Rückzug

Das wäre ein schöner Begriff für die deutsche Bundesbahn. Man fährt mit ihr nirgendwo hin, sondern immer nur zurück, und da kann der Zug lange wo stehen, nur um nicht auszuweichen.

Politisch auch ein vielfältiges, gut manipulierbares Wort. Wovon und warum und wie man sich zurückgezogen hätte, und was eigentlich zurück jeweils bedeutet, ist in der Politik so vielschichtig wie beim Militär. Übrigens auch im Privaten, wo es viel mehr Karikaturen über den Rückzug gibt als den Angriff, am besten bei Poth, aber das Gegenteil ist ja auch kompliziert, Vorzug ist etwas anderes als Vormarsch…

Rückzug ist auch ein Moment der Demokratie, die sich zurückzieht und einmottet, Angriffen wenig widersetzt und lieber bei sich bleibt, wie die SPD, oder sinnlos als rechtslastige Konkurrenz auf die Linke schimpft wie der bairische Wurstmogul, oder sich nicht wirklich demokratisiert, wie die Linkspartei selbst. Hat alles nur scheinbar etwas mit den Faschisten zu tun: die AfD profitiert von den demokratisch schwachen Diskursen.

Darüber wird mittlerweile doch einiges geschrieben und gesagt, aber kaum über die Auswirkungen auf Bewusstsein, Denken, Empathie und Logik. Die Demokratie braucht ja nicht nur ein Präsidium, sondern viele Menschen, Bürgerinnen und Bürger, die sie praktisch weiterleben.

Dazu gehört auch, nicht nach jedem Stöckchen zu schnappen und über all die große Weisheit anzuwenden, wo es unterhalb oder neben der Demokratie zu bleiben genügt. Kein Abbau, keineswegs, aber nicht alles muss auf das ethisch-politische Podium gehoben werden, über das die Demokratie herrscht. Im Unten der Gesellschaft ist der Begriff D. allein schon zu aufgeblasen, Nachbarschaft und Sportverein können demokratisch sein, ohne Demokratie zu stilisieren oder zu propagieren. Das ist das Gegenteil von Abbau. Die individuelle Freiheit schafft mehr Begriffe zur demokratischen Gesellschaft (deshalb auch nicht gesellschaftliche Demokratie als Begriff). Solidarität, Republik, Bindung und Absetzung, … da gäbe es viel, und was der Demokratie nur schadet, wäre zB. die Projektion ökonomischcr Dogmen in das Zentrum demokratischer Diskurse. Klingt das so fremd?

(Wenn man manche Politiker hört, zB. Parteitage, jetzt gerade CSU, dann ist das alles nicht banal).

Ich erinnere mich an einen Rückzug in Zentralasien (Hin war ich geflogen und habe nichts erlebt). Schon allein um Mitternacht in ziemlich vollbelegte Abteile sich noch zu viert einbringen, bedeutete Kommunikation, Dialoge, Essen tauschen, trinken, und sich einrichten, als würden wir noch tagelang weiterfahren. Um 6 Uhr kamen wir in der Hauptstadt an, ungeschlafen, aber kollektiv, und über alles war gesprochen worden, wie ich mich erinnere, nur nicht über die Plus und Minus lokaler Demokratie. Die gabs damals noch nicht. War das „undemokratisch“? dennoch glaube, dass etwas demokratisches bei allen hängen geblieben war, über viele Formen sozialen Verhaltens agitiert. So etwas gibt es dauernd, hier und anderswo.

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