Finis terrae XX: Nichts tun. Tunix. Oder globaler Zwischenfaschismus

Ein schwieriger Blog. (Ich berichte eingangs, dass der fertige Text durch ein Versehen gelöscht wurde. Die Erinnerung muss korrigieren und erneut schreiben. Das ist gut so in Zeiten wegbrechender Gewissheiten).

Das Klimaziel – <2° C wird nicht erreicht. Unwiederbringlich wird diese bewohnbare Erde verschwinden. Die Dummköpfe, die noch immer die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie predigen, werden verstummt sein, wenn ihr Enkel längt um ihr Leben bangen. Der Dummheit wird kein Denkmal gesetzt, aber der Zorn der Enkel wird ihren Todeskampf nicht leichter machen. So viel steht fest.

Warum müssen dann in dieser schmalen Zeit zum Ende der Welt die bislang wenigen haltbaren Befestigungen unserer menschlichen Gesellschaften auch noch in Blut- und Gewaltorgien gefärbt werden. Die globalen Konflikte und die Beschränktheit der zunehmenden Zahl autoritärer Herrscher („Selbstherrscher“ hieß das einmal) lassen eine ungute Übergangszeit vor dem Schritt in den Abgrund erwarten. Keine Apokalypse, beileibe nicht, und keine Eschatologie kann da aushelfen. Ich zitiere auch keine Prophezeiungen oder Textstellen aus heiligen Büchern, die sind ja vergangen und gleichgültig.

Warum sind die Menschen (Gattungsmehrheit, nie alle, nie überall, aber verallgemeinerbar) so blöde? Erklärungen werden schon mal lauter und wenig geschliffen geliefert: die Evolution ist erschöpft, die Problem wachsen, aber wir können ihnen nicht mehr folgen und resignieren vor dem, das eintritt. (Also nicht die Frosch-Strategie, zu strampeln, bis wir wieder festeren Boden unter den Füßen haben; oder gerade die Froschstrategie, ohne an den Erfolg zu glauben (so zB. die deutsche GroKo mit ihrem Ziegenköddel-Klimapaketchen); oder die Eliten (nur wer im Überfluss lebt, imaginiert den Hunger Armen; oder ein spezieller Pöbel, der sich die Allüren der Oberschicht anmutet und nichts tut (Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist); oder die Eselstrategie, zwischen zwei Problemhaufen sich nicht entscheiden zu können und deshalb aufrecht zugrunde gehen, obwohl es bei richtiger Problemwahl eine Chance gegeben hätte, eine Chance, keine Sicherheit.

Ich denke, dass die erschöpfte Evolution noch die haltbarste Hypothese ist, aber es kann auch einen kontaminierten Mix aus mehreren Gründen für die Antwort geben.

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Auffällig oft wird in diesen Tagen Hölderlin zitiert, es „naht sich das Rettende auch“. Woher? Einzig plausible Begründung wäre, dass unsere Kapazität, uns als globale Spezies zu retten, plötzlich aus der lethargischen Destruktivität in ihr Gegenteil umschlüge. Das ist aber erkennbar unwahrscheinlich.

Vor dem Ende eine verheerende Endzeit anzukündigen, damit die Erlösung besser gefalle, ist ein altes Mittel der Jenseitsreligionen, den Abschied vom Leben zu versüßen: Brand, Mord, Vertreibung und Folter, das alles wird ein Ende haben, und dann, ja dann…Unsinn.

Tritt die angekündigte Endzeit ein, steigt die Hoffnung nicht, sie erodiert in eine moralische Gleichgültigkeit und praktische Barbarei. Wobei die Untaten der stärkeren Gewaltherrscher entsprechend größer, globaler sind als die der kleineren. Einen Orban kann man leichter aus dem Feld schlagen als einen Trump oder XI.

Wenn sich die Zukunft auf die Fortsetzung falscher Politik in die schlechte Unendlichkeit fortsetzt, dann ist das ein Argument für die Hypothese von der erschöpften Evolution (das Argument fehlt bei Hararis Homo Deus, der uns alt werden lässt, aber weder die Demenz noch die Unfähigkeit, aus der Reife Gewinn zu ziehen, hinreichend einbezieht).

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Die deutsche Jugend steht positiv zur Demokratie, aber sie traut der Politik (den Politikern) nicht (zu), die Probleme der Gesellschaft zu lösen. Das ist nicht unlogisch. Die Sensibilität für die Generationenfrage verlangt nach einem Regimechange. (D.h., dass auch brauchbare Erfahrung meiner Generation für die Future of Fridays diskreditiert ist, kein Bündnis in Sicht?). Sie verlangt auch nach anderen Mitteln, wohlgemerkt: der Demokratie, nicht nur dieser allerdings.  Implizit steht die gesellschaftliche Gewaltdrohung immer dort an, wo die Untätigkeit x Unfähigkeit der Regierenden so evident ist, dass die oben beschriebenen Probleme – Klima & Krieg – nicht angegriffen werden. Werden sie aber angegriffen – nicht, in dem man Fliegen um 10€ teurer macht oder Zufahren um 5€ billiger – werden sie ernsthaft angegriffen, bedeutet das Verzicht und Umdenken für alle, auf der materiellen Ebene ganz sicher wieder zulasten der Ärmeren. Davor schrecken die Sozialdemokraten zurück, die AfD Nazis profitieren davon, die Konservativen vermitteln. Das wird es auch bedeuten, wenn man nichts tut, aber viel brachialer und schmerzhafter. Aber so weit denken die meisten Menschen nicht in die Zukunft, weil ihnen das Schicksal ihrer Kinder und Enkel tatsächlich meist scheissegal ist. (Caveat: das gilt für so viele, dass ich verallgemeinere, wohl wissend, dass für mich nicht gilt und viele andere auch nicht…aber nehmen wir die Argumente der Kohlekumpel als ein Beispiel, dann wisst ihr, was ich meine). Anders gesagt, gegen die Parteiprogramme der alten Linken: Unsere Kinder können es nicht besser haben, unsere Enkel fechten es nicht aus, es sei denn…

Vor dem richtigen Handeln kommt die Politik, vor der Politik die Demokratie, vor der Demokratie die Einsicht, dass zumutbare Veränderungen unserer Lebenswelt nicht durch einfache Absagen an das System zu erzielen sind, also auch nicht durch seine Zerstörung – wie das die Nazis und Bolsonaros und Erdögans etc. gern hätten. Sie müssen verhandelt werden, also: Umdenken.

Einwurf meiner Kritiker und früherer Blogs: haben dann die Verfechter von Erziehungsdiktatur, incl. Herbert Marcuse, nicht doch recht, und muss man die notwendigen Maßnahmen nicht erzwingen, wo zum ausdiskutieren keine Zeit bleibt, und sei es mit Gewalt?

Selbst wenn wir uns alle mit guten Gründen für eine negative Antwort entscheiden: wie lauten die Alternativen?

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Ich sagte oben: Klima & Krieg seinen die Wurzeln aller anderen globalen Probleme. Ein Fest für Ableitungsexperten und Ordnungsfanatiker. Um ans Klima heranzukommen, sollten wir die Krieger bekämpfen, wenn es sein muss, mit Gewalt.  Solange die Krieger nicht fürchten, ihre Macht zu verlieren, kommen nur unbrauchbare Placebos aus der Klimapolitik. Das haben z.B. die Rüstungsexportgespräche gegenüber den Mörderregimen Türkei oder Saudi Arabien deutlich gezeigt. Und da dürfen uns die Arbeitsplätze bei Krupp-Atlas, Heckler&Koch, Krauss Maffei etc. nicht stören.  Wir brauchen Menschen, die etwas anderes lernen und können, das Umschulen geht oft ganz fix, und natürlich: die Einkommen werden geringer, für alle dazu: dazu braucht man Sozialpolitik, hier reguliert der Markt nichts. Die Krieger sind stark und wirken in das hinein, was sie Volk nennen (meistens in Landsleute und Staatsbürger, das Volk, von dem das Recht ausgeht, gibt es in den meisten Fällen ja gerade noch nicht). Die blöden Fußballer, die zum Krieg salutieren, die deutschen Erdöganwähler und Ditib-Rattenfänger, um bei türkischen Beispielen zu bleiben, und beliebig viele andere,  das sind die Krieger – also, verallgemeinert, rund ums uns ganz viele zukunftslose Krieger.

Ich weiß, das klingt fatal nach retro, nach Polemos usw. Es ist nicht schwer, zu beweisen, dass der Kontext ein anderer ist, und ein anderes Wort gibt es nicht. Wenn sich die globalen Warlords auf die Geschichte berufen, dann finden sie immer frühere Schuldige (davor drücken wir uns). Deshalb sagte ich: Umdenken um radikale Praxis zu ermöglichen steht vor der Durchsetzung der großen Schmerzen.

Das kann sich überschneiden und geht nicht rein. Kann nicht rein funktionieren, weil es zu viele berechtigte Ansprüche an das gute Leben gibt. Endzeit-Governance. Darum machen wir Politik (im Kleinen: Das Bienen-Volksbegehren und die Ansprüche der Landwirtschaft; im Großen: Russland-Iran-Syrien-Türkei-Kurden-USA…haben England und Frankreich eigentlich für Ihre Vorkriegspolitik bezahlt? Nein, aber zur Konfliktanalyse braucht man die beiden…Das IST kompliziert, deshalb Bewusstsein, also Umdenken. Und dann, wenn wir schon beim Öl sind, kommen wir doch ganz schnell zum Klima.

  • Wir befinden uns in der Phase des Zwischenfaschismus. Dessen eines Ende ist die Klimakatastrophe, bei der es gleichgültig ist, welche Macht sich behauptet. Das andere Ende wäre die Befreiung. Die beginnt bei uns mit der Befreiung von der AfD und den Identitären, in Österreich von der FPÖ, in Ungarn von Fidesz, in Polen von PiS. Und von den Metastasen dieser Bewegungen in anderen Parteien und Politikfeldern. Dazu brauchen bei uns die Grünen Verbündete in anderen Lagern, und überall analog. Sozusagen kosmopolitische Rettungsbündnisse.
  • Beim Umdenken gibt es keine Kompromisse, sowenig wie bei den Maßnahmen, deren Wirksamkeit wir schon kennen. Die daraus entspringenden Forderungen müssen durchgesetzt werden, wenn nötig mit Verboten und staatlicher Gewalt. Die zu akzeptieren ist Bestandteil eines Umdenkens, das zu Verhandlungen führt, im öffentlichen Raum. (Zieht einmal Konsequenzen: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/deutsche-bahn-warum-der-traum-vom-schlafwagen-in-deutschland-wohl-nicht-so-bald-wahr-wird/25108692.html?utm_source=pocket-newtab)
  • Demokratie ist es nicht, wenn über Maßnahmen abgestimmt wird, bevor man ihre Wirkung absehen kann (Brexit…10€ CO2…). Damit dieser Prozess nicht hinausgeschoben wird, bedarf es allerdings starken Drucks. In dieser Phase steht die Ethik der Gewalt(androhung) auf dem Prüfstand. Die Herausforderung, dies nicht nur in der eigenen Gesellschaft, sondern transnational zu gestalten, ist gewaltig. Vielleicht agieren wir vergeblich. Das ist auch nicht schlimmer als unterlassen.

Liebe Blogleserinnen und Blogleser. Nehmen Sie das so weit ernst, dass Sie mir eine Liste der Maßnahmen schicken, deren Wirkung wir schon kennen.Ich stelle sie zusammen und veröffentliche sie als Update hier. Danke.

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