Verlogener Realismus

Da fahren sie in die Türkei. Dort sitzen hunderte oder tausende politischer Demokraten im Gefängnis, aber das türkische Militär vertreibt wertvolle Waffen und vor allem: die Türkei unterstützt die NATO angeblich so, wie es z.B. NATO-Partner aus der EU nicht können. Trump aber ist kein weißer Elefant, sondern ein Gewaltherrscher, neben vielen seinesgleichen, der eben mit den NATO Vertretern verhandelt, zu seinen Gunsten, weil die ja nicht so stark sind, und besser mit den USA als mit Russland. Da ist schon etwas dran.

Eigentlich weiß man das alles, aber das Peacewashing und die Unterwerfung unter diktatorische Verbündete ist ja nichts neues. Man kann auch lernen. Meloni, eine offene Faschistin und europäische Verbündete auf manchen Feldern, hat Trump anscheinend zum Einlenken gebracht, klüger als die meisten Regierungshelden Europas. Was kommt da aus den heutigen Beratungen heraus? Wir wissen es nicht, und die Prognosen taugen, wie häufig, auch diesmal wahrscheinlich nichts. Außer dass Trump private Geldgeschäfte wahrscheinlich erfolgreich verhandelt. Mich interessiert das nicht spontan, sondern aus einer gefestigten Rückschau, vielleicht morgen. ABER mich interessiert, wie die europäischen Demokratien, wie wir auf den Diktator reagieren. Von unten, bitte keine Selbstüberschätzung. Man kann in ihn noch so hineinkriechen, wie Mark Rutte, oder sich unabhängig gerieren oder gar widersprechen, das alles berührt den Diktator nicht wirklich. Er ist nicht wie unsereins. Das ist auch Xi nicht, das ist auch Putin nicht, aber wir sind ja von Trump abhängig. Sagen wir: weitgehend, nicht vollständig. Es reicht.

Eine Alltagsempfehlung: Dirk Kurbjuweit hat im SPIEGEL #28/3.7.2026, unter „Jeffersons Fluch“ eine komplexe Gratulation zu 250 Jahren Demokratie aus den USA und den Problemen mit dieser Demokratie geschrieben. Das ist historisch und kulturgeschichtlich, auch weltpolitisch ok, aber mich hat dabei etwas besonders wach gemacht: dass der Autor die Demokratie von Anfang an als komplexes und nicht stabiles Gebilde beschrieben hat, und dass wir uns zwar darauf kritisch einstellen sollen und uns nicht darauf verlassen, aber jedenfalls nicht wundern oder resignieren sollten. Immerhin ein paar Seiten Aufklärung statt Unterwerfung.

In einem Moment des globalen Zerfalls bisheriger Strukturen, nicht eines Zerfalls der Welt, ist es sinnvoll, darüber nachzudenken, wie man mit den Trümmern umgeht. Das setzt mehr als politische Entscheidungen der Regierungen voraus, da sind auch die Bürgerinnen und Bürger gefragt, die ja schon mitmachen müssen, um sich die demokratischen Regierungen richtig zu stabilisieren…Das bedeutet nicht nicht einfach Aktivität von „unten“, weil ja die Regierungen nicht automatisch „oben“ sind. (Da kann man übrigens einiges aus den USA lernen). Aber es bedeutet hingegen, dass wir uns verständigen sollten, worüber wir uns politisch aktivieren und formen. Diese Diskussion, anstatt der Konfrontation von Meinungen, ist wirklich relevant und immer aktuell. Das klingt fast zu einfach, ist aber nicht trivial.

Schule, Rente, Ökologie – kann man die drei mit der Landesverteidigung verbinden? Ich denke, wir müssen das. Der politökonomische „Rest“ ist kein Rest, sondern eine politische und kulturelle Umwelt, und all das zusammen kann und soll die Ökonomie reformieren, und nicht umgekehrt, wie die Zwergenwirtschaft der O,8 Regierung es gerade angeht. Landesverteidigung, Militär, ja, wie es sein muss und kann, ist nicht schwierig zu bedenken, aber WIE? Und da kann man keine falschen Dualitäten, wie Krieg und Frieden, rechts und links, einsetzen. Das setzt schon politische Diskurse voraus, in die wir uns einbringen müssen, anstatt sie beobachtend zu kritisieren. Wie bringen wir uns ein? Praktisch, handelnd. Das schließt ja nachdenken und lernen und probieren nicht aus…auch das klingt trivial, ist es aber nicht. Anstrengend, mühsam, gegebenenfalls zahlen wir dafür oder drauf. Und dass es uns „einschränkt“ ist sowieos klar, aber auch, wenn wir nichts tun und rechts-schaffenden Regierungen einfach handeln lassen.

Zurück zur NATO, zur Türkei, zu Meloni, zur EU…es macht Sinn, über die Ereignisse nachzudenken, manchmal auch zu reden. Aber wozu? – die Antwort macht auch Sinn. Lest die Süddeutsche von heute, 9.7., Seite 2.

Das Lächerliche und das Grandiose

Natürlich wirkt die Hingabe von Brot und Spielen nach wie vor, wie im Römischen Reich. Die Hochzeit von Taylor Swift mit tausend (1000) Gästen sticht den Abschluss der US 250-Jahrfeier aus, und leider sehe ich im Trumpjubiläum eher das Lächerliche, und bei Taylor Swift das Grandiose. Aber deas bin ja nur ich, und brauche Brot uns Spiele nicht, darf den Gauner Infantino mit seinem Trump-hörigen Betrug an der roten Karte so bezeichnen und mich den wichtigeren Ereignissen der Weltgeschichte zuwenden.

Ich gebe zu: das ist die Arroganz derer, die Brot und Spiele nicht brauchen und sie auch nur distanziert kommentieren können. Und sage nicht: na und? sondern schau mir die Weltnachrichten, global und lokal, genauer an. Da spielen bei de Ereignisse kaum eine Rolle. Trump spaltet sein Land weiter, und es wird nicht zusammenwachsen, weil die laufenden Weltkriege schon keine Einigkeit herstellen. Wenn man sich, zu Recht, von den iranischen Diktatoren wegwendet, dann kann man doch den amerikanisch-israelischen Angriff nicht gtutheissen, zumal ja die USA den Iran vor mehr als 70 (!) Jahren so mitbegründet hatten und Israel meint, nicht verhandeln zu brauchen, um das Kriegsmoment des Iran zu reduzieren. Ich erinnere mich an die Schah- und Soraya-Feiern der europäischen Kultur, die lächerlich und pathetisch zugleich waren (ungute Erinnerungen an die W§ahrnehmung innerhalb von Bekannten usw.), und unseren Widerstand anheizten, der sich nach dem Übergang spätestens bei Chomenei wieder aufbaute. Die Erdöl getränkten Konflikte der beteiligten Staaten sind eben auch beides, lächerlich und pathetisch. (Für mich sind sie auch Keimzellen des Dritten Weltkriegs, der wird nur „anders“ verlaufen als WK I und WK II, aber er zeichnet sich ab). Israel wird auch lange Zeit nicht mehr so sein wie vorher, und dieses Vorher wird ein kritischer Maßstab zu sein haben; naja, das ist nur der Vorhof zur Beachtung von Trumps Zerstörung von Demokratie und Kultur, gestern noch besänftigt durch Brot und Spiele, heute wieder totalitär und asozial. Demokratie UND Kultur, wie überall, nicht zu trennen, wenn es für die und mit den Menschen weiter gehen soll. Im Dreieck mit der Natur& Umwelt können nur Kultur und Soziales die Demokratie und die Wirtschaft gestalten, nicht umgekehrt (wie die deutsche Regierung täglich predigt). Der Kampf gegen die Kultur sieht lächerlich aus, ist nicht pathetisch, sondern innerhalb der kapitalistischen Begradigung „normal“ (Gestern Weidel und Konsorten, die sind ja medial „normal“ geworden, doch grandios, doch lächerlich, und brandgefährlich). Das alles hängt konkret zusammen, und dagegen wenden sich Brot&Spiel -Politiker. Für alle diese sind Brot&Spiele „normal“, und deshalb dürfen sie es für uns nicht sein. Was folgt daraus, wie soll der Widerstand gestaltet werden? Natürlich nicht auf der Bühne, sondern im Leben, im Alltag. Dann wird sich zeigen, dass der Widerstand gegen Brot und Spiele, sei er auch lächerlich, sei er…pathetisch, das müssen wir tragen, dass dieser Widerstand nicht einfach den Führern gilt, sondern auch ihren Wählerinnen und Wählern, und das heißt Vor Ort, lokal, alltäglich und selbst glaubwürdig. Also müssen wir gegen die Radikalen, auch gegen Faschisten und Mitläufer, die NORMALITÄT wieder für uns herstellen, und nicht aus der Ausnahmesituation den normalen Entwicklungen der Rechten machtlos zuschauen. Dazu rücken Unterschiede zwischen den Bündnispartnern ein wenig in den Hintergrund, das ist nicht lächerlich.

Lest noch einmal oben. Taylor Swift vs. Trump. Nicht dass, sondern WIE wir aufmerksam werden, darauf kommt es auch an.

„N“, „I“, kann man darf man?

Wenn man historische oder soziale Fachliteratur liest – nicht Belletristik – dann ist die Wortwahl oft schwierig, natürlich kann man nicht von Negern sprechen, und auch nicht von anderen Volksgruppen in den Worten früherer kolonialer Ableitung. Aber damals, nicht so lange her, war die Wortwahl auf allen Seiten anders, nicht nur bei Negern, auch bei Eskimos, bei Indianern usw. Und die Auseinandersetzung damit kann politisch wichtig sein. Für mich jedenfalls auch im Rückblick auf meine Begriffe, längst über die Jugend hinaus.

Hier geht es um Neger und Indianer, und ich sage nur: lest das im Kontext der „Besichtigung einer Epoche“, wie Karl Schlögel den Untertitel seiner „American Matrix“ präzisiert (Hanser, München 2023). Man glaubt es nicht, dass dieses Buch erst drei Jahre, schon drei Jahre alt ist, und was sich in den USA und unter Trump getan hat und tut. Aber wer wenig von diesem Land weiß, sollte diese Sozial- und Kulturgeschichte von anfang an lesen. Weil selbst gute, kritische und umfassende amerikanische Revision der allgemein bekannten Geschichte nicht so virtuos mit einer Vielzahl von Vergleichen, zeitlich, inhaltlich, mit den USA umgeht, die ja nicht Schlögels lebensbearbeitender Schwerpunkt sind – Osteuropa! – und das macht dieses Buch so besonders lesenswert. Ja, und wieso N und I? Nachdem man schon fast alles und bestens erfahren hat, kommen zwei Kapitel, S. 671-736, und man erfährt, was man vielleicht allgemein weiß oder gar aus den USA kennt. Nicht nur die Geschichte, die Auswirkungen, die Widersprüche usw. der Schwarzen im Land der Weißen, und erst recht die der Indianer, nein, auch das Gewebe der USamerikanischen Gesellschaft jenseits aller rassenbezogenen Plattitüden. Ich lasse die Schwarzen mal außen vor, die Literatur ist sehr gut und man erföhrt manches, das man nicht so gern aufnimmt. Mich hat völlig verblüfft, wie genau das Kapitel „Archipel Amerika“ mit dem ersten Abschnitt „Indianerland: Die große Abwesenheit“ (S. 705) beginnt. Und dann eine Geschichte durchhält, in der es keine Variable gibt, die auch der weißen, von alten Männern vertretenen Welt genüge täte, damit es vielleicht doch erträglich und ausgewogen wirkt. Die minutiöse Darstellung der Vernichtung eines Volkes hat genaue Daten und Thesen, 713ff. im Kern, aber man muss zurückgehen, zum Präsidenten Jefferson und seinen Nachfolgern, zu den Siedlern, zur Dialektik der Vernichtung mit juristischen und gewalttätigen Mitteln, um zu wissen und zu verstehen, was wie wirklich geschehen ist – und die Reste davon heute im 2004 eröffneten Museum kritisch anschauen, – obwohl, das schreibe ich 2026, nicht 2023, Trump alles versucht, auch dies auszuwischen.

Alles gut und wichtig, kritisch mehr zu wissen und gegenüber den USA und global zu vernetzen. Aber ich selbst habe auch ganz spannende Erinnerungen, vom Indianerspiel im Fasching 1952, mit Federn im Haar, bis zu vielen Büchern von Karl May, nicht nur Cooper u.a., und daran anschließend die Filme, – aber zu keinem Zeitpunkt hat meine akademische Ausbildung das Thema auch nur gestreift…Trotzdem habe ich mich etwas daran gemacht, nach den ersten beiden Reisen in den Südwesten der USA, genaueres zu erfahren, und die tourismus-relevante Darstellung der tribalen Vergangenheit ist ein weiteres Kapitel des Halbwissens. Natürlich haben wir seit den 70ern die afroamerikanische Geschichte bis zu den Black Panthers und danach nicht nur erfahren, auch diskutiert. Bei den Indianern war das so nicht der Fall, die erste tiefer gehende Nachdenklichkeit begann mit der Einwanderung aus Asien auf den amerikanischen Kontinent (Die Literatur bei Schlögel ist mehr als reichlich, einiges hatte ich lange davor erfahren, als ich in äußersten Osten Russlands die ethnische Geschichte erstmals erfahren habe). Was ich spannend für mich finde, wieviel Literatur und Beschreibungen dieser Geschichte für die ganzen amerikanischen Kontinente jetzt einfach aufzuklicken ist, teilweise recht gut verständlich. Aus unserer jugendlichen Sozialisation konnten wir uns befreien. Wir – und da steckt in der amerikanischen Geschichte, der Geschichte einer Volksvernichtung über mehr als 200 Jahre, ein schwerer Brocken unterbewusster (oder auch ganz offener) Selbstverhärtung – nicht zuletzt in globalen US Kommentaren zu anderen ethnischen Kontroversen. Die Psychoanalyse des USamerikanischen Gesellschaftsbewusstseins hat hier ein großes Feld. Und auch wenn es nicht alles erklärt, vieles bleibt unentschuldigt.

Ich finde das wichtig, weil es in das Halb- und Unterbewusste schauen lässt, und es entschuldigt nichts an USA, aber natürlich sind die Analogien zu anderen, vor allem zu uns, um eine Facette reicher.

Zuföllig gibt es gerade im Netz Info Wichtige Ereignisse und Helden in der Geschichte der amerikanischen Ureinwohner (30.5.2026)

Krösus, Trump; keine Chance für die USA

Selten öffne ich meine Blogs für Beiträge von Freunden und Kollegen, ich halte mich an die „Fackel“ von Karl Kraus. Und wenn, dann aus Respekt vor einem besonderen Text, der aufklärt, und den man selbst nicht duplizieren möchte. Mein Freund Dietger Lather war lange Zeit hoher Offizier und ist jetzt ein umtriebiger gebildeter Pensionär, den seine Erfahrung nicht romantisch abgleiten lässt. Aber vor allem der Beginn dieses kurzen Essays hat es mir angetan.

Dietger Lather

Ein unfehlbares Rezept zum Untergang einer Weltmacht

Trug sich ein Kaiser oder König in den guten alten Zeiten mit dem Gedanken, ein anderes Reich anzugreifen, besuchte er Delphi. Das Orakel mit dem größten Bekanntheitsgrad in der griechischen und vorderasiatischen Welt. Wunderschön gelegen in einem halbrunden Talhang. In der Antike ein heiliger Ort, in der Gegenwart ein idyllischer, der Ruhe ausstrahlt und an dem man Ruhe empfangen kann. Vor gut dreitausend Jahren saß in einem Tempel, der dem Gott Apollon geweiht war, auf einem Dreifuß Phytia, eine Priesterin über einer dampfenden Erdspalte. Sie war die einzige, die den Tempel betreten durfte. Wurde das Orakel befragt, atmete sie die Gase ein. Was auch immer sie enthielten, sie waren berauschend. Phytia geriet in Trance und stammelte Worte, Wortfetzen, Urlaute, die niemand verstand. Die Priester des Tempels interpretierten sie und kleideten sie in Sätze. Schon damals verstanden Priester mit religiösen Ritualen Herrscher und deren Politik zu beeinflussen. Mir sind die Aphorismen vertraut, die ich im griechisch-Unterricht lernen durfte. Auf den Eingangsschwellen des Tempels waren zwei eingemeißelt „γνῶθι σεαυτόν“ (gnōthi seauton), „erkenne dich selbst“. Weniger bekannt „μηδὲν ἄγαν“ (mēden agan), „nichts im Übermaß“. Die Geschichte von König Krösos werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, sicherlich kennen. Den Orakelspruch, ein Meisterwerk der Zweideutigkeit, legte er in seiner Hybris für sich positiv aus. Er werde ein großes Reich zerstören, wenn er in den Krieg ziehe. Es war sein eigenes. Krösos landete auf dem Scheiterhaufen. Als der entflammte, ließ Zeus es schauerlich regnen. Aus den noch dampfenden Hölzern rettete Apollo den sterblichen König und brachte ihn an einen unbekannten Ort, weswegen nichts über Krösos weiteres Schicksal bekannt ist. Damals gab es noch Götter, die man nicht nur anbeten konnte, sondern die handelten, auf die Verlass war, manchmal. Heute fehlen uns diese Wesen, die über Leben und Tod befinden können und nach eigenem Gusto in den Lauf der Geschichte eingreifen.

Sie werden sich fragen, liebe Leser und Leserinnen, warum ich an einen Krieg erinnere, der vor 2561 Jahren endete. So wie Krösos wegen seiner Hybris sein Reich verspielte, zerstört Trump derzeit die Weltmachtstellung der USA. Mit donnernden Worten versprach er einen Regierungswechsel im Iran, forderte die Iraner auf, weiter zu protestieren, drohte schließlich mit einem Genozid, mit Vernichtung. Im Original muss man lesen, was er schrieb:

„A hole civilisation will die tonight, never to be brought back again….However, now that we have Complete and Total Regime Change, where different, smarter, and less radicalized minds prevail…47 Years of extortion, corruption, an death, will finally end.”

(Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben, nie wieder auferstehen … Doch nun, da wir einen Vollständigen und Totalen Regimewechsel haben, bei dem andere, klügere und weniger radikalisierte Köpfe die Oberhand gewonnen haben … werden 47 Jahre Erpressung, Korruption und Tod endlich ein Ende finden.)

Da droht ein Präsident, der nach seinen eigenen Kriterien Nachfolger von illegalen Einwanderern ist und dessen US-amerikanische Zivilisation auf der Unterdrückung wenn nicht Auslöschung der indigenen Bevölkerung aufgebaut ist. Er droht einer jahrtausendealten Zivilisation mit Vernichtung in einer Nacht. Wieviel Atombomben will er dazu regnen lassen, um dies in ein paar Stunden zu erreichen? Wen wundert, dass diese Schaumschlägerei nur Verachtung erzeugt.

Unabhängig davon. Wer als Präsident solche Sätze in die Welt posaunt, ein Armageddon beschwört, sollte unbedingt einen Psychiater aufsuchen. Wer sich anschließend als Jesus postet, angehimmelt von einer betenden Frau, einer Ärztin, einem Soldaten und begleitet von himmlischen Kriegern, die der Sonne entspringen. Wer die heilende Kraft des Erleuchteten in der linken Hand hält, seine golden leuchtende rechte Hand auf der Stirn eines Lazarus ruht und ihn heilt, muss definitiv für Wochen in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen werden. Leider geschieht dies nicht, weshalb der Fokus auf sein Umfeld gelenkt werden muss, das unverändert einen amtsunwürdigen Präsidenten stützt. Doch auch vom Kriegsminister Hegseth, der sein „DEUS vult“ (Gott will es) Tattoo auf seinem Arm präsentiert, führt liebend gerne einen Kreuzzug nach mittelalterlichem Vorbild. Mit den Worten „Gott will es“ soll der Papst zum ersten Kreuzzuges gegen die Barbaren aufgerufen haben. So interpretiert man es heute. Hegseth scheint es zu leben, wobei die historische Begebenheit nicht zweifelsfrei belegt ist. Einen moderneren Kreuzzug gegen die Barbaren schreiben Beobachter dem Vizepräsidenten zu. Letztlich umringen im Oval Office Priesterinnen und Priester den Erlöser Donald an seinem Schreibtisch. Ein Bild ohne Worte, nach dem Völkerrechtsbruch und ersten Angriffen gegen den IRAN veröffentlicht. Gäbe es ein Video, würden die Segnungen zu hören sein. Die göttliche Religion fegt die Errungenschaft der Aufklärung, die Gesetze der Völkergemeinschaft in den Abfalleimer. Die Regierung der USA ist ins Mittelalter zurück gesprungen und führt einen Religionskrieg.

In der Verfassung der USA sind Möglichkeiten aufgeführt, wie ein Präsident des Amtes enthoben werden kann, falls er nicht selbst zurücktritt. Diese Möglichkeit erscheint utopisch. Narzissten noch seltener Erlöser treten nicht freiwillig zurück. Deswegen muss der Vizepräsident J.D. Vance und die Mehrheit der Minister dem Kongress vorschlagen, Trump in ärztliche Behandlung zu überweisen. Trump wird damit nicht einverstanden sein. Letztlich muss der Kongress abstimmen, ob Trump das Weiße Haus verlassen muss und J.D. Vance hinter dem Schreibtisch im Oval Office Platz nehmen darf.

All das wird nicht geschehen. Vielleicht fürchtet sich der Kongress auch davor, J.D. Vance für die nächsten drei Jahre zum Präsidenten einsetzen zu müssen. Er könnte radikaler sein als Donald, befürchten manche.

Ob sich die Mehrheiten nach den Wahlen im November ändern werden, bleibt abzuwarten. Alle 435 Abgeordneten des Kongresses werden neu gewählt und ein Drittel der Senatoren. Deswegen werden die Demokraten keine Anträge auf Amtsenthebung stellen. Sie setzen auf eine weitere phantasievolle visuelle Präsenz des Narzissten Trump, auf weitere Lügen und Misserfolge, auf Preissteigerungen und hohe Benzinpreise in den USA. Sie hoffen auf die nächsten Fernsehbilder, die einen anderen D.J. Vance zeigen. Nicht den Vizepräsident, der mit erhobenem Haupt, mit dem Zeigefinger andere Nationen belehrt und dem Papst die Bibel erklärt, sondern den niedergestreckten Vance, der in Pakistan mit gesenktem Kopf die Verhandlungen mit dem Iran verlässt. Die Bilder würden die Demokraten liebend gerne wiederholt sehen. Die Niederlage von MAGA wird im TV präsentiert. Die demokratischen Wahlkampfstrategen dürften auf einen länger andauernden Krieg gegen den Iran und eine Blockade oder Schließung der Straße von Hormus bauen. Beides erhöht ihre Chancen auf einen überwältigenden Wahlerfolg im November.

Liebe Leserinnen und Leser, sie halten dies für inhuman. Nun, es ist der Kampf um die Macht; natürlich spekulativ, aber weit entfernt davon, eine Verschwörungstheorie zu sein. Denn wie lange der völkerrechtswidrige Krieg gegen den Iran dauert, wird Donald Trump entscheiden müssen, wenn er nur wüsste wie.

Schmerzhaft hat er bisher erfahren, dass all seine Drohungen den Iran nicht dazu bewogen haben, auf seine Forderungen einzugehen. Im Gegenteil. Das Regime in Teheran bietet der größten Weltmacht die Stirn. Es ist dem iranischen Regime gelungen, die von den USA errichtete Sicherheitsarchitektur im Persischen Golf zu zerstören. Es ist der USA gelungen, die Golfstaaten gegen sich aufzubringen. Sie baden die Folgen des Krieges aus, der ihnen ungefragt aufgezwungen worden ist. Das Vertrauen in die USA, wenn es denn je existierte, ist in den Regierungen, bei Emiren, Scheichen und Prinzen auf Dauer zerstört. Dennoch sind sie auf unbestimmte Zeit dazu verurteilt, mit den USA zusammen zu arbeiten. Sie haben im Moment keine Alternative. Sie sind nicht in der Position Irans, zu sagen, Verhandlungen mussten abgebrochen werden, da kein Vertrauen in die US-Delegation vorhanden sei. Auch wenn dies auf Gegenseitigkeit beruhen dürfte.

Der Zwerg ohrfeigt den Riesen, die Welt ist Zeuge. Der Riese verzwergt sich und schadenfrohes Wispern ist überall zu vernehmen.

Erinnern wir uns. Im Februar 1991 forderte der damalige Präsident George D.W. Bush die Kurden und die Schiiten im Irak auf, Saddam Hussein zu stürzen. Der Regime Change im Irak wurde in Washington beschworen. Die Aufstände begannen. Die Unterstützung aus den USA blieb aus. Die Widerstandsbewegungen im Irak fühlten sich betrogen.

Trump forderte das Iranische Volk im Januar auf, weiterhin Widerstand gegen das Regime der Mullahs zu leisten. Hilfe versprach er. Die Bombardierung des IRAN begann. Nachdem der Tod von Khamenei bestätigt wurde, ermutigte Trump am 28. Februar erneut das iranische Volk, den Regime Change, den Umsturz zu vollenden, und den militärischen Truppen legte er nahe, nicht länger zu kämpfen.

Um den Regime Change und die Kapitulation der Revolutionsgarden zu erreichen, hätte er Truppen nicht nur aufmarschieren lassen müssen, was im Krisenmanagement notwendig ist, um Drohungen glaubwürdig zu untermauern. Sie hätten einmarschieren müssen. Jeder halbwegs über von außen gesteuerte Umstürze informierte weiß: eine mörderische Diktatur zu stürzen, erfordert den Einmarsch von Truppen. „Boots on the Ground“, wie die Amerikaner zu sagen pflegen. Stattdessen verkündete Trump den erfolgten Regime Change nach der Bombardierung hunderter Ziele. Leider bemerkte niemand im Iran etwas von diesem Umsturz. Denn außer Zerstörungen ist nichts geschehen. An die Stelle der getöteten Führer sind ihre Nachfolger getreten.

Es gibt kaum eine effektivere Methode für den Präsidenten einer Weltmacht, seine Glaubwürdigkeit und die der USA zu verspielen. Eine zutiefst erschütternde Schlussfolgerung muss zudem gezogen werden: Trump ist das Schicksal der iranischen Bevölkerung egal. Aber eigene Soldaten will er nicht in Gefahr bringen.

Ich fühle mich an Parolen aus den Zeiten des Vietnamkrieges erinnert. Vor Jahrzehnten wurden sie skandiert:

“America love it or leave it!”

„Right or wrong -it’s my country!”

Beides habe ich zu oft von Soldatinnen und Soldaten der US-amerikanischen Streitkräfte vernommen. Auch noch nach Vietnam. Ethische und moralische Grundsätze, wie Gesellschaften, wie Nationen miteinander umgehen sollen, sind danach Makulatur. Die MAGA Bewegung und der Slogan „America first“ sind lediglich die radikalisierten Steigerungen der Jahrzehnte alten Parolen. Trump lebt sie.

Wie werden die betroffenen Staaten reagieren. Die nächsten Jahre werden durch eine stetig zunehmende Abgrenzung von den USA gekennzeichnet sein und der Suche nach Eigenständigkeit und verlässlichen Sicherheitsstrukturen. Beim hierzu erforderlichen Rüstungswettlauf erhalten Drohnen, Raketen, Luftabwehr und die Vernetzung der Systeme oberste Priorität.

Da sich selbst Weltmächte scheuen, Soldaten aufs Schlachtfeld zu schicken, und kleinere Staaten dies nicht aufbringen können, werden Roboter die Aufgaben der Infanterie übernehmen.

Bis dies geschieht, sollte man sich in Großmutters Faltenrock verstecken und hoffen, dass sie dem Teufel seine drei goldenen Haare ausreißt. Nur, wer ist die Großmutter.

Dies sind wir alle. Denn an den wichtigsten Diskussionen in naher Zukunft müssen wir teilnehmen. Wie kann der autonome Einsatz von Drohnen, Robotern und der KI mit der Lizenz zum Töten verhindert werden?

Kein Entkommen…

„Er schon wieder“, ein guter Titel für einen Essay über Carl Schmitt, seit 40 tot, aber noch ganz aktiv in der rechten Hirnhälfte, neuerdings in USA, aber immer schon bei uns, obwohl die linken Hirnlappen da auch zugeneigt waren (Alexander Camman in der ZEIT #19, von dieser Woche). Dieses Feuilleton empehle ich, weil es die zählebige Präsenz der deutschen Rechten belegt, denen die Demokraten leider ausweichen anstatt sie zu konfrontieren.

In der gleichen Zeitung, Abteilung Geschichte, schreibt Claus Leggewie über den „Kaiser von Amerika“, und viele assoziieren sofort Trump, aber so einfach ist es nicht, Joshua Norton (1818-1880) war der Kaiser, den Namen kennt ihr alle nicht, und damals hat man so einen Monarchen in der Republik eben auch kaisern lassen – wenn heute in Deutschland die absurden Neomonarchisten vor Gericht stehen, fehlen die Satiriker. Leggewie schreibt aber zentral: „Wie die laufende Realsatire im Weißen Haus ausgehen wird, ist offen. Fest steht: Man kann nicht von Joshua Norton sprechen, ohne an Donald Trump zu denken. Seine monarchischen Allüren, wiederholte Anspielungen auf eine in der Verfassung untersagte dritte Amtszeit, seine dynastischen Ansprüche, und vor allem die Drohung, demokratische Wahlen zu ignorieren, die ihn nicht im Amt bestätigen, haben ihm zu Recht den Ruf eines <Neo-Royalisten> eingebracht„. Das Begräbnis von Norton war gewaltig besucht, man kann sich das bei Trump wünschen, aber noch lebt er und ist tatsächlich mächtig, mit Nuklear, Armee und Millionen entgeistigter Follower – da ist ein Unterschied zu Carl Schmitt, keine Millionen, aber dafür in der rechts-intellektuellen Szene und nicht nur dort hat Schmitt einen Platz, vor allem mit Freund/Feind und mit dem Ausnahmezustand. Und mit Peter Thiel, dem reichen Wortführer der Rechtsradikalen in USA, der sicher nach Trumps Tod nur ein harmloser Intellektueller gewesen sein will, und all das wird gut hier beschrieben. Anlass für den kurzen Essay sind die geöffneten Kriegstagebücher von Schmitt, nichts wirklich neues. Aber: was hat so viele Linke zu ihm gezogen? Dass er gescheit war, dass ihn also die gescheiten Demokraten ernst nehmen sollten, sagt zu wenig. Ich behaupte, dass er genau den Rand der rechten Theorie – praktisch war er nicht mächtig – so präzise darstellt, dass es eine enge Naht zur linken Demokratie gibt, aber entscheidend ist der Kontext, den man ihm von links nicht aufsetzen kann. Das wäre das Ende, hätte er nicht posthum so viel Einfluss in den USA – und könnte man diesem Einfluss besser und ernsthafter begegnen (wir, ich, können das schon, aber innerhalb der Elitenblase dreht sich vieles in seine Richtung. Meloni, nicht die AfD).

Vom Gegner lernen, das geht schon, aber bei Schmitt nicht wirklich, will man ihn nicht ikonisieren. Aber dem Kaiser von Amerika kann man schon entgegentreten. Nicht als Thronanwärter, sondern demokratisch, republikanisch, und nicht so ernst, wie die Presse Trump nimmt, weil sie ihm Macht unterstellt, die er schon hat, aber nicht so ganz…wie sie alle post mortem sagen werden und lachen an seinem Grab. Seine Opfer werden dann nicht um den Sarg stehen, aber seine Familie wird weiter Geld bearbeiten. Leggewie zeigt genau, mit Namensnennung, wer aller in die royalen Erscheinungsformen getreten ist. Und es bleibt nicht bei Erdögan und desgleichen. Auch bei uns, in einer noch echten Demokratie stecken solche Royalismen, damit man nicht ermüdet…und dann ist es vorbei.

Lest die beiden Artikel. Dann braucht es keiner Metatheorie. Da ist schon viel Realität drin, und Erinnerung, nicht nur bei Schmitt.

USA ohne Grund

Ich werde nicht mehr in die USA reisen, jedenfalls nicht, solange Trump oder ein Trumpist an der Macht ist. Die allgemeinen Gründe für so eine Entscheidung sind bekannt, Amerika entwickelt sich zu einem partiellen Unrechtsstaat, der von einem senilen Hypernarzissten regiert wird. Ich möchte nicht auf dem Donald Trump Airport in Washington DC landen, durch den Arc de Trump in die Stadt fahren und später in New York am Donald-Trump-Bahnhof ankommen. Ich bin ein großer Freund skurriler Dinge, ich habe den Herausgeberrat der SZ 15 Jahre lang ausgehalten, ich lese Ezra Pound und Ernst Bloch. Aber weil ich jenen nicht unbedeutenden Teil Amerikas, der Trump gewählt hat und bis heute unterstützt, für zutiefst disreputable halte, werde ich die Canyonlands, Seattle und Sante Fe nicht mehr sehen. (Kurt Kister, SZ 13.2.2016)

Viele werden nicht mehr in die USA fahren, nicht zum Studium, nicht auf Urlaub, nicht zu Besuchen, und auch nicht um zu arbeiten. Einige werden das alles ertragen und doch hinfahren, weil sie sich etwas erhoffen oder erwarten. Aber die meisten werden Kisters zusammengefasste Argumente gegen die Diktatur von Trump teilen und nicht hinfahren. Auch gut. Damit wird die Erinnerung an das frühere Amerika wieder belebt, und es wird allen klar, dass das Land vor Trump auch nicht ideal war, dass Dellen und Wunden in Demokratie, Wirtschaft und Kultur auch schon vorher gab, dass das Soziale vielfach abschreckend war, und dennoch: ein schönes Land mit einer beachtlich kultivierten demokratischen Struktur, auch Geschichte, von der wir in Europa lange Zeit gelernt und wohl auch profitiert hatten. Vieles an dieser demokratischen Ambivalenz kennen wir, in Variationen, bei uns auch. Das alles wird in diesen Tagen teilweise umfänglich hervorgeholt, soll begründen, was evident ist – dass wir an dieser mächtigen Diktatur nolens volens auch abhängen, macht uns die realistische Wahrnehmung noch schwieriger und unangenehmer (mit der russischen oder chinesischen Diktatur haben wir es da leichter, in die muss man nicht hineinriechen, die kann man als feindlich ablehnen. Aber die USA sind vielfach ein Gegner, den wir brauchen, auch wenn wir ihn ablehnen, den wir ablehnen, auch wenn wir ihn brauchen. Wie alle wirklichen Diktatoren ist Trump Teil einer vielköpfigen faschistischen Oligarchie, die er weitgehend beherrscht . und die ihn weitgehend beherrscht. Das gilt auch für kleinere Diktaturen, deren Diktatoren weniger absolute und objektive Macht haben und die meistens von großen Drei abhängen. Nicht mein Thema im Diskurs. Aber nur, weil viele von uns, sehr viele, so gute Erfahrungen und Erinnerungen an die USA haben, ist Trump nicht besser als Putin oder Xi, eher schlechter, weil er eine besondere Demokratie ruiniert.

Nun hat er uns angegriffen. Seit gestern sind die Umweltprinzipien der USA außer kraft. Seltsam, wie wenig und undifferenziert auch bei uns die Medien darauf reagieren. Resignation oder Gleichgültigkeit, also passive Unterordnung unter den Diktator – schaut euch die Autobauer, Kohlenmineure, Ölmagnaten an, die um Trump herumstanden, als er das verkündete. Das will ich nicht analysieren, aber dass die FAZ bei uns ihm zur Seite springt, muss man schon erwähnen. Nun, wir werden die Folgen verspüren, aber sie werden unseren terrestrischen Niedergang nur beschleunigen, nicht wirklich abändern. Dazu ein andermal.

Der melancholische Abschied von der früheren Neuen Welt soll nicht in die Arroganz münden, dass wir ohnedies alles – zum Teil, wenigstens – besser mach(t)en, und dass wir jetzt erst recht Umwelt so hoch halten und beschützen wie Soziales und Kultur. Solange Politik und Ökonomie gegeneinander ausgespielt werden, hilft die scheinbare Kritik nur wenig. Geht mal in den nächsten Tagen die Kommentare dazu durch und schützt euch vor dem Außenanstrich der Sicherheitskonferenz, dass wir doch, bei allen Differenzen, an der Seite der USA stehen. Nichts leichter, als dass der Gegner zum Feind wird.

US Katastrophe – EU Hoffnung?

Man kann es nicht fassen, aber man weiß es, ich wusste es: Trump und seine Faschisten haben die US Universitäten weitgehend kastriert, und wo nicht, werden Millionen eingeklagt und keine Forschung mehr gefördert. Die New York Times macht heute deutlich, wie schlecht es den normalen Universitäten geht. Eben Diktatur. How Universities and States Are Increasing Surveillance of Professors – The New York Times Professors Are Being Watched: ‘We’ve Never Seen This Much Surveillance’  5.1.2026. Eine Katastrophe – mit Hoffnung auf viele US Profs, die  bei uns andocken.

Das trifft sich mit der Kritik an Trump von Anne Applebaum: Autocracy, Inc. London 2025: in der 2. Auflage steht ein Vorwort, das Trump unter die Autokraten einreiht. Härter könnten wir es nicht sagen. Ausführlicher, akademischer, mit vielen konkreten Anmerkungen umrahmt sie Da Empoli, über den ich schon geschrieben habe, die Applebaum wird über die Zeithinweg wichtig sein, und die Entwicklung der USA im kulturellen und akademischen Bereich, Forschung UND Lehre, wird da wichtig sein.

Zurück zu Higher Education in den USA. Seit vielen Jahren arbeite ich mit Jochen Fried, der Familie Schröder, vielen Unileuten wie Reinhold Wagnleitner usw. an der Kommunikation mit amerikanischen Studierenden, zT. aus den Zugangscolleges, zT. aus renommierten Unis, und noch länger war das ein Thema meiner ambivalenten Kulturkritik an den amerikanischen Unis, für mich – noch immer – sind einige dort die besten der Welt, viele nicht mehr. Dazu jetzt aber keine professionelle Analyse, sondern eine einfache Prognose: Viele gute Lehrende und Forschende werden uns in Europa auf- und heimsuchen, nicht nur in Europa, auch in Canada und anderen demokratischen Ländern. Und, wie ihr im vorletzten Blog gelesen habt, die amerikanische Wissenschaft wird schnell veröden, wenn Trump und seine Faschisten sie beherrschen (obwohl, das wissen wir, es schon Überläufer gibt und weitere geben wird). Amis bei uns? Hoffentlich. Sie werden zwar die bürokratischen Hürden überwinden müssen, aber so gescheit, dass sie das können, sind sie, und wenn nicht in Deutschland, so doch anderswo in Europa, obwohl ich für Deutschland um Einkehr bitte.

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Das Thema ist seit 100 Jahren sehr komplex und seither mit Hoffnungen der jeweiligen Hochschul-Elite-Propaganda verbunden, die selten klar macht, wie Wissenschaftlerinnen (bei uns zu wenige) und Wissenschaftler sowohl global wissenschaftliche Erfolge als auch persönliche Status- und Lebenserfolge sich erarbeiten, teilweise sozial leichter, teilweise schwieriger, und kulturell noch komplizierter. Dieser lange Satz beschreibt auch eines meiner lebenslangen Themen. Trump ruiniert nicht nur die Demokratie, er beschädigt das kulturelle und soziale Innovationsdenken der Wissenschaft. Ähnliches, wenn auch anders, geschieht auch bei uns. Das kann man nicht einfach mit Hochschulpolitik grundlegend verbessern, obwohl man das auch sollte, sondern Wissenschaft und ihre Umsetzung in Praxis sollte schon die Gesellschaft eingehen wie Bildung und nicht nur wie leere Investitionen oder Urlaub. Und wie der Staat eingreifen darf, und wo er sich heraushalten muss, ist dabei auch ein Aspekt. Ebenso die Beziehung der Wissenschaft zu Merdien und zum Kapitalismus at large: den gibts ja, ob man das mag oder nicht.

Also: Reform ist angesagt, und mit der erhofften und erwarteten Einwanderung guter Köpfe aus den USA gibt es einen Impuls mehr. (Einwanderung von Wissenschaft aus anderen Staaten, auch Diktaturen, wie Russland, ist analog, hat etwas andere Erscheinungsformen. Und zu meinem Kernthema Israel und dortige Wissenschaft kommt noch ein Extrablog).

Kein Kniefall. Steht still! Bewegt euch.

Recht haben ist nicht lustig. Was sich gestern und heute in Davos abspielt, war nicht im Detail, aber vorauszusehen. Ein Diktator macht, wie er es will, und seine Gefolgschaft verhält sich überwiegend gehorsam oder nachdenklich an der Realität zweifelnd. Nicht alle, deshalb keine allgemeine Verdammung. Kanada und Teile der EU und einzelne Kommentare helfen, so etwas wie Zukunft ins Auge zu nehmen. Aber leider fehlt es nicht an kurzfristig erleichterten Äußerungen, um wieviel leichter der Abend geworden ist nach den Trump`schen Drohungen am Morgen…er hat sein Ziel wieder erreicht. Abkehr von Europa (aber wir sind ja nicht 1,0, bestenfalls 0,8, wie auch unsere Regierung), und wie abhängig, kolonial Grönland werden soll, kann, wirde, und wie die Ukraine dem russischen Lage geopfert wird, alles unklar.

Also: keine Beruhigung, kein Kniefall. Auch keine aufgeblähten Backen, was wir alles denken sagen, hoffen können – das geht an den Diktatoren vorbei. In desem Fall spreche ich nur vom Diktator Trump. Seit Monaten lese ich in vielen Zeitungen seine psychischen und manchmal körperlichen Defekte und Krankheiten. Na Und? Ganz wichtig: würde Trump morgen verschwinden, weil tot oder interniert, würde sich an der amerikanischen Politik fast nichts ändern. Nicht nur die Techno-Kraten (siehe die letzten Blogs), auch eine bürokratische Verwaltungsmacht hat sich längst darauf eingestellt, ohne den Einen weiter zu agieren, das amerikanische Volk zu spalten und die nicht-demokratische Hälfte weiter den Westen und sich selbst zerstören zu lassen. Wie lange hält die andere Hälfte, halten echte Gerichte und Medien noch durch?

Andererseits: da ist auch Hoffnung. Nicht nur Canada, nicht nur >Frankreichs Präsident, nicht nur…der Ansatz des wieder erwachenden Bewusstseins von Europa ohne „Westen“, ohne „US Dominanz“ etc. kann uns bewegen und weiter handeln lassen. Nochmal: Über gestern und heute können wir keine tragfähigen Resultate benennen, die unsere Schlüsse zu akzeptiertem demokratischen Willen führen. Umgekehrt: dieser etwas beschädigte, retroaktive Wille muss erneuert werden und eine Rückkehr zur narkotischen Politik des „Sich beschützt Fühlens“ sollte verhindert werden. Die Politiker, die offen ansprechen, wieviel an unserem Wohlstand wir drangeben müssen, um uns aus der Abhängigkeit zu lockern oder teilweise zu befreien, haben recht. Bitte nicht das Wort „opfern“ verwenden, wenn der Wohlstand reduziert wird. Sich schützen und verteidigen wollen, ist nicht unbedingt widersprüchlich zu einem Pazifismus, das kann man sogar nachvollziehen. Und so können wir Themen neu anordnen, neu Prioritäten setzen, ökologisch, gerecht, transparent. Das erlaubt uns auch, Nebenwidersprüche in unsere Politik aufzunehmen…ich habe den Eindruck, dass manche altbackene Politiker manche Themen zur Ablenkung dagegen offen legen. (Auf dem Gebiet habe ich einige persönliche Erfahrung, manche Erfolge haben sich eingestellt, wenn bestimmte politische Themen nicht gleich wie ein Köder geschluckt wurden….=. Also bitte einmal Pause mit Resümees machen, Da wo es wirklich brennt, ist ja nicht Davos.

Und sich selbst immer wieder stärken und beisammen halten, auch mit dem schönen Wetter, mit dem richtigen Hören und Lesen und Sehen, und zwar nicht gleich aus einem Kanon ableiten. Selber sein, das stört die Diktatoren am meisten, wenn Menschen sie selbst sind.

Ich schaue in den wolkenlosen Himmel. Gehe an die frische Luft und denke daran, was ich heute morgen alles aus und über Davos gelesen habe. Übung für uns alle: fasst das einmal zusammen! Ein Ergebnis? Da fällt mir etwas ein: Wir hören ja viel über Grönland. Was ist der Unterschied zwischen Eigentum und Besitz? Warum und wozu sind wir politisch und rechtlich an der Seite Dänemarks? Darüber müssen wir auch einen Blick auf unser politisches Bewusstsein werfen. Dann erträgt es sich leichter, Recht zu haben und nicht nur Bodenschätze und Landschaft, sondern auch politische Vereinbarungen zu akzeptieren, für unsere Zukunft.. Ich gehe weiter in der Frühlingssonne, bei Minusgraden. Da kann man auch ganz andere politische und ökonomische Assoziationen haben und die Folgen der Abkehr von der Menschlichkeit durch Trumputin bedenken. zum Beispiel in der Ukraine.

Krieg und … runter von der Illusion

Als wäre es wichtig, ob und dass jetzt ein dritter Weltkrieg sich anbahnt, schon entwickelt , oder erst droht. Als ob der Diskurs die Krieg/Friedenspolitik dirigieren könnte. Es ist auch nicht wichtig, geistige Defekte bei den Diktatoren festzustellen oder zu leugnen, was sie tun zählt, und nicht wie sie es sehen. Auch die Vorschau, wie lange sie als Personen noch leben werden, ist egal, es geht nicht nicht um ihren molekularen Körper, sondern um den zweiten, den symbolischen, der im Mittelalter die Gesellschaften fokussierte.

Analytisch stimmen wir kritischen Geister schon ziemlich überein. Nuancen sind verschieden, ob die Analogie etwa stimmt, Hitler – Stalin, Trump – Putin (ich sehe es eher umgekehrt, und da gibt es noch Xi, und damals gabs keine Nuklearmacht.

ABER

Wen kümmert es wirklich, wie wir gerade über den Tag, über die Zeit denken? Ob drittklassige Politiker dem Trump in den Putin kriechen oder dem Putin in den Trump, macht den beiden so wenig aus wie Lob und Kritik aus subalternen Mündern. Ist Trumps Nobelarroganz wirklich weltpolitisch wichtig? Oder spielt er auch sie, um die Politiker der 0,8 Qualität zu beeindrucken, gar zu beeinflussen.

Ein Deutschamerikaner, ein guter Professor, machte heute morgen deutlich, wie faschistisch die USA sich mittlerweile gerieren. Über Giuliano da Empolis Einsicht in die Stunde der Raubtiere habe ich hier schon berichtet. Und bald, jetzt, merken es die eher freigeistigen, liberalen Medien, wie wenig bedeutsam Einsichten und Meinungen sind.

Zur Zeit sind die Analysen, was wir europäischen Demokraten gegenüber dem Westen, den USA, versäumt haben, sekundär. Wie kann man korrigieren, was uns in den Krieg, konkret in Hunger, Armut, Weltwirtschaftskrise, Nuklearopfer etc. treibt, in welcher Kombination auch immer?

Wir können es nicht. Wir werden sehen, wie und ob die Ukraine Spielball des Trumputin-Pakts der Aufteilung Europas wird, morgen werden die Heuchler ihre Prognosen bestätigt sehen oder sich wundern, was wirklich beschlossen wird, aber das alles hilft uns in Europa wenig. Die Faschisten aller Länder werden noch nicht einmal triumphieren, sie werden ihre Beziehungen zu einander überprüfen, koordinieren. Die Demokraten werden darüber sprechen, wie sie ihr Gesicht wahren können, wenn sie sich schon unterwerfen – müssen, nicht „können“.

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Wenn jemand aus dem Dämmerschlaf der Opiumsession aufwacht, dann schaut die Wirklichkeit dem wachen Auge SELTSAM entgegen. Seltsam sieht die Welt schon aus, richtig, aber wir können sie nicht mehr einfach weg-denken. Keine Philosophie, keine Religion, keine Ratschläge bitte, heute einmal nicht. Aufwachen und daran denken, was einem selbst, dir, mir, uns, wirklich wichtig ist zum weiterleben und dann auf die Politik schauen, die wir offen (kaum) oder verdeckt (eher) tun können.

Jetzt könnt ihr sagen, das alles ist negativ und entmutigend und deprimierend und hilft nicht weiter. Was folgt daraus, wenn ihr das sagt? Es gibt kein großes Portfolio an Optionen und Alternativen. Es kommt auch nicht so sehr darauf an, wie die jeweilige Unterwerfung kaschiert oder umschrieben wird. Es geht um die Lebensqualität der wirklichen Menschen und ihrer sozialen und emotionalen Zusammenhänge. Bekanntlich können Diktatoren sehr viel, auch nicht Zusammenpassendes. Sie können aber die wirkliche Wahrheit aus keinem ihrer Opfer so herausbringen, dass sie daraus eine Bestätigung ihrer Diktatur ablesen können.

Wenn Trump den Friedensnobelpreis bekommt, wird es danach keinen mehr geben. Na und?

Ich weiß, es ist unfreundlich, im hellen Sonnenlicht des Tages so düster zu denken. Aber freundlich den Farben der Eroberer zuzustimmen, bevor man selbst abgeführt wird, ist auch nicht besser.

Darüber kann man auch nachdenken, wenn man im Sonnenlicht spazieren geht und aufwacht.

(Lest Daniel Brössler, SZ von heute, und die 6 Punkte am Ende. So können Unterworfene sich wenigstens in den Spiegel schauen).

Kein Frieden und andere Kriege…

Machen wir uns nichts vor. Friedliebende Kommentare sind keine Wirklichkeit, sondern gestalten unter anderem Überzeugungen und Selbstbetrug. Wenn Merz und andere sagen, es sei kein („richtiger“) Friede und irgendwie schon noch irgendwie kein („richtiger“) Krieg – von Russland gegen Europa, ist das mehr als ein sprachliches Beispiel. Und so schrecklich die Umstände des Gazakriegs sind, die trumpoiden Verhandlungen sind auch „irgendwo“ zwischen Friedensplänen und Kriegspotenzialen, keine Wahrheitsstrategie, sondern Anpassung an eine Israel-Trump-angelehnte Rahmenrealität. Wie ich immer schreibe, dass die Wirklichkeit die Wahrheiten dominiert. Deshalb sind die Kommentare der besseren Medien ungewollte Konjunktive, die Grammatik diktieren andere…das gilt auch für die Ukraine, für Sudan, für Kongo. Natürlich gilt es besonders für die neueste, nicht gefestigte Weltdiktatur USA und ein wenig macht sich diese demokratiefeindliche Realität auch bei uns breit – wie denn auch nicht? Das Einzige, das stimmt, sind die Abbildungen der Wirklichkeit leidender, hungernder verletzter, sterbender Menschen, die gerettet werden sollen, müssen, können, nicht immer dürfen, bevor wir wieder und wieder die Täter anklagen oder mit Preisen und Lecken überhäufen.

Das ist der Grund, warum ich viele Daten und Eindrücke sammle, Zu Israel und Gaza vor allem, zur Ukraine, und zu unserer so genannten Regierung, aber gerade da wenig kommentiere. Denn es ist schon wichtig, dass diese Nachrichten auch empfangen werden und man sich nicht dauernd in sich selbst spiegelt.

Was bleibt, das Weiterleben unter den realen Wolken des beschleunigten Welt- und Politikzerfalls, ist nicht wenig. Das ist keine beruhigende Philosophie und schon gar nicht Ablenkung von der Politik. Aber es kommt auch, auch, nicht nur! darauf an, dass wir unsere Widerstandskraft stärken, lebendig bleiben bezieht sich immer auch auf Umwelt und Sozialisation, und natürlich auf Kultur, also die Bereiche, wo die Dummen und die Gefährlichen gleichermaßen sparen wollen. Das dürfen aber nicht nur rhetorische oder demoinstrative Bekenntnisse sein, wir müssen etwas tun. Wenn wir etwas tun, dann muss nicht jeder sofort erfahren, dass wir aktiv uns für das Richtige so und so einsetzen, aber öffentlich muss sein, was die Konfrontation bewirkt, z.B. die Kritik an den Brosius-Kritikern der CSU (das sind rechtsradikale so genannte Christen aus Söders Gehege), z.B. das Niveau der Wehrdienstdebatte (da kann ich nur raten, von den Finnen zu lernen), und vielleicht mit dem Lob an Trump im Nahen Osten etwas zu warten: auch Diktatoren können manches richtig entscheiden, das entlastet sie aber nicht…

Zurück zum Anfang. Wenn sich der Krieg weiter entwickelt, wird er anders sein als unsere verbreitete Kriegsgeschichte, und er wird keinen von uns ganz in die Freiheit des Friedens entlassen – wohin wollt ihr fliehen? Aber es kommt darauf an, was geht vorzubereiten, und dem, was kommt, zu begegnen (siehe oben). Dass wir dabei nicht gewinnen, ist klar. Aber es gibt wichtigeres in unserem täglichen Leben.