Natürlich hoffe (auch) ich, dass ich Unrecht habe, dass der dritte Weltkrieg doch nicht so heftig ist, dass alles so schlecht IST, indem es besser werden muss…aber wir Menschen sind nicht so. Hoffnung ist etwas anderes als Erwartung, und so wichtig sie ist, nicht alles liegt bei ihr.
Worauf wir hoffen können, ist eine Menge. Das wisst ihr. Was wir nicht erwarten können, ist kurz- und mittelfristig eine Wiederherstellung der demokratischen, friedlichen Weltpolitik und der demokratischen Innenpolitik in der EU und Deutschland. „Wiederherstellung“ heißt, dass es schon mal besser war. Nicht in weiter Vergangenheit, aber vor einiger Zeit – nennen wir das die LETZTEN Reformzeiten, die Perioden fortschrittsorientierter Politik, Zeiten eher solidarischer Kooperation, Abwehr von faschistischer und krimineller Unterwanderung. Wann das war? Denkt ein paar Jahrzehnte zurück, nicht nur bei uns. Ich gebe keine genauen Zeiten an, weil das nie so punktuell gegangen ist. Oder doch: Willy Brandt steht für eine solche Periode, und 1968. Das ist heute eher blass, hinter den Vorhängen der Realität. Aber es lohnt, das Falsche im Richtigen der guten Zeiten herauszubuddeln, mehr als heute, das kleine Richtige im großen Falschen zu sezieren. Das klingt banal, oder pathetisch, aber ist es nicht so?
1968 war demokratieschaffend, vergangenheitskritisch, politisch zukunftsorientiert – aber auch wenig frauenfreundlich, wenig umweltfreundlich. Das ist, bitte, EIN Beispiel, nicht dran kleben bleiben.
Mir geht es jetzt nicht um Politik, sondern um die schwierige Konstellation, im eigenen Fortschritt immer auch die Fallen und Leerstellen wahrzunehmen, die sich zeitlich und in der Wirkung anders ausprägen als das, was man richtig macht. Die meisten PolitikerInnen, Lehrenden, Unternehmer nutzen das aus – und lassen die Fehler andere ausbaden (zB. die Steuerzahler bei der CSU Maut). Wenige handeln da anders, und dazu muss man nicht nur über politische Ethik, über persönliche Moral nachdenken, sondern über Politik selbst. Andere baden die Fehler aus, manchmal persönlich, manchmal gesamtstaatlich (zB. beim jetzt verhafteten ehemaligen BfV Chef). Aber noch einmal: was macht das mit uns, und was machen wir damit? Nicht nur die Diktatoren, auch viele Spitzenpolitiker in der Demokratie nehmen die missbräuchliche Hürde „im Kleinen“ oder Größeren nicht ernst und wundern sich, wenn die BürgerInnen das wahrnehmen und sich abwenden. Oder, wie die AfD und andere Faschisten, die Spieß umdrehen und genau das den Demokraten vorwerfen, was bei ihnen System ist. Und oft fallen die Demokraten darauf hinein.
Wir sollen nicht nur, wir „müssen“ sogar solche Themen für uns aufbringen und bearbeiten, denn sie stärken uns für die großen Probleme: seltsam, sie stärken uns, wenn wir konkrete Themen, in denen wir auch vorkommen, bearbeiten, und dann eher in der Lage sind, die großen Probleme nicht gleich in die wirren Angst- und Überfüllungspsychen zu schieben. Seltsam, aber nachprüfbar. Ich werde Beispiele bringen, in den nächsten Blogs.
Die sarkastische Ironie hat uns gesagt, wie ein Flügelschlag eines Falters im Himalaya eine weltweite Wetterkatastrophe bewirken kann, und manche haben diese Ableitung geliebt. Ich mache da nicht mit, die Alternative ist einfacher: Bevor ich mich über globale Fehlentwicklung so aufrege, dass ich nicht mehr handeln kann und nicht politisch reagiere, schaue ich loieber, wie sich etwa lokal der Frage des Umweltschutzes wieder in die unmittelbare Politik einbauen lässt. Das erzeugt beides: Projekte und Widerstand. Damit kann man auch den Faschisten und der AfD entgegentreten.