Rechts in Deutschland (1)

Rechts in Deutschland (1)

Es wird (m)eine kleine Serie. Keine einfache Rezension, aber ich beginne mit einer achtungsvollen Kritik. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat durch Martin Langebach als Herausgeber ein besonderes „Zeitbild“ herausgegeben: Deutschlands radikale Rechte – 1945 bis 2025“ (Verlagshaus Zarbock, Ffm 2026). Ich hebe hervor: 1945, 2016, und Deutschland, also vor 1990 West- und Ostdeutschland, und jetzt das eine Land. Das Buch sollte allgemein verbreitet und gelesen werden.

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Dennoch keine Rezension. Die wäre entweder zu einfach oder zu komplex. Erst einmal ein Eindruck: ich weiß ja wirklich viel über die deutsche Nachkriegsgeschichte, mehr noch über West als Ost, aber insgesamt, vom 8. Mai bis heute. Aber ich habe doch Wichtiges dazu gelernt in diesem Buch, das ja, fast ungewollt, klar macht, wie marginal der rechtsradikale Minderheitenrand seit 1945 sich auf und ab bis zur massiven Platzierung der AfD heute gehalten, gefestigt, entwickelt, verändert hat. Wie gesagt: dass ich vieles von der rechtslastigen Geschichte der Bundesrepublik und Gesamtdeutschlands weiß, macht die Ergänzungen und aufgeklärten Erkenntnisse umso spannender, etwa die höchst geheime Mitkonstruktion rechtsradikaler Opposition in der DDR durch die CIA. Weniger geheim ist, dass viele von der BRD freigekaufte Häftlinge aus der DDR in der BRD sich rechtsradikal betätigt haben. Weniger geheim ist die realitätsferne Selbstbestimmung von Geheimdiensten, Polizei, Justiz etc. in der BRD in Fragen der Bewertung rechtsradikaler Aktivitäten – und den Folgen dieser Asymmetrie (gerne hätte ich einen wirklich parallelen Text über die Entwicklung der radikalen Linken in der BRD, auch um die Hufeisentheorie der relativen Annäherung extremistischer Positionen zu konkretisieren).

Das Buch ist insofern ein Gewinn, weil es wirklich von 1945 bis heute einen Geschichtsbogen festhält, der weniger meiner Generation als den Jüngeren sehr viele wirklich nicht präsenter Details nahebringt. Zum Beispiel konkrete terroristische Aktionen, Überfölle, Morde, und die Reaktionen des Staates, der Öffentlichkeit, der Exekutive und politischer Gruppen.

Es ist auch ein Gewinn, weil es an keiner Stelle die Defizite der Demokratie mit den Defiziten des Staates und den Defiziten in der Gesellschaft zusammenklebt. Dieser letzte Punkt interessiert mich aus vielen Gründen am meisten. Die neun Kapitel sind auch ein Instrument kritischer Bildung, und zwar für viele Laienbereiche. Viele der AutorInnen gehören zu den herausragenden Forschenden. Die Experten finden ein umfangreiches Literaturverzeichnis, und die breite Bilderdarstellung ist hilfreich für die Vorstellung von der Vergangenheit, von damals bis heute. Über den Anfang dieser Vergangenheit gibt es ja wenige Zeitzeugen, aus den letzten Jahrzehnten natürlich mehr. Und bis zur Gegenwart ist es wichtig, die immer neuen Mythen gegenüber dem wirklichen Geschehen zu dekonstruieren, wie betont Hannah Arendt? „Realität“.

Was mich an der Geschichte des Rechtsradikalismus in der DDR besonders interessiert, ist die Tatsache, dass sich zwei autoritäre Bewegungen konfrontieren: eine herrschende, die scheinbar das Gegenteil der anderen, verbotenen, war und zugleich Analogien, sogar in der Herkunft, und strikte Antipositionen einsichtig machen. Das hat mich im Detail interessiert, aber erst im Kontext ist das für die Geschichte vor 1990 wichtig. Wichtig, dass auch Henry Leide (2005) in der Literatur erwähnt ist.

Für mich ist noch ein weiterer Aspekt des Zugangs wichtig: seit den 70er Jahren, da war ich in der linken Studierendenszene, später durchaus links im Berufsbereich, sind viele dieser Themen, auch manche Details und manche Personen, Gegenstand der Reflexion gewesen (nicht wirklich von Aktionen), und das hatte schon politische und moralische Profilierungen mit-bestimmt, abgezogen und abgestoßen – und erscheint heute bisweilen als ein Blick auf einen anderen Planeten. Etliche Details, die ich wahrgenommen habe, einige erlebt, sind durchaus abweichend von der Erinnerung und anders angeordnet im Text – das ist de facto ein später Lerneffekt. Und noch etwas, das mich als Österreicher natürlich konkret berührt: wie die „europäische“ Kommunikation wann und wie vor sich gegangen ist. Ein Beispiel: es hat viele faschistische Kooperationen gegeben, aber wenige mit Italien, wegen der unterschiedlichen Position zu Südtirol.

Ich werde in den nächsten Tagen weiter meine Reaktionen ausbreiten, keineswegs einfach didaktisch, aber positiv kritisch.

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