Kein Entkommen…

„Er schon wieder“, ein guter Titel für einen Essay über Carl Schmitt, seit 40 tot, aber noch ganz aktiv in der rechten Hirnhälfte, neuerdings in USA, aber immer schon bei uns, obwohl die linken Hirnlappen da auch zugeneigt waren (Alexander Camman in der ZEIT #19, von dieser Woche). Dieses Feuilleton empehle ich, weil es die zählebige Präsenz der deutschen Rechten belegt, denen die Demokraten leider ausweichen anstatt sie zu konfrontieren.

In der gleichen Zeitung, Abteilung Geschichte, schreibt Claus Leggewie über den „Kaiser von Amerika“, und viele assoziieren sofort Trump, aber so einfach ist es nicht, Joshua Norton (1818-1880) war der Kaiser, den Namen kennt ihr alle nicht, und damals hat man so einen Monarchen in der Republik eben auch kaisern lassen – wenn heute in Deutschland die absurden Neomonarchisten vor Gericht stehen, fehlen die Satiriker. Leggewie schreibt aber zentral: „Wie die laufende Realsatire im Weißen Haus ausgehen wird, ist offen. Fest steht: Man kann nicht von Joshua Norton sprechen, ohne an Donald Trump zu denken. Seine monarchischen Allüren, wiederholte Anspielungen auf eine in der Verfassung untersagte dritte Amtszeit, seine dynastischen Ansprüche, und vor allem die Drohung, demokratische Wahlen zu ignorieren, die ihn nicht im Amt bestätigen, haben ihm zu Recht den Ruf eines <Neo-Royalisten> eingebracht„. Das Begräbnis von Norton war gewaltig besucht, man kann sich das bei Trump wünschen, aber noch lebt er und ist tatsächlich mächtig, mit Nuklear, Armee und Millionen entgeistigter Follower – da ist ein Unterschied zu Carl Schmitt, keine Millionen, aber dafür in der rechts-intellektuellen Szene und nicht nur dort hat Schmitt einen Platz, vor allem mit Freund/Feind und mit dem Ausnahmezustand. Und mit Peter Thiel, dem reichen Wortführer der Rechtsradikalen in USA, der sicher nach Trumps Tod nur ein harmloser Intellektueller gewesen sein will, und all das wird gut hier beschrieben. Anlass für den kurzen Essay sind die geöffneten Kriegstagebücher von Schmitt, nichts wirklich neues. Aber: was hat so viele Linke zu ihm gezogen? Dass er gescheit war, dass ihn also die gescheiten Demokraten ernst nehmen sollten, sagt zu wenig. Ich behaupte, dass er genau den Rand der rechten Theorie – praktisch war er nicht mächtig – so präzise darstellt, dass es eine enge Naht zur linken Demokratie gibt, aber entscheidend ist der Kontext, den man ihm von links nicht aufsetzen kann. Das wäre das Ende, hätte er nicht posthum so viel Einfluss in den USA – und könnte man diesem Einfluss besser und ernsthafter begegnen (wir, ich, können das schon, aber innerhalb der Elitenblase dreht sich vieles in seine Richtung. Meloni, nicht die AfD).

Vom Gegner lernen, das geht schon, aber bei Schmitt nicht wirklich, will man ihn nicht ikonisieren. Aber dem Kaiser von Amerika kann man schon entgegentreten. Nicht als Thronanwärter, sondern demokratisch, republikanisch, und nicht so ernst, wie die Presse Trump nimmt, weil sie ihm Macht unterstellt, die er schon hat, aber nicht so ganz…wie sie alle post mortem sagen werden und lachen an seinem Grab. Seine Opfer werden dann nicht um den Sarg stehen, aber seine Familie wird weiter Geld bearbeiten. Leggewie zeigt genau, mit Namensnennung, wer aller in die royalen Erscheinungsformen getreten ist. Und es bleibt nicht bei Erdögan und desgleichen. Auch bei uns, in einer noch echten Demokratie stecken solche Royalismen, damit man nicht ermüdet…und dann ist es vorbei.

Lest die beiden Artikel. Dann braucht es keiner Metatheorie. Da ist schon viel Realität drin, und Erinnerung, nicht nur bei Schmitt.

Deutsches Widerstreben – der Aprilscherz

Ich bin nicht nur Österreicher, auch Deutscher (Staatsbürger), aber im Prinzip Kosmopolit und kein Nationalist. Diese Bemerkung ist wichtig, weil die Kritik am Neu-Nationalismus vieler auch europäischer Staaten viele Gründe haben kann. Alles Mögliche an der 0.8 Regierung des Merz kann einem die Galle hoch treiben, aber man bleibt der Demokratie loyal, dann erst kann Kritik Fuss fassen. Mit dem Sonderheft des SPIEGEL kann man sich auseinandersetzen, da geht es weder um Zustimmung noch um Ablehnung. Die Demokratie zu thematisieren, anstatt an der Oberfläche der AfD herumzukratzen, ist schon wichtig. Und die rechts- wie linksradikalen Hufeisenschlüsse auch in den anderen Parteien nicht nur sichtbar zu machen, sondern einzuordnen in die eigene Position, gehört eben nicht einfach zum Privaten. Eine mir wichtige These: alle Aussagen – von Parteien, PolitikerInnen und Medien, dass es einen demokratischen Zusammenschluss aller in der Mitte geben müsse, um gegen die radikalen Ränder zu agieren, sind, wenn nicht falsch, so irreführend. Denn was die Mitte ist, kann nicht ideologisch fixiert werden und ist nicht besser oder schlechter als irgendeine Position auf der Achse des längst fragil und unrealistischen Rechts-Links-Schemas.

Warum ich das heute schreibe, wo ich doch „eigentlich“ über den Frühling, also nicht Merz, sondern April schreiben möchte? Das Problem ist u.a. daß „eigentlich“ das verfremdende Adverb ist, wenn man eigentlich etwas anderes denkt oder sagen will, aber da hin getrieben wird…zum Beispiel durch die Nachrichten oder aus heftigen Diskussionen, nicht zwischen Gegnern, sondern unter Freunden und Genossen. Die Frage war, was wir „eigentlich“ machen würden, wenn z.B. die AfD verboten würde, oder wenn sie an der Regierung deutscher Staaten beteiligt wäre, oder wenn ihr radikalerer Flügel weiter politische und kulturelle Erfolge verbuchen könnte. Soll man die Faschisten verbieten? Es gibt Gründe dafür und dagegen, aber eines ist klar, die Bewegung lässt sich schwerer ausschalten als eine politische Partei altmodischen Musters, wie CDU/CSU SPD FDP und teilweise GRÜN. (Ich erinnere mich an Gründungsdiskussionen der Grünen bei beginnendem Aufstieg, 1980 + , ob Partei oder Bewegung der richtige Ansatz sei…, deshalb „teilweise“; vgl. auch zur AfD Zur Debatte um das AfD-Verbot – wie gefährlich ist die AfD in Niedersachsen? – GRÜNE Braunschweig es geht da nicht um Zustimmung oder Kritik).

Was sich aus den rechtsnationalen, rechten und teilweise faschistischen Elementen innerhalb der demokratischen Parteien doch deutlich erkennen lässt, ist die gewollte und offene Umordnung von Kultur und Sozialsystem. Das ist in der CDU deutlicher als bei den anderen, aber nicht monopolig. Zugleich dient die Politik dieses Flügels, nicht der ganzen Partei!, dazu, die kommende34 soziale Verarmung und kulturelle Einengung sozusagen um die Ecke vorzubesprechen, „eigentlich“ geht es um etwas anderes. Und das meinte ich mit meinem Blogtitel. Noch ist unser Land so wohlständig, dass wir noch immer nicht der Realität ins Auge schauen können und wollen, umgeben von den Rauchwolken des selbst fragil gewordenen politischen und kulturellen Systems. Dazu muss man schon etwas denken, wenn wir die Demokratie erneuern wollen und uns nicht vom Blick auf die Faschisten erstarren lassen.

Deshalb der Hinweis auf den SPIEGEL. Und noch etwas typisch „Deutsches“ Der Umgang mit den Juden, mit Israel, mit der Differenz von Juden und jüdisch, ist hier so anders als in allen anderen Ländern, und im Gegensatz zur Rhetorik ist das nicht mit der deutschen NS Geschichte, nicht mit der Shoah zu begründen, sondern mit der Herstellung eines dazu passenden panzerigen Selbstbewusstseins nach 1945, das allen Angriffen standhält…die Erklärung, warum das so ist, beschäftigt nicht nur mich, sondern die ganze Forschung der deutsch-jüdischen Geschichte seit Jahrzehnten und weiterhin. Und paradoxerweise hängt auch das zusammen mit der „eigentlichen“ Distanz zur demokratischen Weiterentwicklung, die ja auch Geschichte implizieren muss. Warum? Schaut darauf, wie die Sichtweise der israelischen und palästinensischen Politik von der 0,8 Regierung eingeengt wird, und schaut, wie die Kultur durch diese Regierung eingeengt werden will, ohne dass es den Hinweis auf Selbstkritik und eigene Veränderung wirklich gibt – das wäre auch eine Aktion in der Demokratie und nicht einfach gegen d8ie AfD und andere Faschisten.

Dazu demnächst ein zweiter Teil, konkreter und analytisch. Aber heute schon: die nachweisliche Abwendung von der Umwelt, die ja „eigentlich“ im Zentrum des Überlebens steht, gibt dauernd, auch heute, die Themen vor.

Irrsinn und Strafjustiz

Nicht nur die die Unterschichtmedien, auch manche seriöse Berichterstattung und Kommentare beschreiben Trump und Putin, oft auch andere PolitikerInnen, als wahnsinnig oder dement. Sie wollen damit deutlich machen, dass man diese Diktatoren nicht mit den Mitteln aufgeklärter Vernunft und Erfahrung bewerten dürfe, schon gar nicht „nur“ so. Wenn Trump oder Putin, oder einer von beiden, geisteskrank sind, ist das keine Diskriminierung, sondern eine Entlastung. Wenn ein Verbrecher an etwas nicht (gänzlich, gar nicht) schuld ist, dann kann man ihn nicht richtig bestrafen oder auch nur beschuldigen, man muss mit ihm umgehen wie mit einem geistesschwachen Menschen auch sonst (solche Menschen landen oft vor ihren Prozessen bereits in Irrenanstalten, nein, Gefängniskliniken natürlich) spätestens danach). Klingt doch ganz durchschaubar und vernünftig, nicht wahr?

Vor vielen Jahren schon hat sich Maren Hoffmeister des Themas angenommen: Emotionen im Fokus des Deutungsmusters Lustmord, vgl auch Maren Hoffmeister, Emotionen im Fokus des Deutungsmusters Lustmord – PhilPapers . Nun, es geht scheinbar nur um die Differenz zwischen psychopathischer und juristischer Wertung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aber im Kern ist die Frage der Schuldzuweisung mit juristischer und/oder pathologischer Beurteilung immmer politisch und damit auch gesellschaftlich, oft gesellschaftlich gegen die Staatlichkeit. Ob die Kirchen früher bei Hexen oder die Antisemiten bei Juden oder ob der Anschein schon die Verurteilung oder Einweisung vor einem (rationalen) Urteil ihre Macht in die Urteile haben einfließen lassen, ob Urteile auf Vorurteilen beruhen, das ist nicht geheimnisvoll, aber mühsam zu bedenken…zurück zu Trump und Putin, früher zu Hitler und Stalin oder…

Warum soll ein Diktator nicht verrückt sein, wenn er nur seine Macht zum Aufrechterhalten seiner Position nutzen kann? Umgekehrt, warum soll ein Psychopath nicht n+1 Menschen für sich einnehmen, von seinem Irrsinn überzeugen, weil sie Angst haben, weil sie ihn fürchten, weil er es ihnen bequemer macht, seine Sündenböcke als die ihren zu benennen (nicht notwendig: zu begreifen). Dass Sloterdijk dazu etwas schreibt, das nicht einfach die Fürsten des Machiavelli in der Gegenwart aufgreift, ist kein Zufall (Neues Buch – Peter Sloterdijk). Und auch andere, wie Da Empoli oder Ann Applebaum). Also: es geht um die Wirkung der Handlungen der Herrscher – früher der Fürsten – und nicht so sehr um unseren Schluss auf ihren Geisteszustand.

Dass sich die meist faschistischenm oder kriminellen Untergebenen der Diktatoren in die Dialektik von Strafe und Pathologie einmischen, verwundert nicht, ist aber bis zum Sturz des Diktators Nebensache. Aber wartet, bis Vance sich auf Trumps Sessel setzt….

Die Strafjustiz erreicht die Diktatoren so wenig wie das Völkerrecht. Wer sich den Diktatoren anbiedert, muss mehr oder weniger deren Diktat der „Normalität“ und nicht die eigene Einschätzung, was normal sei, akzeptieren. Das ist schwierig und verlangt von uns einiges Verständnis für unsere Regierung, auch wenn sie nur 0,8 % ist. Aber wie man an Meloni sieht, die kann auch anders. Die rechtslastige Sektion unserer Bundesregierung handelt jedenfalls kontrafaktisch, sowohl in der Justiz als auch in der Sozial- und Gesundheitspolitik. Was nicht bedeutet, dass die Opposition gerade wirklich gute gegenteilige Pakete schnürt, leider. Beide Gruppen, Regierung wie Opposition, ignorieren die Wahrnehmung, Denkfähigkeit und Leidensentscheidung der Bevölkerung – mit Ausnahme der Begünstigten und der noch immer Umnebelten, die auf sozialen und wirtschaftlichen Verzicht nicht im Mindesten vorausdenken. Schade, die sind jetzt schon rechts, und werden es bei den wirklichen politischen Ereignissen erst recht. Vorweggenommen von einigen Regierungsmarginalisten.

Hoffnung schillert durch den Nebel

Natürlich: die Ungarn Wahl, man kann und soll sich freuen, aber Vorsicht: auch hier siegt die konservative Demokratie über die „illiberale Demokratie“ des Faschisten Orban. Warum sollte es auch einen „linken Durchbruch“ geben, wenn einfach nur Demokratie angesteuert wird, und die ist nicht originäre links oder rechts.

Die Wucherungen faschistoider Einbrüche in scheinbar sichere demokratische Strukturen sind gefährlich, oft nicht erklärbar, und je weniger sicher die Demokratie erscheint, desto weniger sicher ist sie. Das ist kein Paradox. Die oft schwer erträgliche Diskussion um die gefährdete demokratische Struktur behandelt die Demokratie oft als Ideal, oft aber auch als beschädigte Realität, in beiden Fällen statisch. Das ist meine Kritik am Diskurs.

Zu keinem Zeitpunkt war Demokratie optimal und/oder für alle Menschen die fraglos beste Lösung. Sie ist „nur“ das beste Herrschaftssystem, verglichen mit anderen, aber nicht das beste an sich. Und sie bleibt nur das beste System, wenn sie sich immer weiter entwickelt. Das ist trivial, ich weiß. Ich will aber hier nicht auf die endlose oder endgültige D-Theorie hinaus, sonsern auf eine bestimmte Wahrnehmung: dass zum Beispiel das besondere an der demokratischen Republik, nicht irgendeiner anderen, so schwer diskutiert wird – da hat Ungarn uns einen Anstoß gegeben. Oder dass Demokratie im Konflikt zwischen Freiheit und Gleichheit nicht die Lösung in sich trägt, sondern die Ausgangsdifferenz, der Konflikt muss gesellschaftlich immer wieder gelöst werden, das ist Politik. Und nicht die Berufung auf die jeweiligen zehn Gebote der Politik als Religion der hoffnungsvollen, friedlichen Vorstellung. Die sollen wir schon haben, aber nicht als Fundament unseres Realismus.

Worauf ich hinaus will, ist etwa anders, verschoben. Vieles, nehmen wir einmal Deutschland, wird von einer 0,8 Regierung mit einem doch radikal rechten – (noch) nicht faschistischen Flügel – gegen die Einsicht sowohl des liberalen Kapitalismus als auch des sozial- und kulturpolitischen Widerspruchs gegen den Schrebergarten der oberen Mittelschicht, gar der Oberschicht, durchgesetzt (wie das teure und sinnlose Verbrennermotorevangelium der Großen Koalition). Die Ärmeren und Armen werden in nächster Zeit durch diese Politik viel verlieren – in Gesundheit, Bildung, Sozialsicherung – und das zu reparieren braucht es mehr als eines punktuellen Wahlerfolgs. Es braucht eine Weiterentwicklung der Demokratie – und eine Kritik am Faschismus dort, wo er wirklich faschistisch ist und nicht dort, wo er auch nur eine Variante der o,8 Politik verbreitet.

Seltsam: wenn und wo immer ich diese These verbreite und diskutiere, wird sie eher zustimmend akzeptiert, aber offiziell, d.h. staatlicher und parteipolitischer Seits, ist sie eher neblig verhüllt. Aber man sagt mir schon, ich sei seltsam. In diesem Fall hilft es mir, die Abwehr der Faschismen zu begründen und zu sagen, wo reden allein nichts nützt, man muss auch handeln. Demokratie tun heißt sie weiter zu entwickeln.

Glück als Waffe

Oft reden und schreiben Journalisten, Politiker und die massenhaften Laien (Schiedsrichter, Wettergünstlinge und Nachbarschaftshelden) über die Weltmächtigen, also z.B. den Verbündeten des NATO Generalsekretärs, also oft reden und schreiben sie als wären die Diktatoren und ihre direkten Handlanger auf der gleichen intellektuellen und geistigen Ebene wie sie – nur dümmer, unmoralischer, unberechenbarer als sie, die Kommentatoren, es sich eigentlich vorstellen.

Werte LeserInnen: hier sind alle Personengruppen männlich, nicht zufällig, und hier wird verallgemeinert trotz der mir bewussten Ausnahmen.

Gehen wir davon aus, dass die Diktatoren einen höheren IQ haben als die Kommentatoren, dass sie verschiedene Verhaltensweisen nach Lust und Laune anwenden können, ohne Sanktionen zu befürchten, dass sie mehr Macht über uns haben als wir kollektiv über sie, und dass ihre Pundits, Untergebenen, Handlanger und Arschkriecher eher faschistisch als demokratisch orientiert sind. Dann bedeutet das einerseits, dass diese Diktatoren Macht und Herrschaft über uns haben, die weder durch das Völkerrecht noch die aufgeklärte Vernunft wirklich geändert oder reduziert werden können. Das gilt für Xi, für Putin, für Trump. Hoch ist die Zahl der vielen direkten und indirekten Abhängigen, meist auch Diktatoren, aber nicht nur, meist untereinander verfeindet, aber dem jeweiligen Herrn untertan. Gibt es da einen Ausweg? direkt nicht. Was zählt, ist David – wir – gegen Goliath – sie.

Bleiben wir bei unserem Herrscher Trump. Der NATO Generalsekretär kriecht ihm in den Putin, die Presse zitiert Trumps unerträglich niedrige Schmähungen – wir täten so etwas nicht, unsere Regierungen auch nicht – etc. Als wäre wir alle im Ornat Goliaths. Oben steht „einerseits“. Was ist „andererseits“? Jedenfalls die Einsicht, dass auch Diktatoren mit hohem IQ verrückt sein können, geisteskrank, süchtig – So wie Hitler und Stalin gesagt hätten, sagen das Trump und Xi, Putin auch: Na und?!

Natürlich können wir damit umgehen, auch der Kapitalismus kann es, auch die Gesellschaftskritik kann es. Aber nicht frontal, wir sind wenige und müssen überleben. Dazu gehört, dass wir einsehen, dass es uns nichts nützt, wenn sein Geistesschaden dem Diktator schadet. Wir müssen so handeln, als bestimmten wir die moralischen und kulturellen Werte der Auseinander-setzung, und das heißt zunächst: nicht so konfrontativ, dass wir im Knast oder schlimmer landen. Und wie sollen wir handeln? Fragt nicht so komisch, ich hab es ja gesagt, und das Beispiel ist nur eines von vielen. Dass der Feind verrückt ist, werden wir im nachhinein ausführen können. Dass wir es wissen, kann uns jetzt nützen. Aber vor allem: dass wir nicht aus lauter Angst selbst verrückt werden oder uns zudröhnen, anstatt den Schmerz die Wirtklichkeit wahrzunehmen, zu ertragen – darum geht es auch.

Wolf und Lamm und

Über Gläubige mache ich mich nicht lustig, die brauchen so etwas, wie andere Natur oder Schicksal. Religion ist etwas anderes, seit Beginn der Menschheit gehört sie zur Gesellschaft wie Familie, Staat, Militär und die Trennung oder Vereinigung von Politik und Ökonomie. Kultur ist noch einmal etwas anderes, aber erst einmal: zwei Tage vor dem Ostersonntag wünsche ich zunächst

Frohe Ostern I

„Zu viel Karfreitag Von Heribert Prantl Ostern ist die Zeit, die wir erhoffen. Karfreitag ist die Zeit, die wir erleben. Der Weg von der Verzweiflung zur Entzweiflung. SZ 2.4.2026“

Dann sehen wir weiter. Glückwünsche kann man am Karfreitag schon brauchen, so traurig die Rundfunkmusik, so beschwerlich die Nachrichten (DW 3.4. 10.20): Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld: von Paul Gerhardt, und trauriges Barock, lest ruhig: Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld – Gerhardt , am Karfreitag sind die Protestanten noch trauriger als die Katholiken, die freuen sich schon auf die österlichen Freudensprünge. Vorher aber kommen noch andere Tiere in die Feiertage:

Neues vom Rottweiler! Sie erinnern sich: So nennt Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson ihren Persönlichen Referenten. Der Mann zeigte der Verwaltung erfolgreich die Zähne, um die vom CDU-Abgeordneten Christian Goiny geforderte Bewilligung von Förderanträgen durchzubeißen. (Tagesspiegel 2.4.2026)

Hier geht es aber um das Lamm. Das hatte man schon früh geopfert und gegessen. Seine Verbindung zu Gott, dem Gottessohn oder seiner Anhängerschaft ist kulturgeschichtlich interessant. Agnus Dei – Wikipedia . Da kann man mehr als Religionsgeschichte und Rituale lernen. Aber heute? Wenn man auch vegetarisch isst, so hat das Lamm noch immer Wolle und Emotionen. Und das Schimpfwort „du Schaf“ ist weniger aggressive als „Dumme Kuh“ und „Blöder Hund“. Soweit zur religionsgewürzten Alltagskultur.

Jetzt kehren wir das Blatt um. Warum gibt es keinen heiligen Wolf? Die Kinder lesen heute ja kaum mehr das Märchen „Rotkäppchen“, mit dem Wolfsbauch voller Pflastersteine (Rotkäppchen – Brüder Grimm). Die beiden Grimmigen Märchensammler, hatten viele Tiere vereinnahmt, Hase und Igel, Drosselbart usw.), aber der Wolf ist uns geblieben. Es lohnt, auch ohne Grimm: Die 10 beliebtesten Fabeln und Märchen vom Wolf, Damian. Der Wolf – Eine abenteuerliche Reise quer durch Europa und viele andere, nicht nur für Kinder und Jugendliche. Wir (BK und ich) haben noch eine ganz andere Sicht auf die Wölfe: warum werden sie im Alltag schlecht gemacht, oft mit bissigen Hunden verwechselt, in Westeuropa und zunehmend in Deutschland nicht nur wieder angesiedelt, sondern auch gejagt und verfolgt? Das ist in Osteuropa besser, weil die Schafsmetaphorik dort nicht so überhöht ins Mythische und Mystische gehoben wird wie im Rotkäppchen.

Wichtiger Einschub. Seit Jahrzehnten ist ein Mensch durch einen Wolf getötet worden, mitten in Hamburg. PEINLICH: In den Medien sind die ersten zehn (und mehr) Hinweise auf „Wolf“ diesem Vorfall gewidmet. Ernsthaft berichtet Wolf beißt Frau in Altona – Polizei fängt ihn am Jungfernstieg ein | ndr.de , aber nicht auf antiwölfische Schlagwörter: wolf beißt frau altona . (2.-3.4.2026)

Ernsthaft könnebn wir viel über Wölfe erfahren. Von der Gründung Roms (Romulus and Remus – Wikipedia) bis hin zur aufgeklärten Information: Wolf – Wikipedia , und natürlich die Wolfsunterstützer: Wölfe in Deutschland – NABU , auch beim WWF, da ist interessant: Die Wölfe sind in Gefahr und in Österreich Wolf: In Österreich streng geschützt & dennoch bedroht I WWF . Ärgerlich ist die deutschnationale Jagdhilfe durch die Bundesregierung, siehe auch Wolf jetzt im Jagdrecht aufgenommen | Deutscher Jagdverband. Dazu muss man sich schon entgegenstellen zB. Paternschaften für Wölfe annehmen.

Was hat das mit Ostern zu tun? Zunächst einmal mit der schäfischen Religionsneigung, die ja schon den kleinen Kindern vermittelt wird. Und für viele gehören zu Ostern Hasen, Lämmer und Schafe. Dann aber mit dem klassisch dualen Tugendverständnis: Lamm gut – Wolf schlecht. Das hat nichts mit Religion zu tun. Im Paradies der Religionensanfänge liegen ja Wolf und Schaf friedlich nebeneinander (In Jesaja 65:25 wird der Wolf friedlich mit dem Lamm weiden, was ein Bild für Gottes zukünftigen Frieden und die Überwindung von Feindschaft ist.)

Da können wir noch viel dazu erfahren, aber schaut euch bitte auch die Videos über Wölfe an, das sind schon schöne und kluge Tiere. Dass „Wolf“ auch ein Name ist, dass der Werwolf ideologisch nachbedacht wurde, dass Wölfe wichtig für die Literatur sind

Jüdische Kritik notwendig, depri.

Israels teilfaschistische Regierung hat ein Todesurteilsgesetz gegen Palästinenser durch die Knesseth gebracht, mit einer peinlich großen Mehrheit (68 Stimmen), rassistisch, wie nicht nur die Opposition sagt. „Zivilisatorischer Rückschritt“: Scharfe Kritik an Israel wegen Todesstrafe – news.ORF.at; Israel Passes Bill Mandating Death Penalty for Palestinians Convicted of Lethal Acts of Terrorism – Israel Political News etc. Es gibt im Land Kritik, mäßig? und international folgenlose Ablehnung. Israel ist der globale Sonderfall, scheinbar begründet, und die deutsch-israelische Selbstbindungen – kennt ihr die Gründe? – ist geradezu peinlich – für uns Juden, und für andere Menschen. Es geht Israel nicht darum, Terroristen zu bestrafen, abgesehen von der Unsinnigkeit der Todesstrafe, es geht darum, die Zweistaatenlösung zu verunmöglichen und womöglich die Palästinenser zu vertreiben, ebenso wie die Menschen aus dem südlichen Libanon. Israel ist nicht jüdisch, in dem Sinn, dass jüdisch nicht rassisch, sondern moralisch-kulturell definiert ist, historisch und gesellschaftlich. Die Differenz zwischen Juden und jüdisch bestimmt auch mein Bewusstsein, und damit Teile meines Lebens und der Geschichte, wie es dazu kam.

Israel und Palästina sind so wenig im Zentrum meines Alltags wie der Zionismus, die Kritik daran, und der Antizionismus, aus dem auch Netanjahu kommt. Aber das reicht nicht. Und es zerteilt und zerfurcht mein jüdisches Selbstbewusstsein, das ja zum Lebensvollzug gehört. Ich bin da nicht allein, berufe mich nicht nur auf Hannah Arendt und meine Familiengeschichte und auf Erfahrungen in Österreich, Deutschland und Israel, auf Freunde und Gegner.

Dany Cohn-Bendit schreibt: „Ich empfinde zutiefst die Legitimität sowohl der Israelis als auch der Palästinenser, und mit Sorge stelle ich fest, wie völlig abgeschottet sie gegeneinander sind. Auf beiden Seiten ist jeder am Ende einer „Die-oder-wir“-Logik angelangt., bei der es nur noch darum geht., sich für eine Seite zu entscheiden. Niemand hört mehr zu, niemand will sich überhaupt noch verständigen. Und ich, ich fühle mich eingekeilt zwischen diesen beiden Denkweisen, die beide, die eine wie die andere, gleichermaßen legitim wie verrückt sind und miteinander kollidieren“ (Cohn-Bendit 2026, 12-13; lest den ganzen Absatz davor). Hinweis auf Omri Boehm, auf die israelische Opposition, auf die Geschichte und Entwicklung des Zionismus, und auf uns jüdische Juden, deren Eltern und Großeltern den Faschismus, den Weltkrieg, Gulag überlebt hatten.

Israelkritik reicht nicht. Die Staatsräson, der Zentralrat, Ron Prosor, die Hamas, … all das sind Ergebnisse, nicht Gründungspotenziale falscher Politik und Ideologie. Ebenso wenig reichen die Erklärungen und Marginalisierungen der antisemitischen, antiisraelischen, rassistischen und oft islamistischen und propalästinensischen Agitation und Demonstration. Und gerade in Deutschland fehlt nicht nur Wissen, fehlt Bildung, fehlt auch die Identifikation mit einem Humanismus, der nicht gerade die deutsche Geschichte zum Leitbild hat.

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Was tun? richtig gefragt. Es geht nicht nur um das Bedenken, um die Kritik, sondern um das lebendige Handeln als jüdische Menschen, nicht einfach als „Juden“. Dazu habe ich jahrelang geschrieben, vorgelesen, gehandelt und mich mit meinen Freunden in Israel auseinandergesetzt, das heißt überwiegend zusammengesetzt. Auch mit meinen jüdischen Bekannten in Deutschland und Österreich, auch mit den palästinensischen Bekannten, die ich eben kenne. Aber im Kern bedeutet Israelkritik auch Kritik an der Geschichte des Landes, das erst 1948 ein Staat wurde. Und das ist nicht die Geschichte des verschnürten britischen Koloniallandstrichs, sondern beides: Weltgeschichte und Geschichte der jüdischen Selbstbefreiung (nicht ganz allein….) aus dem Antisemitismus, der Unterordnung unter die landlose Menschlichkeit, und der Deutung, Entwicklung, Stärkung und Schwächung von Zionismus.

Literatur dazu findet ihr vorletzte Woche im Blog Israel, Gaza, Zionismus, – und wir?

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Als Jude kann man sich vom Judentum nicht befreien. Aber ob und wie man jüdisch lebt, kann man schon entscheiden. Darum werbe ich meinem Blog nicht. Die Hinweise können reichen, euer und ihr Bewusstsein zu schärfen und zu stärken. Die paar Zeilen von Dany Cohn-Bendit sind wie ein Eintritt in eine Welt, deren Spaltung wir nicht mit einfachem Willen aufheben können.

Meloni wankt? Weimer schwankt?

Unsinn mit Hintergrund:

„…Now Ms. Meloni’s authority is suddenly in question. Voters on Monday rejected her plan to overhaul Italy’s judiciary — after a referendum race in which she had seemed so confident of victory that, until just weeks ago, she left most campaigning to allies. Italy’s disorganized opposition now senses a moment to regroup, while the national press describes a newly hobbled government.“ (Motoko Rich, NYT 24.3.2026). Sowenig, wie punktuelle Abenteuer private Beziehungen grundsätzlich beschädigen, sowenig ruiniert ein Ereignis ein Regierungssystem. Klar, eine Delle, eine akute Beschädigung. Und klar, die Italiener sind alerter als viele andere. Aber jetzt Schadenfreude, und von welcher Seite?

Und bei uns:

„Auf Kritik am Kanzler folgt der Förderstopp: Geldentzug für ein Berliner Demokratieprojekt: Straft das Innenministerium unliebsame Meinungen ab? „ (SZ 26.3.2026). Natürlich ist der Innenminister, natürlich der Kulturminister, natürlich die Regierung nicht am kulturellen Fortschritt interessiert. Wundert das? Und wenn ja, wen und warum?

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Warum sollten Alleinherrscher wie Trump auf unsere Gerechtigikeitsideen eingehen?

Warum soll eine faschistische Politikerin sich demokratischen Regeln unterordnen, wenn sie die grundsätzlich nicht anerkennt?

Warum will eine deutlich rechtslastige Regierung in der Demokratie nicht ihre Position und Verankerung rechts von der bisherigen politischen Verhaltensgeschichte verbessern?

Das Problem der Antworten ist die seit Jahren erfolgende Infiltration faschistischer und populistischer Gegenpolitiken in Demokratien, auch wenn sie weder die Regierungsmacht noch die antidemokratische Volksmehrheit haben. Wenn die Faschisten regieren, ist es noch einmal anders, da versuchen sie oft, eine Anhaftung an Demokratien für ihre Anerkennung zu demonstrieren. Dazu muss man auch die Geschichte der Faschismen ein wenig genauer studieren…

Das gilt für die EU, für die meisten europäischen Staaten, also auch für uns. Dass es eine besondere Kommunikation zwischen den christsozialen und -demokratischen Parteien zu den Faschisten gibt, ist nicht neu, auch die Differenzen und Brüche sind bekannt. Dass es zur Zeit mehr faschistische als demokratische PolitikerInnen gibt, die wahrhaftige und überzeugende Verhältnisse auch persönlich repräsentieren, ist ein besonderes Problem, für mächtige Staaten wie Deutschland mehr als für kleine Länder. Meloni muss man als politische Person jedenfalls ernster nehmen als die deutsche 0,8 Politik…dazu später einmal.

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Selbst wenn man all das akzeptiert, sollte man einsehen, dass das demokratische Überleben und die Reduzierung der Abhängigkeit von Diktaturen nicht ohne eigene Beiträge gehen kann, und ob ich sie Opfer oder Investitionen nenne, ist eine ideologische, keine reale Frage. Befreiung ohne eigenen Beitrag wird wohl nicht gehen. Einer der ersten Schritte sollte das Selbst-Bewusstsein der eigenen Realität und der Vernachlässigung in der Vergangenheit der letzten Jahrzehnte sein, noch vor einer ohnedies weltweiten Kritik an den drei Nukleardiktatoren. Darum beschimpfe ich den Diktator Trump, unseren Zügelhalter, auch schon lange nicht mehr, er ist ein Selbstherrscher, der über unsere politischen Grenzen verfügt, – auch wenn uns das nicht passt. Aber um uns weiter zu befreien, müssen wir schon etwas tun.

Opposition gegen die Regierung ist dabei nur eine Facette. Wir werden und sollen nicht wiederholen, wie absurd die Pronomina ich und wir in der 68er Politik waren, und wie gescheit Dany Cohn-Bendit das von heute aus beleuchtet (Cohn-Bendit and Van Renterghem 2026). Aber die eigene Widerstandskraft gegen die Faschisten muss doch vor allem auf der intra-rationalen Identifikation mit einer weiter zu entwickelnden Demokratie bestehen, und nicht auf Kompromissangeboten als Ausgangspunkt der Auseinandersetzung. Natürlich kann, aber muss nicht, eine Reihe von Kompromissen als Ergebnis von Politik sich entwickeln. Da können wir besser sein als die Faschisten, aber dazu müssen wir etwas einsetzen, nicht erwarten.

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Vor drei Monaten am 20.12.2025 hatte ich in einem Blog darüber geschrieben, wieso und wie sich die AfD normalisiert, um ein „anderes Land“ von innen her zu erobern )ZEIT 17.12.2025). Mittlerweile nimmt die Normalisierung der Faschisten zu. Mittlerweile ist die Einsicht schon präziser und härter, bleiben wir bei der liberalen ZEIT: „Mit Protest hat das nichts mehr zu tun“ – Die politische Mitte verliert, die AfD gilt vielen als normal, man zieht sich zurück. Das zeigt die neue Jugendstudie (Simon Schnetzer, 20.3.2026, ZEIT #14).Mir scheint, dass die Vieldeutigkeit der Mitte ein Problem ist: wenn sie als Kompromiss vor dem Konflikt angeboten wird, kann sie nicht gewinnen, sie kann ein Ergebnis sein.Mitte ist auch nicht ein ideologischer oder gar liberaler Punkt zwischen „rechts“ und „links“, weil diese beiden Begriffe ja immer weniger bedeuten, siehe oben. Aber man wird Einzelpersonen und Gruppen daran messen, wie sie mit der normalisierten Faschistenpartei umgehen. Und dabei soll man nicht beiseite sehen, warum es mit diesem Umgang geht. Wenn sich Demokraten mit Faschisten über die Wetterprognose oder die Höhe von Wohnhäusern austauschen ist das etwas anderes als Rassismus, Faschismus und vertikale Herrschaftsansprüche. Eigentlich wissen wir das ja, aber in der Kommunikation tritt oft das Nebensächliche, der Rahmen, hervor und nicht das Bild.

Manchmal braucht man Anleitungen zum kritischen Diskurs, Habermas, Kluge werden jetzt vielleicht auch genauer gelesen, Auf die letzten Kapitel bei Cohn-Bendit weise ich hin, immer weiter auf Hannah Arendt, aber auch auf die Wahrnehmung der Entschleierung der selbst-täuschenden deutschen Wahrnehmung von Politik im Globalen (lest mal Peter Sloterdijk, „Der Rückfall in die Seriosität wird schrecklich sein“, ZEIT 24.3.2026, #14). Aber ja, wenn sich der Nebel aus dem Bewusstsein schleicht, wird die Welt nicht schöner. Aber man bekommt Boden unter den Füßen.

Cohn-Bendit, D. and M. Van Renterghem (2026). Erinnertungen eines Vaterlandslosen. Berlin, Jacoby & Stuart.

Osterhasi ante portas

Der große Polt hat Osterhasi hinreichend gewürdigt: Zugleich einen Feiertagsgruß an einen der letzten richtigen Kabarettisten (Vgl. Gerhard Polt – „Das ist ein Osterhasi, kein Nikolausi“ – Bayern – SZ.de). Osterhasi Gerhard Polt – Nikolausi – Nein, Osterhasi – YouTube.

Immer hin ist der Osterhase weniger mit Schattenseiten versehen wie der Weihnachtsmann oder Krampus. Immerhin sind die Hasen von Lindt goldig schöner als andere Schokofetische, und es stimmt ja: Ostereier sind heutzutage praktischer als Weihnachtsbäume (von denen übrigens die letzten in der Nachbarschaft entsorgt wurden). Da ich ja aus Österreich komme, erinnere ich an die Schülerwitze von Osterei, Österreich, Oststeiermark usw. Da haben wir Kinder ans Eiersammeln gedacht. Aber heutzutage ist das ja nicht mehr allgemein so lustig, nur teilweise. Auch kann man die Eier mit sorgfältig ungiftigen Farben bemalen, das war nicht immer so. Und ein veganes Ostermenu erfreut nicht nur die überlebenden Hennen, sondern auch den Diskurs und die vegetarische Hoffnung…

Kein Angst vor einer religiösen Abkehr von der Politik, die ja heuchlerisch die Feiertage zum Waffenstillstand und zur Wiederaufrüstung in den ärmsten Kriegs- und Hungergebieten benützt. Ich höre mir sogar Teile dieser Heuchelei im Rundfunk an, um mir ernsthafte Gedanken über den Stillstand der Evolution zu machen. Aber für mich ist die Hauptsache die Erinnerung säuberlich von der gegenwärtigen Wirklichkeit zu trennen und die Zahl der Ostereier auf das Minimum an bunten Geschenken an den Türen des nächsten Sonntags zu reduzieren; hinter den Türen Aufstehung, eine Stunde später oder früher, wie man die Uhrzeit bewertet.

Aber ganz ohne Ostern geht die Erinnerung ja nicht: der Ostermarsch nutzte die freien Tage, in kleiner Form nutzt er sie bis heute, um für den umfassenden, einseitigen Frieden aufzutreten, sich wandernd und singend kennenzulernen, und einen Beitrag zur Verharmlosung von Politik zu leisten. Noch waren wir im Westen ja nicht von den Diktatoren im Osten einvernommen, dann hätten wir ohnedies nicht so demonstrieren dürfen. Aber Vorsicht: lange Zeit war der Ostermarsch aufrichtig „gemeint“, undurchschaut…also keine nachträgliche Herabwürdigung, eher Kopfschütteln. Heute, naja, da kann man Verteidigung anders als naiv-pazifistisch diskutieren, in Abkehr von der zu einfachen Krieg&Friedensrhetorik (Noch einmal ein Hinweis auf die wirklich klugen und wichtigen Retro und Per Spektiven des 80 jährigen Dany Cohn-Bendit). Viele von uns haben vor mehreren Jahrzehnten seltsam innerhalb der Linken, manchmal auch in der Mitte, mäandert. Aber es war und ist ja nie zu spät, statt der Märsche zu Ostern andere Segmente der Zeitverschiebungen in Anspruch zu nehmen: Die reaktionäre 0,8 Regierung auf die Umwelt hinzuweisen – und die umweltresignierten Volksmassen dazu. Das wäre ein Fokus einher Neubelebung von Demokratie, weil Umwelt nicht in das marxistisch-kapitalistische Duo Politik-Ökonomie passt, sondern unser Leben an das Überleben unserer Kinder und Enkel bindet. Es reicht wohl nicht, umzudenken und individuell zu handeln, es muss schon eine politische Verschiebung der Achsen von Herrschaft und Machtausübung, aber auch von Lebensführung geben, und wie sollen die verschoben werden ohne uns. Mülltrennung war nur ein Anfang…kein Fortschritt.

Auf all das komme ich nach einem langen Spaziergang mit meinem Hund in den menschenarmen Morgenstunden. Der Park ist eben nicht nur „grün“, sondern er gehört zum Rahmen der wirklichen Lebenswelt, zur Umwelt, und da kann man schon viel erkennen, das über die Mülltrennung hinausgreift. Nicht, dass ich spzieren gehen müsste, um darüber nachzudenken, aber es ist schon gut, der Wahrnehmung des Zeitdrucks auf die Umwelt nicht zu entgehen, wenn man schon im Park geht, und keine Osternester findet.

Israel, Gaza, Zionismus, – und wir?

Die gegenseitigen Kontroversen sind eine Sache, in die ich hier nicht einsteige. Die Geschichte und die Auswirkungen auf die Politik, Kultur und unser Verhältnis zu Israel ist eine andere Sache, auf die ich schon hinweisen muss, teils professionell, teils als jüdischer Mensch, teils als Kosmopolit. Deshalb ein kleiner Ausschnitt aus einem sehr komplizierten Patchwork.

Angestoßen und aufgeregt haben mich die Zionismusabgesänge der derzeitigen Regierung, die Politik der Regierung Netanjahu, die Politik der Hamas und der arabischen Verbündeten, und, nicht paradox, die Unterstützung der USA durch Israel im Krieg gegen Iran – werte LeserInnen: lassen wir einmal die Realität der Kämpfe und gewaltreichen Konfrontationen, der Verwundeten und Toten beiseite, und konzentrieren wir uns auf die Diskurse dahinter.

Lange Zeit haben bestimmte dogmatisierte Bilder der Zionismus, der Geschichte des Gebiets von Palästinensern und Juden (und Drusen und…etc.) anscheinend ausgereicht, um das besondere Deutsch-Israelische Verhältnis über das Jüdisch-Deutsche Verhältnis zu stülpen, das aber wiederum die deutsche Sichtweise von anderen deutlich unterscheiden lässt.

Dazu kann ich sehr zwiespältige professionelle Auskünfte und Schlussfolgerungen geben, d.h. ich könnte, mache ich aber nicht, weil es eine zweite Ebene gibt, die nicht einfach subjektiv ist, sondern gespalten: Als Jude habe ich eine genaue Vorstellung dessen, was jüdisch ist, und wenn ich sage, dass nicht alle Juden jüdisch sind, und dass Israel nicht implizit jüdisch ist, dann folgt aus diesem Indikativ die Konsequenz, meine!, dass ich keine Lösung in der Politik finde, je mehr ich von dem begreife, was seit mehr als hundert Jahren, mehr als 3000 Jahren, mehr als 50 Jahren auf der Landbrücke sich ereignet.

Warum ich mich dann öffentlich äußere? wenn Sie wollen, aus didaktischer Aufklärung, wenn Sie wollen, aus Korrektur der Korrekturen meiner professionellen Bearbeitung von Israel und Palästina, wenn Sie wollen, um die Differenz zwischen dem Judentum in Deutschland und dem in Israel und dem in Europa order global zu beleuchten. Das alles zusammen würde eine noch umfangreichere Dramaturgie als die „Letzten Tage der Menscheit“ von Karl Kraus brauchen, und wenn ich die „Letzten Tage des Judentums in Israel“ so nenne, kann ich ohnedies nicht zurück – es bleibt also bei der unvollstän-digen Einleitung, sozusagen einem Prolog zu dem, was ich ohnedies nicht schaffen kann. Aber immerhin, die These ist ja schon deutlich.

Einfacher kann ich es auch einleiten. Ich halte mich erstmal an Amos Oz, an David Grossmann, an eine Reihe durchaus kontroverser Historiker wie Tom Segev oder Benny Morris, und bin aufgeschreckt durch neuere Literatur, die ich zum Teil schon kritisiert habe.

Die Einsicht gebe ich jetzt, wobei natürlich die Liste nicht das ist, was ich alles gelesen habe, sondern was zu dem gehört, worüber ich mir jetzt den Kopf zerbreche:

Evil in the Westbank
D. Shulman
NYRB 2026 Vol. LXXIII Issue #4 Pages 10-11

`Dirty Work
N. Thrall
`NYRB 2026 Vol. LXXIII Issue 5 Pages 28-30

Benny Morris: 1948 and After. Oxford UP, 1994

Benny Morris: Die Geburt des palästinensischen Flüchtlingsproblems., Berlin 2025

Joseph Croitoru: Die Hamas.. München 2024

Ron Leshem Feuer. Berlin 2024

ZEIT Geschichte: Israel und Palästina 1/2026 –: sehr problematisch wegen der vielen historischen Leerstellen, aber in einigen sehr guten Artikeln hilfreich

Und natürlich unverzichtbar: Amos Os: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis, Suhrkamp 2008, Orig. 2001. Dass darin der junge Netanjahu vorkommt, ist nicht nebensächlich, aber Oz ist viel mehr: die Dialektik der Ansicht Israels aus der kritischen Wahrnehmung der Heimat. Dazu passt als schmaler Ausschnitt: Joshua Cohen: The Netanyahus, NYRB 2021. Und natürlich Grossman: Der gelbe Wind. Kindler 1988, über den Krieg 1967

Über weitere Literatur gebe ich gerne Auskunft. Wichtig sind mir auch Eva Illouz, von ihrem Anfang an, und die Rabinerin Delphine Horvilleur. Und ich bin nicht wirklich befreit, die vielen weiteren Namen hier nicht aufzuzählen. Denn um meine Bildung geht es hier nicht, es geht um die Einbildung eines möglichen Ende jüdischer Hoffnung, gloabl und kosmopolitisch mit Israel als als einem Ort der Hoffrnung.

*

Über die jüdische Geschichte und Gegenwart, vielleicht Zukunft, entsteht sozusagen als vorausblickendes Gedankenexperiment eine Hoffnung, bei der es so wenig um das eigene Erleben geht wie die Frage, ob der in der Wirklichkeit auftretende Messias schon der richtige sein kann. Dazu kann ich immer wieder schreiben, nie ein weiteres Kapitel, immer wieder den Absprung wagen.

Aber es kommt noch etwas als Gegenpol zum global sich ausbreitenden und auch bei uns sich wurzelnden Faschismus? Die Verbindung wundert euch weniger als die meisten. Aber sie zieht den Schleier von den Augen.