Anlehnen und Ablehnen

Man kann sich aus Schwäche oder Bequemlichkeit anlehnen. Auch aus beidem ist möglich.

Ablehnen ist heute ein politisches und moralisches Spiel, oft mit Folgen. Die Bedeutung ist vielfältig: zurückweisen, verweigern, nicht annehmen, ausschlagen, mißbilligen’ (um 1500), daneben (bis ins 18. Jh.) ableinen. (DWDS).

Man kann sich auch zurücklehnen, wenn man etwas ablehnt, damit man nicht mitgerissen wird. Und man kann es, wie nicht nur die AfD zum Prinzip machen, alles, was die Gegner tun, abzulehnen – ohne seriöse Alternativen anzubieten. Das ist Bestandteil der POLITIK: klar, wenn man etwas ablehnt, verhindert man eine Entwicklung, eine von mehreren Optionen. Trivial?

Es ist nicht einfach: zB. Merzens Entscheidungen abzulehnen, ihn aber dort zu bestätigen wo er gerade ist. Klar: man muss beide Teile dieser Entscheidungen begründen können. Man muss, nicht man soll. Politik ist auch die Distanz zwischen Machtvertretern und denen, die ihnen vertrauen und Macht abgeben, unter Bedingungen, die in der Demokratie anders sind als bei den Faschisten, bei der AfD, beim BSW. Und über diese Bedingungen sollte man nachdenken und über sie sprechen können. Fast immer.

Darüber denke ich nach, wenn ich die Kabinetts-beschlüsse zur Rente oder zur Zuckersteuer sehe. Nichts besonderes beim politischen Nachdenken, eher alltäglich. Aber ich versuche, weiterzudenken. Wenn man so viel ablehnen muss wie bei der o,7 Regierung Merz und doch so gut wie keine Alternative zur Hand hat, und wenn man die Verweigerung der Zukunft durch die Faschisten ablehnt, dann bleibt…ja, was?

Resignation, Rückzug. Ich sage als Wiener immer: Biedermeier. Das bleibt. Zumindest bleibt es aktuell, kurzfristig zur Verfügung. Das ist ja nicht nur Rückzug ins kitschige oder mulmige Zuhause.

Rückzug ist nicht notwendig passiv, Resignation kein dauerhafter Lebensstil. Werte LeserInnen: wie soll denn eure Zukunft sein, eure und die von anderen Menschen? Mehr Gleichheit, mehr Umwelt, mehr Lebensfreude – nur ein Beispiel. Ein anderes wäre , vom Lebensstil das abzuspecken, was nicht mir, dir uns gilt, sondern die Oberfläche des Wahrgenommenwerdens betrifft. Klar, das bedeutet für unseren Alltag Veränderung, auch für den von anderen.

Und jetzt zurück zur Politik: das sollten die PolitikerInnen nicht dem sogenannten „Volk“ zurückspielen und sich dessen Meinung unterordnen, Brot und Spiele?

Die Bürgerinnen und Bürger, dieses komplexe WIR, müssen nicht nur von der Politik fordern, sondern diese Forderungen auch umsetzen lassen. Das können die Rechten, das können die Faschisten nicht, weil sie nur von der Umsetzung in der Gegenwart oder einer unbestimmten Zukunft profitieren.

Diese unsere demokratischen Forderungen umsetzen, kann so sozial schwierig sein und noch mehr werden. Ein Vergleich wäre die Nachkriegszeit…eine andere natürlich als 1945. Dazu muss man aus dem Biedermeier wieder ausbrechen und in die Politik eingeben, was wir für uns und unsere Nachkommen wirklich wünschen.

Wichtiger aktueller Nachsatz: „Den Westdeutschen ist…klar geworden, dass das Bestehen einer Gegenwart ohne Ende keine Zukunft mehr verspricht“ (Heinz Bude: Die Wiederentdeckung des Westens, SPIEGEL #41, S.44. Lest den ganzen Beitrag).