Rainer Mühlhoff, Professor an der Universität Osnabrück, hat ein schmales Buch bei Reclam 2025 geschrieben „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus„. In den letzten Monaten habe ich viel über KI gelesen und gelernt, und Faschismus ist seit langem einer meiner kritischen Schwerpunkte. Umso mehr hat mich gefreut, wie konkret, kritisch, produktiv dieser schmale Band vor allem Interessierte informiert und aufklärt. Das wäre eine Empfehlung…
…und: so, wie Mühlhoff den Faschismus wahrnimmt und ereitert, ist das ungemein hilfreich, nicht nur weil er sich auf die Frankfurter Schule und auf Umberto Eco (1995/2020) bezieht, sondern weil er die Grundlagen des Faschismus auch erweitert: „…durch positive Verklärung und instrumentelle Aneignung moderner Technologie als Machtinstrument, in der sich das Bedürfnis widerspiegelt, sich selbst und andere zu entmenschlichen“ (S.119). Liest man erst die Beschreibung der gesellschaftlichen Wahrnehmung, Aufnahme, Verarbeitung der KI, dann wird es schon mulmig, wenn man die USamerikanische Realität konkret wahrnimmt: v.a. Kapitel 5. Und dass da nicht nur Elon Musk und seinesgleichen vorkommt, sondern auch Peter Thiel, sondern auch die umfassende Literatur der Entwicklung von KI und – des Faschismus, das ist schon wichtig zum Verständnis. Das letzte Kapitel heißt „Anders über KI-Technologie sprechen“ und der folgende Absatz ist wichtig:
„Und wir sollten uns bei alledem auch nicht zu sehr auf die Zukunft … versteifen.KI ist jetzt schon da und hat reale Auswirkungen auf Menschen weltweit: Soziale Ungleichheit, Manipulierbarkeit, Ausbeutung von Menschen und natürlichen Ressourcen, Erosion der Privatsphäre, Erosion der demokratischen Öffentlichkeiten, masswive Akkumulation von Macht und Kapital bei wenigen Akteuren“ (S. 146)
Man kann sowohl etwas für den anderen, demokratischen Umgang mit KI lernen, als auch wahrnehmen wie und inwiefern der Faschismus jetzt – jetzt schon und wieder – um sich greift und ein Instrument benutzt, das nur teilweise aus der historischen Faschismusrealität des 20. Jahrhunderts abgeleitet werden kann. Wenn man die USamerikanische Mehrzahl der verschiedenen rassistischen, ethnischen und technologischen Zukunftsvorstellungen genauer ansieht, dann hat man eine seltsame Assoziation: Brave New World von Aldous Huxley (1932) – da waren die Verzerrungen der Soziogenetik und viele der gegenwärtigen Herrschaftsansprüche – wie nicht nur im Buch beschrieben – schon präsent, nur viel weiter in die Zukunft projiziert als heute wirklich geworden ist. (Auch Julian Huxley wird im Buch erwähnt(Transhumanism 1957)…
Es gibt auch andere Zugänge zur Verbreitung des neueren Faschismus (den hat es ja nicht Jahrhundert lang gegeben, sondern erst im 20. Jhdt. – und er kann nicht rechts-links oder mittig definiert werden). Aber es gibt kaum so verständliche und auf die massenhafte Lebenspraxis abzielende Verbindung der „Künstlichen Intelligenz“ mit dem Faschismus.
Natürlich „muss“ man mit der KI nicht faschistoid umgehen, aber man sollte schon kritisch beobachten, was und wo KI bereits Verengungen von Kritik und Fantasie, von Freiheit und Selbstbestimmung anrichtet – Kapitel 3 und 4 des Buchs, aber auch unsere alltäglichen Diskurse zum Thema. Wenn KI positiv, d.h. demokratisch, genutzt serden soll, dann muss das nicht verbal, oberflächlich behauptet werden, sondern benötigt einen anderen Umgang. Das ist eine der schwieirgen Selbstbestimmungen nach der Einsicht in den Zusammenhang.
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Das ist keine Rezension, allenfalls eine Buchempfehlung. Aber selten in letzter Zeit habe ich eine so stringente Beziehung zwischen der KI und dem Faschismus wahrgenommen, und beide biedern sich ja ganz massiv an…