Ben Rhodes: Biden`s Choice, NYRB 18, 2026, Rezension Akbar Shahid Ahmed.
Letzter Absatz: „…Something is shifting in our culture. The fever of self-censorship is breaking. The cost of complicity is rising. The plight of Palestinians is at last being seen. An awareness is building that there is an alternative: a moral awakening out of the ashes of moral administration“ (p. 45)
Wie gut, dass ich nicht gleich Kommentare und Analysen gemacht habe. Ja, die Wahlen in USA sind gut, aber wird es so bleiben, wird es in Serbien so bleiben, ist Brasilien gut genug…? Mit Wahlergebnissen allein kann man nicht Politik erklären, auch wenn man sich freut. In den USA droht ein großer Konflikt (Miller!) und welche Reaktionen werden wirken?
Bei uns ist es auch komplizierter als die sogenannte „Mitte“ wahrnimmt. Seit Wochen wird die Linke, wird Elif Eralp, von der sg. Mitte, also vor allem der rechtslastigen CDU, isoliert und denunziert. Man muss ihre Partei in Berlin kritisieren, nicht sie, aber die Partei. Nur wie, wenn nicht von rechts (die CDU ist unverschämt und wird wohl weiter verlieren…). Da hilft ein deutlicher Appell: Roberto Saviano, der ist schon gut demokratisch, schreibt ihr: „Liebe Elif Eralp, …“ ZEIT #48, 5.11.2026. Sie soll sich nicht privat zurückziehen, sondern öffentlich machen, was und wer sie wie bedroht – und wenn es Beziehungen, wie in Neukölln, zur Mafia gibt, dann darf es keine Unterwerfung durch Schweigen geben. Fazit: „Namen zu nennen, hat viele Menschen um ein normales Leben gebracht. Sie haben beschlossen, es dennoch zu tun, denn zu schweigen hätte sie mehr gekostet – es hätte sie alles gekostet. Wenn Sie Namen nennen, bleiben Sie nicht allein. Alles Gute für Ihre Arbeit, bleiben Sie mutig“.
Der kurze Aufsatz ist historisch gut gestaltet. Er verweist auch, vielleicht gar nicht bewusst, auf die deutsche Ignoranz zu bestimmten Sektoren der Krimininalität und ihrer politischen Verankerung.
Ich habe die Linke nie gewählt, musste ich nicht, aber wenn die rechtslastigen Sprachrohre der Mitte (CDU) sie mit der AfD gleichsetzen, dann muss es Widerstand geben. Man kann den obigen amerikanischen Katalog einmal bei uns variieren…
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Der graue politische Nebel imitiert das Herbstwetter. Na gut, soll er. Ihn wegblasen, bedeutet aktiv zu sein, demokratischen Wind anzufachen. Meine Beispiele kann man variieren, man kann auch bessere oder andere als Anlass nehmen, sich zu äußern und zu aktivieren. Wieder einmal fallen mir neben den Herbstgedichten auch die Zeilen von Ingeborg Bachmann ein:
Es kommen härtere Tage.
Die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.
Bald mußt du den Schuh schnüren
und die Hunde zurückjagen in die Marschhöfe.
Denn die Eingeweide der Fische
sind kalt geworden im Wind.
Ärmlich brennt das Licht der Lupinen.
Dein Blick spurt im Nebel:
die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.
Drüben versinkt dir die Geliebte im Sand,
er steigt um ihr wehendes Haar,
er fällt ihr ins Wort,
er befiehlt ihr zu schweigen,
er findet sie sterblich
und willig dem Abschied
nach jeder Umarmung.
Sieh dich nicht um.
Schnür deinen Schuh.
Jag die Hunde zurück.
Wirf die Fische ins Meer.
Lösch die Lupinen!
Es kommen härtere Tage.
Und das zweite, für mich das Wichtigste, 1952 geschrieben. Daraus können wir nicht nur Widerstand lernen, auch Einsicht.
Alle Tage
Der Krieg wird nicht mehr erklärt,
ist alltäglich geworden. Der Held
bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache
ist in die Feuerzonen gerückt.
Die Uniform des Tages ist die Geduld,
die Auszeichnung der armselige Stern
der Hoffnung über dem Herzen.
Er wird verliehen,
wenn nichts mehr geschieht,
wenn das Trommelfeuer verstummt,
wenn der Feind unsichtbar geworden ist
und der Schatten ewiger Rüstung
den Himmel bedeckt.
Er wird verliehen
für die Flucht von den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.
Wie das zur Demokratie in den USA und bei uns passt, ist erkennbar. Seltsam, wie nahe es an den Kern von Hannah Arendt kommt, und etlichen anderen, für die das Humane die Dogmatik wegbläst.