Nein, nichts zum Feiertag. 40 Tage nach Ostern, immer am Donnerstag Christi Himmelfahrt: Christen feiern leibliche Aufnahme von Jesus in Himmel – religion.ORF.at – das reicht. Die Himmelfahrten gehen heute ins Weltall, hunderte, tausende, Fluchkörper, die sich selten treffen, aber insgesamt einen gewaltigen Müll anrichten bzw. selbst darstellen. Was für ein Glück, dass das nur in einem kleinen Winkel des großen Weltraums sich ereignet, obwohl – doch ziemlich weit und nicht wirklich erfreulich. Naja, das Wetter sagen sie besser voraus, und die Kommunikation geht einfacher durch die Welt und rund um die Erde. Aber das Wichtigste: die Elite der Elite sucht jetzt schon Wege, wie sie oder ihre Nachkommen unbeschädigt in den Weltraum entkommen können, wenn die Erde unwirtlich oder unbewohnbar wird…nur, wenn sie dort im All sind, dauert es statistisch 1,2 Millionen Jahre, bis sie den nächsten Wohnplaneten erreichen, der heißt „terra“…
Drehen wir das um. Ohne Religion, ohne Weltraum, ohne Erkundung oder Flucht. Man geht die Straße entlang, bei einem bestimmten Deckel hält man an, steigt in den Untergrund und ist für die meisten verschwunden. Jetzt stellt euch vor, wohin man dann kommen kann, wenn man nicht nur Rohre und Kabel und Wasserleitungen erreicht, sondern plötzlich im umgekehrten Weltall gelandet ist. Der Mythos, dass wir in der Innenseite der Weltkugel leben, ist natürlich alt und leider nicht ironisch genug, um zu überleben.
Warum mich das interessiert? Weil die religiösen Feiertage, beispielhaft, Assoziationen in die voraufgeklärte Welt erlauben – da kann man sich noch vorstellen, was früher die Einbildung, aber auch die Gläubigkeit an das Unverständliche geprägt hatte.
Und natürlich gegen die Aufklärung richtet sich, was heute politisch angestrebt und mit Mythos ummantelt wird, nicht nur Peter Thiel, sondern eigentlich noch alle Kirchen, Sekten und reaktionären Programme. Was bleibt denn dann „positiv“ übrig, sozusagen „real“? Eine ganze Menge, und wir basteln unsere immer neuen Mythen ja ständig und immer wieder.
Mit anderen Worten: so weit sind wir noch gar nicht entwickelt. Wenn wir uns an die Aufklärung halten, bedarf es auch der Neugierde, des Interesses hinter die Vorhänge zu schauen. Und dann ist natürlich die Historiographie der religiösen wie der wissenschaftlichen Begründungen schon spannend: Wie kommt es zu den Vorstellungen vom Universum und vom Weltraum und von der interstellaren Reise (oder eben vom Gegenteil: von der Reise zum Erdmittelpunkt oder in den Körper). Die Bilder vom Jenseits des Lebens richtung Hölle sind sicher im Tunnel anschaulicher als im unendlichen Universum (Lest einmal Dürrenmatts „Tunnel“), aber mehr Phantasie kann man im Weltraum schon entwickeln, nur – dort herumzurasen ist ja nicht unbedingt eine Erlösung, auch nicht die Himmelfahrt des Gottessohnes.
Die heutige Ökonomie, Musk & Co., baut genau diese Phantasie ab, um interglobale Märkte zu imaginieren, die ihr ja doch nur die Macht hier auf Erden erweitern würde, – aber die Erde geht ja gerade kaputt. Das wiederum verführt viele zum Mythos zu greifen.
Dass Christus auch zur Befreiung in die Hölle gefahren ist, eine volkstümliche Marginalie, aber tiefsinnig (ER muss ja die bislang vor ihm Abgestiegenen befreien (Wilhelm Maas: Gott und die Hölle – Studien zum Descensus Christi. Einsiedeln 1979). Es lohnt aber auch, die Höllenfahrt bis in das gegenwärtige Kino zu verfolgen (Höllenfahrt – Wikipedia), denn Hälle ist in jedem Fall spannender als die einschränkende Vorstellung vom Leben im Himmel. Unglück lässt sich eben menschlicher übersetzen als Glück, das wissen sogar wir.
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Der Spaß, Feiertage zu dekonstruieren, geht natürlich weiter, wenn man die Biographien von Heiligen, echten Menschen und anderen Wesen zerlegt. Mein Vorschlag: sucht euch einen besonderen Feiertag aus und feiert seine Geschichte.