Sturm auf die Gewissheit, Zweifel

In diesen Tagen wird in den besseren Medien des 100. Geburtstags (!) von Michel Foucault gedacht. Kann man alles lesen, nicht nur Lob, auch Zweifel und Kritik. Ich kann auch heute noch reinen Gewissens sagen, dass er der erste Philosoph war, der mich nach der Frankfurter Schule wirklich betroffen hatte, ich habe viel von ihm gelesen, nachholend bedacht, vieles verstanden und leider auch vieles nicht. Er war ungemein wichtig und hat mir jedenfalls beigebracht, wie man mit dem Wissen und dem Zweifel an der Wahrheit umgeht. Seine Biographie ist wahrscheinlich in Frankreich leichter zu ertragen gewesen als die Zuspitzungen in Deutschland, darum geht es mir heute weniger, aber natürlich wirkt er nach, nicht zuletzt in der Dramaturgie der nachfolgenden Generationen und seine Hinweise auf Bourdieu, der kein sozio-Philosoph war, sondern Soziologe. Mich haben seine kritischen Texte zur Strafe und zur Bildung langfristig besonders interessiert, und seine Eröffnung der Wahrnehmung der französischen Kontroversen und Strategien, ganz anders als bei uns. Es ist ruhiger geworden um ihn, aber vergessen kann er so wenig werden wie der Hinweis auf die langdauernden Unterschiede der Entwicklung von Philosophie und Wissenschaft in den beiden Kulturen. Man kann auch sagen, „erst“ hundert Jahre…

Natürlich habe ich nicht mehr alle gelesenen und diskutierten Aussagen und Überlegungen von Foucault sozusagen alltäglich parat, aber seine Alternativen zur dogmatischen, einen „Wahrheit“ sind parat geblieben, sein Herausholen der Minderheiten, der Menschen im Schatten des gleißenden, allzu hellen Lichts der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Da ist etwas hängen geblieben, das wirkt.

Lest „Die Ordnung der Dinge“, „Überwachen und Strafen“, „Sexualität und Wahrheit“- mit dem Untertitel „Der Wille zum Wissen“ oder anderes. Ich hatte ihn einmal in Berlin, da war er schon krank, auf einer Bühne diskutieren gesehen und gehört. Beides war eindrücklich.

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