Früher war alles besser, deshalb kehrt um…

Früher war vieles schlechter, behaupten viele Medien. Wir leben heute gesünder, länger, weniger belastet und sind alles in allem auch noch viel klüger. Dabei haben wir aber unsere so genannte Identität verloren. Fortschritt macht unglücklich, vor allem war die alte Ordnung ja nachhaltig. Menschenrechte? Pfui, unfunktional. Nun ist die Kritik am Fortschritt kein Privileg der Rechten, und die Fortschrittskepsis ein Moment aufklärerischer Kritik. Die Rechten, die Identitären, alle Dogmatiker jeglicher Couleur finden an früheren Zuständen vor allem dann etwas positives, wenn die Gegenwart nicht nach ihrem Geschmack funktioniert. Gleichheit, Solidarität, Verträge, Rechtsstaat…alles das, was sich inhaltlich füllen lässt, aber als Prinzip abgelehnt wird und durch Volkswillen, Natur, Tradition ersetzt werden kann, soll zurückgedreht werden…früher war es besser. Deshalb sollten wir fordern, frühere Strukturen wieder einzuführen, allem voran Sklaverei und Leibeigenschaft, das ius primae noctis und den 12-Stundentag. Nein, wir sind keine Reaktionäre, wir wollen nur zurückdrehen, was durch den ungehemmten Materialismus pervertiert wurde und die, die es am wenigsten verdienen, abgehängt haben.

Beispiel Sklaverei: Wir sehen ja, wie die Lohnarbeit Unzufriedenheit, Gelbwesten, Konkurrenz am Arbeitsplatz usw. hervorbringt und zugleich die sogenannten Arbeitnehmer unzumutbar belastet. Der einzig verantwortungsvolle aber ist der Sklavenhalter: er sorgt für das Überleben und die lange Arbeitsfähigkeit seiner Sklaven, er muss sie beschützen um seine Betriebe zu erhalten,  er ist befreit von ungebührlichen Soziallasten, wie Versicherungen und Unfallschutz, aber muss sorgfältig mit ihnen umgehen, sonst lohnt die Anschaffung und Wartung nicht. Der Staat hat dafür gesorgt, dass nur arbeitsfähige Flüchtlinge das Land erreichen, anders früher bei den Sklaventransporten sind die Transaktionskosten gering, die ankommenden haben die Entscheidung getroffen: Sklaverei oder Tod. Man kann das System mit der Leibeigenschaft, v.a. im Agrarbereich verbinden und selbst tiefgestaffelte Produktionsketten einrichten. Vor allem aber werden die Sklaven von der Sorge um sich selbst und der gesellschaftlichen Verantwortung befreit. Wenn sie keine Weißen sind, hätten sie das ohnedies nicht gut wahrgenommen. Weiße Sklavinnen, vor allem diese, werden libidinös besetzten Tätigkeiten leichter zuzuführen sein als im organisierten Menschenhandel. Ja, es wird Proteste geben gegen die Wiedereinführung, aber ihr werdet sehen: die Produktivität steigt und das Glück der Besitzenden wird mit der moralischen Überlegenheit gepaart sein. Den  Gewerkschaften wird die Organisation der Sklaven in Chören und Freizeitagenturen gestattet,  einmal im Jahr Pediküre und alle drei Jahre ein Ausflug in die ehemaligen Kolonien soll den Sklaven zeigen, wie gut sie es wieder haben.

Beispiel ius primae noctis: Moralapostel, Frauenrechtler und künftige Ehemänner hatten sich leider erfolgreich gegen dieses alte, gottgegebene Privileg der Grund- und Sklavenbesitzer gewehrt. Dabei  sicherte es dem Herrn doch nur eine kleine Kompensation, mithilfe des unberührten Frauenkörpers seine Eigentumsrechte zu statuieren und zugleich für erbgesunde Nachkommen zu sorgen, die alle sein Gesicht und seinen Charakter tragen würden, was die Abhängigkeit der Untersassen einfach nur deutlich macht. (Wer es nicht glaubt, muss nur das Finstere Tal anschauen). Außerdem wird die natürliche, d.h. gottgewollte Herrschaft des Mannes über die Frau damit symbolisiert, für den Volksglauben unerlässlich. Und so einfach ist das alte Recht wieder einzuführen – eine kleine Änderung im Eherecht und einige Durchführungsverordnungen.

Beispiel 12-Stunden-Tag: Was haben sich die Arbeitnehmer im Klassenkampf verausgabt. Sie waren erfolgreich, und was ist das Ergebnis: Freizeit-Unkultur, Verrohung, Schlaflosigkeit. Der Schweiß des Angesichts soll bei den Sklaven sein, die Herrn arbeiten sowieso mehr als 12 Stunden, was denkt ihr, wie schwer die Verwaltung des Humankapitals ist.

Es gäbe noch viel mehr der Beispiele. Mir geht es nur darum, die Vergangenheit, die Tradition, das frühere Glück – Goldenes Zeitalter! Nicht eisernes… –  wieder aufleben zu lassen und mit der retrospektiven Frömmigkeit zu verbinden. Wir können ja im kommenden Karneval einmal üben, wie das aussähe.

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Der Haupteinwand, den ich höre, besteht darin zu zweifeln, ob man denn die alten Sitten wieder einführen könne. Wenn es sonst nichts ist. Natürlich wird die Umstellung Kraft kosten, es gibt ja noch viel mehr traditionelle Praktiken, die wir wieder einführen wollen, von der Todesstrafe zum dreijährigen Militärdienst, zur progressiven Steuerbelastung freigelassener Sklaven, zur Ausrottung der Insekten und zum Verbot von Windrädern. Wenn wir Lindner von der FDP dazu bringen, sich mit diesen Markttraditionalisten zu verbünden, wird der Freiheit nichts im Wege stehen. Vor allem aber wird diese Anachronistik als Herrschaftsform der Vorstellung, dass sich die Reinheit der herrschenden Rasse bewähren kann, Vorschub leisten. Das wird den Flügel freuen.

Den notorischen Kritikern dieser lauteren Ideen rate ich, ihre ja täglich verbreitete Kritik an den Arbeits- und Lebensverhältnissen ernst zu nehmen. Zynisch ist es, die überlieferten Sitten als reaktionär und wenig menschenfreundlich zu brandmarken, die jetzt herrschenden Verhältnisse aber genauso zu beschreiben.

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Reaktionen auf diesen Aufruf bitte mit Beispielen zu verknüpfen. Wir gründen eine Sammelstelle für die gute Alte Zeit, und lassen das Bundesarchiv dafür Begegnungs- und Schulungsräume zur Verfügung stellen. Auch die Ernennung von „Botschaftern der herrschenden Sitte“ ist zu empfehlen.

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