Was mich aufregt, was mich dämpft

Unsinniger Titel? Kennt ihr das nicht? Man regt sich auf, und zugleich fällt einem nichts mehr ein, wie man den Dummen, den Falschen, den Feinden, also denen, die man nicht mag, contra bietet, ohne ein Wir-Sie zu dualisieren. Daran liegt nämlich ein gewisser Grant, den ich hege: lauter Dualisten. Sie sind FÜR Trump, weil sie GEGEN Putin sind, manche sind FÜR Putin, weil sie GEGEN Trump sind usw. Nicht nur Tiere wissen sehr genau, dass man mehr als einen Feind haben kann, und dass die Gegner höchst unterschiedlich sind.

Die amerikanische Hinrichtungsreligion wird zwar überall abgelehnt, aber nicht politisch wirksam. Die amerikanische Verfolgung der Nobelpreisträgerin und des Weltgerichtshofs, von der israelischen „Regierung“ unterstützt, wird fast überall abgelehnt, aber nicht politisch wirksam. Trumps Verlängerung des Ukrainekriegs, indem er Putin in den Putin kriecht und sich dafür mit Diesel eincremt wird überall kritisiert, zerstört nationale Budgets, aber die Reaktionen sind nicht politisch wirksam. Mir fallen noch n+1 vergleichbare Fälle ein. Es geht aber nicht um Trump, Putin, Xi und andere unterworfene Kleintyrannen. Es geht darum, dass wir genauer erkunden müssen, wer wo wie die Diktatoren pflegt – und es sind meist binäre Politikchargen, wie bei uns nur 0,7 stabil…Darüber können wir nachdenken und handeln. Und: wir saind es nicht immer. Auch „wir“ ist nicht binär.

KEINE ANGST, nicht wieder Theorie oder Programm.

Jetzt machen wir etwas ganz anderes. Wir schalten die Politik nicht aus, wir legen sie befristet ab, jederzeit aktivierbar, aber wir unterbrechen die ermüdenden Wiederholungsschleifen. Mit denen würgen sich auch bekannte Kommentatoren, wenn die schlechte Unendlichkeit (Hegel!) sich einschleicht. Ich denke, unser Alltag – unser, nicht der kommentierte – ist auch wichtig, von dem aus denken wir ja, mit Körper und Gedanken.

Ich mache jetzt keinen Witz. In Potsdam gibt es sehr lange und zahlreiche Kopfsteinfußgängerwege und auch viele Straßen, die so schlecht mit Fahrrädern zu befahren sind, dass man lieber am Gehsteig fährt, massenhaft, in Konkurrenz zu Fußgängern, Kinderwagen, Behinderten, Hunden und Motobikes. Kann man als Feld der gegenseitigen Ausgleichung, Sympathie-Kooperation erwägen. In Wirklichkeit sind die Fahrräder unangenehm, weil ihre FahrerInnen nicht klingeln, auch wenn sie von hinten kommen und einen überholen. Dieses eine Problem kann zu weiteren Gedanken über Stadtkultur, Bewegung und die Folgen führen…Es ist ein Beispiel. Und dass nicht geklingelt wird, braucht keine wissenschaftliche Studie, sondern einfache Erklärungen…die wünsche ich mir manchmal am Gehsteig.

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