernichteten Insekten, und überhaupt: die ZEIT ist angesichts des Ende von Humanwesen etwas anderes als unsere Lebenszeit. Ich bin dabei meine Liste an Nicht-Kommentierung täglicher Schreckensnachrichten zu verlängern. Ukraine, Gaza, Sudan sowieso, die Kommentare schwächen meist die Wirklichkeit ab und wer die inhumane Politik der Aggressoren verteidigt, befreit sich von weiteren Stellungnahmen, sofern die keine praktische Wirkung haben. Wenn allerdings…Aber was soll man sagen zu Entwicklungen, die unsere Vernunft anscheinend nicht erreichen? So, wie man Menschen, die man verachtet, nicht wirklich kritisieren kann, sowenig kann man kommentieren, was auf unterschiedlichen Ebenen zugleich sich abspielt.

Beispiel: Kritik an der Politik von Netanjahu, die ja mit seiner Unterstützung der Hamas ziemlich früh begonnen hatte, kann nicht gleichgesetzt werden mit der Kritik an Hamas und ihren Unterstützern. Dazu muss man aber nicht nur die Geschichte zurückverfolgen, von der Rechtsentwicklung der israelischen Politik bis zur Entwicklung und Hamas-Inklination der Palästinenser Gaza. Kritik an den Einen kann gar nicht Abmilderung der Anderen bedeuten, wir sind ja keine weißschwarz-Sekte einfältiger Orden. Man darf auch mehr als einen Gegner haben. Für mich jedenfalls ist das mehr als Literaturbedarf, man muss da schon empirisch genau wissen, wann was begonnen hat – und nicht mit der Bewertung die Analyse zurückdrängen. Dieses Beispiel nehme ich, weil mich Israel besonders auch persönlich berührt.

Aber die globale Endzeit hat ja zwei Ebenen mindestens: die Entwicklungen und Abläufe der Gesellschaft (en), die sozusagen in Lebenszeitabschnitten dem Ende zustreben und nicht unsere Philosophie, sondern unsere Beziehung zu Kindern und Enkeln, unsere sozialen und ethischen Elemente herausfordern. Die andere Ebene: wer befördert wie das Ende der Menschheit, also die Überholung der Umweltzerstörung durch Krieg, Diktatur und Todespolitik? Anders gefragt: müssen wir nicht vor unserem Sterben noch Politik machen, als resigniert die Umwelt sich zerstören sehen und uns in die nächsten Diktaturen und Kriege einfinden?

(Der letzte Absatz – lasst die Ökologie außen vor), der letzte Absatz ist eine Art Neuauflage der Jahre 1910-1914 bzw. 1930 bis 1933, natürlich mit Veränderungen. Aber strukturell doch recht verwandt). Es kommt darauf an, die globale Zerstörung zu dekonstruieren, Europa, unser Europa, wird das erste Opfer beider beschriebenen Entwicklungen sein, d.h. unser Absturz wird auch schneller und tiefer erfolgen als in anderen Teilen der Welt. Also den Teilen, die direkt von einem der Atomdiktatoren beherrscht und von ihren faschistischen Gefolgschaften umgesetzt werden.

Hinweis: ich hatte immer davor gewarnt, Adjektive und Adverbien zu den drei globalen Diktatoren Xi, Putin und Trump abzugeben. Nur sie können nämlich alle Erscheinungsformen sich an- und ausziehen, ohne dass die Untergebenen wirklichen Einfluss haben. Das ist im Kampf zwischen Demokratinnen und Demokraten mit den Faschistinnen und Faschisten anders, da muss man genau angeben, was einem jeweils so missfällt, dass man politisch dagegen kämpft.

Keine Apokalypse. Der langsame Niedergang der humanen Spezies wird uns selbst ja kaum mehr erreichen, oder sagen wir so: der nächste Atomkrieg oder eine soziale und kulturelle Verarmung des Europa zwischen den Mahlsteinen sind wahrscheinlicher als das völlige ausweglose Verschwinden des Umgangs von Natur und Menschen miteinander. Das beruhigt nur die Kleinbürger und Aktionäre.

Nun könnt ihr fragen: warum ich das schreibe. Vielleicht überleben solche Texte die nächsten Schritte der Weltzerstörung oder auch nur des Niedergangs eines Staates oder einer Gesellschaft, dann weíß man wenigstens, was wirklich war. Der Sieg der Wirklichkeit über die Wahrheiten ist unangenehm, das ist uns allen klar.

Keine Angst. Morgen wird es durchaus ungezwungen fröhlicher. Noch leben wir ja. nicht schlecht, oder?

Krieg – anders als bisher? Frieden auch.

Wenn man die Verletzten, Toten, Geschändeten, erfährt, wenn man die zerstörten Felder und Häuser sieht, dann kommen die Erzählungen wieder hoch, die sich ja in Bildern – und Statistiken – ausdrücken. Dann spricht MAN vom KRIEG. Der Rückblick, in Deutschland Stalingrad, in den USA Vietnam, usw. erzeugt eine Lücke in der Wahrnehmung. Was ist jetzt anders?

Darüber nachzudenken ist ebenso wichtig wie sich die Zukunft vorzustellen. Wünschbar ist Frieden, aber ja, nur: den können wir uns schwer vorstellen, und den drohenden, näher rückenden Krieg stellen wir uns in den Bildern der vergangenen Kriege vor. Nur die Wahrnehmung des wirklichen Todes, verhungerte und geschändete Kinder, verlassene Alte, gemetzelte Menschen allen Alters, bringt uns die Wirklichkeit nahe, unabhängig davon, wie das Sterben verursacht wurde.

Darüber schreibt man nicht, wenn man nicht auch etwas Praktisches tut. Aber wir wissen es – oder etwa nicht?

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Die Zusammenhänge sind nie einfach gewesen, jetzt sind sie es auch nicht. Aber die unsittliche Plattheit, dass alle irgendwie (selbst) Schuld haben, wabert natürlich durch alle Plots und Kommentare derer, die sich jetzt schon bücken, um die Unterwerfung vorzubereiten.

Das geht in den Alltag.

Wenn man etwas wirklich weiß, muss man nicht dauernd mit sich und seinesgleichen darüber reden. Nur, wenn man etwas zu sagen hat, soll man das Thema ansprechen (das ist die Theorie von A.R.Bodenheimer, einem vor 13 Jahren verstorbenen Freund). Mit anderen Worten, diesmal meinen: über diese Kriege zu sprechen hat nur Sinn, wenn es der Aufklärung, dem politischen Bewusstsein, hilft, praktisch zu werden. Sich auf die Folgen dessen einzustellen, was möglich und wahrscheinlich ist, nicht Wissen durch Vertrauen zu ersetzen (auf Gott, auf Trump auf…).

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Und sonst müssen wir weiter so leben, wie wir es auch, auch! für richtig halten. Der Weltkriegsalltag und seine Vorboten soll keine Mitläufer erzeugen mangels Alternativen. Die derzeitige Regierung verstößt gegen viele Überlebensregeln der Umwelt- und Sozialpolitik. Es ist den Merzen und Dobrindts und Klöckners nicht bewusst, denke ich, dass sie damit indirekt auch die um sich greifenden Kriege unterstützen. Uns muss das zu denken geben – und zu handeln. Das kann uns durchaus stärker machen als uns auf den Ausbruch von Kriegsalltag in der Nähe angstvoll vorzubereiten. Wenn wir richtiger leben und handeln, haben wir weniger Angst. Nebbich?

Linker Westen? Werch ein Illtum.

Auffällig sind zwei Phänomene: der Westen wird von den einen REkonstruiert, von den anderen DEkonstruiert. Und wenn es in der Gesellschaft kracht, sind die Linken schuld.

Wie auch immer. Hier wanken die tektonischen Platten der Weltpolitik. Damit ich mich nicht im unerträglichen Mythizismus überalteter Begriffe verfange, muss ich selbst aufpassen. Wie lange haben „Wir Linke(n)“ vom „Westen“ gesprochen, und dabei richtig festgestellt, dass der „Osten“ noch schwieriger auch nur zu bestimmen war, geschweige denn zu beschreiben.

Ausgangspunkt eins: viele, nicht alle, westlichen Demokratien drücken sich ins Trumplager, damit sie einerseits vor dem Osten, also Putin und teilweise Xi, geschützt werden, und sich andererseits selbst so aufrüsten können, dass sie weniger von Trump abhängig werden. Was einerseits ein unauflösbarer Widerspruch ist, andererseits fast normale Geopolitik aus Sicht der Schwächeren (nicht Schwachen!( und aus Sicht von selbst-schwankenden Demokratien gegen die nächstliegende Atomdiktatur USA gegen das Bündnis der drohenden Atomdiktaturen Russland und China, mit entsprechenden Untergebenen, also Atom-Followern. Da hat der Westen nur Israel, und das ist noch einmal ein Stolperstein.

Ausgangspunkt zwei: Nun, schon länger zweifeln wir am „Westen“ und je genauer wir ihn dekonstruieren, desto brüchiger wird seine Architektur, also stellt man ihn lieber unter Denkmalschutz. Hinweis: Kritik am enggeführten Westbegriff gibt es schon länger, auch hier im Blog, z.B. anhand von Heinrich August Winkler. Aber jetzt wird es konkret: In der ZEIT #37 macht Jens Jessen einen schwer erträglichen Kurzschluss, wonach die Fehlpolitik der „Linken“ den Aufstieg der „Rechten“ AfD u8.a.) begünstigt, wenn nicht bewirkt hatte. Als Antwort reagieren Robert Pausch und Ines Schwerdtner in der ZEIT # 38 unter dem richtigen Titel „So einfach ist es nicht“, aber leider gehen sie nicht tief genug in der Analyse der Linken, weil die ja weniger mit der Arbeiterklasse als mit gesellschaftlichen politischen System zu tun hatte und hat, wie im übrigen die Rechte auch. Meine Konsequenz seit längerem, mit vielen geteilt, rechts-links ist eine fragwürdige Koordinate, teils anachronistisch, teils auch dann nicht richtig, wenn man sich subjektiv eher als alter Linker denn irgendwie als Rechter empfindet.

Zurück zum Ausgangspunkt eins: Allmählich greift die Kritik am Fokus des Westens um sich, nur langsam und oft ideologisch falsch, extrem bisweilen. Auch wenn es im SPIEGEL steht, das Interview mit Josephine Quinn fasst zusammen, was auch ich seit langem bedenke (auch ich ist bescheiden, nicht anmaßend, weil im Alltag der Westen und der Osten schon sehr verbreitet sind): „Die ideologische Tektonik verschieb sich, und der Ausgang ist ungewiss“ (SPIEGEL #37, 108ff.) –> „How the World Made the West“ u.a., und https://en.wikipedia.org/wiki/Josephine_Crawley_Quinn – die Kritik an den West- und Ost-Begriffen ist nicht neu, aber hier zusammengefasst.

Damit ist übrigens auch klar, wo die Linken mit ihrer Kritik an den Rechten etwas danebenlagen, weil sie sich auf eine Arbeiterklasse berufen haben, die es so und mit dieser Ideologie längst nicht mehr gab und die auch früher anders als ein Idealtypus war. Was nicht die Rechten milder beurteilen lässt, nur nicht auf einer Klassenanalyse, die eben nicht schwarzweiss, sondern differenziert war und ist.

Hier kann ich, ohne „persönlich“ zu werden, auf Jugenderfahrung in einem Industrie- und Touristenort zurückgriefen, wo sich das Hufeisen einer Rechts-Links-Klammer historisch und persönlich fast schloss und meiner heranwachsenden kritischen Politik durchaus Probleme machte. Ganz allgemein natürlich, dass viele Faschisten eine linke Vorgeschichte hatten, ja, selbst dass die nsdAp „Arbeiterpartei“ hieß, sind historisch keine Zufälle- und das kann man wissen und nachlesen – und verstehen.

Links im Westen – nehmt die Studentenbewegung(en) ist nur in Deutschland (nicht einmal in Österreich so) durch die Nachkriegserfahrung und -mythisierung verbogen. Das kann man gut und im Detail studieren, und auch die Verdrängungsmechanismen buchen. Der Westen ist nicht links gewesen, nur bisweilen wirklich demokratisch und die Nahtstellen gibt es bis heute. Aber der westliche Nachkriegsmythos hatte ja, neben der Eurozentrik und der Halbabwendung zum Kolonialen und Imperialen, auch eine nationale Fokussierung.

Quinns Kritik umfasst auch Huntington (der ja eine Zeitlang die Hirne gebunden hatte) und sie wendet sich deutlich gegen die Überschätzung der europäischen Geschichte (da verweise ich auch auf W. Behringer (Der große Aufbruch, Beck 2023). Aber weit unterhalb der hohen historischen und philosophischen Ebenen ist ja die Horizontalisierung der Kulturen in unserer Gesellschaft – nicht gleich mit dem Staat – eine Möglichkeit, demokratisch zu bleiben und sich zu entwickeln.

Und kritisch auf den Westen und den Osten, auf die Linke und die Rechte zu blicken, sie kritisch zu bedenken, das hilft ein wenig, politischen Boden unter den Füßen zu gewinnen.

Das erzählt einmal der Regierung

Wer ist schuld?

Eine spannende Frage, wenn man einmal weiß, woran jemand schuld sein kann oder sollte.

Dass die politischen Hetz- und Hassprediger genau diese Frage verneinen, macht ihre Politik ja aus. Lassen wir diesen Bereich außen vor, ist es schon spannend, wie man sich um die Schuldfrage drückt.

Beispiel Dobrindt: da kann man viel von der Verlogenheit des Schuldbegriffs lernen, wenn jemand verantwortlich für eine gigantische Staatsverschuldung ist und sich zugleich für unschuldig erklärt, als hätte er recht gehabt und das Gericht aus einer andern Welt geurteilt.

Die Weltliteratur und die Tagespresse, die Nachbarschaft und das politische Forum….ganz viele Organe und Individuen konzentrieren sich auf Schuldsprüche gegen andere Menschen oder ganze Institutionen, ja Staaten. Um fast immer für die Schuld auch Sühne zu verlangen. („Schuld und Sühne“ von Dostojewski ist jetzt 160 Jahre alt und vielleicht nicht mehr so spannend).

In diesen Tagen regt mich schon auf, dass schuldhaftes Handeln anderer eine Rechtfertigung für eigene schuldhafte Praxis darstellt. Denn da kommt man weder logisch noch politisch raus, das liegt an dem Begriff und seiner Verwendung. Der gesichtswahrende (!) Aspekt entschuldigender Verhandlungen kommt in den täglichen Nachrichten zur Beendigung von Kriegspolitik häufig vor.

Man kann das auch auf den Alltag des Umgangs der Menschen miteinander anwenden. Aber in der Politik ist es wichtiger, wenn mit Schuld, Beschuldigung, Entschuldigung, die Ebene der Meinungsäußerung und ihrer Wirkungen wahlweise eingefangen oder abgeblockt wird.

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Das ist keine Moralpredigt, schon gar kein Schuldschein!

Es reicht ja, wenn man sich einmal die Geschichte der Verwendung des Schuldbegriffs im moralischen oder geschäftlichen Alltag anschaut. Ich zeige, werte Leserin, bester Leser, ja nur, wie mich ein Begriff und seine Familie besonders ärgern, weil sie in die Politik eindringen und dann schwer zu beseitigen sind, etwa mit Ent-Schuldigung. Das ist schon im Alltag fragwürdig, wenn ich mich für die Anrempelung entschuldige oder das Vordrängen, und erst recht im nicht körperlichen Abwenden der Folgen von Lügen oder Beleidigungen. Ökonomisch ist das einfacher: Schulden machen, Schuldscheine einreichen, im Schuldturm verrecken…(Im etymologischen Wörterbuch ist der Begriff „Schuld“ nur einen kleinen Absatz wert…). Aber im Alltag eben ein oft gebrauchter Begriff mit oft verheerenden Auswirkungen…wenn eine Entschuldigung nicht angenommen wird, so schlimm, wie wenn jemand sich nicht entschuldigt.

Psychoanalytisch ist der Schuldbegriff schon ganz spannend, mit Scham verbunden, aber noch mehr mit Entschuldigung, auch mit Sühne… Aber im Alltag…

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Ihr werdet euch fragen, warum ich in meinem Blog so eine Einlassung schreibe. Fehlen mir die spannenden Ereignisse? Keineswegs. Gibt es einen Hintergedanken? Eben nicht. Das ist es, mich ärgert, wie umfangreich der Schuldbegriff um alles und jedes herumwirbelt. Nur schreibe ich ja nicht nur um meinen Ärger loszuwerden. An politischen Ereignissen ist es besonders spannend, wenn die Beschuldigungen sich über die Sachverhalte legen, bis man gar nicht mehr erkennen kann, was wirklich geschieht und wer was wie angefangen hat – bevor klar wird, wer daran schuld hat. Umgekehrt, wenn es klar ist – Russland gegen die Ukraine, zum Beispiel – nützt die Beschuldigung gar nichts, solange man nicht gegenhält. Militärisch waren und sind oft Siege Entschuldigungen, und Widerstand gilt dem Sieger als neue Schuld. Und in der >Politik wie im Alltag gilt, dass es ja nicht immer nur zwei gibt, den Schuldigen und den Unschuldigen, und wenn mehrere Schuldige gegeneinander Gewalt anwenden, dann ist die Schuldzuweisung oft der Anfang weiterer schuldhafter Politik.

Natürlich wäre es quatsch, eine Begriffspause zu verlangen und für eine Weile den Schuldbegriff sagen wir nur den juristischen Institutionen zu belassen. Aber den eigenen Gebrauch des Wortes zu kontrollieren, ist nicht schlecht.

Du bist schuld daran, dass ich jetzt schlecht gelaunt bin? Nein, du

Nichts geht mehr?! Was ist Nichts?

Ich höre und lese pflichtbewusst die täglichen Nachrichten, nicht gern und nicht inspirierend. Auf neue Ideen bringen sie mich nicht, und mit vielen Analysemikros kann ich nichts anfangen. Auch der Vergleich mit dem, was Deutschland in die Schlagzeilen gibt mit London, New York und Wien, macht Aufwand, aber es erhellt das Bewusstsein nur mäßig. Die stete Wiederkehr des Murmeltiers oder Weihnachtsmärkte macht den Jahresrhythmus nicht besser.

ODER

So war es immer ?? in der Geschichte, die einen profitieren, den andern geht es immer schlechter, und die Meisten wollen sich das begütigend erklären, und die Armen sollen sich nicht so haben, usw. Die politische Ökonomie lehrt, dass im Zweifel die Wirtschaft die Politik und nicht umgekehrt dirigiert, und das trägt alles zum Fortschritt der Menschheit bei.

UND ABER

Beides stimmt nicht. Oder es stimmt zugleich. Sonst würde ich mich damit ja nicht unruhig befassen. Die Weltnachrichten kann man zwischen den Zeilen durchaus verstehen, wenn man hinhört und hinschaut. Ungut, ja, wie sich die politischen Kräfte neu sortieren, wie tektonische Platten, nur sind die Erdbeben der Politik im Vorfeld von Kriegen nicht so heftig, und danach gewöhnt man sich daran, wenn man nicht gerade selbst betroffen ist. Aber das sind wir ja, sowohl was Umwelt als auch stabilen Frieden betrifft? Ja schon, aber über die nächsten Wahlen hinausschieben.

RESIGNATION VERSUS RESILIENZ

Ärgerlich, dass nicht nur unsere Regierung verbal die Probleme scheinbar erkennt und benennt, nur – was tatsächlich macht, verzögert nur das Bewusstsein um die globalen und lokalen Krisen. Nimmt man das hin und verklärt das sogar als pragmatische Einigkeit der Regierung der „Mitte“, dann wird man von der Wirklichkeit umso härter getroffen werden, man ´wir, unsere Kinder, Enkel, Freunde….Lest einmal über den Kriegsbeginn 1914…

Wir dürfen uns nicht unseren Meinungen hingeben, sondern politisch den Widerstand erst unserer Psyche, dann unserer Praxis einrichten; widerstandsfähiger werden und – für die Umwelt kämpfen, umso mehr, als die Kriege ja die Chance der Umweltrettung weiter ausdünnen.

KEINE IRONIE

ist es, wenn ich meine, wir können „Neben“widersprüche vorsichtig beiseite legen, um die wirklichen Widersprücher, die Erdbeben tektonischer Gesellschaftsplatten, zu überleben und den Widerstand zu beleben.

Darüber kann man sprechen und man kann handeln. Nicht einfach ankündigen und Kommissionen einrichten. Die Zeit drängt und unser Leben ist kurz. Wer es nicht glaubt, soll wieder bei Ovid das VORLETZTE Zeitalter lesen. über das letzte gibt es wenig zu erwarten.

Kriegszeiten, Jahreszeiten, Unzeiten

In meiner Umgebung gab es immer Jahreszeiten, die Familien Sommer, Herbst und Winter, und statt Frühling hieß unsere Vermieterin Lenz. Ich hatte mir als Kind nie Gedanken gemacht, wie es zu dieser Namensgebung gekommen ist. Und viele Witze gab es in der Schule auch nicht dazu. Die Erklärungen und historischen Belege sind zahlreich (https://de.wikipedia.org/wiki/Vier_Jahreszeiten), und man kann sich leicht vorstellen, woher dien Einteilung kommt…diese Vorstellung prägt langwellig auch unsere Kulturen.

Trotz aller Modernisierung der Waffensysteme und aller elektronischen Steuerung gibt es in denn heutigen Kriegen durchaus eine Abhängigkeit von Jahreszeiten beim Waffeneinsatz, nicht mehr so direkt wie früher, aber immerhin…

Vorkrieg, Nachkrieg, Bürgerkrieg, Weltkrieg, Rosenkrieg….welcher von diesen ist kein Krieg? Und warum?

Unsere Nachrichten wählen Kriegsbezeichnungen und Mitteilungen darüber aus, sie können gar nicht immer alle Kriege aufzählen und beschreiben, gar bewerten. Aber der Begriff „Krieg“ hat sich in unsere Sprache eingegraben, sich festgesetzt, vom Ehekrieg zum Handelskrieg. vom Krieg der Sterne bis zum Krieg der Welten. Wann und wie der Begriff in Kunst, Literatur und Philosophie eingeht, verschafft vielen eine sekundäre Beschäftigung. Dem gegenüber kommt die Kehrseite, der Frieden, oft zu kurz, wiewohl auch dauernd und vielseitig angewendet. Nicht wirklich mein Thema, jetzt schon gar nicht.

Krieg auf allen Ebenen, das ist wichtig: jeder Krieg hat viele Schichten und greift weit in die Gesellschaft ein, in die Familien, in das individuelle Leben. und natürlich in die Kulturen, und in die Sprache (russisches Begriffsverbot!) und in unser Bewusstsein. Schrecklich, wer nur Krieg kennt, von Geburt und Kindheit an, der braucht den Begriff gar nicht mehr, um die Wirklichkeit zu erleben; und schrecklich, wer den Krieg erst im Lauf des Lebens kennen lernt, erwartet, unerwartet, aktiv mitbetrieben oder passiv erfahren. Kriegszeiten werden auch historisch anders erlebt und beschrieben und weitergegeben als Friedenszeiten. Obwohl das ja nicht einfach zwei Seiten einer Münze sind.

So, wie die Jahreszeiten nicht mehr das sind, was sich uns seit Kindheit eingeprägt hat, so sind Kriege niemals das, was als öffentliche, offizielle Beschreibung und Bewertung an der Oberfläche sichtbar ist und dann doch in Schule, Familie, Tradition, auch Religion, vermittelt und eingeprägt wird. Sprechen über ist etwas anderes als erleben, das ist nur ein Segment. Um welche Vergangenheiten geht es bei welchen Konflikten und Kriegen? Um welche Gegenwarten – Tod, Vertreibung, Verwundung, physisch, psychisch, generationenübergreifend und persönlich, und die dazu gehörigen Propaganden… – geht es wirklich? und gar, um welche Zukünfte?

Für mich ist es schwer, nicht dauernd zu analysieren und meine Meinung zu verbreiten. Paradox: gerade, wenn ich wirklich etwas weiß, einer Wirklichkeit bewusst bin, halte ich mich zurück: Israel, Palästina, Ukraine….Das ist keine Spur von Bescheidenheit, aber eine nachdenkliche Vorstellung, wen meine Aussagen erreichen, wenn sie über Meinung hinausgehen. Mich sozusagen in die Politik dieser Aussagen einbeziehen. Und das Nachdenken darüber, ob wir wirklich, wie ich ernsthaft denke, am Rande eines III Weltkriegs sind oder schon drin. Das ist kein Talkshowthema. Der Lernprozess selbst endet ja einerseits erst mit dem eigenen Lebensende, aber, geht es von einem selbst aktiv aus, nie. Also Vorsicht bei beidem: Rausposaunen oder Zurückhalten. Mittelweg schon gar nicht.

Lacht nicht, wenn ich sage, dass die letzten Absätze bedeuten, politischer zu denken und zu agieren. Privaten Rückzug gibt es nicht…Das heißt gerade nicht, dauernd Meinungen auszusäen. Sondern sie zu bilden und dann zu überwinden.

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Unzeiten gibt es auch: das Richtige zur falschen Zeit, das Falsche zur richtigen Zeit, oder noch verschränkter. Meine Erfahrung ist, nicht selten, das Richtige im Falschen unterzubringen, richtet oft Schaden an. (Philosophisch ist das nicht, aber darüber kann man bei Adorno schon etwas lesen…). Es reicht nicht sich auf seinen Instinkt zu verlassen. Oder vielleicht doch, wenn man ihn weiter ausbildet. Zur Unzeit heißt ja oft, das Ich, das Wir, das Man zu vermischen oder zu verwischen. Bei vielen Themen, u.a. siehe oben beim Krieg, nehme ich das unangenehm wahr, um dann zu sehen, dass es auch bei anderen Themen immer und immer wieder vorkommt.

Zwerge, Riesen, alle in Märchen-Haft

Wieder trifft sich die deutsche Bundesregierung, auch um ihre Verwerfungen zu glätten. Das ist im Prinzip gut so. Die Vorausbemerkungen machen misstrauisch: zu weit klaffen die Abgründe zwischen demokratischen und rechtsnationalen bzw. sozialunverständlichen An- und Absichten. Aber, das meine ich ernst, besser die Lenzgemeinde geht so vor als passiv gar nichts zu tun. Aber im Sinne der unrealistischen Belehrung durch Märchen erscheint mir die politische Führung des Landes zwergisch – wer weiß, vielleicht bringt das eine demokratische Unterwelt?

Andererseits: schaut euch die US Riesen an, Trump und seinen Vize und seine so genannte Regierung, wie sich das stärkste Land der Welt innerhalb von Wochen unterwerfen, auf Kultur, Sozialleistungen, Medizin und Außenbeziehungen trumpeln, wie nur Riesen im Märchen.

Beides Zwerge, hier vierzig rebhuhngroße Pferde, und ein absurd großer Riese zum Ende, kommen bei Wladimir Sorokins hervorragender Geschichte „Der Schneesturm“ (2010) sehr aktiv vor. Größe allein sagt nicht viel, und Diktatoren schrumpfen, je mehr sie sich aufblähen. Das Problem bei den Meisten von uns ist nur, dass wir die Einen für böse erklären und uns unterwürfig in die Arme des oder der Anderen (also der Guten) begeben, dem Trump in den Trump und dem Putin in den Putin und dem Xi in den Xi kriechen, obwohl die dort gelagerten Atomwaffen wenig Unterschied machen. Klar, das ist eine Folge der politischen Kultur.

Nun muss man weder sich verzwergen, um mehr als einen Gegner zu haben, auch wenn man an dem einen mehr hängt als an den andern, z.B. weil einen dieser unterworfen hat und zugleich schützt. Noch muss man sich riesenhaft aufblähen und so tun, als wäre man mit dem Diktator X gleichauf, und würde mit ihm den Diktator Y verabscheuen. Trump-Putin, da passt ja beides nicht. Aber es zeuigt auch, dass man die Eigenschaften der Diktatoren nicht aufzählen und gegeneinander gewichten soll: weil sie Diktatoren sind, verwenden sie das alles willkürlich. Das macht die Demokratie dagegen so schwierig.

Die gegenwärtige rasch fortschreitende Normalisierung bewirkt, dass sich beide Extremwanderungen in der sogenannten, rechtslastigen „Mitte“, die es so nicht gibt, verankern, unsere Zwerge sind nicht tüchtig genug, um von da ihre Macht zu befestigen, und Riesen werden sie auch nicht.

Wie sollen denn die Abhängigen mit ihrem Diktator umgehen? Wie sollen denn die EU, die deutsche oder andere NATO Regierungen mit Trump umgehen, wenn sie nicht unabhängig sind? Ich gebe keine Ratschläge außer dem bereits zitierten Brecht, erst „Nein“ zu sagen, wenn man den Diktator überwunden hat. Dazwischen werden wir wohl andere Diktatoren im Äußeren und Inneren bekämpfen müssen, und dann kommt es auf Begriffsbildungen vielleicht nur sekundär an.

Unsere Zwergenregierung kann man am besten verstehen, wenn man den Begriff der Hysteresis von Bourdieu anwendet. Ihr neuer Regierungshabitus wird durch die Nachwirkungen ihrer Politikgeschichte stark beeinflusst, ohne dass die Umstände vergleichbar sind, das gilt für die C Parteien und die SPD. Wir sind natürlich keine Riesen, und die Zwerge werden sich vielleicht doch ihrer massenhaften Kräfte bewusst – hier können wir auf Demokratie hoffen, und dass das Märchen der Wirklichkeit des Regierungstreffens vorauseilt.

Glück und Industrie

Spielt Ihr Tarock? Die schwächste Karte – II – trägt das Symbol „Industrie und Glück“, manchmal mit dem Doppeladler. (informiert euch oder schaut euch selbst nach älteren Tarockkarten um, wirklich schön… https://de.wikipedia.org/wiki/Industrie_und_Gl%C3%BCck). Der Zusammenhang der beiden Begriffe ist durchaus historisch, Industrie ist ja früher an den Eifer gebunden gewesen, und Glück…na, das wisst ihr selbst.

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In diesen Tagen versucht die etwas rechtslastige deutsche Koalition, die beiden Begriffe wieder zu realisieren, die Umwelt zurückzudrehen und das deutsche Volk glücklich zu machen. Unter anderem mit Industrie…halbwegs gefördert, aber nicht wirklich strategisch, außer bei den kolonial erzwungenen Gasimporten aus USA. Ob die Lenzregierung Spielkarten auf dem Kabinettstisch verteilt, anstatt in einem Kabinett einmal Tarock zu spielen? (Erinnerungen schneiden in mein Bewusstsein ein, einmal habe ich bei einer Partie Möbel gewonnen, damals war ich knapp über 20…danach nicht mehr).

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Ein wenig macht mir dieser Rückblich Spaß, weil er einen Augenblick lang die politische Lage verschleiert, und man nicht dauernd Nachrichten hören muss, die die imperialen Anmaßungen von Pmurt und Nitup sich zum Leitfaden nehmen. Oder unseren Blick auf eine Innenpolitik wenden, die ihren Gegenstand nicht so richtig darstellen kann: WAS soll denn mit den Wahlgruppen von AfD und anderen geschehen, wenn endlich richtig regiert wird? Umweltpolitik runterfahren, Soziales, Kulturelles, demontieren? Da macht mir das Abschiedsinterview von Robert Habeck mehr Freude: Nicht nur gegen Klöckner und andere schwer erträgliche Ausraster, sondern so selbstbewusst wie selbstkritisch (https://taz.de/Robert-Habeck-tritt-zurueck/!6106347/). Dass wir auf absehbare Zeit einen guten Politiker verlieren, ist eine andere Frage…dafür geht er nach Berkeley, was mir wiederum gute Assoziationen an eine bessere Zeit in den USA vermittelt…Zugleich aber die schmerzhafte Gewissheit, dass man diese Art von Uhren nicht zurückdrehen kann, und ich damals vieles in den USA auch nur halb wahrgenommen habe. Die Karten werden überall neu gemischt.

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Wenn man sich aufrafft, auf Politik politisch, d.h. nicht nur mit Meinungen und immer wiederholten Kommentaren zu den Diskursen, aber nicht zur Wirklichkeit zu reagieren, dann braucht man immer längere Anlaufstrecken, um sich nicht im Dickicht zu verheddern (die Extremen auf beiden Seiten und die Populisten wissen darüber Bescheid und faszinieren den Pöbel mit einfachen, geradlinigen Lösungen für Probleme, die sie gar nicht lösen wollen oder können…das Problem ist, dass „Probleme“ nicht einfach da liegen und man sie aufhebt und eben löst. Wissen wir, trotzdem schwierig). Dazu sollte man wissen und erkennen wollen und sich nicht mit Antworten bedienen lassen, deren Herkunft oft absurd ist – die aber nicht nur Diktatoren gerne benutzen, auch Aufsteiger in der Demokratie und erst recht Absteiger). Politik und nicht (nur) Meinungen zu vertreten, erfordert schon, dass man sich auf diese Situation einlässt. Und wir brauchen Menschen, die uns anhören, zuhören, widersprechen oder zustimmen – das ist meine Kritik an den endlosen Kommentaren zu durchaus realen Problemen, die nur nicht auf das Diskursinteresse stoßen, das sich hinter jeder Wiederholung versteckt).

Wolkenloser blauer Himmel, fortschreitende Trockenheit, Kälte von schmelzenden Nordeisen…zu den Schwächen der Schöpfung gehört, dass wir uns nicht zeitweilig absetzen können, um aus dem Nichts hinunter auf die Erde zu schauen, was dort für Gewirr herrscht. Nicht ironisch: Lest in Ovids „Jahreszeiten“ den Unterschied bzw. Übergang des dritten ins vierte, letzte Zeitalter. Da sind wir jetzt…zu unseren Stärken gehört, dass wir nicht auf Hilfe von außen, oben oder unten warten können, sondern noch nicht erstarrt sind. Auch wenn wir in einer langen Pause Tarock spielen. Industrie und Glück passen nur in wenigen Koalitionen zusammen, sollten aber.

Übereifer

Jeden Tag äußern sich übereifrige Kommentatoren zu den Themen, die ihnen wichtig sind, und von denen sie glauben, dass sie uns auch wichtig sind. Mag sein, aber die dauernde Wiederholung eigener Standpunkte und/oder Analysen aus dem unpolitischen Lehnstuhl haben wenig Sinn und wirken bisweilen, beim Übermaß, eher zur Abwende. Jetzt mache ich eine Zwischenbilanz, dann kommt wieder der Alltag in die Blogs, und wenn es um große Politik geht, dann will ich entweder herausgefordert werden oder ich habe wirklich ein verbreitungsfähiges Anliegen…So aber:

Nationale Demütigungen gibt es seit Sparta und Athen. Manche Länder leben geradezu von ihrer Identität als dauernde Verlierer. Die imperialen Führungsländer haben sich ihre Abhängigen auf unterschiedliche Weise unterworfen, und die haben ebenso unterschiedlich reagiert. Aber allen Unterworfenen ist gemeinsam, dass sie den Herrschenden ihre Wirklichkeit zueignen, sowie ihnen klar ist, was sie sind und wie sie es sind.

Nun hat sich etwas geändert. Als die USA und die Sowjetunion sich die Nordhalbkugel und darüber hinaus aufgeteilt hatten, galten andere Bestimmungsstücke und Ingredienzien als heute. Von Europa aus hat man einiges davon direkt verspürt, und vieles, weiter entferntes, oft unscharf nicht wahrhaben können oder wollen, etwa die Tyrannis der jeweiligen Oberherrschaft. Oft auch die lokalen, regionalen, oft weiträumigen Widerstände, Guerillas, Bündnisse und Kontroversen der Unterworfenen.

Jetzt, nach der scheinbaren multipolaren globalen Befriedung, ist eine deutlich Hierarchie eingetreten, nicht zurückgekehrt. Die drei großen Atommächte – unterschiedlich stark, allesamt diktatorisch regiert, USA, Russland, China – konkurrieren um Macht und Gewaltherrschaft über Erdgebiete, mehr als nur Ost – West, Nord – Süd. Es geht um die Konkurrenz von China und den USA, Russland ist ein gewaltsamer Faktor, für sich nicht wirklich global, und den Abhängigen ist schon klar, dass sie nicht ohne Grund von einem der Drei Großen abhängen. Mit mehr oder weniger Spielraum für die eigenen Politiken unterhalb der Weltherrschaft. Dier USA-China-Achse hat Europa entscheidend uninteressanter gemacht, das verspüren wir auch, und weniger Handlungsfäghigkeit, weil wir unter dem Diktat der USA stehen, auch wenn wir uns autonomer einrichten wollen – in mittlerer Zukunft, vielleicht können, und auch wenn wir dafür mit unserem Wohlstand zahlen werden müssen. Ob auch mit unserer Freiheit, ist mein wirkliches Problem.

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So, wie der Diktator Trump nicht nur Selenski, nicht die EU, nicht nur die Schweiz oder Brasilien oder Mexiko demütigt und ausraubt, so tun es die anderen Imperien mit ihren Abhängigen. Jeder ein wenig anders, aber alle undemokratisch. Wie die EU sich von Trump vorführen lässt, ist eine bühnenreifes Drama, aber Vorsicht! vorschnelle Alternativen lassen sich nicht spontan herstellen, jetzt sind wir erstmal weitgehend abhängig und untergeben, gerade wenn wir demokratisch bleiben und z.B. der Ukraine helfen wollen. Wir wir dem Trump wohin kriechen, wie andere dem Putin wohin kriechen und wieder andere dem XI, ist eine dramaturgisch interessante Vielfalt. Aber bleibt bei den Fakten. Ohnmacht mit Rosenduft, das möchten wohl manche, und andere suchen Nebenschauplätze.

Gibt es gegen die drei großen Diktaturen Widerstand? Natürlich, und je nach Diktator unterschiedlich.

Die wichtigsten Widerstände sind Resilienz, inneres Abtauchen, Guerilla. Offener Kampf ist nicht möglich, ich sage: noch nicht. Das wiederum ist eine Frage der Kultur, der Bildung und des widerständigen Lernens dessen, was die drei Imperialisten nicht können: gegen eine gebildete und ausgebildete Guerilla gewinnen. Aber die Ausbildung muss natürlich erfolgen, nicht nur herbeizitiert werden. Keine Dschungelromantik, bitte. Guerilla muss anders arbeiten, sie muss die Faschisten und Selbstherrscher aushöhlen. Wieder einmal Brecht: den ich manchmal mehr, manchmal weniger, aber hier sehr schätze;:

Bertolt Brecht: Maßnahmen gegen die Gewalt

„Als Herr Keuner, der Denkende, sich in einem Saale vor vielen gegen die Gewalt aussprach, merkte er, wie die Leute vor ihm zurückwichen und weggingen. Er blickte sich um und sah hinter sich stehen – die Gewalt.

„Was sagtest du?“, fragte ihn die Gewalt.

„Ich sprach mich für die Gewalt aus“, antwortete Herr Keuner.

Als Herr Keuner weggegangen war, fragten ihn seine Schüler nach seinem Rückgrat. Herr Keuner antwortete: „Ich habe kein Rückgrat zum Zerschlagen. Gerade ich muss länger leben als die Gewalt.“

Und Herr Keuner erzählte folgende Geschichte:

In die Wohnung des Herrn Egge, der gelernt hatte, nein zu sagen, kam eines Tages in der Zeit der Illegalität ein Agent, der zeigte einen Schein vor, welcher ausgestellt war im Namen derer, die die Stadt beherrschten und auf dem stand, dass ihm gehören solle jede Wohnung, in die er seinen Fuß setzte; ebenso sollte ihm auch jedes Essen gehören, das er verlange; ebenso sollte ihm auch jeder Mann dienen, den er sähe.

Der Agent setzte sich in einen Stuhl, verlangte Essen, wusch sich, legte sich nieder und fragte mit dem Gesicht zur Wand vor dem Einschlafen: „Wirst du mir dienen?“

Herr Egge deckte ihn mit einer Decke zu, vertrieb die Fliegen, bewachte seinen Schlaf und wie an diesem Tage gehorchte er ihm sieben Jahre lang. Aber was immer er für ihn tat, eines zu tun hütete er sich wohl: Das war, ein Wort zu sagen. Als nun die sieben Jahre herum waren und der Agent dick geworden war vom vielen Essen, Schlafen und Befehlen, starb der Agent. Da wickelte ihn Herr Egge in die verdorbene Decke, schleifte ihn aus dem Haus, wusch das Lager, tünchte die Wände, atmete auf und antwortete: „Nein.“ „

Das Aufatmen ist unser Ziel. Gerade wir müssen länger leben als die Gewalt. Das alles ist natürlich metaphorisch und nicht eins zu eins in die heutige Wirklichkeit zu übersetzen. Auch Selenskis Anzug war ein „Nein“….Manche, auch manche unserer Politiker, hüten sich leider nicht davor, einige oder mehr Worte zusagen, verkleiden das leider als Diplomatie statt ihre geringe Macht, oft Ohnmacht, zu beschweigen. Nicht Trump muss es wissen, WIR müssen es wissen.

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Unser NEIN zu Trump ist schwieriger als das zu Putin. Oder zu Erdögan, oder zu Orban oder zu….Hier liegt ein Problem: wir haben zu viele Ablehnungen im Köcher, zu Recht, aber müssen wir sie alle gleichzeitig und gleichartig verschießen? Können wir das? Damit meine ich, dass wir uns zunächst sehr viel stärker darauf konzentrieren müssen, unsere eigene Konsistenz zu festigen, nicht nur verbal, sondern durch Verhalten und Aktionen. Siehe oben. Aber schon gegenüber Trump ist Gegnerschaft etwas anderes als Feindschaft, und solche Differenzierungen sind wichtiger denn je.

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Fragt mich oder euch selbst, warum ich in letzter Zeit mich so mit dem Weltkrieg befasse, und zugleich „meine“ politischen Themen, Israel und Judentum, Ukraine und Freiheit, Demokratie und Widerstand, etwas marginalisiert habe. Die Antwort ist kein Pessimismus und keine Resignation. Es ist ein Verhalten, das ich für mein Alter, für das laienhafte Agieren außerhalb der Politik für angemessen halte. Sozusagen die Voraussicht auf das, was ich für realistisch halte. Meine Generation kann für die Nachkriegsjahrzehnte dankbar sein, und kleinliches Nachhakeln ist zunehmend absurd. Aber die Generation meiner Kinder, Enkel usf. ist ja viel wichtiger (geworden), und sie werden politisch vielleicht mehr gefordert werden als unsereins…Und da muss man schon sagen, was man denkt, das ist, und nicht nur, was sein kann. .