Mut im Herbst, Vorsicht im Winter

Überall Warnungen. Es wird zunehmend erklärt, warum die weltweite Abkehr von der Demokratie stattfindet – also eine Zuwendung zu Abhängigkeit von Diktatur oder zu Faschismus. ABER es wird kaum deutlich gemacht, was das für die ZUKUNFT bedeutet. Dass wir jetzt in die vierte, grausige Periode der Weltgeschichte schlittern, wird von denen seltsam einfach hingenommen, die an Deck der Welt-Titanic sich ans Geländer stützen und unten, in den Wellen, den Unrat finden. Heroben ist noch Luxus.

Die UN sagt, dass die nicht-umkehrbare Erderwärmung bald eintritt – viele Blogs dazu. Auch zu Trump und Putin, auch Xi, die bereiten die Vernichtung von Zivilgesellschaften in Europa und anderswo vor. Auch zu unsinnigen wirtschaftlichen Abbau-Politiken von Sozialem und Kulturellem. Auch zur individuellen und gemeinschaftlichen Sicherheiten von Daten und Persönlichkeiten. Nur in der ständigen Wiederholung kann man die Blogs weitertreiben, so, wie auf guten Bühnen gute Stücke wieder aufgeführt werden, immer wieder. Miss Sophie und James auf allen Ebenen, immer wieder. Aber wir sind noch keine Murmeltiere, auch im Herbst nicht. Auch zu Weihnachten nicht.

Es ist an der Zeit, sich zu wappnen, sich nicht nur körperlich einzuhüllen, sondern auch psychisch, geistig darauf einzustellen, selbst zu bleiben, nicht abhängig zu werden, weil das angeblich weiteren Wohlstand, weitere Sicherheit, weitere Beständigkeit garantiert. Woher kommen solche Gedanken. Ideologie, Religionen und vor allem politische Wirklichkeiten trommeln mit diesen Ausblicken auf uns, aber es ist schlechte Unendlichkeit, also ungute Gegenwart. Ihr habt genug über Trumputin erfahren. Die Ukraine wird in diesen Tagen schwer beschädigt – wie andere Gesellschaften auch, und Europa spielt da keine gewichtige Rolle. Ob wir mitspielen oder nicht. Aber um uns zu wappnen, müssen wir nicht nur, nicht nur!, diese Wirklichkeit immer weiter wahrnehmen, beobachten, erklären, verstehen. Wir müssen auch unsere, die widerständige Wirklichkeit, stärken. Moralisch, sozial, kulturell, gegen den blöden neo-Kapitalismus. Nicht nur der o,7 Regierung, nein, global. Zugleich müssen wir schlicht wahrnehmen, wie und warum das Ende des europäischen Fokus auf „alles“ sich nicht nur abzeichnet, nein, schon eingetreten ist. Global an sich ist ja nicht schlecht, nur welches „global“, darauf kommt es an.

Das bedeutet einerseits, dass wir uns auf abgestiegene soziale Wirklichkeiten, auf politische Kontroversen von unten einstellen müssen: Schaut auf Paris, Mailand, das kommt auch zu uns. Dass wir uns darauf einstellen müssen, wie wir mit der faschistischen Vorherrschaft demokratisch umgehen werden müssen. Noch nicht heißt nicht nicht. Die Alternative kommt nicht von sich her, nur von uns.

Der Herbst hat noch einige schöne Tage. Der Winter kann sie haben, aber daran und dazu müssen wir etwas tun.

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