Nasenring

Als der Zirkus in Flammen stand…

Eines der schönsten Lieder von Georg Kreisler. Und natürlich rennt alles, das nicht verbrannt ist, kreuz und quer durch die Straßen der Stadt, rennet, rettet, flüchtet.

Nur seelenruhig zieht der Bärenführer Donald seine Teddys hinter sich her, am Nasenring. Das Maas-Bärchen, ein drolliger Fremdsprachler, knurrt nicht einmal, wenn der dreiste Grenell statt Botschafter zu sein, Hetzbotschaften für die deutschen Wirtschaftsbären loslässt (die auch Nasenringe tragen, aber meinen, der Markt hätte sie ihnen verpasst); wenn der deutsche Bär den Botschafter einbestellt hätte, wäre für den ein Nasenring eigentlich auch ganz gut angestanden. Donald führt auch das Bärenröschen, so gar nicht pummelig und höchst aufrecht, es hat ein Ringpolster verpasst bekommen, als sie Donalds Geldforderungen verteidigte, damit die europäische Armee nicht auch die NATO bedrohe; gern habens die Grizzlys gehört, dass jemand die amerikanischen Bärenführer verteidigt und nicht immer nur mäkelt. Ja und unsere Bärenmutti hat längst Frieden mit der Massentierhaltung NSA geschlossen, keine Spur von Missbrauch mehr, und ihr Nasenring ist von Melania mit einem speziellen Parfum eingesprüht worden (Moschus und Florida).

Eigentlich wollte ich ja über das hündische Benehmen der deutschen Großkopferten schreiben, wie sie sich demütigen vor dem Donald. Aber da ich einen lieben und klugen Hund besitze, wäre „hündisch“ eine Beleidigung der Schöpfung und zu viel der Ehre für den Trump. Sein Problem ist nur, dass er den Zirkus anzünden muss, um mit den Bären losziehen zu können.

*

Also keine Tiervergleiche. Trump könnte man natürlich alle Formen historisch gewachsener Metaphern anhängen, und bei einigen Adjektiven assoziieren viele gleich ein Tier mit…soll man aber nicht, es muss uns schon etwas menschliches einfallen.

Von Putin lassen sich nur ein paar praecocte Jugendliche mit einem Ring durch die Arena ziehen, in der Hinsicht geht von ihm weniger Gefahr aus, wenns zu arg wird, vergiftet er halt schnell einen Widerständler. Die Unterwerfung unter die Amerikaner durch Regierung, Industrievorstände und andere Nutznießer ist eine spezielle Form der Bündnistreue. Hier geht es nicht um die Verteidigung des Westens, wenn man als Tanzbär die Aushebelung der amerikanischen Demokratie unterstützt, und damit unsere eigene gefährdet.

Die deutschen Eliten haben Angst (das haben sonst nur die für die AfD abgehängten Randschichten). Die deutschen Eliten haben Angst: wenn sie den Iran-Sanktionen widersprechen oder gar trotzdem mit dem Land Handel treiben – was sinnvoll ist, dann fürchten sie als Freunde oder gar Verbündete des Iran missverstanden zu werden. Abwegig. Diese Angst gibt es auch bei der politisch sich links verortenden Randgruppe: wer sich von Putin oder gar Assad distanziert, kommt in den Verdacht, ein Anhänger Trumps zu sein. Igittigitt, da helfen keine Argumente. Wer Netanjahu kritisiert, kommt in den Verdacht, ein Freund der Hamas zu sein, wer Netanjahu nicht kritisiert, kommt in den Verdacht, die Palästinenser nicht zu mögen, und wer beide kritisiert, kann ja gar nicht mehr in den Boulezsaal gehen und Musik von beiden hören. (genauer: https://boulezsaal.de/de/barenboim-said-akademie).

Was sich da an Lügen und Verdrehungen bei der Sicherheitskonferenz ansammelt, ist schon am ersten Tag schlimm, und wird mit Lavrov und Pence noch schlimmer, wenns geht. Vielleicht ist der Zirkusbär doch eine gute Metapher, weil der Nasenring gegenüber der zweiten Garnitur europäischer Politiker*innen die langsam erprobte Waffe des amerikanischen Narzissten ist. Der braucht gar keine Zölle erheben, wenn er grunzt, schweigt das Publikum im Parkett ergriffen.

Und alles nur aus Angst. Dafür können die Deportationssektierer Seehofer und Hermann immer wieder auf sichere Länder verweisen, in Afghanistan sterben ja nur Kinder, und die schiebt man noch nicht ab…und sie haben ja ein Vorbild an der mexikanischen Grenze, der Trump hat ja recht, da kommen doch die ganzen Drogen, Huren und Arbeitskräfte ins Land, igittigitt, Sklaven darf man ja keine mehr einführen. Scheuer hat Angst vor Daimler, Maas hat Angst vor Pompeo, Merkel hat Angst um die alternativlosen Unterwerfungsgewinne, die SPD hat Angst, dass die Braunkohlenverfechter von ihren Kindern beim Ersticken beobachtet werden, obwohl sie noch einen Arbeitsplatz haben, bätschi; die Grünen haben Angst, dass ihr Erfolg in der Mitte wirklich ihnen, den Grünen, zugerechnet wird und nicht einfach der Dummheit der anderen (weshalb einige Grüne gerne nach Links gehen möchten, da braucht man keine Angst mehr zu haben, weil man da auch nicht gewählt wird). Die CDU hat Angst, dass die Kinder, die von ihren Männern gezeugt werden, von den überzeugten Frauen nicht ausgetragen werden: wo komme wir denn da hin, wenn jeder Fremdgänger so bestraft wird…Und ich mach einen Angstkatalog, ganz und gar ungeordnet. Es ist nämlich egal, wo man anfängt: ein kluger Hund verbellt vor allem diejenigen, die zeigen, dass sie Angst vor ihm haben.

(Aber so klug sind Grenell und Trump nicht zusammen).

 

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