freuet euch!

Spitzkegelige Kahlkopf (Psilocybe semilanceata), streng geschützt.

Keine Angst, keine Rückkehr zu T&C. Aufmunterung tut not,

Ich hatte in mein Pilzgericht zuviel vom Spitzkegeligen Kahlkopf (Psilocybe semilanceata) eingekocht und fand mich schnell in einer etwas befremdlichen, aber schönen Variante der Welt wieder. Ich sitze vor einem Bildschirm und konnte es nicht fassen: Mönchengladbach besiegte Bayern München 3:2. Wenn das möglich ist, dann geht ja auch anderes…

…Horst Seehofer war gerade auf dem Weg zu einem Fremdgang-jubiläum, da überfielen ihn vier maskierte Jesuiten und er fand sich in einem Flüchtlingslager in Bosnien wieder. Zwar fror er und eigentlich war er müde, aber angesichts der Zustände streifte er sich einen coronasicheren Kittel um und begann sich um  die Flüchtlinge zu kümmern. Nach Nahrung und Decken verteilte er Visa für Bayern, und in kurzer Zeit kamen alle Insassen in oberbayrischen Dörfern unter, wo sie den Schulunterricht für zurückgebliebene CSU-Schüler*innen erteilten und sich an der Christbaumentsorgung beteiligten.

…Papst emeritus Ratzinger setzte die Seligsprechung des Kölner Kardinals Wölki durch, zusammen mit den bisherigen Kinderschändern des Bistums, nachdem diese nicht nur Abbitte und Entschädigungsleistungen gebracht hatten, sondern sich einer Weihwassergenialbehandlung unterzogen hatten, die sich auf ihr Seelenheil positiv auswirkte. Das Beispiel machte Schule.

…die Grüne Partei beschloss in jeder sich bietenden Koalition ein Rolle zu spielen. Da die drei Kandidaten exakt je 333 Stimmen bei 2 Enthaltungen erhielten, wurde Annalena Baerbock einstimmig zur Vorsitzenden der CDU gewählt und ging eine schwarzgrüne Koalition mit Robert Habeck ein, die als erstes den Ausschluss der Türkei aus der Nato forcierte und als zweites Öl und Kohle verbot. Darauf wurde beide zu Konsuln auf Lebenszeit ernannt.

Mit nachlassender Wirkung der Pilze wurden die Bilder unschärfer und ich selbst sah mich in unangenehmen Situationen, z.B. wurde ich einem Zensurkollegium vorgeführt, das meine verbalen Entgleisungen mit langen Aufenthalten in der Springerredaktion bestrafte.

Dann wurde mir schlecht. Aber Gladbach hat gesiegt.

Ausnahmezustand

LIEBE BLOG LESERINNEN UND LESER! Bis zum * im Text hatte ich diesen  Blog bis 17 Uhr gestern geschrieben. Dann kamen die Ereignisse von Washington. Ich muss also anders fortfahren als ich eigentlich wollte. Das Thema ist kein Zufall.

diese informationen sind wichtig. https://www.nytimes.com/live/2021/01/06/us/electoral-vote?campaign_id=7&emc=edit_MBAE_p_20210106&instance_id=25717&nl=morning-briefing&regi_id=60540671&section=topNews&segment_id=48546&te=1&user_id=dba22290721c371ead84cc760ca98496#pro-trump-mob-storms-capitol-in-day-of-violence-disrupting-electoral-count // und https://www.sueddeutsche.de/politik/usa-washington-kapitol-trump-1.5166820

6.1.2021

Manche Intellektuelle haben einen guten Namen. Fragt man genauer, warum das so ist, so landet man meist in der eigenen intellektuellen Klasse, sagen wir ruhig „Elite“. Gerade wenn man nicht elitär erscheinen will, ist diese Zugehörigkeit besonders prekär.

Trump hat gegen die Eliten gewettert, und dass seine Anhänger weiter abgehängt werden, sozial und kulturell, gehört nach dem Urteil der -> Meritokraten zur Tatsache, dass im Grunde jeder das bekommt, was er oder sie verdient. In dieser Gesellschaftsideologie sind viele befangen, die sich für fortschrittlich, wissend und middle of the road verstehen.

Anne Applebaum hat so einen guten Namen. Und ihre Thesen zur gefährdeten Demokratie in den USA werden  so erbarmungslos zerlegt, dass auch auf unsere tägliche Debatte ein düsteres Licht fällt. Ein großartiger Aufsatz, mehr als eine Rezension „Orthodoxy of the Elites“ von Jackson Lears zu Applebaums neuestem Buch Twilight of Democracy.(Lears 2021). Ich habe selten eine so präzise Zusammenfassung der Kritik an der Kritik der Demokraten an Trump gelesen – und an dem elitären internen Diskurs darüber innerhalb der privilegierten intellektuellen Schichten, also in unseren Kreisen.  Man kann das gut belegt und im Detail nachlesen. Was mich bewegt,  ist u.a. der Verweis auf Julien Benda, der den Faschismus vorhergesagt hatte (1927: Der Verrat der Intellektuellen (Benda 1978)) und sich der „clercs“ doppelt bediente: der eher abwertend halt Kopfmenschen, eher wirkungsvoll als Berater und Wortführer der Mächtigen. Applebaum wird auseinandergenommen, weil sie eine gemäßigt republikanische Position (McCain) z.B. interventionistisch auslegt und weil sie letztlich meint, den Abgehängten geschähe schon recht, warum sind sie denn abgehängt und nicht „begabt“. Lears‘ Kritik an der angeblich liberalen Meritokratie ist überzeugend, wichtiger erscheint mir sein Schlusssatz: „For American democracy to survive, its clercs are going to have  to disengage from orthodoxy, stop talking only to one another, and start listening to heretics”. Häretiker sind unter anderem die Arbeiter, die unter Trump das Letzte verlieren, Arbeit, Versicherung etc. die Analogien zu den Rechtsradikalen in der Lausitz bei uns sind so wenig zu ignorieren wie zu den Gelbwesten. Auch muss man nicht Applebaum selber lesen, um zu wissen, wie viel und wenig man von Biden zu erwarten hat, ohne dass man Trump nachtrauern muss.

 *

Wer sind die HERETICS? Ist das der Pöbel, der ins Capitol eingedrungen ist? Oder sind das die republikanischen Kongressmitglieder, die nach dem Putschversuch weiterhin die Wahlergebnisse anfechten, als wäre nichts geschehen? Wer sind die ORTHODOXEN? Sind das die konservativen Politiker beider Parteien, die in ihrer Ingroup sich die neoliberalen Bälle zuspielen? Vor allem – wo sind die Verteidiger und Stützen der DEMOKRATIE? Sind das die Schwarzen, die Minderheiten, die LGBTY, die bereits „Abgehängten“ und die, die davor Angst haben? Großteils NEIN. Es sind eher die Anhänger von Institutionen, die den Regeln immer weniger beschränkter personaler Macht misstrauen. Dazu aber müssen sie gebildet sein, müssen Zusammenhänge kennen und wissen, sie müssen in gewisser Hinsicht die clercs sein, die sich aus der à Truman Show[1] der Eliten ausklinken.

Die heutigen Meldungen sind aufregend und beunruhigend genug. Die Analogie zu den deutschen Verhältnissen drängt sich auf, nicht nur bei den Querdenkern am Reichstag, auch bei der Relativierung des Pöbels bei den Politikern, die mit möglichen Unterstützern kalkulieren, gar nicht weit von den Gelbwesten entfernt.

In Zeiten der Pandemie mobilisiert sich die menschliche Blödheit leichter, aus Angst und aus der Chance, selbst zu denen zu gehören, die die Verhältnisse zum Tanzen bringen. Endlich eine globale Tatsache, die denen das Wort entzieht, die noch auf eine völkische Ausnahmeposition setzen. Der amerikanische EXCEPTIONALISM[2]  hat gestern einen empfindlichen Schlag bekommen, aber nicht mehr, und für die Deutschen (ich meine die deutschen Deutschen) sollten härtere Tage kommen. Das liegt an uns.

Benda, J. (1978). Der Verrat der Intellektuellen. München, Hanser.

Danner, M. (2011). „After September 2011: Our State of Exception.“ NYRB 58(15): 4.

Lears, J. (2021). „Orthodoxy of the Elites.“ NYRB 68(1): 8-1.

Patman, R. G. (2006). „Globalization, US Exceptionalism, and the War on Terror.“ Third World Quarterly 27(6): 23.


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Truman_Show man muss die Metapher nicht endlos ausweiten, aber es ist wichtig dass Menschen merken, dass sie Mitglied einer elitären Blase sind, aus der heraus sie ruhig kritisch sein können, ohne das System wirklich in Bewegung zu setzen.

[2] exceptionalism definition: noun: exceptionalism

“the belief that something is exceptional, especially the theory that the peaceful capitalism of the US constitutes an exception to the general economic laws governing national historical development.,”

Vgl.: Patman, R. G. (2006). „Globalization, US Exceptionalism, and the War on Terror.“ Third World Quarterly 27(6): 23, Danner, M. (2011). „After September 2011: Our State of Exception.“ NYRB 58(15): 4.

Umkehr? Umkehr!

noch ist die weitgehende jkleinschreibung meinem defekten computer geschuldet, wird bald besser!

Deutlicher kann man es nicht schreiben:

„Mehr als inakzeptabel ist: wegzuschauen, wenn Tausende frieren und leiden; wegzuschauen, wenn in der Ägäis Boote zurück Richtung Türkei geschleppt werden; wegzuschauen, wenn in Kroatien Flüchtlinge mit Gewalt über die Grenze nach Bosnien verbracht werden; wegzuschauen, wenn im Mittelmeer – aufgrund des Verzichts auf staatliche Rettungsaktionen und der aktiven Behinderung ziviler Helfer – Menschen ertrinken. Das ist eine permanente, kollektiv sanktionierte Missachtung der Menschenrechte, begründet auf der grauenvollen Überzeugung, dass nur Abwehr und Abschottung jener oft beschworenen „Sogwirkung“ entgegenwirken, die man in vielen europäischen Hauptstädten genauso fürchtet wie in Bosnien-Herzegowina.

Sich der „Schließung der Balkanroute“ zu rühmen, nur um dann das Problem der an der Südgrenze der EU gestrandeten Migranten an Nicht-EU-Staaten auszulagern, ist heuchlerisch. Angebote für Hilfsgelder an die Bedingung zu koppeln, sie mögen Familien, nicht aber jungen Männern zugutekommen, ist zynisch. An die Regierung in Sarajevo zu appellieren, die Lebensumstände für „ihre“ Flüchtlinge zu verbessern, und die „eigenen“ Flüchtlinge auf griechischen Inseln im Matsch überwintern zu lassen, ist unverschämt.“ Süddeutsche 4.1.21

Immerhin: in unserem land kann man das in den medien lesen. Die länder, die wir mit waffen für ihre kriege beliefern,  lassen auch das nicht zu. Heute, am 5.1. hat seehofer und sein ministerium verlauten lassen, man wird keine flüchtlinge aus bosnien aufnehmen. D.h. man wird sie weiter sterben lassen. Seehofer tötet.

*

Solche inhalte könnte ich jeden tag schreiben und werde es in abständen weiter tun.ichwill mich aber nicht verbal daran abnutzen, dass ein sachverhalt, den jeder kennen und verstehen kann, immer wiederholt wird, ohne ausweg, ohne umkehr. Die so genannten christen, sie so genannten sozialen demokraten, die unbekümmert ihren idolen opfern und sich bekreuzigen oder zur solidarität aufrufen regieren, als ob menschenleben außerhalb ihrer machtinteressen weniger zählten als in ihren wahlkreisen. Ich weiß so gut wir ihr leser*innen, dass die meisten dieser schreibtischtäter nie vor gericht kommen (außer die christen zum jüngsten gericht, aber da kann ich mich an ihren höllenstrafen nicht erfreuen), aber man  würde sich doch freuen, wenn manche von ihnen am eigenen leib erfahren würden, welches unglück sie über die menschen bringen.

Ich kenne den balkan gut. Ich weiß, dass viel unglück  dort ausgelöst wurde durch die blödsinnige außenpolitik des herrn genscher und von teilen der EU, und dass die jetzige bosnische politik auch durch die politische inkonsequenz von usa, nato und deutschland mit-verursacht wurde – untermitwirkung der nationalisten in den balkanischen regionen. Aber heute diese lächerlich geringen flüchtlingszahlen auf eine geschichtsinterpretation und so genannte grundsätze zu reduzieren, ist unmenschlich. Seehofer tötet.Ach ja, herr merz, ausgerechnet, der blackstone vandale, fürchtet, dass noch mehr flüchtlinge kommen, wenn wir die in bosnien retten…man sollte ihn vielleicht einmal drei tage in einem lager hungern und frieren lassen.

Unsere umkehr kann nur in partieller illoyalität gegenüber diesem innenminister und seinen gefolgsleuten bestehen. Und in aktiver flüchtlingshilfe, wenn es sein muss, gegen die politik der bundesregierung.

Loop ins neue Jahr

Allen, die diesen blog lesen, zunächst die besten wünsche zum neuen jahr, viel gesunde reflexion darüber, was daran neu sein kann, und viel glück beim leben der ergebnisse eures nachdenkens und handelns.

Bis auf weiteres schreibe ich in kleinbuchstaben, weil mein pc defekt ist. Ihr könnt euch an diese ungewohnte moderne auch gewöhnen, es wird wieder anders. und bitte verbreitet diesen blog, ich habe keine sozialen netzwerke…

Danke für eure freundliche begleitung durchs bloger jahr. Auch das wird hoffentlich gut und besser. Von euch wünsche ich mir mehr kritik und kommentieren, für euch wünsche ich mir, dass ihr freude an themen außerhalb von t&c habt und ein wenig die zukunft genießt. Wir haben ja noch einiges vor uns, bevor wir alles hinter uns haben.

Prosit Neujahr. Das wünschte vor einer stunde riccardo muti mit den wiener philharmonikern beim neujahrskonzert aus dem musikvereinssaal. Selten hat dieses ereignis mich so vielschichtig bewegt. Dass kein publikum da war, hat bei der tollen akustik nicht gestört, die loge des präsidenten war auch leer, ich habe mir dort alexander van der bellen so gewünscht wie früher heinz fischer, österreich hatte da zwei präsidenten, die weit besser waren als die regierungen zu der zeit.

Ich höre dieses konzert seit vielen jahren, unterschiedlich aufmerksam. Je länger ich von wien entfernt lebe, desto mehr verstehe ich, warum berlin hinten ansteht. Aber dieses jahr war es besonders. Man konnte sich wirklich auf die musik konzentrieren, und fast alle damit verbundenen assoziationen haben eine vergangenheit heraufbeschworen, die zwar nicht geschichte schon ist (noch lebe ich), aber doch vieles anschneidet, das sich klarer und deutlicher abhebt von einem alltag, in dem silvester und neujahr eher müde rituale darstellen. 

Muti spielt seit 50! Jahren mit den philharmonikern. Damals bin ich oft allein oder mit freunden zu den konzerten am Sonntag vormittag gegangen, um durch ein lächerlich kleines trinkgeld noch auf den stehplätzen ganz hinten die musik zu hören, wenn man schon keinen sitz ergattern konnte. Damals war auch die musikalische einführungszeit vorbei, die ich in bundesheerunifom und gratiskarten häufig jenseits des zapfenstreichs in der oper oder im theater verbracht hatte. Aber die symbolik des neujahrskonzerts war schon teil der familiengeschichte: die apothekenglocke durfte nicht läuten – hat sie doch, zum ärger meiner tante – und das orchester, damals nur männlich, hat noch die spuren der silvesternacht deutlicher als heute gezeigt, einschließlich willy boskowski, der viele jahre lang dirigierte. Die meisten walzer und polkas sind ja nicht immer mein geschmack. In diesem jahr war der durchaus zweitrangige karl komzak mit den „Badener madeln“ aber erinnerungsschwer,  weil ich ja 7 jahre in baden bei wien gelebt hatte, und man sah die entscheidenden ort, den kurpark, das theater, das beethovenhaus und daneben die gründerzeitpolizeiwache…ach baden, damit verbinden mich heute nur mehr die abiturstreffen und die bücher von marlene streeruwitz. Und erinnerungen, die hart an der grenze von vergangenheit und geschichte sind…und dann waren einige stücke mit dem herrlichen staatsopernballetthinterlegt, diesmal im park des palais liechtenstein, dem gegenüber ich in die französische grundschule ging, und später habe ich da beim österreichischen universitätenkuratorium gearbeitet, und in allen häusern rundherum spielt  doderers „strudlhofstiege“. überhaupt der für mich vielleicht zweitwichtigste stadtbezirk von wien…der tanz war verwegen modern, auch in den farben.

Weil das burgenland erst seit 100 jahren zu österreich gehört, also nicht weiter zu ungarn, wurde ein schöner film  eingespielt. Beginnend mit dem haydnquartett, aus dem leider die deutsche nationalhymne hervorgegangen ist, aber man sah die schönen städte eisenstadt und rust, die burgen – lockenhaus vor allem, auch ein musikereignis – und wieder die präzision der erinnerung an die orte und landschaften einer zeit, die ein anderer planet sich anfühlt, nie geschichte wird, aber sehr wohl zur formativen vergangenheit gehört. Nach einem wg freund aus der damaligen zeit werde ich mich jetzt digital umschauen…

In seiner neujahrsansprache hat muti sehr präzise durchaus politisch die rolle der kultur für unsere gesellschaft angesprochen, besser als die meisten salbungsvollen reden … also. Der auftakt hätte nicht besser gelingen können.

A propos zeitgeist. Bei den wiener philharmonikern sitzen so viele frauen wie nie hinter den pulten, in allen instrumentengruppen. Das erfreut. Und leitet zu dem über, was mich in diesen tagen eher bitter bzw. kritisch macht. Ist ja gut, wenn im ehemals rein weißen europa sowohl fragen der ethnischen diversität als auch der gender quality sich mit einem postkolonialen impetus verbindet, der vielleicht nicht übertrieben, isoliert erscheint. Dabei wird oft übersehen, dass kultur aus der damaligen zeit keineswegs dadurch entschuldigt wird, dass man sie sowohl aus der zeit als auch aus dem heutigen blick und wissen versteht[1]. Diese verengte sicht der intellektuellen und kulturellen prioritätensetzung lenkt nur zu leicht von den entsetzlichen sozialen verschlechterungen – bei den flüchtlingen noch mehr als in unserer privilegierten gesellschaft, aber auch da, und massiv – ab und von den politischen prioritäten wie klima und krieg. Ja, auch bei uns, und das klassen- und schichtdominierte deutsche schulwesen zeigt jetzt die offene wunde der sozialen diskriminierung stärker als je seit den 1960ern zuvor.

Ich verfalle nicht in eine wohlständige und unanständige depression, die mich dann pathologisch begründet lähmt, etwas zu denken, zu sagen und zu tun. aber ich bin melancholisch, weil mir die wahrheit bloch satz „hoffnung ist nicht zuversicht“ selten so deutlich wurde, wie in diesen tagen. Die euch allesamt in ein gutes jahr bringen sollen, vielleicht in eine achsenzeit hin zu einer politischen und kulturellen wende.


[1] Keine vorlesung, aber es lohnt sich den unterschied zwischen emisch und etisch in der anthropologie ganz anzuschauen. Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Emisch_und_etisch .

Finis terrae XXXVII: geht doch weiter!

Die Glückwünsche sind meist verfrüht oder unehrlich. Ein Tag schwerster Bedenken gegen die Selbstverherrlichung des Weiterso. Ihr könnt darüber hinweglesen, ich möchte es selbst. Wenn nicht, denkt daran, dass man auch in größter Not feiern kann, glücklich sein oder lieben, oder auch nichts tun. Für den Augenblick  ist nichts, fast nichts verboten, aber dann beginnt der Tag neu, an dem wir handeln müssen – nicht als verherrlichte Arbeit als Schicksal der Menschen, sondern darüberhinaus „handeln“ , etwas tun und es nicht nur bedenken.

In Bosnien verhungern tausende Flüchtlinge, oder sie verhungern. Sie erfrieren so wie die Flüchtlinge in Griechenland. Sie werden misshandelt und abgeschoben in den Krieg, in Gefahr und Not, wie in Deutschland und Österreich. Das alles geschieht bei uns. Sind wir nicht ein Land, ein Europa, manche faseln von einer Welt?

NEIN. Sind wir nicht. Politisch sage ich: noch nicht oder vielleicht nie, weil der KLIMAWANDEL uns gar keine Zeit mehr lässt.

Das globale „Abendland“ leistet sich den Luxus, aus seinem materiellen Überfluss heraus den Untergang als Zuschauer zu erleben, mit-zu-erleben. Verallgemeinern möchte ich den Satz, der Eisler zugeschrieben wird: „Gut, gut, die Bourgeoisie stirbt, aber welch ein Sonnenuntergang“; geht doch Skifahren am Wochenende…in diesem Fall bedeutet zuschauen, dass wir handeln können, wenn wir es wollen und uns zusammenreißen.

Die 2000 Flüchtlinge von Bihac und die 6000 Flüchtlinge von Lesbos und Moria können wir ohne Mühe allein dort unterbringen, wo Wohnanlagen und ganze Stadtviertel leer stehen, außerhalb der Spekulanten-Immobilien. Ohne mühe selbst für den Finanzkasper Scholz, der nicht-rückzahlbares Geld verteilt, um Oberkasper zu werden, selbst für den Flüchtlingstöter Seehofer, der sich allmählich Sorge um sein Seelenheil im CSU Himmel machen muss, selbst für den späten Protodiktator Kurz, den man ruhig  einmal hungern und frieren lassen kann. Von den faschistischen Regimen in der EU rede ich gar nicht…WIR KÖNNEN DAS.

Immerhin, das ist ein positiver Ausblick aufs nächste Jahr.

*

Ich rege mich, entgegen dem äußeren Anschein nicht auf. Aber ich bin auch nicht auf Luthers Apfelbäumchentrip. Wenn schon die Welt untergeht, dann brauchen wir für die Erde ohne Menschen keine Erinnerungen hinterlassen. Wenn das Paradies am Ende ist, wie Bloch sagt, dann handeln wir JETZT. Dann wünschen wir uns alles Gute und machen morgen trotzdem weiter. Zum Beispiel versorgen wir die paar Flüchtlinge in Deutschland und geben den Schreibtischtätern weniger Chancen. Unfromm heißt noch lange nicht unlustig, unlustig meint aber auch nicht unernst. 1,5° kann ja auch sein, dann kommen weniger Flüchtlinge.

Pompeji statt Pompeo

Das sollte uns eine Lehre sein…

Auch die Bewohner von Pompeji gönnten sich vor der Zerstörung der antiken Stadt offenbar hin und wieder Fastfood. Archäologen haben bei Ausgrabungen einen Schnellimbiss gefunden, der überraschend gut erhalten ist. (ARD 26.12.2020)

Eine durchaus ideologische Kommentierung. Der Imbiss muss keineswegs „fast“ sein, im Gegenteil: die Erfahrungen des Wiener Würstelstands sind, dass man da lange stehen kann, auch einmal eine zweite Flasche Bier bestellt, selbst für ein gut zu kaschierendes Rendezvous ist der Schnellimbiss geeignet, man kann sich ja zufällig dort getroffen haben, um sich für anderswo zu verabreden…

Immerhin: zwischen lauter T&C Meldungen ein Anflug von sozialem Realismus der ARD, eine solche Meldung in der Tagesschau zu bringen, mit prachtvollen Fresken und Graffiti.

*

Warum soll in Pompeji nicht die Esskultur als Zeichen einer entwickelten Zivilisation schon zum Schnellimbiss als Alternative zu den großen Gastmalen mit Pfauenfedern als Kotzanreiz geführt haben? Die Evolution davor hatte jedenfalls 25.000 Jahre mehr bewirkt als die lächerlichen 2000 seither, zumindest was die Gastronomie betrifft.

Lieber in Pompeji leben und zum Imbiss gehen als sich vorzustellen, Mike Pompeo hätte noch eine Amtszeit vor sich. Billiger Wortwitz, aber beim Lesen seiner Berufsgeschichte ist er doch eine Mischung aus Scheuer, Seehofer, Maassen und Goldfinger, und Trump brauchte ihn nicht zu begnadigen, weil er sich selber nicht ins Gefängnis gebracht hatte (CIA, NSA).

Der Kalauer der Namensähnlichkeit ist erschöpft, tut mir leid. Pompeo und seine deutschen Brüder brauchen keinen Kommentar, man wünscht sie zum Teufel und damit gut. Auch Vergiftungen über fast food sind für die meisten Geheimagenten zu kompliziert, Novichok ist einfacher.

*

Mich hat die Meldung aus der Archäologie wirklich gefreut. Man stellt sich vor, nach vollbrachtem Tagwerk am Tresen zu hängen und römische Bockwurst mit importiertem Feldsalat zu essen, Rotwein zu trinken und mit dem Nachbarn auf die Regierung zu schimpfen.  Man muss die Dinge ändern, damit sie die gleichen bleiben, sagt Lampedusa.

+

So resigniert bin ich nicht. Aber Pompeo beweist, dass auch in Demokratien die Segmente autokratischer und destruktiver Politik eingesetzt werden können, und dann kommt es nicht darauf an, ob wir sie missmutig, widerständig oder resigniert hinnehmen.  Das erfordert bei uns mehr Politikverständnis (die Israelpolitik der USA verstehen, um sie kritisieren zu können),  mehr multiple Gegnerschaft (kann man mit China oder dem iran freundschaftlich sich verbunden fühlen? nein) und die Fähigkeit, mit Gegnern zu kommunizieren, mehr Einsicht in die Tatsache, dass auch bei uns, auch in Deutschland oder Österreich der Schoß faschistischer Potenziale fruchtbar bleibt, nur die Befruchtungsmethoden und medien haben sich natürlich geändert.

Das alles ist kein Anlass zur Resignation, aber zum Innehalten bei der Idee, man könne das wichtigste zuerst erledigen, um raum und zeit für die nachhaltigen Problemlösungen zu haben. Das Gegenteil scheint mir die richtige Politik zu sein – und uns zu ermöglichen, ganz bedeutende Sachverhalte auch am Schnellimbiss unter dem Vulkan zu diskutieren. Beispiel.  Heute haben die Grünen, wer sonst? die Bahnreform gefordert. Das vor dem nächsten Vulkanausbruch in Angriff zu nehmen, kann auch etwas bewegen, wenn es nur die hinhält, die im ewig Gleichen verdämmern. Pompeji statt Pompeo ist auch ein Zeichen für Kultur…

Ambig am 24.12.

https://orf.at/stories/3194948/ zuerst anschauen.

Draußen köchelt der Streit, ob man heute in den Kirchen Gott zur Ansteckung brauchen könne oder dies im kleinen Familienkreis, gar allein, selbst bewerkstelligt. Vokabel, die sonst im Vollbesitz der Kitschbrüder oder der Spätromantiker schwirren oder als höhnisches Attribut den Abgehängten angehängt werden, machen todernst die Runde: Alleinsein, Einsamkeit, Verlorenheit…

Ich halte das nur aus, indem ich spotte, aber nicht mildes Comedianlächeln, sondern eine verzerrte Grimasse entstellt meine edlen Gesichtszüge, wenn ich das Geflöte höre.

Ob Deutsche in die sonst eher verstaubten Gotteshäuser gehen, um als disloziert kauernde Gottesanbeterinnen nicht zu singen, sondern zu summen, ist so egal wie die Frage, was hilft, wenn einmal im Jahr beten nicht hilft.

*

Habt ihr jemals Liebesgeschichten aus Auschwitz gelesen, wenigstens davon gehört?

Habt ihr jemals die Weihnachtsfeiern in den Schützengräben von Verdun in der Literatur verfolgt?

Sicher, das kennt man ja.

Ich rege mich nicht auf, sondern verstricke mich in das, was mein gelehrter Freund Florian K. als Ambiguität in der Wissenschaft bearbeitet und mich damit stark angeregt hatte. Nicht Ambivalenz, man kann es so oder verstehen, nein: Ambiguität. Zwei unvereinbare Tatbestände bestehen doch gleichzeitig. Glück im Angesicht des Sterbens, Solidarität in Gegenwart tödlicher Feindschaft. Mit dem Feiern inmitten von Schrecken, mit dem kurzfristigen Abschalten der Wahrnehmung von Prioritäten, mit dem Lachen inmitten von Trauer löscht man den Schrecken nicht aus, setzt man keine unwürdigen neuen Prioritäten und behält man die Trauer bei, aber eben nicht als Verhaltenskonstante. Solange man niemanden mit diesen scheinbaren Paradoxien kränkt oder verletzt, spricht nichts gegen eine solche ambige Herangehensweise, die mir in diesen Tagen besonders deutlich wird: solange man sich informiert an die Coronaregeln hält, muss man nicht dauernd darüber reden oder gar von ihnen träumen…

ABER. Ich habe ja den Hinweis von Sascha van der Bellen auf die Flüchtlinge und die griechischen Lager nicht zufällig vornweg geschrieben. Dort hungern, frieren und fiebern tausende Menschen, die EIGENTLICH ZU UNS, nach Deutschland, Österreich, Europa kommen wollten, um zu ÜBERLEBEN. Und unsere christlichen, sozialen,  sozialdemokratischen, liberalen Politiker sülzen vom Geist der Weihnacht, beschwören den so genannten lieben Gott und die leuchtenden Augen der lieben Kinder, und keiner von denen würde mehr als eine Nacht von Ratten angebissen in den durchweichten Zelten überleben. 

ABER: Die Politik, die wir deshalb machen MÜSSEN, die Gelder, die wir dafür auftreiben MÜSSEN, die Missetäter, die wir dafür verfolgen MÜSSEN, – all das kann nicht warten, aber das heißt nicht, dass wir jetzt, zwischen 15 und 24 Uhr etwas machen KÖNNEN, das einigermaßen wirksam ist.

*

Das ist keine Abschwächung, sondern eine Art Konzentration auf unsere Bedürfnisse, die nicht nur mit anderen zu tun haben, sondern auch mit uns. Frohes Fest also, guten Rutsch, und morgen geht es weiter. Solange es weiter geht. Nur vertraut nicht darauf, dass es den Flüchtlingen besser geht, wenn ihr euch beim Weihnachtsgottesdienst ansteckt oder beim Festtagsbraten in rhetorischen Übungen zur Weltrettung ergeht.

ABER. Auch das erfordert einige Übung. Reiss dich zusammen…

Österreich. Der Witz mit Österarm ist nicht mehr lustig.

Den zahlreichen Appellen zur Aufnahme von Flüchtlingen von der griechischen Insel Lesbos schließt sich nun auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen an. „Wir haben Platz genug“, sagte Van der Bellen in der „Kleinen Zeitung“ in Richtung Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

„Setzen wir eine humanitäre Geste im Sinne Erster Hilfe. Die kann nur heißen, prioritär Familien mit Kindern dort herauszuholen“, sagte Van der Bellen. Das könnten Familien sein, denen bereits Asylstatus zuerkannt wurde, und solche, deren Verfahren erst in Österreich durchgeführt werden müsste.

„Ist es uns wirklich egal?“

Zur Befürchtung der ÖVP, das könnte weitere Flüchtlingsströme auslösen, weshalb man lieber „Hilfe vor Ort“ leiste, erwiderte der Bundespräsident: „Erstens funktioniert die Hilfe vor Ort nicht, und zweitens: Weihnachten ist die Zeit der Herbergssuche, wie es der Kardinal gesagt hat. Ist es uns wirklich egal, wie es den Leuten dort geht, obwohl wir helfen könnten? Wir haben Platz genug.“

Zuvor hatten unter anderen Spitzen der katholischen und evangelischen Kirche A.B. einen eindringlichen Appell an Kurz gerichtet, seine Haltung zu überdenken.

red, ORF.at/Agenturen 22.12.2020

*

Die Flüchtlingspolitik des populistischen, prinzipienlosen österreichischen Kanzlers ist so schlimm wie die von Seehofer & Co. Lass die Menschen draußen sterben, dann kommen sie nicht zu uns, um hier zu leben. So einfach ist das wirklich.

Van der Bellen, der beste Präsident, den Österreich je hatte, hat das beste Argument: „Wir haben Platz genug“. Die Erste Hilfe tritt vor die Moral. Und Platz haben wir wirklich in Österreich. Der leerstehende hochklassige Wohnraum in vielen Gebieten, in die mich meine gegenwärtigen Forschungen führen, ist so zahlreich, dass wir dem Bevölkerungsschwund gut etwas entgegenhalten können. Und Österreich ist in fast allen Bereichen reicher und sozial besser strukturiert als Deutschland.

Dass ein großer Teil, nicht aber die Mehrheit, der Bevölkerung, den ausländerfeindlichen, rassistischen, islamophoben, antisemitischen, balkanfeindlichen, fremdenfeindlichen Ideologien des Kanzler-Clans folgt, ist eine Folge jahrzehntelanger Abtrennung des vorbildlich demokratischen Kulturstaats von der politischen Ökonomie der Krisengewinnler nach 1989,  (zuletzt in der Koalition FPÖ ÖVP).

Manches können die Grünen in ihren Ressorts durchsetzen, aber in diesem Politikbereich haben sie nichts zu melden. Man muss auch Österreich nicht gleich aktuell mit den klerikofaschistischen und faschistischen Regimen in Polen, Ungarn und der Türkei gleichsetzen. Es reicht, die Wunde im konkreten Punkt auf den Punkt zu bringen. Deshalb ist es gut zu wissen, dass es auch Widerstand gibt und tatkräftige Hilfe für Geflüchtete.

Ein Beispiel: https://omasgegenrechts.at/bundeslander/omas-gegen-rechts-oberoesterreich/1106-2/ Oder: https://omasgegenrechts.at/omas-gegen-rechts-fuer-menschen-in-not-rettet-die-menschen-vor-den-ratten-und-der-kaelte/ (20201222).

Wir haben Platz genug, auch in Deutschland. Versetzt euch in diesen Tagen in die Situation der Zentralfiguren des Krippenkitsches und erklärt euren Kindern, dass das liebe Jesulein im offenen Stall natürlich nicht gefroren hat. Und dass es in Moria und anderen Fluchtgefangenen-Lagern so etwas wie Einsamkeit genauso gibt wie bei den Abgehängten in Deutschland und Österreich. Wo die die Fremdenfeindlichkeit (und widerständige -Freundlichkeit) des alpenländischen Mischvolks der Österreicher liegt, lohnt sich auch zu studieren…wir sind halt keine „Deutschen“.

Dazu muss man keine Geschichten erfinden, sondern nur Nachrichten hören oder lesen.

Seehofer lässt wieder töten

Freuet euch, ‚s Christkind kommt bald. Seehofer weiß nur noch nicht, mit wem er die heilige Nacht verdämmert und auch der Wiener Kanzler Kurz brütet noch in Vorfreude auf die Erlösung. Die beiden und andere Schreibtischtäter werden für ihre Tötungspraxis an Flüchtlingen und Abschiebehäftlingen nie vor ein Gericht kommen, das hat deutsche Tradition (so wenig wie der Kunduzgeneral jemals für schuldig befunden wurde). 
Die Fakten sind klar. Abschiebungen und Flüchtlingspolitik hängen zusammen, in beiden Fällen sterben Menschen auch durch die Schuld der Innenminister.

Zur ersten Information

https://thruttig.wordpress.com/2020/12/15/zur-bevorstehenden-34-deutschen-sammelabschiebung-ein-gedicht-uber-die-flucht-aus-afghanistan-mit-weihnachtsgeschenk-tipp/

https://www.foreigner.fi/articulo/world/european-countries-resume-deportation-flights-to-afghanistan/20201216090713009581.html

https://wien.orf.at/stories/3080912/

https://www.flightradar24.com/data/flights/p67885/#26522d91

Zuletzt wurden Protest und Fakten DLF 12.30 berichtet.

Ich hatte gestern noch an einige sensible und demokratische Abgeordnete geschrieben, sie sollen schnell intervenieren, bis her ist nichts bekannt. Natürlich müssen sie auf mich nicht reagieren – aus Staatsräson. Aber manche wurden sofort aktiv. Macht euch eines klar: wer heute nach Afghanistan abgeschoben, hat beste Chancen, dort umgebracht zu werden. Es gibt keine Zone oder Region, die sicher ist. Der Rundfunkt meldet, die deutsche hätte das mit der afghanischen Regierung abgesprochen – die aber hat Probleme, im eigenen Land etwas zu sagen zu haben. Und was heißt abgesprochen – was geschieht vom Augenblick an, da Abgeschobene den Boden ihres Landes betreten. Unabhängig davon, ob sie in Deutschland eine Strafakte oder eine Verdachtsakte haben, ist ihr Leben in großer Gefahr – oder aber sie sind gut genug vernetzt, um ein Monat später ohnedies wieder in Deutschland aufzukreuzen.

Seehofer lässt gut christlich-sozial Menschen sterben und kann das so wenig begründen wie die Aufhebung des Abschiebestopps nach Syrien oder die Verweigerung der Aufnahme von ein Paar Flüchtlingen mehr. Seine Unmenschlichkeit beschleunigt vielleicht seine Demenz, aber noch ist er strafmündig und noch sind es seine Gehilfen im BMI.

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Das kann man netter schreiben gewiss, aber ich bin ja keiner, mit dem man über Flüchtlinge und Abschiebungen verhandelt. Protest organisieren ist kein Samthandschuh aufs Hirn von coronabenebelten Verdunklungsstrategien – die glauben echt, man merkt es nicht, weil jeder nur an den Impftermin denkt (was auch ein Hinweis auf die verheerenden Folgen der Pandemie in Afghanistan ist). 

BITTE VERBREITET DIE NACHRICHT, SUCHT KONTAKT MIT DEN ABGEORDNETEN, MIT HUMANITÄREN NGOs UND DENKT DARAN: HIER GEHT ES NICHT UM SCHULD UND STRAFE; SONDERN UM STERBEN UND GESTORBEN WERDEN – DURCH DEUTSCHE, ÖSTERREICHISCHE UND ANDERE SCHULD.

Als ob man ein paar  Straffällige und Gefährder nicht auch bei uns sicher unterbringen könnte…

Heute, 17.12.2020 kommt das herein:

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 Wo endet die Nächstenliebe? An den Grenzen Europas? Wenige Tage vor Weihnachten haben 245 Bundestagsabgeordnete in einem Schreiben an die Bundesregierung eine verstärkte Aufnahme Geflüchteter von den griechischen Inseln gefordert.

„Die humanitäre Situation im neuen Übergangslager Kara Tepe ist (…) schlechter als im Camp Moria: Die Unterkünfte sind nicht winterfest, immer noch gibt es keine ausreichende sanitäre Versorgung – Duschen und Toiletten fehlen vielfach. Gewaltsame Übergriffe auch gegen besonders Schutzbedürftige sind an der Tagesordnung“, heißt es darin. Die Bundesregierung sei in der Pflicht, den mehr als 200 Kommunen und Ländern, „die eine menschenrechtswürdige Unterbringung ermöglichen können und wollen, eine Zusage für die Aufnahme zu erteilen“.

Unterzeichnet wurde der Aufruf von allen Grünen (67), fast allen Linken (64 von 69), einigen SPDlern (75 von 152), manchen FDPlern (27 von 80) und wenigen CDU/CSUlern (12 von 246). Das Mitmischen Letzterer kommentiert FDP-Frau und Erstunterzeichnerin Gyde Jensen so: „Wir sind als Abgeordnete nur unserem eigenen Gewissen verpflichtet. Ich bin froh, dass das viele Kolleginnen und Kollegen aus der Regierungskoalition auch so sehen.“ Die Unterstützung sei „ein wichtiges Signal“.

wenigstens ein paar Christen in der Politik denken nach.

Nachtrag:

Lager in Bosnien geräumt: 1.300 Menschen auf der Straße

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hat heute bei tiefwinterlichen Verhältnissen das Aufnahmelager Lipa in der Nähe der bosnischen Stadt Bihac geschlossen. Rund 1.300 Flüchtlinge würden nun auf der Straße stehen, sagte Natasa Omerovic, die Koordinatorin des Lagers, dem Nachrichtenportal Klix.ba. Die IOM hatte die Schließung des Lagers bereits früher angekündigt, weil es dort trotz einsetzenden Winters keinen Anschluss an das Stromnetz und die Wasserversorgung gibt.

Dicke Rauchwolken über dem Lager

Im Lager brach ein Brand aus, der Zelte und Container erfasste. Gelegt wurde er mutmaßlich von obdachlos gewordenen Bewohnern. Eine dicke schwarze Rauchwolke war weithin sichtbar. Zu dem Zeitpunkt sei das Lager bereits fast leer gewesen, schrieb Peter Van der Auweraert, der IOM-Vertreter in Bosnien, auf Twitter. Es sei niemand verletzt worden. Feuerwehren konnten den Brand löschen, berichtete Klix.ba.

Brand im bosnischen Aufnahmelager Lipa

Das Lager Lipa liegt in einem unwirtlichen Gelände 25 Kilometer südöstlich von Bihac. Es war im September errichtet worden, nachdem die bosnischen Behörden die Schließung des Lagers Bira am Stadtrand von Bihac erreicht hatten. Die Flüchtlinge und Migranten sollten durch diese Maßnahme aus dem Stadtbild der 60.000-Einwohner-Stadt im Nordwesten Bosniens verschwinden.

Menschenunwürdige Zustände

Ihr Versprechen, Lipa an Strom und Wasser anzuschließen, lösten die Behörden nie ein. Flüchtlingshelfer kritisierten die menschenunwürdigen Zustände in dem Lager. Die österreichische Organisation SOS Balkanroute bezeichnete es als das „Moria vor unserer Haustür“, in Anspielung auf das Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos, das im September abbrannte.

Wegen der unmittelbaren Nähe zum EU-Land Kroatien üben Bihac und der Kanton Una-Sana eine große Anziehungskraft auf Flüchtlinge und Migranten aus. Die EU unterstützt Bosnien mit Finanzhilfen, nahm aber keine Flüchtlinge auf. Durch Bosnien verläuft ein Ableger der Balkan-Route, über die Flüchtlinge und Migranten aus der Türkei nach Westeuropa zu gelangen versuchen.

Das Lager Lipa diente als vorübergehende Maßnahme zur Bewältigung der Covid-19-Situation im Sommer und war für die winterlichen Verhältnisse völlig ungeeignet. Die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Ewa Ernst-Dziedzic, hatte im Vorfeld vor der Schließung von Lipa gewarnt, das sei ein „Akt der Grausamkeit, den wir schwer tolerieren können“.

red, ORF.at/Agenturen 23.12.2020

W1(-s)8N ohne T und C

Die kommenden Feiertage ohne das T Wort, ohne das C Wort zu begehen, ist einfach, wenn man sich ausklinkt aus den Spiralen: zu früh zu spät, nicht streng genug zu sehr von oben, einsam partymäßig oberflächlich gesellig besinnlich. Und weil das T Wort damit anscheinend nichts zu tun hat, schauen wir dort schon gar nicht hin.

Kommt die Neurofee zu mir angeschlichen: hast du denn gar keine Themen? Doch, sag ich, zuviele. Blogs müssen aber kurz sein. Sagt sie: fang an, zum Beispiel mit …

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T+C haben anscheinend die Vielfalt unserer Weltwahrnehmung verengt, weil sie ja wirklich sind, und wirklich wichtig, aber doch eben der Scheinriesenwelt angehören (das war Jim Knopf, der gesehen hat, um wieviel kleiner der Riese wurde, je näher er ihm kam).

Es ist wahrscheinlich, dass es eine globale Verarmung geben wird, die lange anhält, vergleichbar der Zeit nach dem 30jährigen Krieg, oder den großen Pestepidemien am Ausgang des Mittelalters, und für manche noch erinnerbar, den Nachkrieg ab 1945. Nie das Gleiche, aber vergleichbar. Die Krisengewinner sehen wir schon heute, aber wer von ihnen sich in der künftigen Restriktion wird reich halten können, ist ungewiss.

Jetzt, in der Zeit, da wir Privilegierten noch nicht betroffen sind von der allgemeinen Beschränkung, können wir nur Spenden, ehrenamtlich tätig sein, und uns darauf vorbereiten, dass es auch uns treffen wird, auch wenn wir nicht sagen können, wie stark und schmerzhaft. Aber wir können schon Vorboten in anderen Ländern und Regionen erkennen. Das wäre ein realistisches, ungutes Bild der Zukunft. Ausgeblendet von der T und C Fixierung werden Klima, Flucht, Hunger, Armut und eine Vielzahl von Begleiterscheinungen der abnehmenden Bindungskraft zivilisierter Weltgesellschaft. Das ist realistisch, aber nicht pessimistisch.

Dass wir den vier apokalyptischen Reitern nichtgenügend entgegensetzen, kann auf eine Verbindung von zwei Monstren zurückgehen, die nie ganz weg waren, aber Jahre vor T und C sich schon angekündigt hatten und wuchsen: zivilisierte Weltgesellschaft, d.h. Abnahme demokratischer, republikanischer, öffentlicher, politischer Gesellschaftsformung, d.h. Teilnahme von Menschen an eben dieser Formung. Warum es so weit gekommen ist, darüber rätseln unsere gescheitesten WissenschaftlerInnen, aber nicht die politischen Bewahrer früherer Erfolgsmodelle. Das andere Monster ist unbequemer, der Stillstand der evolutionären Entwicklung unserer Zukunftsfähigkeit: Die Behebung der Probleme von Klima, Flucht, Hunger, Armut erfordert ja gerade eine Neuorientierung von jedes Menschen Stellung in der Gesellschaft, anstatt um das CO2 Ende 2030 oder 2050 zu feilschen oder sich in die post-C und T Urlaubsziele 2021q wieder einzukaufen, wenn alles normal wird. Es wird nicht normal, weil und wenn wir, die Gesellschaft, nicht normal im Sinne des Überlebens, also des Siegs über vier Reiter werden.  Es gibt keine Erlösung. Die Lösung von Problemen wird nicht begünstigt, wenn wir eine Auszeit in die Vergangenheit nehmen. Und das Gerede der Politik, ob und wieviel Weihnachten dem Volk zusteht, ist ein Zeichen der Vertauschung von Ursache und Wirkung.  Die Evolution der Aufklärung ist im Stillstand. Vor vier Wochen ist der bedeutende Philosoph Klaus Heinrich gestorben. Thomas Assheuer schreibt im Nachruf: „Heinrich hatte Freuds Rede vom „Selbstvernichtungstrieb der Gattung“ stets verteidigt; deren heimlicher Wunsch, „die Welt selbst aus der Welt zu schaffen“, war für ihn eine drohende Wahrheit. Behalten die Mythenerzähler am Ende also doch recht? Nein, Heinrichs Pointe ging anders: Anstatt gegen sich selbst die Kräfte der Kritik zu mobilisieren, verleugnet die Zivilisation die Natur und macht den Fortschritt zum Mythos – die Aufgeklärten waren nicht aufgeklärt genug.“ (Zeit, 26.11.2020). Nur mit Aufklärung kann man die vier Reiter nicht besiegen, aber in der Bekämpfung der jeweiligen Gewalt kann eine Befreiung der gehemmten Weiterentwicklung so nahe an der Abbruchkante der Zivilisation gelingen, das ist Fortschritt gegen die Wirklichkeit, gegen die Illiberale Demokratie der Orbans, gegen das Flüchtlingstötungsprogramm von Innenministern im Wahlkampf, gegen die Frauenverachtung der Klerikofaschisten in Polen, gegen…tut nicht so ungeduldig-unschuldig: ihr kennt alle die nach ob offene Liste. Positiv denken kann unter diesen Umständen auch heißen: negativ handeln. Gegen, das kann auch Gewalt, Selbstbeschränkung, Verweigerung bedeuten. Nicht im Untergrund, sondern im hellen Licht der Weihnachtsbeleuchtung, die hoffentlich menschenleer Innenstädte so zeigt, wie sie vielleicht bald als Wirkung der vier apokalyptischen Reiter aussehen werden, die den Begriff Einzelhandel noch nie gehört haben.