EIGENWERBUNG: NEUE BÜCHER

Manchmal schreiben wir Bücher und fragen uns, wie schnell sie an die Leserinnen und Leser kommen. Wir freuen uns, wenn die Bestellungen, Kritiken und Kommentare uns erreichen, und wenn es einen besonderen Weg gibt, unsere Bücher bekannt zu machen, dann ist es auch der Blog:

Eigenwerbung und Ankündigung.

Meine Frau, Birgit Katharine Seemann, und ich, veröffentlichen beide bei edition splitter (Batya Horn) in Wien – ein feiner Verlag mit seinen Besonderheiten. Da findet man den Verlag mit Galerie im Herzen Wiens: Edition Splitter & Splitter Art – Batya Horn1010 Wien, Salvatorgasse 10, +43 (0)664 4030172, horn@splitter.co.at

Zu den Besonderheiten gehört, dass der Verlag NICHT bei amazon ausliefert. Mit guten Gründen. Zu meinen Besonderheiten gehört, dass ich für den Verlag im Auftrag und ohne Provision oder Aufschlag die folgenden Bücher

NUR IN DEUTSCHLAND

versende:

Der traurige Mörder von Sanssouci

Birgit-Katharine Seemann

Roman, 288 Seiten

Nachwort: Otto Hans Ressler

ISBN 978-3-9504404-9-6, 28,00 € + 3,50 € Porto

Ein bekannter Künstler, der seinen Kopf verliert. Ein Mörder, der ein Opfer ist. Ein fast Hundertjähriger, der nicht sterben kann. Eine Professorin unter Mordverdacht. Was sie vereint? Ein Netz aus Leidenschaft und Gewalt, dessen Enden Kontinente und Jahrhunderte miteinander verbinden. Im Mittelpunkt: ein weltberühmtes Gemälde aus der Bildergalerie von Sanssouci.

Kardinal und Hure

Otto Hans Ressler

256 Seiten

Vorwort: Christian Rainer 

ISBN 978-3-9504404-7-8, 28,00 € + 3,50 € Porto

Österreich hat sich fremdes Eigentum unter den Nagel gerissen – und sich eine perfide wie plumpe, den Besatzern anbiedernde Deutungshoheit der Geschichte angeeignet: die Opfer-Rolle. So konnten die selbsternannten Opfer den wirklichen Opfern stehlen, was ihnen schon genommen worden war. Österreich tat ja nur seine Pflicht, das gestohlene Eigentum in seinen Museen zu bewahren. Und einige profitierten individuell davon, weil sie zwar scharfe Augen für die Verbrechen anderer hatten, sich selbst aber einen trüben Blick auf die eigenen Diebhaftigkeit bewahrten. (Christian Rainer, Chefredakteur des Profil)

UND IM MÄRZ 2023 ERSCHEINT: Vorbestellungen an den Verlag oder michaeldaxner@yahoo.com

FLANIEREN IM MYTHOS – SEXUALITÄT UND GEWALT

Michael Daxner

Essay mit Illustrationen, ca. 160 Seiten, ca. 28,00 € + 3,50 €

Nachwort: Marlene Streeruwitz

ISBN 978-3-9504404-8-5

Wenn ich durch das Labyrinth des Mythos flaniere, sind die Dimensionen von Raum und Zeit ungewöhnlich. Vor und zurück, keine Wegweiser, immer wieder stoße ich auf dieselben markanten Stellen – Plätze des Nachdenkens, Erregens, Weglaufens. An vielen Kreuzungen treffe ich Sex und Macht an, aber auf der Suche nach den besonderen Orten läuft es sich nicht geradewegs: Liebe, Glück, Wahrheit, Freiheit, Tod, Hybris, die alle suche ich, und sie sind so im Mythos zuhause wie sie ihn erst herstellen. Und sie alle haben ihren Ausgang bei Sex und Macht. Darum drücken sich viele um das Thema. Ich habe mir das ja nicht ausgesucht.

Ich finde meinen Weg, indem ich meine Erinnerungen sammle, seit der Kindheit, und indem ich meine Bücher und Musik und Begegnungen und Beziehungen aufrufe, – und sieh da, sie stehen in der Landschaft des Mythos herum, verweisen aufeinander oder wenden sich voneinander ab. Deshalb ist mein Text auch nicht geradlinig, wie mit einer Buslinie abzufahren. Namen stehen in der Mythenlandschaft, manche oft (WG Sebald, Ernst Bloch, Hannah Arendt, Peter Weiss), manche selten. Flanieren im Labyrinth des Mythos, ohne den roten Faden, der zum Minotaurus führt. Manches übersieht der Flaneur, anderes springt überraschend ins Auge.

BITTE BESTELLEN BEIM VERLAG ODER BEI MIR, ausgeliefert wird in Deutschland von mir:

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Edition Splitter – Batya Horn

1010 Wien, Salvatorgasse 10 

+43 (0)664 4030172

horn@splitter.co.at

oder, v.a. wenn ihr aus Deutschland seid, bei mir:

michaeldaxner@yahoo.com

Feuerbachstraße 24-25

D 14471 Potsdam

Der Sendung liegt ein Lieferschein_Rechnung bei. Bitte je Buch nur überweisen an edition splitter, Wien: Kto AT81 1515 0005 0103 3070, BIC OBKLAT2L

Drum RECHTs zwo drei, RECHTs zwo drei…

…wo unser Platz, Genossen ist…Kennt ihr das Lied noch? Links zwo drei?

Nun, nicht nur in Deutschland, europa- und vielleicht weltweit entwickelt sich ein antidemokratisches Moment „rechter“ Politik- und Zeitenwenden. Das kann man erklären, wenn auch nicht wirklich verstehen. Und was rechts, was dagegen links ist, was die neue radikale Mitte macht, das alles wird zwar von den Wissenschaften und Stammtischen gleichermaßen analysiert und filetiert, aber was es für unsere Wirklichkeit bedeutet, ist nicht so klar.

Wirklich ist der Klimawandel. Wirklich sind die Kräfte, die sich gegen eine wirkliche weltweite, nationale, lokale Umweltinitiative als Schlüssel für Frieden und das ÜBERLEBEN DER NÄCHSTEN GENERATIONEN wenden. Wirklich sind die im Deutschen so penetranten Widersprüche zwischen Recht, Gerechtigkeit, Rechthaben – nicht nur in Lützerath. Und besonders wirklich sind die verlogenen Verteidiger des Rechtsstaats, wenn sie ihn plötzlich hochhalten, obwohl sie selbst, als Politiker, Wirtschaftslenker, Stammtischler, Konsumenten v.a. der ÄLTEREN GENERATION an der Klimakatstrophe fleißig mitgewirkt haben.

Keine Angst vor meiner Heuchelei. Ich gehöre dazu, nicht prominent, aber doch jahrelang nicht ökoaktiv genug, jahrzehntelang leider, und vieler meiner grünen Freundinnen und Freunde. Jetzt aber wird es nicht ernst, es ist ernst.

Da beschimpfen die Alten die Jungen in Lützerath. Man darf die Welt nur im Rahmen des Rechtsstaats verbessern. Man darf nur mit Bahnsteigkarte den Zug in Zukunft betreten. Und wenn heute die Masken provokativ seltener getragen werden, dann wird die Ursache des Widerstands oft falsch verortet.

Wenn zwei einander oppositionelle Kräfte gleichermaßen „Recht haben“, dann geht es nicht um Kompromisse, die sind nicht möglich. Die Gesetzgebung und Rechtsprechung in NRW zur Braunkohle waren selbst ein Kompromiss, aber im Rahmen des Möglichen Richtig, pro Krischer heute, pro Mona Neubauer heute, pro Grünenvorstand.

Wenn die Grüne Jugend, wenn Greta Thunberg, wenn die Demonstrationen am Rande des Reviers gegen den weiteren Abbau kämpfen, haben sie aber auch Recht. Sie haben ihre Zukunft und damit die Gerechtigkeit auf ihrer Seite, was Gerichte, Unternehmen, Politik oft nicht verstehen – schaut euch deren Ausbildung, Denkweise, Machinstinkt an.

ABER: Rechthaben heißt nicht, dass die Mittel alle RICHTIG sind. Ich muss mich arg zurückhalten, wenn ich lächerliche Baumhausromantik der Ökoscouts und ihre Methoden anschaue, aber, siehe oben: die Infantilisierung der Ökopolitik – Umwelt retten, Wohlstand bewahren, seine Lebensweisen beibehalten, und so die Welt im letzten Moment sanieren? Ja, wo sind wir denn?

Hat jemand erwartet, dass im Kapitalismus, udn da leben wir ja, die RWE nicht an ihre Profite denkt? Hat jemand gegalubt, dass die Landes- und Bundespolitik nicht nur ihre Fehler bearbeitet, sondern ihre Machtpositionen widerstandslos räumt? Widerstandslos, nicht unbedingt kampflos.

Glaubt jemand, der § 218 wäre verändert worden ohne die Kampgane ICH HABE ABGETRIEBEN? Glaubt jemand, die Kohleverstromung findet ein Ende und die regenerativen Energien erleben einen Boom ohne Opfer und Verzicht von vielen, zB. Grundbesitzern, Einfamilienhäuslern im Schatten der Turbinen, Landschaftsästheten? Der Rechtsstaat ist grundsolide bei uns, anderswo weniger, aber holt auch IMMER nach,w as die Gesellschaft vorgegeben hat. Er antizipiert normalerweise die Zukunft nicht, außer VIELLEICHT in solchen Krisenzeiten wie heute. DAS sollten die Jungen, die LETZTEN GENERATIONEN – weg mit dem Singular! – der Politik, den Gerichten, dem Stammtisch sagen.

UND DANN NOCH MEHR TUN, als sie ohnedies machen. Es geschieht ja tatsächlich viel, Habeck, Nouripur haben da schon Recht; hier ist die Kritik der Baumhäusler oft ungerecht oder gar halbblind. TUN muss man nicht zeigen, man kann, aber das ist zweitrangig. Und die Umweltpolitik darf sich nicht am „FALL LÜTZERATH“ aufhängen, sondern ihn wie vieles zum Moratorium drängen, und ob da der Rechtsstaat nur gnädig nickt…ach ja, das persönliche Risiko kann nicht immer auf das Man der Risikogruppen abgewälzt werden. Und bei weniger wichtigen Agenden als dem limawandel heißt Handeln auch: DEN RECHTSSTAAT SCHÜTZEN UND ANERKENNEN

Alltag, alle Tage, jeden Tag

Am 14.1.2023 schreibt Carolin Emcke einen Kommentar in der SZ, der an die Bachmann und an Elias Canetti erinnert: Die Meute, es geht um die Nachsylvestertumultohysterie. Ich hätte diesen Text gern vor meinen Blog gesetzt, jetzt könnt ihr ihn nachlesen.

Kann es in diesen Tagen Alltag geben, soll es ihn geben, und wenn ja, wie können wir alltäglich leben, umgeben von den Schrecken und Ungewissheiten jeden Tages? Eine uralte Frage, immer wieder auch wissenschaftlich untersucht: Normalität versus Ausnahmezustand.

Ihr kennt mein wichtigtes Gedicht, begleitet mich seit Jahrzehnten, jeden Tag, von Ingeborg Bachmann:

Alle Tage

Der Krieg wird nicht mehr erklärt,
sondern fortgesetzt. Das Unerhörte
ist alltäglich geworden. Der Held
bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache
ist in die Feuerzonen gerückt.
Die Uniform des Tages ist die Geduld,
die Auszeichnung der armselige Stern
der Hoffnung über dem Herzen.

Er wird verliehen,
wenn nichts mehr geschieht,
wenn das Trommelfeuer verstummt,
wenn der Feind unsichtbar geworden ist
und der Schatten ewiger Rüstung
den Himmel bedeckt.

Er wird verliehen
für die Flucht von den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.

Diese Begleitung kann über literaturwissenschaftliche, philosophische und biographische Deutungen hinausgehen, sie muss es, weil sie ja den Alltag, meinen Alltag begleitet, und dann mich fragen lässt, wer der Feind ist, welche Geheimnisse unwürdig sind, wer mir keine Befehle geben darf. Und natürlich, was daraus folgt, wenn ich mich an diese Leitlinie des Alltags halte.

*

Zum Alltag gehört, etwas über sich selbst zu wissen, d.h. aus der eigenen Lebensgeschichte auch zu präparieren, was normal und was Ausnahme ist. Beispiel: Wir SIND IM KRIEG, es wird nur HIER nicht mit den Kriegswaffen gekämpft, sondern DORT, in der von Russland bedrohten Ukraine. Aber natürlich sind wir wirtschaftlich, sozial, kulturell an diesem Krieg beteiligt. Das berechtigt schon bei sich selbst nachzufragen, ob man denn die Ursachen teilweise selbst erlebt hat. Was haben wir, was habe ich damit zu tun? Und ich kann mich nicht auf die Kommentare als Beobachter hinausreden, denn ob ich jetzt das Geschehen kommentiere, ändert wohl herzlich wenig. Aber was kann ich denn dann der Politik, der Öffentlichkeit sagen?

Dass Meinungen zu wenig sind, um wirksam zu agieren. Dass Lektionen des Gedächtnis vielleicht mehr an Politik schaffen.

Heute erfahre ich, dass der letzte König von Griechenland, Konstantin, mit 81 im Exil verstorben ist. Mein letztes Erlebnis als Pfadfinder war das 21. Welt Jamboree 1963 in Marathon, 1.-11. August 1963, Griechenland. Konstantin, damals Kronprinz, war Schirmherr. Und täglich vor Ort. Der Alltag der Pfadfinder hatte sich schon damals erschöpft, und heute dominiert ihre kritische, postkoloniale Geschichte, nicht so sehr ihr praktischer Alltag. Um damals nach Marathon zu kommen, musste ich mit dem Zug und den Mitscouts durch Jugoslawien, durch Skopje, am Tag nach dem großen Erdbeben fahren. Jahre später habe ich die ganze Geschichte der Stadt und des Erdbebens gelernt, damals war der Eindruck flüchtig, bedrückend, nicht normal. Das Jamboree war aber normal, Marathon als Ort sagte uns nichts, weil wir die Historisierung des Ortes und seine nationale Symbolik nicht verstanden. Von 1967 bis 1984 war Griechenland eine Militärdiktatur. Die hatte sich schon abgezeichnet. Als ich dann während dieser Zeit dort war, habe ich den Alltag und den Ausnahmezustand besser verstanden, und auch da stellte sich schon die Frage, die heute aktuell ist: unter welchen Umständen kann man in einer Diktatur Urlaub machen, und wann auf keinen Fall? Die Erinnerung kann näher an die Wahrheit gebracht werden als das aktuelle gegenwärtige Erleben, aber das prägt auch. Und muss mit dem Erinnerten in Beziehung gebracht werden, so wie damalige Beziehungen ein anderes Licht bekommen.

Mehr noch stimmt das für Skopje. Da war ich oft während meiner hochrangigen Zeit im Kosovo 1970-1973, dienstlich und privat. Und habe die autoritäre Gegenwart mit den Erinnerungen an 1963 vor Ort verbunden, es gab und gibt Geschichtspfade. Skopje hat meine Arbeit im Kosovo und die Nacharbeitung politischer und kultureller Art beeinflusst, und das hat 1963 begonnen, als wir durstig aus dem Zugfenster auf Getränke gewartet haben, und dass der Zug endlich weiterfährt.

Ich denke, wir müssen immer beides verbinden: unseren Alltag und den der uns in engeren und weiteren Kreisen umgebenden Wirklichkeit, diesen Alltag erst einordnen lässt. Nicht nur Urlaubsorte, nicht nur Ökobedenken gegen Kreuzfahrten, nicht nur selbstkritische Fragen an die Freizeit, in gewissem Sinn geht es um alles, d.h. das, was für unseren Alltag herausgefiltert ankommt in unserem Bewusstsein. Manches rumort schon im Augenblick in unserem Unterbewusstsein, anderes noch gar nicht. Noch.

Globaler Faschismus

Selbst habe ich immer gewarnt vor zu schnellem Gebrauch nicht-hintergehbarer Begriffe, Faschismus, Nazi, Stalinisten…Wenn man sie anwendet, dann entsteht eine Leere dahinter, die oft nicht mehr mit Worten, mit Begriffen, fortgesetzt werden kann, sondern nur mit Handlungen, mit aggressiver Politik, mit Gewalt.

Es gibt jedoch Anlässe, diese Begriffe zu schärfen, sie überprüft und mit Adjektiven versehen, zu gebrauchen.

Meine These ist, dass ein globaler Faschismus sich ausbreitet, nicht nur in Europa.

(Wenn Putin die Nazi-Variante gebraucht, lenkt er so von sich ab, wie andere Diktatoren sich versteigen, indem sie sich selbst mit den Grundbegriffen, freier Gesellschaften schmücken, vor allem mit Demokratie und Freiheit). Den Sprachkurs machen wir außerhalb dieses Blogs.

Es gibt in allen Gesellschaften faschistische Aktivitäten und Ideologien. Aber in den meisten demokratischen Gesellschaften werden sie in Schach gehalten, isoliert, aufgelöst, – ungeachtet der Tatsache ihrer Regeneration. Die Schwächen der Demokratie sind u.a., dass sie in der Wahl der Mittel nicht zuvorderst die Gewalt und die Einschüchterung wählen können und dürfen, was den Diktaturen immer einen soliden Standpunkt verleiht.

*

Im Iran wird die Todesstrafe demonstrativ exekutiert. Zu Recht wird das kritisiert.

Zeitgleich gibt es Hinrichtungen im US Justizsystem, die kaum Erwähnung finden, obwohl ihre Anlässe auch nicht rechtsstaatlich sind, wenn man schon die Todesstrafe nicht generell als unmenschlich ablehnt.

*

Auch wenn der Faschismus in den USA auf dem Vormarsch ist, herrscht dort kein faschistisches „System“. Aber es herrscht neben Russland und China innerhalb der EU, deutlich in Ungarn, und im Wachsen in Italien, Schweden, auf dem Balkan. „Rechtskonservativ“ ist dann die nette Vokabel der Medien. Ob diese Länder faschistisch werden, kommt darauf, welche roten Linien die Demokratien in ihren Beziehungen ziehen.

Das ist bei Israel nach der Regierungsbildung nicht mehr möglich. Faschisten sind in diesem Staat an der Regierung maßgeblich beteiligt. Jetzt müsste man darüber diskutieren, wieweit das mit einem jüdischen Staat vereinbar ist, und wieweit das die Demokratie nachhaltig ausschaltet. Ich nehme das Beispiel, weil ich, jüdisch, nicht schon deshalb und aus der Kritik heraus die Politik und Praxis der Hamas und anderer arabischer Gruppen in einem milderen Licht sehe oder relativiere. Faschistische Bewegungen sind nicht homogen und befreundet zu einander, das waren sie nicht bei Dollfuss und Hitler, das sind die NATO-Staaten nicht gegenüber der Türkei etc.

Also sollten wir den Begriff nicht unerklärt und verdeutlicht gebrauchen. Aber ihn auch nicht verharmlosen.

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Mein Problem mit dem Begriff des Antifaschismus ist noch größer, weil sich Faschismus ziemlich genau bestimmen lässt, während der Anti-F zu einem volatilen Instrument der Selbstbestätigung wurde und wird, keineswegs nur in der DDR und im realen Sozialismus. Zu all dem gibt es unendlich viel Literatur, von sehr gut bis unbrauchbar, aber wo die antifaschistischen Wahrheiten verkündet werden, ist es noch ein weiter Weg zur Bekämpfung der Wirklichkeit des Faschismus. Diese Wirklichkeit findet sich heute – tatsächlich: heute, in diesen Tagen – in der Begründung vieler Politiker, Medien und Stammtische gegen die Angriffe auf Staatsorgane in der Silvesternacht, wo es mehr gegen die ethnische Herkunft als gegen die soziokulturellen Ursachen von Gewaltbereitschaft und mangelndem Respekt vor staatlichen Institutionen geht.

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Die ungleich verteilte Toleranz auch demokratischer Regierungen, Staatsorgane und Meinungsbildung mit faschistischen und faschistoiden Wirklichkeiten ist immer auch ein Hinweis auf Schwachstellen in der eigenen Demokratie.

Die Strafjustiz ist ein meist ungeeignetes und wirkungsarmes Mittel, durch Bestrafung von Tätern die Ursachen und Versäumnisse des Staates und der Zivilgesellschaft gegenüber der Jungen Generation, gegenüber Migrantengruppen etc. zu vernebeln. (Das Strafrecht gilt ohnedies). Aber die soziokulturellen Verbesserungen der Politik gegenüber dieser großen und nicht hinreichend betreuten und geschützten Gruppen unserer Bevölkerung helfen der Demokratie mehr als das Geblöke des Fremdenfeindes Söder, der erst einmal in Deutschland ankommen soll. Dazu gehört im übrigen auch, keine übertriebene Rücksicht gegenüber dem religiösen Hintergrund von Gewalttätern zu üben. Religion ist oft nur ein besonders wirksames Mittel gegen Demokratie, wie nicht nur Kyrill und der betende Putin beweisen, sondern auch Teile unserer Glaubensheuchler…aber das ist ein anderes Kapitel.

*

Die globalen Angriffe auf die Demokratie sind nicht einfach ein Phänomen Rechts gegen Links. Demokratie wird oft hinderlich und unwirksam erachtet, wenn es um die Lösung von echten oder vermeintlichen Problemen geht. Oft ist die Kritik aus dem faschistischen Lager gegenüber den Erscheinungen der Schwäche gar nicht falsch, wohl aber die fast fanatische Verweigerung gegenüber demokratischer Fehlerbehebung.

Diesem Satz haben sich viele widersetzt, weil er zu undeutlich scheint. Also: natürlich – selbstverständlich – haben alle politischen Gruppierungen, auch Nazis, Faschisten, Stalinisten usw., selbst wenn sie entsetzlich waren und sind, nicht nur „Falsches“ gesagt und getan. Dass es falsch war, ergibt sich aus dem Kontext und den Handlungen. Konkret: Natürlich kann die AfD, manchmal auch die Linkspartei, kritische oder fehlerhafte Handlungen der demokratischen Regierung und Opposition nachvollziehbar benennen, ohne Rücksicht auf Gefolgschaft und Klientel. Aber die Verweigerung, Abhilfe mit den Mitteln der Demokratie zu schaffen, macht die Kritik fragwürdig. Das geschieht teilweise auch innerhalb der demokratischen Parteien und ist nicht nur eine der strukturellen Schwächen jeder Demokratie, sondern auch eine Aufforderung zur ständigen Reform derselben.

Übermaß und Kargheit

Wenn alles zu viel wird, blenden manche ihre Wahrnehmung aus, sehen eine impressionistische Welt voller Ereignisse, die zu ordnen es nicht lohnt, es sind zu viele und sie blitzen auf und verschwinden und überlagern sich und löschen einander aus…da findet man sich besser gar nicht zurecht. Auch ein Vorsatz fürs neue Jahr?

Was rückt uns so heftig ans Gemüt, dass wir anderes gerne ablegen im Archiv unserer erlebten, wenn nicht gelebten Welt? Weil nur vieles mit vielem, aber nicht alles mit allem zusammenhängt, werden die seltsamsten Bestsellerlisten im Gemüt angelegt. Überhaupt: was heißt Gemüt? Ich verwende den Ausdruck für das Unscharfe, bei näherem Hinsehen weniger leicht erklärbare der Fokussierung von Interessen, anders als Begriffe für das Konkrete, wenn nicht Eindeutige. Zum Klimawandel oder zum Krieg der Russen gegen die Ukraine und Europa kann man, sollte man nicht schwiemeln.

Aber schon bei den Angriffen der Jahreswechsler auf Polizei und Feuerwehr fragt man sich, woher welche Kommentare ihre Vorurteile und vorgefassten Meinungen beziehen. Wenn tatsächlich viele, keineswegs alle, Attackierenden Migrationshintergrund haben, dann ist die Frage nach den Ursachen und Folgen der Immigration nach Deutschland doch viel spannender als die Tatsache von geringschätzendem, etwas pöbelhaften Verhalten. Letzteres kann man rechtlich ahnden. Aber warum verhalten sich viele junge Deutsche mit und ohne Migrationsgeschichte so deppert?

Die Anzahl der Gründe ist groß und vielfältig. Aber fällt den vorlauten PolitikerInnen und Kommentaristen nicht auf, wie viele Ursachen und Konsequenzen aus dem pöbelnden Verhalten der nur scheinbar liberalen Politik des Wegschauens oder Gewährenlassens abgeleitet werden. Das trifft sich mit der sehr deutschen Unart, am ehesten bei der Kultur, bei den sozialen Umfeldern zu sparen, und sich dann zu wundern, wenn es keine next generation im Licht der gesellschaftlichen Öffentlichkeit, sondern nur die Last Generation. Die Gewaltaktionen sind das Ergebnis, nicht die Voraussetzung für die Nichtachtung gesellschaftlicher minimaler Bindungskräfte.

Es gibt Zusammenhänge, die werden als marginal abgetan. Wenn ich behaupte, dass die dummen Pläne des Freidemokraten Wissing, noch mehr Straßen zu bauen und das Land weiter zu betonieren, in einem mehrschichtigen Zusammenhang mit der Böllergewalt stehen, werden viele sagen, DAS müsse ich ihnen erst einmal beweisen. Erst einmal…Wissing hat Macht, er übt Gewalt aus, indem er legal, aber illegitim in diesem Fall regiert. Und die Jungen reagieren. Jetzt, nach zwei Jahren Covid, hätte man die Böller einfach verbieten können, aber das hätte die Gewalt nur verlagert, wenn es auch die Umwelt geschont hätte. Nicht die Böller und die Angriffe sind da Problem, sondern ihre massive Grundlage in einer Politik der falschen Handlungen.

Mit vielen unredlichen Mitteln wurde und wird Integration verhindert und keine Ausgrenzungs-Prävention, sondern Ausgrenzung durch Sanktionen betrieben. Noch immer beschwert sich der rechte Schmutzrand unserer Politik, dass zu viele Migrationskinder „schon“ die deutsche Staatsbürgerschaft haben und deshalb nicht mehr abschiebbar sind. Was wollt ihr denn, ich christozialdemokratischen Patrioten? Sklaven? Na, na, übertreiben Sie nicht, sagen jetzt manche, man kann doch nicht leugnen, dass viele der Jungen (Angreifer, Zuschauer, Abwesende) die „Deutsche“ sind, sich aber nicht richtig verhalten, zumal, wenn sie muslimischen oder arabischen Hintergrund haben. Und was hat die deutsche Obrigkeit getan, damit die sich richtig verhalten? Auf die Multikultur hindreschen, ohne sagen zu wollen, was „richtig“ ist. Wie gesagt, bei der Kultur sparen und dann sich beschweren, wenn es keine Integration gibt.

Die Beispiele guter Integration sind zahlreich und beweisen, dass Zusammenleben in der Multikultur möglich und sinnvoll ist. Kultur ist nicht gleichbedeutend mit religiöser Identität das müssen die so genannten Christen und die so genannten Muslime bei uns verstehen, ebenso wie die jüdischen Orthodoxen in Israel. In einem Einwanderungsland wie Deutschland wirbt man um Fachkräfte aus dem Ausland, verwöhnt und belohnt sie. Deren Kinder aber greifen deutsche Sicherheitsorgane an. Deutsche Fachkräfte wandern ab, und Kinder zeugt die arische Rasse ohnedies immer weniger. Pardon, ist mir da ein Vorurteil ausgerutscht? So viele ethnisch Deutsche gibt es ja gar nicht mehr. Viele haben Migrationshintergrund und leben bestens integriert bis in die Spitzen demokratischer Parteien hinein. Dagegen ist die Böllerei ein Nebenschauplatz.

*

Das Übermaß an identitärer Selbstbezogenheit von Politik und Verwaltung und die Kargheit der immer nur formal beschworenen Argumente für Menschlichkeit verdecken den Blick darauf, dass Staatsbürgerschaft keine Bedeutung für menschliche Ethik und humanitäres Verhalten, für Solidarität und Kompromiss hat.

Rohe Botschaft

Ganzseitige Anzeige für den Maserati Grecale. 530 PS. 285 km/h Spitze, CO2 254 g/km. Kostet nichts, keine Preisangabe. Aber ca. 90-100 T€, findet man. Geht doch, was?

Das Problem, das ich damit habe, ist nicht die Firma; oder das Auto „an sich“, da kämen wir in die Philosophie. Es muss eine aufnahmebereite Öffentlichkeit geben, weit zahlreicher als die realen und potenziellen Käufer. Aufnahmebereitschaft ist nicht spontan, sie muss (sich) vorbereitet haben, sie hat sich vorbereiten lassen. Wie die Wählerschichten, die den Faschismus legitimiert haben und heute legitimieren, jetzt in Israel, Schweden, Italien…Die Konzentration auf die Führer, die Propagandisten, die Gesichter des Bösen lenkt ab von den Köpfen, in denen Geschmack, Ideologie, Fake News etc. aufbereitet werden und zum Handeln führen. Auch wählen ist handeln.

Man redet leichthin über den Einfluss der Influencer, so heißen sie ja auch, aber worin besteht der unter der Oberfläche des Bewusstseins? Und wie stark ist dieses Bewusstsein bereit, Geschichte=Vergangenheit zur Erklärung der eigenen Wahrnehmung zu erkennen und zu analysieren? Nicht groß wissenschaftlich, aber alltagstauglich.

Nicht eine Theorie oder Vorstellungen über die neuen globalen Faschismen außerhalb der eingeprägten Muster, sondern die regredierenden Zusammenfassungen der Wirklichkeit vor unseren Augen bedrücken mich. Es wird so viel mehr oder weniger Gescheites zur Erklärung des Weltgeschehens bis ins Detail gesagt, dass man im Selbststudium sich mit mehr als einem akademischen Grad versehen kann. Aber auch wenn wir genau wissen, was sich in Afghanistan abspielt, so ist doch völlig aus dem Blick geraten, WAS TUN? Oder was tun? gegen Orban, Erdögan etc.

Ich neige dazu, evolutionäre Defizite anzunehmen, wo politische Erklärungen nicht ausreichen. Zurück zum Maserati. Obszön, blödsinnig oder provokant: die beeinflusste Schicht wird sich so wenig um den Klimawandel wie um die Armut außerhalb unserer Grenzen kümmern, wie die Rundfunkansage: jetzt muss einmal etwas Positives berichtet werden…esw muss kein Sportwagen sein. Wenn sich die politische Elite fast unisono über die Fridays for Future oder gar die Last Generation aufregt, vergessen die, dass sie selbst an den Zuständen, die kritisiert werden, MIT SCHULD(IG) sind, kollektiv und einzeln: und dass die Jungen vielleicht mit prekären MITTELN den richtigen ZWECK verfolgen.

Jetzt sind wir wieder bei der Ethik und der Philosophie. Alle Gute für die Zeit zwischen den Jahren, ein kalendarisches Konstrukt, das durch die Religion noch weiter verbeult wird.

Sachsen, Israel, göttlicher Abgrund

Die globale Entwicklung nach „rechts“ schwächt ebenso weltweit die Demokratie und den Widerstand gegen die illiberale Umgehung von Freiheit und Selbstbestimmung. „Recht“ steht in „“, weil es nicht einfach konservativ oder reaktionär auf einer linearen Skala bedeutet, sondern sich oft in Radikalismen der Linken und der so genannten Mitte findet. Hier geht es aber um RECHTS, faschistoid bis faschistisch.

Dass diese Rechtsentwicklung auch stark mit dem Identitätsbluster und mit Religion zu tun hat, wird oft verdrängt. Dass Religionsfreiheit die faschistoiden Ultra-Orthodoxen in eine Koalition mit den Siedlungsfanatikern und Gerichtsverächtern bringt, nur um den Ganev Netanjahu vor dem Gefängnis zu bewahren, gefährdet die weitere Existenz der einzigen Demokratie im Nahen Osten. Das haben wir jüdischen Menschen und – wichtig – Israelfreunde verdient  oder  NICHT VERDIENT???      

Der Einwand, dass der israelische Pöbel gemeinsam mit rechten und konservativen Wählerinnen und Wählern in durchaus demokratischen Wahlen für diese Koalition gestimmt habe, ist nicht falsch, aber kurzsichtig geschichtsvergessen. Seit Jahrzehnten nimmt die Ausgrenzungspolitik der arabischen Bevölkerung in Israel und der liberalen, teilweise auch „linken“, teilweise Gründungszionisten, teilweise Shoahbeladenen usw. zu…nicht zuletzt geduldet und befördert durch zweigesichtige Israelfreunde in den USA und im „Westen“. Und vergesst nicht die Mitbeteiligung und auch Mitschuld der arabischen Bevölkerungsteile an dieser Entwicklung, nicht aller, aber vieler.

Rechts…Italien, Schweden, Ungarn, Polen…Israel.

Sachsen: Da unterstützt ein Ministerpräsident einer so genannten „christlichen“ Politikgruppe (CDU) einen rechtsradikalen Landrat, der gegen Geflüchtete hetzt (22.12.2022, u.a. DLF Nachrichten)), getarnt als Weihnachtbotschaft( = christlich). Immer häufiger stimmt diese Partei auch mit den Nazis von der AfD. ABER: die BundesCDU hat sich vom Landrat distanziert, schnell und klar (RP Online 22.12., ca. 9.00 Uhr). Das Aber ist, wie in vielen Fällen wichtig.

Wie gehen wir damit um? Welches ABER haben wir zur Hand, in Sachen Israel, in Sachen Sachsen, in Sachen Religion? Der Übergang von der privaten MEINUNG in die POLITIK ist, was wichtig ist, wichtiger denn je.

Nicht nur beobachten. Öffentlich darüber sprechen, wo es geht handeln und so wenig wie möglich den entpersönlichten Diskurs des „Man“ verwenden, denn man ist heute rechts, mehr denn je.

Mir ist Israel wichtiger als Sachsen. Aber mir ist Sachsen wichtiger als die künstliche Toleranz mit allem was christlich, islamisch, jüdisch im religiösen Zusammenhang bedeutet, wenn Religion nur das Tarngewand der Abschaffung von Demokratie ist, zugunsten eines so genannten „Gottes“. „“ „“

Gottes Urteil, des Teufels Reim darauf

Dass Religion die Freiheit einschränkt und nicht erweitert, ist die Wirklichkeit. Wenn die Religion die Wahrheit verkündet, ist es die Wahrheit für die Gläubigen, die sich dieser Wirklichkeit entziehen wollen und dadurch können, glauben sie. Wer nur glaubt, muss nichts wissen, und wer nichts wissen kann und will, der muss nichts sehen, hören, sagen und denken.

Im Iran wurde schon der zweite Mensch hingerichtet, weil er Gott beleidigt hat. Was für ein Gott, der sich durch ein diktatorisches Gericht Beleidigtsein zusprechen lässt und dann eben dieses Gericht zum Morden ermächtigt. Bitte, das ist nicht nur der Islam unter Chamenei oder der Islam in anderen Ländern, das war bis vor kurzem christliche Praxis und ist überhaupt dem Monotheismus näher als der Vielgötterei, wo oft die eine Gottheit die Menschen aus den Klauen einer anderen befreit.

Natürlich setzen sich auf diese Erkenntnis andere diktatorisch gesinnte Menschen und reden jetzt, z.B. im Iran, den Shah wieder herbei, als ob der besser gewesen wäre.

Man muss seine Literatur nicht mögen, aber man sollte sein Denken und seine Klarheit annehmen:

  • Salman Rushdie hat über die Freiheit nachgedacht und geschrieben: Sprachen der Wahrheit. Texte 2003–2020 (Languages of Truth). Bertelsmann, München 2021, ISBN 978-3-570-10408-8 hat der DLF am 11.12.2022 um 9.30 einen Essay über die Freiheit in guter Übersetzung gebracht.

Abgesehen davon, dass sich vieles zu Wahrheit und Wirklichkeit mit meinem neuen Buch zum Mythos, (Feb. 2023) deckt, und abgesehen von der Unvergleichlichkeit seines ständig bedrohten Lebensschicksals, ist mir ein Punkt wichtig. Man soll, wir sollen, die europäische, durch die Aufklärung formulierte FREIHEIT, die sich auch gegen den Zwang durch die machtvollen christlichen Kirchen richtete, nicht mit der amerikanischen Freiheit, die ja als FREIHEIT DER RELIGIONSGEMEINSCHAFTEN begonnen hatte, vergleichen und verwechseln. Man kann das ausweiten, globalisieren.

Die Kritik am Gott und den Göttern der Diktatoren ist keine Kritik am Glauben, in dem jeder einzelne Mensch seinen Weg finden kann. Aber die Religionskritik gehört auch nicht dem Teufel, sondern uns.

Hinten sein, vorne scheinen

Nicht von der Sonne im Herzen der Völker ist die Rede, sondern von Deutschland. Das Land ist hinten, im Vergleich zu anderen. Ich komme gleich zu den Verspätungen, die mich wirklich ärgern, und lass andere Schludrigkeiten im Winternebel.

Schludrigkeit hat etwas befreiendes im Land des Hauptmanns von Köpenick. Aber so schludrig wie Söder mit Covid, wie Wissing mit der Bahn, wie die Bahn mit ihren Kunden, wie…HALT. So wird nicht genörgelt und sich abgewandt. Das gehört zur deutschländischen Variante der österreichischen Zwiesprache: Da muss sich etwas ändern!…Kannst eh nix machen.

Der Vergleich zu anderen hingegen zählt, trotz des dauernden Verweises auf deutsche Erfolge (vorne). Wirklich ist, dass unser Schul- und Bildungswesen unterdurchschnittlich ist, trotz teilweise guter Gehälter. Wirklich ist, dass die Vorsicht und Umständlichkeit der Bürokratie die Digitalisierung ebenso behindert wie der Föderalismus. Dass dieser Föderalismus von der Verbrechensbekämpfung bis zur Gesundheit so ziemlich alles verzögert oder torpediert bis auf die Kultur. Wirklich ist, dass diese Kultur aber ziemlich abgehängt wird, wenn es um politische Prioritäten geht, finanziell und nach vorne ausgerichtet. Wirklich ist, dass wir ein schlechtes, teures Verkehrssystem haben (vor allem die DB, die Autobahnen).

HALT, schon wieder. Das ist ja das alltägliche Geplärre derjenigen, die es gerne sähen, wenn sich etwas änderte, aber das deutsche Unbewußte

Ich bestehe auf Vergleichen. Wo läuft es besser als bei uns, und vor allem warum, und noch wichtiger: zu welchem Ziel und Zweck? Und typisch deutsch: es gibt keine Vorbilder. Plural. Es gibt immer nur ein Vorbild für jeden Fall, und das ist dann unerreichbar. Nun ist es für eine  große Staatsmacht, die weder eine Großmacht sein kann noch will, das ist ja gut, nicht unbedingt schlecht, irgendwo in einem konstruierten Mittelfeld sich stabil zu halten. Aber es ist fatal, das eigene Absinken mit Blödworten (Zeitenwende) und einem dauernden Optativ zu verdrängen: es wird einem dauernd mitgeteilt, was man wollen soll und woran man sich jetzt machen wird. Die Kritik der politischen und Sozialwissenschaften könnte hier wirksam werden, tut es aber nicht, weil man noch immer auf die Beratungskompetenz und Pfründe wartet. Ich bestehe auf Vergleichen, deshalb in diesem Feld: mit großen Plänen gewinnt man bestenfalls eine Wahl.

HALT; SO GEHT’S JA NICHT: Politiker; Kommissionen, Beraterstäbe und Beauftragte gibt es hinreichend genug, oder sie sind vielleicht fehplatziert, aber nicht zu wenig. Das Murren im Volk will ja einen Anstoß von Macht, die wahrnehmbar etwas zum Besseren verändert.

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Meine lieben Leserinnen und Leser, pardon: eine langweilige Einleitung zu einem kurzen Befund. Der lautet, dass sich das Land nach rechts wendet, nicht so schnell wie Osteuropa oder Österreich oder Schweden oder Italien oder…

Und eine Analyse sagt: nicht erst seit kurzem, seit Klima und Covid und Krieg die Kulissen bilden. Sondern seitdem die sozialen und kulturellen Strukturen dem aufgewachten Nachkriegsstaat in den Schatten des Mitspielens an den globalen Strukturen (“alternativlos!“) gepresst werden, und das geht schon eine ganze Weile, dass man die Ökonomie neoliberal und zugleich national agieren lässt, während die Politik eine – zugegeben in Deutschland wirkungsvolle – Kompensations- und Flickwerkstatt von erkennbaren Defiziten ist. Darum werden die armen Menschen in einem der reichsten Länder massenhaft noch ärmer (Beispiel: Hamburg, DLF 10.12., 8.00) und zugleich ist die Gießkanne das fast theologische Handlungsprinzip einer Politik, die ja nicht nur aus Regierung, sondern aus den Einflussakteuren der unpolitischen Ökonomie besteht.

Manchen gefällt es hinten zu sein, da kann man auf die da vorne gut schimpfen. Manchen genügt es, vorne zu sein und den Hinteren zuzurufen, wir sind für euch da. Aber aktivieren kann man die so nicht. Wenn man sich in München nicht festkleben darf, gehen halt die bairischen Bierkäfer noch schneller zugrunde. Und dann sind die Rechten wieder an der Macht, oder manche Linke, die auch rechts geworden sind.

HALT. Sie sind nicht ausgewogen. Jetzt sagen Sie doch einmal, was gut ist in unserem Land, was funktioniert und wo wir vorne sind!

Ich lobe doch, mit Gründen! (=Freiheit!) Baerbock, Habeck, Özdemir…Heil, und wie sie oben alle heißen, und hier herunten ganz viele, die etwas tun. Aber LOBEN ist keine POLITIK. Handeln.

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Handeln ist keine ungebremste Dynamik des „etwas“ Tun. Wenn die soziale Kluft zwischen den liberalen Reichen und den engstirnigen Armen weiter so wächst, dann muss man diesem Liberalismus einen Kampf ansagen. Dann reicht das Kleben nicht. Denn nur wenn man den Armen eine Perspektive gibt, können sie liberal werden. So einfach? ja, doch.

P.S. und dass die Armen bei uns im Vergleich zu den Armen in armen Ländern doch gut dran sind, ist genau das Argument, das man nicht dulden darf.

Letzte Generation – nach der RAF

Nachdem Herr, nein: der Dobrindt, die „Letzte Generation“ mit der RAF verglichen hatte, wendet sich zu Recht das Blatt. Dobrindt: „CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hat seinen Vergleich von Klima-Aktivisten mit der RAF verteidigt und in diesem Zusammenhang Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang kritisiert. „Ich hätte erwartet, dass ein Sicherheitsbehördenchef solche Warnungen ernst nimmt“, sagte er der „Bild am Sonntag“. (DTS Nachrichtenagentur -4. Dezember 2022)

Diese Dummheit passt gut zu Bild und den bayrischen Sprachexzessen.

Zugleich tritt eine gute Veränderung ein: Nicht nur der Verfassungsschutzchef, auch der NRW Innenminister Reul und seine KollegInnen sind da abgewogener und wollen erst einmal hinschauen, bevor sie beginnen zu denken. Bis auf einen Punkt sind die Vernünftigen auf dem Vormarsch, v.a. dort, wo es um die Konfrontation mit einer berechtigten Warnung und eines bestehenden Rechtsverständnisses geht (Reul DLF 5.12., 8.15).

ABER.

Die letzte Generation müsste sich nicht so nennen, es gibt sie. Und der Rechtsstaat kann nicht die Zukunft in seine „Grenzen“ von Innen nehmen, wenn seine Hüter mit an Anlass und Grund für den Widerstand mitgewirkt haben. Juristische Argumente wirken so, als würde sich die Farce der Bahnsteigkarte zur befreienden Revolte wiederholen. Eine 1,5° Ziel innerhalb der bestehenden Normen und Regeln kann nicht erreicht werden, weil eben diese Normen die Klimakatastrophe mitbewirkt haben, mit- und nicht ausschließlich, und teilweise die Verteidiger der Re3chtsordnung mitschuldig an dieser Katastrophe sind. Nicht alle, und unterschiedlich wirksam, aber man kann sie namentlich und an ihren Aktionen und Unterlassungen identifizieren, und das genau können Gerichte zB. nur sehr teilweise.

Die bayrische Sicherungsverwahrung erinnert an die schlimmsten Zeiten. Ich würde ja Söder und Dobrindt gerne im Knast sehen, wegen tatsächlichen Hochverrats, aber die würden ja wahrscheinlich wegen teilweiser Schuldunfähigkeit entlassen.

Aber. Im Ernst ist die Lage anders. Nicht der Handlungsspielraum der Letzten Generation ist das Problem, die Gesetze und Handlungen zum Klima müssen sich ändern, dann kann und muss der Rechtsstaat nachziehen. Hat unser Rechtssystem denn das Aussterben von Millionen Arten verhindert? Hat es die AutoChemieLandwirtschaftsindustrie denn ökologisch reguliert? Natürlich nicht, das Recht und seine Wahrheiten folgen immer dem Druck der Wirklichkeit und nicht den Ideologien, die ewige Wahrheiten verkünden, um ihre Positionen zu schützen.

Also: natürlich gibt es Grenzen für die Handlungen jeder politischen Gruppe. Man darf Menschen nicht gefährden, also genauer: nicht mehr gefährden als der Anlass sie bereits massenhaft gefährdet. Zigtausende sterben durch Feinstaub, jährlich. Aber wo es (noch) keinen Rechtsstaat gibt, dürfen sich die Mitverursacher der Katastrophe nicht auf ihn berufen, zumal es nicht um ihr Überleben geht, sondern um das der künftigen Generationen (die letzte ist vielleicht eine Übertreibung, hoffentlich nicht). Aber wir – leider mich eingeschlossen – werden längst gestorben sein, wenn sich die Vorschau aufs Überleben bewahrheitet. Wie lange unsere Kinder Enkel und vielleicht deren Nachkommen leben können, entzieht sich jedenfalls den Gerichtsverfahren und der Kurzsichtigkeit von Lokalpolitikern.