Ich würde lieber Merzende schreiben, aber die merzende CDUCSU ist schlimmer als der trumpoide Kanzler. Und zu den CDUCSU Parteien etwas schreiben, bedeutet immer auch sich nicht zu beflecken mit der ja offenliegenden Kritik. Zum Beispiel, wenn eine Berliner CDU sich nicht an ihre Geschichte erinnert und nach links drischt, anstatt sich einmal selbstkritisch zu fragen, wo sie selbst überhaupt ist, angelehnt an den Konkurrenten AfD.
Ich hatte ja nicht nur menschennahe Themen versprochen, sondern auch einen anderen Fokus. Was ist aber nahe an den Menschen? Was sie interessiert oder was sie noch nicht kennen oder gerade was sie wissen und vertieft erleben wollen? Zur politischen Macht gehört ein überindividueller Abstand zwischen Regierung und BürgerInnen. Wer sich von oben mit dem Volk verbindet, geht in der Umarmung mit den Schwurblern unter…auch wenn manche Regierungsparteien behaupten, diese Volksnähe zeichne ihren Realitätssinn aus: klar, Abschiebungen, billiger Sprit, sterbende Umwelt, und wer weiß? die Todesstrafe kommen wieder nach vorne. Schluss jetzt. Es ist mitten im Herbst.
Es ist die Jahreszeit der Erinnerungen. Politisch – gerade höre ich eine RAF Erinnerung, nicht einfach kritisch, sondern auch in den Details ganz „weit weg“. Silke Maier-Witt (wikipedia als erster Hinweis): Da bin ich plötzlich persönlich betroffen:
„...Am 8. Oktober 1991 wurde sie wegen der Entführung und Ermordung von Hanns Martin Schleyer wegen der Kronzeugenregelung zu nur zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und 1995 vorzeitig aus der Haft entlassen.
1994 nahm sie ihr Psychologiestudium an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg wieder auf und schloss das Studium mit dem Diplom ab. Im Anschluss absolvierte sie eine Ausbildung in systemischer Familientherapie und war schließlich im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der psychologischen Beratung und der innerbetrieblichen Kommunikation tätig.
1999 bewarb sie sich mit einem Empfehlungsschreiben von Generalbundesanwalt Kay Nehm beim forum ZFD zur Ausbildung als Friedensfachkraft. Sie war in dieser Funktion von 2000 bis 2005 in Prizren im Kosovo im Einsatz.“
Das Gespräch mit Silke Maier-Witt im DLF 2025 wurde heute, am 31.10., gesendet und hat mich ergriffen. Ich habe sie (mit KollegInnen) in Oldenburg und Vechta gekannt und tiefe Hochachtung für ihren humanitären Wandel entwickelt. Im Kosovo habe ich sie wieder getroffen, mit ähnlicher Zuwendung. Heute lebt sie in Mazedonien und hat u.a. im Verhältnis von Israel und Palästinensern weiterhin eine humanitäre Position.
Heute schreibe ich nicht über meine marginale Rolle im Verhältnis zu Maier-Witt, sondern zu der selten bedeutsamen Veränderung ihrer eigenen Biographie zugunsten der Menschlichkeit – und damit verbunden zur PRAXIS. Das letztere ist sehr wichtig. Im Herbst solcher Entwicklungen kann man dankbar sein, und auch Mut fassen, mit mehr als Resilienz zu agieren. Sie ist ein Beispiel, wie jemand nahe an den Menschen und nahe an der Menschlichkeit lebt, über eine lange Lebenszeit nach dem Neubeginn.
Auch das passt zum Herbst. Alles geht noch weiter, aber es wird früher dunkel, es ist kälter trotz der globalen Erwärmung, und es ist ein Übergang, der in Natur und (unserer) Kultur durchaus seine formalen Abschnitte hatte. Ich muss lachen, wenn heute Reformationstag (Lest mal die konkrete Darstellung Reformationstag: Was hinter dem 31. Oktober steckt) ist und Halloween. Liest man die Herkunft des Volksfestes Halloween – Wikipedia, dann fällt einem auf, dass es vor „Allerheiligen“ ist, dem katholischen Friedhofsfest: Allerheiligen – Wikipedia – auch die Geschichte ist spannend, und es ging eigentlich nicht um den Friedhof, eher am 2. Tag, „Allerseelen“, aber aus der Erinnerung doch: am 1.11. gingen fast alle zum Friedhof, haben das Grab verwintert und Lichter angezündet. Gebräuche, der Menschen vor Ort…
Schaut man aus dem Fenster, nach Westen, in den Nebel, ist das auch schon bedenklich, es müssen einem keine Reime einfallen und keine Bilder, ein rauer Herbst ist für sich ganz schön, man stapft später mit dem Hund durch die Blätter, die nicht so rot sind wie an der amerika-nischen Ostküste, und freut sich, wenn es nicht zu regnen beginnt (früher konnte es schon den ersten Schnee geben…).
Ich selbst habe, nach Verschiebung meiner Rilkever-ehrung von den Herbstgedichten zu seiner besseren Lyrik, nach Abschied von den Adventurien auf dem österreichischen Gebiet, zur Zeit eher den schlechten Eindruck, dass sich die Jahreszeiten verflachen. Das zeigt auch, dass ich älter bin, und nicht nur, dass die Natur sich verändert hat – und ich schon den frühen Winter genossen hatte, auch wenn ich für den Verlust von Handschuhen bekannt war, zuhause, mit kalten Fingern.