No, Vember! Yes, Future!

VORSPIEL auf dem Theater

Da demonstrieren gestern Studierende. Mit richtigen Forderungen und eben: Studis. Und heute erfährt man Seltsames: Sogar die konservative FAZ am Sonntag bewertet die Demos und Forderungen der jungen Generation ziemlich richtig, auch die übrigen liberalen Zeitungen. Und? Was man vom rechten Flügel der CDUCSU dazu hört, ist geradezu ein Aufruf für den Protest der Studierenden, über die Alltagsgenehmigung durch die etwas vergreisten Konservativen, aber auch viele SPDler. Wenn man Boris Rhein aus Hessen wahrnimmt, wenn man die Kritik von gealterten SPD-Granden analysiert, dann merkt man die Toleranz nach rechts – und das Unverständnis für die durchaus problematische Linkswendung vor allem in Berlin. Dann versteht man, warum viele Journalisten herer mit den Jungen sympathisieren. Damit es klar ist: ich habe nie die Linke gewählt und werde sie auch nicht wählen, aber die RGR Koalition in Berlin ist doch besser als das Bündnis mit der retrozivilen CDU…Vielleicht hilft die Kritik sogar den Grünen und der SPD. Schluss mit dem Vorwort.

Alle Heiligen, alle Seelen, alle Körper?

Der Reformationstag ist vorbei, die Halloweener haben gegen Mitternacht Bonbonverstopfung abgebüßt, alle Heiligen treten heute auf: so der Katholik im Rundfunk, geht ja…bei n+1 Heiligen aller Maßstäbe ist für alle etwas drin. Und geistig ist ja die Dialektik zwischen Thomas von Aquin und Franz von Assisi so schlau wie die Dialektik von Jesuiten und Kapuzinern. Seelisch geht es darum, dass viele ihre Hoffnung auf das Jenseits morgen befestigen wollen. Im Diesseits, also hier und jetzt, gestern und morgen, geht halt alles mit dem Körper vor sich. Der hat religiös keinen Feiertag, sondern nur dogmatische Verzerrungen im religiösen Alltag. Dazu hat es seit vielen Jahren hinreichend Kritik gegeben. Also: zurück zu heute und morgen, Feiertage und Erinnerungen an die Friedhofsbesuche und Rückrufbewegungen im Hinblick auf die Heiligen. Ich erinnere hier an den portugiesischen Großautor Jose Saramago, der hunderte Geheiligte aufzählt. (José Saramago – Wikipedia , Nobelpreis 1996, im Kontext empfehle ich „Das Evangelium nach Jesus Christus“ oder auch die „Stadt der Blinden“. Aber vorsicht: das ist Kunst /& politische Literatur, keine Offenbarung).

(Ganz interessant, wie die Geschichte der Religions-Kritik aufbereitet wird: Religionskritik – Wikipedia).

Das fällt mir alterndem Zeitkritiker heute ein, nicht relevant verglichen mit der Erinnerung, als Kind durch die Fenstergitter hinunter auf die Prozessionen zum Kirchberg geschaut zu haben, hunderte Körper, keine Seelen, x Namen, die ich kannte, aber nicht mit Heiligen verbunden, und diese Körper waren geordnet: Veteranen, Familienmitglieder, Blasorchester, Kirchentalarierte etc. – und wenig religiöse, viele vor-weltliche Assoziationen, schon als Kind. Und sehr früh erkannte ich die Schwäche der Religionen (aller…), mit dem Jenseitsglauben die Körperwirklichkeit abgeschafft bzw. umgestaltet zu haben, trotz n+1 Literatur dazu…

Herbst als Übergang

Diese Erinnerung kommt nicht automatisch, aber sie ist an sich nicht an die Jahreszeit gebunden. Warum Herbst und Frühling über lange Zeit die Dichtung mehr als inspiriert hatten als Sommer und Winter, überlasse ich zu deuten der Wissenschaft. Mich interessiert von Tag zu Tag mehr der Einfluss der Witterung und des Klimas auf menschliches Verhalten, auf Wahrnehmungen, obwohl an der Oberfläche das kritische Klimabewusstsein kurzfristig geopfert wird. Umwelt und Jugend, die beiden passen besser zu den Demonstrationen gegen die Vernachlässigung und Verarmung ganzer Generationen, auch bei uns, nicht nur gerade jetzt und heute. Natürlich benutzen das manche Ideologen, um sowohl eine Konsum-Brücke zum Kapitalismus zu bauen als auch eine Religionsvariante populär zumachen, aber lassen wir die einmal beiseite. Es wird auch bei uns eine Jugend- und Studierendenbewegung geben (müssen), die nicht einfach einzugliedern ist in Arbeit&Kapital. Da gejht es um unsere Familienmitglieder, deren Leben wir teilweise gar nicht mehr wahrnehmen können – siehe oben. Das zum Thema zu machen, ist nicht einfach ein Aufruf an die Regierenden. Wenn es um unsere Nachkommen weltweit geht, helfen nicht einzelne Wallfahrten zu bestimmten Heiligen. Da müssen wir uns schon der Öffentlichkeit stellen, d.h. mit der Politik, nicht neben ihr und schon gar nicht den Führern des Faschismus unterordnen, die unsere Gegenwart zur Abschaltung der Zukunft benutzen, mit oder ohne Gott und Ideologie.