„Die Hundeauslaufwiese am Falkenbergsweg soll laut der Vereinbarung nicht als Flüchtlingsunterkunft benutzt werden“
der neue SÜDERELBE RUF, Nr.12, 66. Jg. 26.3.2016, S.1 SPD-CDU Vereinbarung zum Bau von Flüchtlingsunterkünften.
der neue SÜDERELBE RUF, Nr.12, 66. Jg. 26.3.2016, S.1 SPD-CDU Vereinbarung zum Bau von Flüchtlingsunterkünften.
Man kann schon erschrecken, hört man die Vulgarität in Kanzler Faymanns Verteidigung seiner Politik der Abschottung, gar nicht zu reden von der Innenministerin. Nun, Faymann gilt mehr als das Produkt der rechts-nationalen Kronenzeitung als der sozialdemokratischen Partei. Aber das erklärt nicht die seltsame Politik einer Regierung, die wie wenige andere die „Stimmungspolitik“ (Heinz Bude) verkörpert. Stimmungen in Österreich sind nicht selten den ideologischen Leichen im Identitätskreller geschuldet. Weil viele nicht wissen, wer sie sind, überbieten sie sich in verbalradikalen Äußerungen des „Als Ob“. Nein, sie wollen nicht das liebenswerte Alpenland sein, sie wollen auch nicht geachtet werden, weil sie mehr Avantgarde und Kritik in ihrem Land hervorbringen als es der Größe und politischen Bedeutung zukäme. Es wäre in der Tat komisch, von einer nationalen Identität der Österreicher zu sprechen, legte man beispielsweise die völkischen Maßstäbe der AfD an oder die Windungen, die die Rechtsradikalen und Nazis zwischen „Deutsch“ und „Österreichisch“ als Identitäsfaktoren produzieren.
Versuchen wir es anders. Österreich hatte als eines der wenigen Länder zwei rechte Diktaturen hintereinander ertragen und gemacht: der faschistische Ständestaat war den Nazis ein Dorn im Auge. In dieser Dollfussdiktatur wurde z.B. Bruno Kreisky so traumatisiert, dass er mit dem ehemaligen SS-Mann Peter, damals FPÖ Obmann, eine Koalition einging. Es kann nicht beruhigen, dass es banal ist, die Nazis als schlimmer als die Dollfuss-Schuschnigg-Ära zu bezeichnen. Die Vertreter dieser Ära hatten nach 1945 leichtes Spiel sich auch als Opfer der Nazis in die neue, sozialpartnerschaftliche und einigermaßen stabile Demokratie einzufinden, dazu war man ja als erstes Opfer des Nazismus geradezu verpflichtet. Das erlaubte eine beispiellose Verdrängung, die viel länger als in Westdeutschland wirkungsvoll einen Neuanfang simulierte, der in vielen Bereichen keiner war.
Dies Land, aus Bedeutungsverlust nach dem Ersten Weltkrieg geboren, konnte nur den Bedeutungsgewinn in den letzten Jahrzehnten dadurch gewinnen, dass es eine beispiellose Gleichzeitigkeit unpolitischer kultureller Virtuosität neben einer aggressiven, kritischen, auch produktiven kulturellen Opposition hegte. „Störungszonen“ heißt die großartige Ausstellung des Wiener Aktionisten Günther Brus, zur Zeit im Gropiusbau in Berlin: da kann man gut sehen, wie dieses Land noch in den 70er Jahren mit seiner verleugneten Geschichte jonglierte.
Die österreichische Gemeinheit, sich als Gastgeber der Visegradländer zu gerieren, zeigt die Wunde „Bedeutungsverlust“ viel deutlicher als andere Akte. Für einen Augenblick wurde Osteuropa wieder von Wien gemacht. Dass gerade Ungarn, Polen, die Slowakei, Kroatien, und die andern neu-nationalistischen Länder partout nicht „Ost-„, sondern „Mittel-“ Europa sein wollen, heisst auch, nicht von Wien oder gar Berlin und Brüssel regiert zu werden. Werden sie ohnehin nicht…Damit wird eine vertretbare wenn auch falsche Antwort auf die Arroganz gegenüber den Neuen und ihrem Nachholprozess gegeben, aber keine vertretbare Haltung zur österreichischen Geschichtsverdrängung.
Es wäre gut, nach Faymann und Mikl-Leitner immer gleich einen Blick auf den Widerstand gegen dieses Kartell zu werfen. Das macht ein wenig Mut, das Ende der österarmen Opfermentalität doch noch zu erwarten.
Wichtiges Postscriptum: es stimmt, dass Österreich im Gegensatz zu seinen Nachbarn sehr viele Flüchtlinge aufgenommen hatte, bevor der abrupte Schwenk in der Politik einsetzte. Das macht diesen Schwenk wider besseres (Ge)wissen umso schmerzhafter.
In Deutschland leben ungefähr 125.000 Menschen afghanischer Herkunft. In den letzten Jahren sollen ungefähr die gleiche Größenordnung an Migrant*innen und Schutzsuchenden ins Land gekommen sein. Die genauen Zahlen sind weniger wichtig als die Größenordnung. Wir sprechen von einer afghanischen Diaspora, wie wir von einer jüdischen, türkischen, in anderem Kontext muslimischen, Diaspora sprechen. Ich will hier keine Kurzfassung der afghanischen Migrationsgeschichte nach Deutschland schreiben. Da die afghanische Flucht und Einwanderung nach Deutschland in den letzten Jahren erheblich angewachsen ist, möchte ich vielmehr einige Begriffe klären, die im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise politisch aufgeladen den Diskurs bestimmen.
Begriffsklärung hilft.
Diaspora – die Bedeutungsverschiebungen des Begriffs und seiner Vorgänger sind zunächst Verallgemeinerungen aus einer historischen Tatsache: Vertriebensein, Flucht, also von einem Ort, nach anderswohin, an einen andern Ort, in ein anderes Land, überall hin. Religiöse und ethnische Bedeutungen verbinden sich in dem Begriff, der anfangs wohl am besten als „Zerstreuung“ übersetzt wird. Der Gegensatz von Heimat und Exil bietet sich an, scheinbar einfach, in Wirklichkeit ganz kompliziert: Was war Heimat, wo war sie, was bedeutet sie im Exil? Die Antworten hängen damit zusammen, ob man aus Armut, vor Krieg und Gewalt, wegen Naturkatastrophen oder aus anderen Gründen – Befreiung? – geflohen ist. Und sich vielleicht nach der Rückkehr und der alten Heimat sehnt, aber offenbar doch nicht heimkehren kann. Der Bedeutungswandel deutet sich schon früh an: wo sich in der Zerstreuung größere Gruppen von Geflüchteten und Vertriebenen zusammenfinden, sich organisieren, vielleicht eine Vertretung oder Lobby bilden, dort spricht man eher von Diaspora als bei der ungleichmäßigen Verteilung von Individuen oder einzelnen Familien. Außerdem kommt es darauf an, ob und wie die Ankommenden oder sich im Exil Ansiedelnden von der Aufnahmegesellschaft oder der Herrschaft im Zufluchtsstaat wahrgenommen, bewertet und behandelt werden. Der Begriff wird im 20. Jahrhundert erweitert und setzt Abgrenzungen gegenüber anderen Strukturen von Flüchtlingen in Gang, die den ursprünglichen Anlass, die Vertreibung der Juden aus Palästina, in den Hintergrund treten lassen. Wichtig ist die Unfreiwilligkeit des Fluchtanlasses, die gemeinsame Mythenbildung über den Ort, den man verlassen musste, und eine von dort ausgehende Identität. Rückkehrvisionen oder Abfinden mit Exil, Assimilation oder Separation im Aufnahmeland sind weitere Abgrenzungskriterien.
Ich lasse einmal symbolische Diasporen, wie die „wissenschaftliche“ Diaspora, beiseite. Schwerpunkte, die politisch besonders wichtig sind, liegen im nationalen, ethnischen und religiösen Bereich. „National“ heißt, dass eine große Gruppe von Menschen z.B. ihre Staatsbürgerschaft verliert und vertrieben wird, „ethnisch“ bedeutet, dass eine als Volksgemeinschaft sich konstruierende Gruppe eine andere Vertreibt oder diese besiegt wird und auswandert, analog sind religiöse Vertreibungen weltweit ein Fluchtgrund. Nun sagen die Fluchtursachen aber wenig darüber aus, ob sich eine „Diaspora“ in einem oder mehreren Ankunftsländern ausbilden kann, ob dies überhaupt angestrebt wird. Das ist auch eine Frage von Anzahl und Organisation. So kann man nach einiger Zeit im Leben der Diaspora die Fluchtgründe – als „Wirtschaftsflüchtlinge“ oder ausgebombt oder nach einer Naturkatastrophe – nur mehr in den Narrativen, aber nicht unbedingt im Lebensstil oder dem Habitus der Diaspora erkennen.
Und eine ganz wichtige weitere Frage muss schon aus aktuellem Anlass besonders deutlich gestellt werden: wenn Menschen nicht vertrieben werden, sondern vor Armut, Unfreiheit, Zukunftslosigkeit von sich aus fliehen, können diese in einem Aufnahmeland nicht auch eine Diaspora bilden? Ich behaupte, dass soziale Gründe mindestens ebenso wichtige Fluchtmotive sein können wie religiöse oder kulturelle. Vieles vermischt sich, und was über den eigenen Fluchtkontext gesagt wird, kann ja auch eine Subjektivierung eines ganz anderen, objektiveren Zusammenhangs sein, z.B. die Selbststilisierung als Opfer oder aber als Märtyrer. Nicht jede Fluchtgruppe bildet im Exil eine Diaspora: dazu muss sie eine Mindestgröße und eine kohärente Beständigkeit aus Abgrenzung entwickeln. D.h. sie muss auf ihrer „Andersheit“ in bestimmten Teilen bestehen, sich aber im Rahmen dieser Besonderheit weitgehend integrieren. Wichtig für jede Diaspora sind die virtuelle und reale Kommunikation untereinander und die nie endgültig beantwortete Frage, ob Rückkehr oder intendiertes Bleiben die Maxime von Identitätserhalt sein soll. Ferner wird die Diaspora-Wirklichkeit stärker durch die Umgebungskultur – „der Islam gehört nicht zu Deutschland!“- als durch den bloßen Willen der Betroffenen bestimmt.
Problematisch ist die Eingrenzung von Diaspora auf eine religiöse oder weltanschauliche Diaspora: Es gibt eine muslimische Diaspora in Deutschland, repräsentiert z.B. durch den Zentralrat der Muslime (dem gehören 3oo Gemeinden an, Dachverbände, Einzelpersonen), – „der Islam gehört zu Deutschland!“ -aber erfasst nicht alle Muslime in Deutschland. Ähnlich verhält es sich mit der afghanischen Diaspora – da gibt es mehr als 40 nachweisbare Vereine und Organisationen, keine Dachorganisation, einige herausragend aktive Gruppen, eine relativ hohe Integration seit längerer Zeit und viele weitere soziale und kulturelle Merkmale in einer breiten Varianz. Die Schnittmengen mit den Muslimen, aber auch mit Berufsverbänden, politischen Ausrichtungen, Assimilations- und Abrenzungsgruppen sind vielfach und nicht sehr gut erforscht. Die Vereine und Organisationen folgen bisweilen sozialstrukturellen und ethnischen Besonderheiten ihrer Herkunft z.B. ethnisch: Paschtunisch versus Tadschikisch, das betrifft die beiden größten Gruppen; die Selbstdarstellung der zunehmenden Anzahl von Hazaras, der größten schiitischen Minderheit in Afghanistan, ist Deutschland ist schon deutlich politischer, weil sie auf ihre lange Diskriminierung, die Verfolgung durch die Taleban und die noch immer nicht gelungene Emanzipation hinweisen).
Andere Flüchtlingsgruppen stoßen nicht auf eine bereits mehrere Generationen alte Diaspora. Auch ist „muslimisch“ alleine eine Bestimmung, die noch keine Vereinheitlichung oder Meta-Diaspora erlaubt: im Gegenteil, Konflikte zwischen geflüchteten Afghanen und Syrern, Afghanen und Albanern usw. sind in den Aufnahmelagern und Unterkünften häufig und nicht einfach zu erklären.
Ghetto
Wenn sich z.B. besonders viele Afghan*innen in Hamburg aufhalten, dort Familien(verbünde) haben und auch in anderen Orten eher verdichtet leben, hat dies mit dem oft populistisch oder ungebildeten Ghettobegriff wenig zu tun: dazu gehört die erzwungene Begrenzung von Aufenthaltsort und -bedingungen. Wenn solche Begrenzungen verordnet werden, bedeutet das immer auch ein Ausgrenzen aus der eigenen Rechtsordnung (Freizügigkeit), aber vor allem der Anlage einer bestimmten Sozialstruktur über Generationen und oft über Herkunftsdifferenzierung hinweg. Würde man homogenen Flüchtlingsgruppen gemeinsame verdichtete Wohngebiete neu zuweisen, wäre dies jedenfalls keine Ghettobildung. Im Gegenteil, es wäre eine zusätzliche, wenn auch neuartige Chance der Integration. „Selbstghettoisierung“ ist immer möglich, dazu braucht es keiner Diaspora, sie ist ein soziales Phänomen, das man auch deutschen Gruppen feststellen kann.
Der Ghettobegriff wird deutlich abwertend und/oder angstbesetzt verwendet. Er ist eng mit dem Kontrollbedürfnis verbunden: wenn selbst mit Zwang oder Anreizen Immigranten an bestimmten Orten zusammenzieht, kann man sie auch besser beaufsichtigen und kontrollieren. Wenn diese Gruppen aber sich selbst abschirmen und unzugänglich machen, bedeutet das für den Staat oder das imaginäre Auge des Mehrheitsvolks Kontrollverlust. Diese Phänomene treten bei der afghanischen Diaspora so gut wie nicht auf. Wieweit allerdings die Menschen in die Gesellschaft unauffällig diffundiert sind, wissen wir teilweise auch nicht. Jedenfalls sind die Afghan*innen in Deutschland keine
Auch dies ist ein angst- und aggressionsbesetzter Begriff. Es kann keine Gesellschaft parallel zu der Gesellschaft geben, der eine Teilgruppe angehört. Gemeint ist eine Gemeinschaft oder soziale Gruppe, die für sich andere Normen, Werte, Verhaltensvorschriften beansprucht als sie die Rechtsordnung oder die internalisierten Regeln der Gesellschaft vorgeben. Der Begriff wird gerne auf große Migrantengruppen angewandt (Türken), könnte aber auch in mikrosozialen Zusammenhängen verwendet werden, wie bei der Sport- und Kirchengerichtsbarkeit. Zur Zeit wird rhetorisch und ideologisch die Parallelgesellschaft immer dort befürchtet, wo tatsächlich unvereinbare normative Systeme sich mit dem System konfrontieren, um dessen Aufnahme und Rechtsschutz sie eigentlich ansuchen: am Beispiel der angeblichen Gewohnheitsrechte („Ehrenmord“, Diskriminierung von Frauen und Mädchen, Zwangsheirat“ oder einer privatistischen Interpretation der Shari’a kann man dieses Problem gut verfolgen – es hat aber mit Parallelgesellschaft nichts zu tun. Eine echte Parallelgesellschaft gibt es nur wo zwei Gesellschaften getrennte Herrschaftsräume errichten und die jeweilige Unzugänglichkeit mit Gewalt beschützen oder dulden (z.B. Kosovo als Teil von Serbien 1989 bis 1999). Problematisch ist der Begriff, weil es um die normative Einheitlichkeit des Rechtsstaats geht und nicht – wie von Kritikern desselben oft behauptet – um eine Verweigerung kultureller und sozialer „mitgebrachter“ Rechte. Wo es Grauzonen gibt, die auch die Afghan*innen in Deutschland gibt, ist unklar, sollte aber untersucht werden, z.B. wenn jetzt viele neuankommende Migrant*innen und Flüchtlinge auf die „etablierten“ afghanischen Gemeinschaften stoßen.
Wir dürfen nicht vergessen, dass alle Menschen, die hier im Land Schutz gesucht haben und sich hier aufhalten, unter welchen Lebensumständen auch immer, im Exil sind, d.h. sie sind unfreiwillig hier. Es gibt eine Wanderung und Migration, die bewusst auf Abschied und Nimmerwiederkehr setzt. Sie kann die ähnlichen Migrationsgründe haben wie die Geflüchteten, die Vertriebenen, die Verbannten, aber für sie steht der Aspekt der Befreiung noch vor dem hauptsächlichen Fluchtgrund, dem Überleben und der Bewahrung von Würde. Beide können sich überschneiden. Aber Exil trägt immer den Stachel bei sich, der heißt: Heimkehr, jetzt oder zukünftig. Oder die Hoffnungslosigkeit, niemals heimkehren zu können, mit oder ohne der Hoffnung, dies auf die Kinder und Kindeskinder weitergeben zu können. Das alles wird nicht so kühl diskutiert, sondern in vielfache Narrative, in Erzählungen, Legenden, Traditionen, Rituale eingebettet. Es entsteht in jedem Fall eine Exilkultur – nicht nur high culture – in den Künsten, im Sport, bisweilen in der Politik. Es wird nicht mehr lange dauern bis wir eine Mehrzahl afghanisch-stämmiger Politiker*innen („mit Migrationshintergrund“!) haben werden.
Das Problem des Exils beschäftigt nicht nur die Historiker. Es geht um sehr lange Wellen von Identitäten, die immer unter Frage stehen: den Wunsch nach Heimkehr in die alte Heimsat wachhalten oder gar zu realisieren versuchen, oder die neue Heimat als die eigene zu akzeptieren, und nur mehr die Herkunft in die Identitätskonstruktion einzubeziehen. Für beides gibt es bei den Afghan*innen in Deutschland viele Beispiele. Es kommt natürlich darauf an, wie die dominante Umgebungskultur – sie hat ja kein Monopol, „deutsch“ ist ja auch nur ein gar nicht so starker Oberbegriff – mit dem Exil der Immigranten umgeht. Von der Willkommenskultur bis zur Politik des menschenunwürdigen Verjagens gibt es hier eine Vielzahl von Spielarten, die alle Empathie-abhängig sind und im negativen Fall auf populären Ressentiments beruhen (Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, AfD-Volkskunde), aber auch das Verwechseln von „Dazupassen“ und „Dazugehören“. Das Eigene und das Fremde, das Vertraute und das Ungewohnte, mit allen Abgründen unbewusster und verdrängter Absicherungen und Übergriffe (Sexualität, Körperlichkeit, Ästhetik, Traditionen, Rituale…). Das irreführende Wort „Ethnopluralismus“ trifft die Menschen im Exil härter als andere „Ausländer“. Es meint: Türken in die Türkei…
Wir müssen uns mit der Exilsituation der afghanischen Diaspora sehr ernsthaft beschäftigen – und wir können hoffen und fordern, dass diese Diaspora sich damit auch verstärkt auseinandersetzt.
Nachsatz: Hätten Sie, geneigte Leser*innen die folgenden bekannten Afghan*innen in Deutschland er- und gekannt?
(Ich habe die Liste aus Wikipedia. Ich kenne einige von ihnen und mindestens dreimal so viele Afghan*innen, die meisten in Berlin und Hamburg, die auf dieser Liste nicht vorkommen, und dazu noch eine Menge Student*innen und Wissenshaftler*innen). Was heißt schon „bekannt“? Es bedeutet, dass zugeordnet werden kann, dem Prädikat „afghanisch“. Wie, darüberentscheiden Personen , und dabei wiederum spielt die Umgebung, also die Diaspora und ihr Verhältnis zu unserer Gesellschaft eine wichtige Rolle.
Seit mehreren Jahren kommen sehr viel mehr Afghan*innen nach Deutschland, als Asylsuchende, als Schutz Begehrende, als Hoffnungsvolle, als Überlebende, als Flüchtlinge vor Armut, Diskriminierung und Hoffnungslosigkeit, das heißt: Zukunftslosigkeit.
Many emigrants gamble their hard-earned savings, sell off their properties or borrow money to pay human traffickers, according to Thomas Ruttig, a senior researcher at Kabul-based research institution Afghanistan Analysts Network. (…)
“The high number of Afghans becoming refugees is definitely worrying and represents a brain drain, but also reflects a drain of confidence in the current government and its ability to successfully tackle the multiple crises Afghanistan is facing,” Ruttig said. (Voice of America, 29.12.2015)
Um es hier ganz deutlich zu sagen: ich halte die vom Bundesinnenminister verkündete und wohl geplante „Rückführungspolitik“ von solchen Afghan*innen, die weder Asyl noch subsidiären Schutz „geniessen“ (Art. 16 GG), für menschenrechtswidrig und hoch riskant. Die so zurückgeführten (abgeschobenen) Afghan*innen laufen Gefahr für Leib und Leben, es droht zusätzliche Entfremdung von ihren Familien und in ihrer sozialen Umgebung. Selbst wenn sie gut ausgebildet sind und beruflich Fuß fassen könnten, müsste man für ihren Schutz und ihre Wiedereingliederung Sorge tragen können, wozu weder die derzeitige Entwicklungszusammenarbeit noch kurzfristige politische Maßnahmen beitragen können.
Umgekehrt muss man sich schleunigst mit der Drohgebärde befassen, die Afghan*innen, die eine Migration nach Deutschland erwägen – sofern sie noch im Land sind, und nicht schon auf dem Weg durch den Iran oder die Türkei – von ihrem Vorhaben abzubringen. Wer von den verantwortlichen Politikern weiß eigentlich, warum diese Menschen weg wollen, wo doch Deutschland so viel Geld dahin gezahlt hat (de Maizière 28.10.2015; etwas pragmatischer und milder am 1.2.2016, da werden den Heimkehrern Gelder in Aussicht gestellt; die Gerichte sehen das ohnedies anders). Das AA hat eine Studie zur Erforschung von Fluchtursachen in Auftrag gegeben – sehr verdienstvoll, mehr davon wird notwendig.
Aber noch eines ist wichtig: die afghanische Diaspora ist noch zu passiv in der derzeitigen politischen Misere. Ich spreche bewusst nicht von einer Krise, denn die Migranten – und Flüchtlingszahlen sind pragmatisch und finanziell relativ einfach zu bewältigen, es geht um die politische Konstellation und den Zusammenhalt der europäischen Gemeinschaft – und um die neuerwachten nationalistischen, fremdenfeindlichen Ressentiments, die wir wohl zu Unrecht überwunden geglaubt hatten. Sollen wir also der Diaspora sagen, was sie zu tun habe? Nein. Aber wir können raten und kooperieren.
Grundsätzlich muss man jetzt fragen: wäre es nicht sinnvoll, wenn die afghanische Diaspora in Deutschland mit einer Stimme spräche, also einen Dachverband oder ähnliches anstrebte? Dann hätte man Ansprechpartner für eine Reihe von Fragen, die für die Diaspora auch wichtig sind, z.B. Konfliktprävention für die möglichen Zusammenstöße zwischen „alteingesessenen“ und „neuankommenden“ Afghan*innen. Dagegen spräche, dass sich so eine Organisation möglicherweise von den Rändern her radikalisieren könnte oder gar gespalten die internen Konflikte, v.a. ethnische, in die Politik einbrächte. Ich weiß die Antwort nicht, möchte dies aber doch thematisieren. Die Diaspora kann viel dazu beitragen, dass die Deutschen sehr viel mehr über ihr Land wissen: Immerhin sind wir dort nicht nur symbolisch politisch über 100 Jahre engagiert, sondern seit 2001 massiv an einer militärischen und politischen Intervention beteiligt. Zur Zeit beruht noch sehr viel am deutschen Afghanistan-Bild auf Erfindungen, Halbwahrheiten als Folge von Halbbildung und Fehlinformationen (Ach, Sie kommen aus Afghanistan; dann sind Sie Paschtune? Ach, Sie sind Paschtune? Dann sind Sie wohl Taliban?). Einiges ist besser geworden, auch daran haben einige Diasporavereine einen besonderen Anteil. Umgekehrt ist es wichtig, dass Deutschlandbild der Menschen in Afghanistan kritisch zu begleiten und in vielen Fällen zu korrigieren. Ich habe hier selbst viel dazu gearbeitet, diese Fehleinschätzungen, Überhöhungen und Unterbewertungen kann man oft erklären, aber nicht selbst bereinigen. Und schließlich sollte die Diaspora mehr über sich selber wissen, nicht im individuellen Sinn, sondern als gesellschaftliche Gruppe: immerhin eine große Diaspora. Ich denke mir immer, wie gut Ansiedlungsprojekte für Flüchtlinge gelingen könnten, wenn sie durch eine Diaspora unterstützt würden (wo es gar keine gibt, ist das schwieriger): da kann die afghanische Gruppe sicher vorangehen.
Viele aus dieser Diaspora kümmern sich jetzt und jetzt schon um Flüchtlinge, – und das muss hervorgehoben werden – neben ihrer fortgesetzten Arbeit an humanitären Projekten in ihrem Land, v.a. bei Schulen und Kliniken. Aber bei dem „Sich kümmern“ geht es nicht nur um soziale Betreuung, um kulturelle Orientierung; es geht ganz stark auch um ein normatives Zurechtfinden in dem Staat, der durchaus mehr Empathie mit den afghanischen Menschen, die ankommen wollen, bei seinen Bürgern als bei den meisten Politikern demonstriert.
Nachsatz: ich habe bewusst keine der mir bekannten Diaspora-Organisationen und keinen meiner afghanischen Bekannten in Deutschland zitiert. Es ging mir nicht so sehr darum, Vorbilder und richtige oder kritikwürdige Verhaltensweisen hervorzuheben – das steht mir nicht zu; sondern, wie der Titel sagt: über Diaspora und Exil zu reflektieren, und damit einen Rahmen für die Diskussion mit den Afghan*innen in Deutschland. Aber wer hier mitdiskutieren will, findet ein weites Feld.
www.afghanistan-analysts.org Afghanistan Analysts Network: sorgfältig edierte Informationsquelle, zum Flüchtlingsthema u.a. Thomas Ruttig – auch wichtig zur Rückwärtserschließung der Ereignisse der letzten Jahre. Vgl. auch Thomas Ruttig: An „Afghan Exodus“; Facts, figures, trends. 14.11.2015 (wordpress)
http://www.de.wikipedia.org/wiki/afghanistanstaemmige_in_deutschland, ges.10.3.2016
Zu Diaspora: Jüdisches Lexikon, Frankfurt 1987 (1927): Band II, „Diaspora“ –> „Galut“, 880-888
Zu Diaspora: http://www.en.wikipedia.org/wiki/diaspora, ges. 11.3.2016
Muslime: http://www.zentralrat.de/2504/php, ges. 11.3.2016
Hazara: http://www.hazara-online.com/de/mehr-info-ueber-hazara.htm
Ich gebe gerne Auskunft zu Literatur und Ansprechstellen. 12.3.2016
Ich zeige hier eine Rezension. Das macht einer am Anfang seiner wissenschaftlichen Laufbahn, oder ein ganzes Leben oder sehr selten. Für mich gilt das erste Verfahren, ich war ganz stolz auf das Erscheinen einer bösen Besprechung von Heideggers Rektoratsrede im „Argument“, damals mein Leibblatt. Wie wird jemand hauptberuflich Wissenschaftler*in? So altmodisch fragt nur, wer den Betrieb kennt und hinter sich hat. Beratungsliteratur, ja, aber irgendwie kippt das Altmodische ins Brandaktuelle, wichtig für die, deren Sprache noch nicht den Ausweis bringen muss, dass man „drin“ angekommen ist. Voilà:
Michael Daxner
Rezension:
Astrid Kaiser: Reiseführer für die Unikarriere – Zwischen Schlangengrube und Wissenschaftsoase.
Opladen&Toronto 2015 (Barbara Budrich).UTB 4453. ISBN: 978-3-8252-4453-8
Nach ihrer Pensionierung schreibt eine Hochschullehrerin eine Anleitung für künftige Wissenschaftler*innen einen Ratgeber (11), und sie bezieht den Untertitel auch auf den großartigen Film „The Snake Pit“ (1948). Da dieser Film sich nachhaltig auch auf mein junges Leben ausgewirkt hatte (ich hatte mit 10 über ihn gelesen, und ihn mit 15 gesehen), kann ich die subjektive Herangehensweise von Astrid Kaiser teilweise nachvollziehen, deshalb diese Anmerkung. Der Reiseführer ist ein Ratgeber für den wissenschaftlichen Nachwuchs (einem heute auch offiziell verpönten Begriff), und er geht von der erziehenden und betreuenden Aufgabe langjähriger etablierter Hochschullehrer*innen aus. Er ist geschrieben für Menschen, die sich schon entschieden haben, die Reise anzutreten, und die bekommen Ratschläge: viele sind realistisch und erfahrungsgesättigt, manche sind nur gut gemeint, wie alle moralischen Hinweise im Abschlusskapitel 14 („Bloß nicht“). Solange das Buch subjektiv erfahrene Regeln des Hochschulsystems verarbeitet, ist es schon deshalb lesenswert, weil es nicht von der Warte des allwissenden Hochschulwissenschaftlers ausgeht, der mit der Beschreibung auch gleich eine Begründung für seine Urteile liefert. Andererseits zieht Kaiser die Grenzen zwischen den Systemen (Wissenschaftssystem, Hochschulsystem, moralisches System, wirtschaftliches System) nicht klar. Die Reise geht in der Tat nach dem Prinzip vor, dass man sich erst einmal taktisch richtig in der vorhandenen Arbeitslandschaft der Wissenschaft orientieren und verhalten sollte, mit der Reform sozusagen „oben drauf“). Dass das ethische Bedenken provoziert, weiss Astrid Kaiser und schreibt darüber im Epilog (199-200).
In den ersten Kapiteln wird eine Phänomenologie der Universität geliefert, die die Reisenden und ihr Ziel einander näher bringen sollen. Kaiser reizt die Schlangenrguben-Metapher voll aus, um sich um die Befunde der Hochschulforschung zu drücken, und verlegt sich auf eine institutionelle Ethnologie. Bevor die Hochschulforscher hier kritisch einhaken, eine Überraschung: ich habe fast alles, was den state of the art in dieser Hochschulforschung heute ausmacht, wiedergefunden; nur eben subjektiv und sehr persönlich kontextualisiert, Astrid Kaiser „betreut“ ihre Leser*innen sozusagen im Coaching, das sie selbst kennt und über Jahrzehnte durchgeführt hat. Sie generiert eine Befindlichkeit und in den künftigen Wissenschaftler*innen keinen theoretischen Metadiskurs zur Herstellung der unabhängigen Variable Hochschulsystem für die Karriere der Professorin X. Für mich nicht schwierig, die Anschlussfähigkeit dieses metaphernreichen Texts zu prüfen. Manches kenne ich (wir waren lange Zeit an derselben Universität), manche habe ich sogar selbst erforscht, beraten haben mich wenige. Aber ich kann mir eines vorstellen, und darum ist das Buch wichtig: die heutigen Einstiegsbedingungen für Wissenschaftler*innen sind erheblich schlechter als zu meiner Zeit. (Als ich 1974 H4 Professor wurde, bekam ich als „Ausstattung“ zwei Ratsstellen und zwei Studentische Hilfskräfte zugeteilt. Ich fühlte mich „geachtet“ und wollte meine Privilegien ex post “verdienen“). Davon klingt in den Kapiteln 2-5 einiges an. Die ethnologische Beschreibung der Stammeskultur einer Hochschule erinnert an die Zeiten, als die Hochschuldidaktik unter Ludwig Huber sich endlich von den selbstgewählten Mythen verabschieden wollte, und ein neues Vokabular für Fachkulturen erfinden und Habitusforschung zulassen konnte – arg von der reinen Wissenschaft kritisiert. Kaiser braucht darauf nicht einzugehen, sie sitzt in ihrer Praxis und coacht die Neuankömmlinge. Die Ratschläge ab Kapitel 6 sind meist mehr, oft weniger brauchbar. Sie taugen nicht zur Herstellung eines strategischen Karriereplans, sondern bestimmen eher die Taktik in einer volatilen Umgebung. Die Insidertipps sind eine Wunderkammer: alle 17 Ausstellungsstücke sind für sich recht brauchbar. Manche hätte man verknüpfen und ausführen können. Wer all das für sich zurechtschneidet, wird tatsächlich besser fahren. Die Tipps verbinden eine sehr spezifische Sicht des akademischen Habitus mit der Erfahrung von eingesetzter oder potenzieller Macht. Es geht oft um Hochschulinnenpolitik, und weil es nicht so explizit ist, kann der kritische, vorsichtige Diskurs vielleicht verinnerlicht werden.
Astrid Kaiser vertritt in einem erklärbaren Sinn die Bedachtsamkeit und den Wagemut, derer es heute bedarf um in der Schlangengrube des Hochschulalltags Karriere zu machen. Mir geht sie manchmal zu sanft um mit den sozialen Abgründen, die im Aufstiegskampf gerade der jungen Wissenschaftler*innen Verhalten auch den eigenen Motiven entfremden. Vieles hat ihr Leitstern Wolf Wagner schon 1992 geschrieben, was nur zeigt, wie langsam langsame Systeme wie die Hochschule sind. Manches kann man nicht oft genug immer wieder neu lesen. Astrid Kaiser lässt sich nicht auf den politischen Kampf um/gegen die heutigen Probleme ein, wie Bibliometrie Aberkennung der Leistung in sorgfältiger Lehre, oder die ganze Exzellenzhysterie. Aber das muss sie nicht, sie berät die nächste Generation – und hofft, dass die Halbwertszeiten der Erfahrung nicht noch kürzer werden.
Dies ist der erste von mehreren Artikeln, die ich schreibe, um Ruhe zu gewinnen, die mir Politik erlaubt. Politik ist nicht Meinung, sondern Denken, sagt Alain Badiou. Ich bin von Meinungen eingekreist, die Zustimmung oder Ablehnung provozieren, aber nichts bewirken als sich zwischen die Wirklichkeit und mich zu schieben. Seit Jahren denke ich darüber nach, wie ich diese Montage aus Nicht-Zusammengehörigem festhalten kann. Die Plattitüde, dass alles mit allem zusammenhänge, lässt sich nicht einfach durch eine Welt unverbundener Einzelereignisse ersetzen, sondern nur dekonstruieren, wenn gezeigt wird, wo und was womit zusammenhängt. Und zwar nicht aus einem Modell abgeleitet, sondern immer auch empirisch auffindbar.
Mein Antrieb ist die Müdigkeit, mir immer das Gleiche in Variationen anhören zu müssen, weil die Korridore für Fragen und Antworten schon gesteckt sind. Bei der DGAP ist der Korridor ein anderer als in BAG Frieden der Grünen oder den Diskussionen im universitären Forschungsbereich und im parlamentarischen Ausschuss oder bei der Verleihung von Friedenspreisen: Das Verständnis wird immer in die Bahnen des Legitimen gelenkt. Das ist subtiler als politischer Korrektheit, nicht minder wirkungsvoll.
Derweilen ertrinken wieder Kinder vor Lesbos, erfrieren Syrer im ungarischen Stacheldraht, werden Jugendliche ihrer Mobiltelephone vom dänischen Staat beraubt, müssen Afghanen begründen, warum sie nicht in ihr Land zurückkehren können und wollen, und und und. Genau auf diesen Katalog haben die gewartet, die mir jetzt entgegenhalten: Reden Sie nicht, tun Sie etwas. Wenn Sie nichts Produktives schaffen, verhindern Sie wenigstens etwas. (Empört Euch!)
Ich kann die toten Kinder im Gedächtnis bewahren ohne über sie zu schreiben. Ich kann über die Verantwortlichen und die Beiläufigen nachdenken, ohne mit Moral, also mit Schuld, anzufangen. Ich kann meiner Empathie befehlen, sich in ambige Situationen zu begeben. Alles, was mich im Augenblick umtreibt, ist ambig, hat wenigstens zwei Wahrheiten, ist nicht dialektisch, kennt keine Synthese, sondern verharrt in einem fast kristallinen Und statt Entweder-Oder. Meinen früheren Versuchen, der Schrift von Jaspers einen dritten Titel zu geben, nach seinem Aufschlag von 1932 (5. Auflage!) und der Suhrkamp Neuauflage des Titels (1982 ff.), habe ich längst eine Absage erteilt, jetzt sage ich zu dem vorläufigen ersten Kapitel: zur ambigen Situation der Zeit. Aber angeregt haben mich nicht einfach die „Inhalte“ und Aussagen, sondern der Wandel dessen, was diese Situation in unserer Zeit sein kann, die Erkennbarkeit und Deutbarkeit. Weil vorher alles zu einfach gemacht wurde, bis es einfach erschien, ist es jetzt kompliziert und erscheint zu kompliziert.
Also zur Ambiguität: mein Freund und Kollege Florian Kühn hat mich in dieser Kategorie geschult, an unserem gemeinsamen Thema Afghanistan. Es wäre besser, wenn die gut ausgebildeten jungen Afghan*innen im Land blieben und eine neue Mittelschicht stärkten, es ist aber so gefährlich, dass eben diese potenzielle neue Elite nach Westen flieht, weil sie keine Zukunft für sich sieht. (Das hat ein Journalist, Stefan Klein, in der SZ, am 15.2.2016 in der SZ zusammengefasst, und das habe ich miterforscht seit drei Jahren). Es ist ein gutes Beispiel, weil es nicht mehr pragmatisch und schon gar nicht durch einen Kompromiss zu bereinigen ist. Noch schwieriger wird die Lösung des Problems der Beziehungen zur Türkei. Eine ansatzweise Diktatur, ein NATO-Partner, ein Schlüsselland für die Nahostpolitik, ein ungeliebetr EU-Kandidat; man kann leicht sagen, dass man mit der Türkei als Partner für die Flüchtlingsregulierung nichts zu tun haben möchte und sollte. Nur, mit wem sonst? Mit Putin, mit Assad, mit der irakischen Regierung? Gar angesichts der Uneinigkeit in der EU.
Zwei Beispiele für Ambiguität. Ich habe keine Scheu, diese Sachverhalte auszudiskutieren, aber der Preis in der Kommunikation darüber ist hoch: man muss immer tiefer graben, um auf die realen Ursachen jedes einzelnen Konflikts und seiner Anschlussfelder zu kommen, und je mehr man findet, desto sensibler wird reagiert oder an weiterer Erkenntnis gehindert.Dem Problem könnte man philosophisch begegnen und bliebe im Wort stecken; auch der Appell an der guten Willen bliebe folgenlos, weil sich dieser zu gerne an das Machbare im Umfeld der Macht anschmiegt oder diese von aussen attackiert. Und weil sich so viel dem gesunden Menschenverstand anscheinend verschliesst, muss man vorschnellen Phrasen der Art „Wie wir wissen…Es ist doch klar…“ Abstand nehmen.
Jeder andere Zugang, denke ich, ist davon bestimmt, was ich weiss, und wovon ich weiss, woher ich es weiss. Damit kommt immer der subjektive Faktor ins Spiel, der sich der Generallösung so lange verweigert, bis sich seine Schlussfolgerungen verallgemeinern lassen, also teilbar, mitteilbar und verhandelbar sind im öffentlichen Raum. Und der mich zwingt, Ich zu sagen, wenn ich am analysierten Man (ver)zweifle.
Wo es viele lose Enden gibt, kann ich ausprobieren, was geschieht, wenn ich einige auswähle. Ich beginne dort, wo mich Probleme unabhängig vom Terror der Aktualität (Carl Amery) schon lange beschäftigen.
Aus meiner Konflikttheorie leite ich eine Aussage ab, die mir politikfähig erscheint: weil viele Konflikte völlig entbettet sind, fehlt die Kraft der Konfliktparteien, sie untereinander auszuhandeln, einzugrenzen und zu regulieren, auch wenn die Probleme bleiben, die Ausgangspunkt dieser Konflikte waren. „Entbettet“, ein Begriff von Georg Elwert, sind Konflikte, bei denen es keinen gemeinsamen Vorrat an Regeln bei den Konfliktparteien gibt. Die Schwäche der Vereinten Nationen, die offene Missachtung der internationalen Konventionen und des Völkerrechts, sind Anzeichen für diese Entbettung. Zur Konflikttheorie gehört die Erkenntnis, dass es zwar gut ist, Konfliktursachen zu kennen, aber aus diesem Wissen lassen sich nicht Massnahmen zur Regelung dieser Konflikte oder gar zur Problemlösung praktikabel ableiten. (Einer der best untersuchten Konflikte, der zwischen Israel und seinen Nachbarn, kommt einer Regelung durch noch so viele Analysen keinen Schritt näher).
Wir können einen Grund dafür ganz klar bei den neuen autoritären Systemen – die ich nazistisch, neofaschistisch oder totalitär nennen werde – erkennen. Wenn dem Volk das Recht nicht passt, dann muss das Recht gebrochen werden, tönt es aus der klerikofaschistischen Partei PIS in Polen, im Parlament. Dieser Satz hat gleich zwei Gründe: zum einen ein Anwachsen des Völkischen im Nationalismus; und eine Fatigue de democracy, eine Müdigkeit, auf die Pascal Bruckner schon vor Jahren hingewiesen hatte, damals eher als Warnzeichen für die politische Kultur, heute als empirisch genau beschreibbarer Tatbestand. Schliesslich ein Phänomen, das ich die Wiederkehr der Religion nenne, als ob sie nicht seit je in der Politik dagewesen wäre. Ich denke aber, dass der religiöse Überbau heute vielfach zersplittert und zerfasert, die der zerbrochene Spiegel der Schneekönigin, über alles und jedes seinen Mehltau legt und damit schwer zu brechende Tabuzonen schafft. Erlösend wäre, Slavoj Zizek ernst zun nehmen: „Aber ist Religion nicht immer eine Art Mantel, nicht der Kern der Sache? Ist sie nicht tatsächlich ein Modus, in dem einzelne Menschen die Umstände ihres Lebens betrachten, auch weil sie keine Möglichkeit haben, einen Schritt zurückzutreten und Dinge so zu sehen, wie sie „wirklich sind“? (Spiegel 3/2016, 129).
Ich bleibe bei diesen Anfängen. Ich könnte auch andere nehmen, die Globalisierung, das Klimaszenario, die Wohlstandsverwahrlosung des globalen Nordens und die Hoffnungslosigkeit des globalen Südens, die Digitalisierung usw. Ich könnte auch gleich beim transzentalen Katastrophismus ansetzen und mich fragen, ob es wert sei, an der Erhaltung unserer menschlichen Zivilisation mitzuwirken, anstatt unseren Übergang in eine posthumane Spezies abzuwarten. Und ich versage mich einem Kulturpessimismus, der in seinen Spielarten immer Elemente der Entbettung, der völkischen Begrenzung, der Retrospektive bei sich trägt, was alles mit gelassener Einsicht nicht zu verwechseln ist.
Noch zwei Sätze, die zur Subjektivierung gehören: Verzweiflung ist weder Empörung noch Resignation, sondern nur das Nichterscheinen zur Hand liegender Auswege. Und, wichtiger, die Ursachenforschung darf nicht in den unendlichen Regress münden, d.h. wir beantworten so lange jede Erkenntnis und die Frage warum? bis wir zum Anfang zurückgekehrt sind. Bei aller historischen Notwendigkeit gibt es den Augenblick, bei dem zu verweilen wir uns nicht leisten können.
Nachsatz zu diesem und weiteren Teilen dieses Essays: sehr oft zitiere ich Journalist*innen, die ich als wirkungsvollere Akteure und Bundesgenossen empfinde als die meisten Politiker. Ich mag die Lügenpresse.
(Teil 2 folgt)
Die Aschermittwochspeinlichkeiten wurden abgesagt, wegen des Zugunglücks in Bad Aibling. Das ist gut so, weil die regelmäßige Verletzung gebotener Vernunft vor allem durch die CSU ohnedies unerträglich gewesen wäre. Innehalten mit der Hetze tut not. Den andern Parteien sollte es recht sein.
Die Absage ist nicht wegen der tausenden ertrunkener Flüchtlinge vor der Küste der Türkei erfolgt; sie wäre nicht aus Respekt vor den traumatisierten, frierenden und verstörten Schutzsuchenden auf der Balkanroute und auf den Korridoren der Bürokratie erfolgt. Diese Menschen wären vielleicht ein gutes Thema für einen politischen Aschermittwoch gewesen. Aber dann hätten wir uns anhören müssen, wie Menschen von den Deutschen ferngehalten werden müssten, wie man die Festung Europa zur Zerstörung des europäischen Gedankens weiter ausbauen kann und wie man mit „C“ im Parteinamen, auch mit „S“ im Parteinamen doch nur ein nationalistischer Vorläufer von Schlimmerem wird, in guter Gesellschaft europäischer Klerikofaschisten, Ultranationalisten, der AFD, Pegida und anderer autoritärer Versammlungen.
Wichtig ist mir, bevor ich zum Thema zurückkomme zu sagen, dass die meisten Menschen in Bayern sehr menschlich, sehr hilfreich und auch pragmatisch sich um die Flüchtlinge kümmern, ihnen ihre Würde stärken und ihre Not lindern. Sie wären wahrscheinlich überfordert, auch noch gegen die CSU Vorstände zu protestieren, die mehr als nur das C und das S zerstören. Nicht nur in Bayern haben viele begriffen, dass es nicht unerträglich schwer ist, das zu schaffen, was not tut: 2 Millionen Menschen in diesem und den nächsten Jahr hier aufzunehmen und am Leben zu erhalten, sie am Leben zu beteiligen.
Vergleiche müssen sein. Und sei es, um zum Schluss zu kommen, dass die Verglichenen einander doch nicht so ähnlich sind, wie es scheint. Man muss die Rhetorik vieler führender Köpfe der Rechten und Nationalisten mit den Sprüchen der Nazis, der Stalinisten und anderer totalitärer Gruppen vergleichen; man muss die Maulsperre vieler Linker mit der Hilflosigkeit früherer Oppositionen vergleichen, weil man „natürlich“ die Meinungsfreiheit der Rechtsradikalen nicht beschneiden möchte. Rechts und Links taugen in dieser Situation übrigens ohnedies nur sehr wenig.
Man muss einige Dinge ansprechen können, ohne sich eine sekundäre Diskussion um politische Korrektheit anzuziehen, die immer dann opportunistisch beklagt wird, wenn man selbst im offenkundigen Unrecht ist (Sarrazin) oder eingefordert wird (in der schrägen Sexismusdebatte nach Köln. Die deutschen Täter sind verschwunden).
Ein Mittel der Nazis war schon sehr früh, tatsächliche Missstände anzusprechen und Problemlösungen vorzuschlagen, die zwar mit dem Problem nichts zu tun hatten, aber plausibel und massenwirksam erschienen. Diese Taktik wird heute wieder angewandt: die Dummheit des Integrationszwangs-Bekenntnisses, wie sie nicht nur die CSU, sondern auch Frau Klöckner fordern, oder die Familien-Nachzugs-Gemeinheiten. Nein, der CSU-Vorstand und Frau Klöckner sind keine Nazis. Aber sie bedienen sich eines mit der Zeit veränderten, vergleichbaren Mittels der Agitation, der die demokratiemüde Mehrheit? Minderheit? unserer Gesellschaft wenig entgegenzusetzen hat.
Ein anderes Beispiel ist die Angst. Zum einen können und wollen die Hetzer zwischen Angst und Sorge nicht unterscheiden. Zum andern aber scheuen sich viele redliche Politiker zu sagen, dass man nicht jede behauptete Angst gleich ernst nehmen soll. Wenn Kleinbürger in Gegenden, wo Ausländer, gar Flüchtlinge, so gut wie nicht wahrzunehmen sind, um ihre Töchter und Vorgärten Angst haben, zeigt das nur ihre etwas beschädigte Phantasie. Wenn Islamisierung zu Ängsten führt, dann tut ein einfacher Blick in die Geschichte der Christianisierung und anderer Missionstatbestände oft Wunder.
Eine solche Reflexion hätte einem politischen Aschermittwoch vielleicht gut getan. man hätte sich einmal ohne zu viel Alkohol und Blasmusik am Tag nach den Narreteien zusammensetzen und mit den eignen Ressentiemnts und Vorurteilen kritisch umgehen können. Das klingt aber nach Fastenpredigt. Die liegt mir selbst wenig, stößt aber bei Vielen ein Innehalten in der Hetze an – Auch dazu kann man eine Fastenzeit benutzen (SZ 13.2.2061). Vielleicht ein Erschrecken, zu welchen Äußerungen und Taten man sich für fähig erklärt, fähig ist.
Die Reflexion allein hält die Hetzmeute nicht auf. Aber sie muss sein. Am Anfang steht das Wissen. z.B. um Zusammenhänge der Politik der letzten 25 Jahre mit den heutigen Fluchtbewegungen. Das geht nicht ohne Schuldvermutungen: was wurde unterlassen (Politik gegenüber neuen Diktaturen, Zusammenarbeit mit alten und neuen Diktaturen, Gleichgültigkeit gegen Gewalt, wenn sie nur weit weg geschieht, zugleich Politik der Fernstenliebe (Spenden statt Handeln), ressentimentgeladene Ungleichbehandlung von Migrant*innen etc.). Politische Bildung und Aufklärung sind keine Schulfächer allein, sondern Pflichten in einer Gesellschaft, die ihre Rechte noch nicht einmal wirklich kennt.
Der Hass ist manchmal unbegreiflich, unheimlich ist er mir nicht. Wir haben viel, bewundersnwert viel abgearbeitet an böser Geschichte seit 1945, aber wer wollte aus dem Erreichten schon den moralischen Ruhezustand ableiten? „Aber ein wenig hat die drängende Flüchtlingsfrage die Korken gelockert, unter denen ein altes deutsches Hasspotenzial, ein altes deutsches Hassbedürfnis verschlossen waren“ (Thomas Schmid, Die Welt, 5.2.2016). „Völkisches“ und „selbstmitleidiges“ Denken verbinden sich. Wie zum Beweis bemüht sich der früher kluge Bildungsjournalist Konrad Adam um diese Verbindung: Muslimische Männer betrachten deutsche Frauen als Huren.(Im Blickpunkt, 6.1.2016). Fällt diesem Menschen nicht auf, dass muslimisch und deutsch so nicht zusammenpassen, so wenig, wie der neue Feminismus der Nationalen zu ihrer sonstigen Ideologie? Nein, es fällt ihm nicht auf, weil er die rhetorischen Figuren, denen eines Goebbels ähnlich, ja eben auf die Montage des Nichtzusammengehörigen konzentriert. Er macht sich über die Männer lustig, die „Asylum“ schreien und bleiben dürfen, und die deutschen Sextäter, die kein Asyl beantragen müssen, sind dabei seine Verbündeten.
Sollen diese Hassprediger öffentlichen reden dürfen, sagen können, was sie wollen? Meistens eher ja (und gegen die Redefreiheit dieser Attentäter zu klagen, wie jüngst in Augsburg, ist nicht klug). Aber oft auch nein: wenn Höcke von der AfD Rassebiologismus predigt, dann fällt das unter das Wiederbetätigungsverbot.
Dass Carl Schmitt, Oswald Spengler, und die „konservative Revolution“ (die Albrecht von Lucke heraufziehen sieht, DLF 9.2.2016) wieder en vogue sind, wundert eigentlich nicht. Schlimm ist nur, dass in vielen Demonstrationen mit hilfloser Abwehr reagiert wird („Haut ab!“).
Als ich vor 20 Jahren, anlässlich einer Rede über jüdische Einwanderung sagte: „Es wird in 20 Jahren keine „deutsche“ Stadt mehr geben“, löste das Empörung aus. Man befürchtete, dass die Kontingentflüchtlinge die deutsche Identität der Städte in Deutschland gefährden könnten, und damals schon zeichnete sich ja ab, dass der „Migrationshintergrund“ gerade nicht der (geringen) jüdischen Einwanderung, sondern vielfältiger anderer – ob Asyl oder anderer Not geschuldet – nicht mehr umkehrbar sein würde. Und? wir haben gesehen, wer was „schaffen kann“. Der Kampf gegen die Flüchtlinge ist heute nicht nur für hunderte und tausende Menschen in Not lebensgefährlich. Es ist auch ein Kampf für die Wiederkehr des Schrecklichen in neuer Gestalt.
Die Mitschuld an den toten Flüchtlingen und traumatisierten Überlebenden wird nicht einfach dadurch erträglich, dass man ein wohlfeiles „Wir alle“ davor setzt. Es gibt – glücklicherweise nicht nur bei uns, überall – viele, die warnen und aufklären (Nicht geringes Verdienst vieler Journalist*innen, die sich unbeirrt durch Aufklärung und geschriebens Denken zur Wehr setzen, statt an der „Lügenpresse“ Anstoß zu nehmen)- die der Gemeinheit des Innenministers entgegentreten, der meint in Afghanistan gäbe es auch sichere Zonen; die der Gemeinheit der weit in die Regierungsparteien hineinreichenden Überzeugung entgegentreten, Familiennachzug würde uns mehr überfordern als die Fürsorge für unbegleitete Kinder (die man vielleicht sogar in den Tod zurückschicken kann, rechtsstaatlich, versteht sich). Dass hier Mitschuld an hundertfachem Sterben in Kauf genommen wird, um den nationalen Dumpf zu bedienen, kümmert wenig. Seehofer und Petry berufen sich auf „das Recht“, ohne es zu kennen.
Der Karneval ist noch nicht zu Ende, scheint es. Vieles – beileibe nicht alles, und vieles auch nicht – an der gewaltigen Fluchtbewegung ist von der deutschen Politik und der unserer Verbündeten mitverschuldet. Das, woran wir mitgewirkt haben, kann korrigiert werden. Ein gutes Aschermittwochthema. Das, woran andere mitwirken, kann und soll kritisiert werden.Europa zählt mehr als die eine oder andere völkische Kulturschmonzette. Und weil Europa ja noch nicht so richtig „ist“, kann man politisch auch etwas tun.
7.2.2016
Sprachwut
Seit 10 Jahren kämpfe ich gegen eine gefährliche Phrase: in allen Sendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gilt die Sprachregelung, von radikal-islamischen Taliban zu sprechen. Alle Aufforderungen, das zu korrigieren, sind vergeblich geblieben. Jetzt, in einer von den Rechten dominierten öffentlichen Sphäre, sind solche Korrekturen wichtiger denn je, weil sich die Rechte eben der sprachlichen Ungenauigkeit bedient, um ihre Hetzmeuten zu pflegen. Die Taliban sind nicht islamisch. Es sind Muslime, die sich oft einer islamistischen Terminologie bedienen. Sie berufen sich oft, nicht immer, auf Religion, um ihre Sache glaubwürdiger zu machen und wohl auch gegen kritische Angriffe zu schützen. „Aber ist Religion nicht immer eine Art Mantel, nicht der Kern der Sache?“, fragt Slavoj Zizek zu Recht (Spiegel 3/2016, 29). Islamistische Taliban würde die Aufständischen besser bezeichnen. Und von wegen radikal. Radikal-Gläubige sind fundamentalistisch oder revolutionär, oder beides. Beides sind die Taliban nicht. Sie „sind“ als soziale Gruppe überhaupt nicht politisch, sie handeln oft extremistisch, manchmal terroristisch. Religion ist ihr Mantel so gut wie der christliche von Pegida oder – noch nicht so extrem – der C-Parteien. Was aber ist der Kern der Sache? Daran geht der Begriff radikal-islamische Taliban vorbei, hat sich aber durch ständige Wiederholung in den Wortschatz des Alltagsdiskurses eingetragen. Und führt zu einer Islamfeindlichkeit, die besser durch Religionskritik ersetzt würde.
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