Kurz & klein. Sommerinterview

Der österreichische Außenminister Kurz ist ein Medienphänomen. In der Reihe unserer Sommerinterviews hat unser Wiener Korrespondent Ernst Saibling die Gelegenheit genutzt, Kurz während einer Sendepause auf der Terrasse eines abgelegenen Innenstadtcafés zu interviewen, fernab der Autogrammjäger und jeglicher Opposition.

Saibling: Herr Außenminister, Sie sind ja in letzter Zeit zum Star der europäischen Außenpolitik geworden und haben Horst Seehofer und Marine Le Pen dabei überholt. Ist das eine Rolle, die Ihnen gefällt?

Kurz: nein, aber ich halte es für meine Pflicht, Dinge so auszusprechen, dass die österreichische und europäische Bevölkerungsmehrheit sie versteht. Langsam drehen die Medien ja auch bei und versuchen sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

Saibling: Rapid oder Austria?

Kurz: Vienna, im Zweifel auch Simmering.

Saibling: haben Sie keine Angst davor, dass Sie von Erdögan persönlich verfolgt werden?

Kurz: nein, davor schützen mich die Kurden und die Tiroler Standschützen…im Ernst: er hat doch unverantwortlich die Verbalkeule geschwungen, er verfolgt ganz Österreich.

Saibling: immerhin hat eine frühere Türkenbelagerung uns den Café, genauer: den Mokka gebracht. Was haben wir jetzt zu erwarten?

Kurz: wir werden ja belagert. Wenn die Türken, die Erdögan mehr zugetan sind als unserer Demokratie, das ernst meinen, müssten sie doch wieder in ihre Heimat….äh, also wenn Österreich eine ungeliebte Heimat ist und die Türkei unter Erdögan als bessere Heimat erscheint, dann sollen sie doch…also nein, das muss unmissverständlich sein: wenn sie gehen wollen, halten wir sie nicht, es gibt ja keine Ausreiseverbote wie in der Türkei.

Saibling. Dann gibt es aber in Österreich Einbrüche in den Dienstleistungs-, Gemüse-, Kopftuch- und Haustiermarkt.

Kurz: das nehmen wir in Kauf, dafür kommen ja viele von Erdögan Verfolgte zu uns, und wir werden Ihnen gerne Asyl gewähren…

Saibling: ….wenn sie ausreisen dürfen.

Kurz: wir brauchen Bilder von denen. Wie von den ertrinkenden Kindern. Nur dann wird die EU deutlich sehen, wo wir Grenzen gegen Neuankömmlinge ziehen müssen; sehr weit im Osten und Süden.

Saibling: wird sich Österreich an diesem Grenzschutz beteiligen? Bei dem Bundesheer, ich weiß nicht…

Kurz: denken Sie an 1529, denken Sie an 1688: Österreich war im Abwehrkampf nie allein.

Saibling: das verstehen unsere deutschen Leser aber nicht. (Abseits: Kurz: sollen Sie recherchieren. )… Was anderes: stört es Sie nicht, dass fast alle EU Politiker gegen Ihre Forderungen zum Flüchtlingsabkommen sind?

Kurz: es macht mich sehr traurig, dass man so wenig auf mich und Orban und Kaczinsky und Orban und Seehofer und Orban hört: wir sind doch alle gute und rechtsstaatliche Europäer. Aber Österreich hat sich nach 1989 für Mitteleuropa engagiert und wird das weiter tun, auch wenn man immer wieder missverstanden und gar diffamiert wird. Ich will nur noch eines dazu sagen: in der Not sind wir immer unheimlich agil und stark. Und wenns dann geschafft ist, geradezu vorbildlich zurückhaltend.

Saibling: wie beim Aufstieg in die EM 16 und die Gruppenphase.

Kurz: das ist eine Provokation!

Saibling: ich mein ja nur: erst heißt‘s: „Da muss was geschehn!“ und danach „Kannst eh nix machen!“

Kurz: Das ist auch unfreundlich, mein Herr von der Presse!

Saibling: pardon, nein bleiben Sie…bitte. Sie sind ja eine so wichtige Symbolfigur für das starke, kluge und bündnisfähige Österreich: schwarze Schuhe, blauer Anzug und dabei so bescheiden. Haben Sie nicht Angst, dass der Strache Sie vereinnahmt?

Kurz: Nein, denn wenn der einmal das Gleiche sagt wie ich, sagt er es doch aus der falschen Ecke.

Saibling: und der Hofer auch?

Kurz: der Hofer auch.

Saibling: aber wenn der Hofer Sie wird angeloben müssen, nehmen wir einmal an, vielleicht, leider hoffentlich doch, also wenn der Hofer den Kanzler Strache angelobt und Sie bleiben Außenminister, dann ist das Koalitionsdiktat, aber wenn Kurz der Kanzler ist und Strache der Innen- und Kulturminister, wie werden Sie dann der Angelobung beiwohnen?

Kurz: Eh es soweit kommt, wechsle ich vielleicht in die Privatwirtschaft, als wissenschaftlicher Berater der Bundesbahn.

Kurz erhebt sich, zahlt (!) für beide, und geht freundlich auf Horst Seehofer zu, der während des ganzen Interviews brav in der Ecke des Cafés gewartet hat, bis sein Vorbild Zeit für ihn hat.

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Ein Gedanke zu “Kurz & klein. Sommerinterview

  1. Ein gar prächtiges Interview …
    ganz aktuell würde mich noch interessieren ob das hervor-schnellende, tapfere kurz Veto als eine trans-mediterrane Unterstützung Zyperns gedacht war oder auf eine minstrantische Leseschwäche zurückgeht.

    Gefällt mir

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