Ich soll nicht Man sagen. Man kann Ich sagen

Viele verstecken sich hinter dem WIR. Was können wir schon tun? Was sollen wir davon halten? Auch MAN kann helfen, da kann man nichts machen, man hat das schon so gesehen. ICH  sagt MAN selten, wenn es brisant wird, wenn MAN beim Wort genommen wird, und kein WIR in Sicht ist, das einen selbst entlastet.

Keine Sprachspielereien, wann ICH eher eine Frechheit ist.

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Robert Habeck hat vor einigen Tagen gezeigt, dass hinter den Aussagen seiner politischen Funktion, für das gesellschaftliche und staatliche WIR, ein angegriffenes, zu Gefühlen fähiges ICH steht, das sich einem Ziel, einem Zweck unterordnet, der uns meint, die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands. Es ging um die Energieversorgung, die Abhängigkeit von russischem Erdgas und Öl, um Energie. Was aber Habeck so nahebrachte, war nicht einfach das wichtige Thema: es war der Mensch, der nicht selbstvergessen seine Pflicht abspult, sondern zeigt, was das mit ihm konkret macht – ob wir uns das anschauen wollen oder nicht.

Ähnlich agiert Annalena Baerbock, die ja nicht einfach ein Land nach „Außen“ vertritt, sondern uns. Wobei die Frage der Verhinderung eines weiteren Kriegs, vielleicht eines Weltkriegs, sehr viel wichtiger ist als ein Beziehungen zwischen Staaten abzuwägen und abstrakt von Diplomatie zu sprechen. Da spricht keine „Atlantikerin“ mit den Amerikanern oder in der EU, da spricht auch keine, die nur „deutsch“ ist, sondern eine, die mit Verantwortung trägt, für die viel bedrohteren Länder im Baltikum und europäischen Osten, und vor allem für die Menschen in der Ukraine, denen man nur indirekt und nicht unmittelbar mit Waffen hilft.

Die beiden machen Hoffnung. Sie verbarrikadieren sich nicht hinter der scheinbar sachlichen Leere des Kanzlergesichts von Scholz oder hinter dem neoliberalen Zynismus eines Lindner. Sie sind auch nicht so geschäftig wie einst Genscher, der sich selbst immer am nächsten Flughafen begegnet ist. Baerbock und Habeck zusammen sind eine Hoffnung, auch wenn sie, so wie wir ansehen müssen, was der Diktator Putin anrichtet.

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Wie sehen wir einen Massenmörder, der näher an Hitler und Stalin ist als zur Zeit andere Diktatoren und Autokraten? Wie sehen WIR ihn, nicht: wo ordnet MAN ihn ein. Macht er etwas auch mit UNS? Werden wir aggressiver, militaristischer, ängstlicher, irrationaler…Wieso ER? Er ist nicht allein, aber er dominiert seine Umgebung, solange die davon profitiert, dass sie zu ihm hält. Der Rest landet im Gulag (das sind KZs) oder im Gefängnis oder anderswie im Abseits. Er hält, wie Hitler und Stalin damals, die zusammen, die um ihn sind, nicht nur ihn zu stützen, sondern von der Macht zu profitieren, die sie aus ihm ableiten.

Diese Fragen können, sollten aber nicht Gegenstand jener vorschnell selbstbewussten Privatredereien werden, plötzlich kennt sich JEDE(R) aus, wo MAN jahrelang weggeschaut hat. Das nicht zu bedenken und zu ändern, ist die Situation zu ernst.

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Habeck und Baerbock, weiter so, auch wenn es für die AdressatInnen der Botschaften nicht immer angenehm ist. Weiter so heißt noch nicht, das wir nicht noch viel schlimmeres vor uns haben. Das muss man nicht an die Wand malen, aber wenn Putin nicht nur Ultraschallraketen gegen Menschen einsetzt, sondern auch taktische Atomwaffen? Was aber, wenn die ausgehungerte Ukraine noch viel mehr Geflüchtete schickt und wir sie aufnehmen MÜSSEN? Was aber, wenn…wegschauen gilt so wenig wie sich durch Verzweiflung wehrlos machen.

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