Kein Mensch kann sich in der Demokratie aus der Politik verdrücken, selbst wenn er oder sie gerade nicht politisch agiert. Das ist etwas anderes als hauptberuflich oder lebenszentral politisch zu handeln. Nebbich?
Nebengleis: wieviele Medienkommentare zeigen mit spitzen Fingern auf PolitikerInnen, die als Erwachsene niemals etwas anderes getan haben als Politik zu treiben. Dahinter steht der Verdacht, dass solche Menschen das wirkliche Alltagsleben von Bürgerinnen und Bürgern nicht kennen, und ihre Politik dementsprechend abstrakt oder sinnlos ist. Naja, und umgekehrt? Was wissen die meisten Bürgerinnen und Bürger über die Praxis der Politik? Über das, was die PolitikerInnen tun, aas sie lassen, und wie sie dazu kommen? Der ganze Vergleich, wiewohl allgegenwärtig, ist banal und falsch, deshalb hier nicht weiter. Aber ich habe ihn erwähnt, weil er mich ärgert, wenn ich z.B. an den Innenminister denke. Wie geht man in Demokratien mit solchen Ärger um? Das führt mich schon näher zum Thema: Politisches Unglück und menschliches Glück, die balancieren im Bewusstsein wie die ArtistInnen…
Also zum Thema. Ich ärgere mich ja wirklich, und dann lenke ich mich bewusst ab, um auf einer anderen Landzunge wieder Fuß zu fassen. Etwa in der Kultur, etwa in der Familie, etwa in der Natur. (Klar könnte hier auch stehen: in der Politik, aber da bin ich gerade nicht). Das, werte LeserIn, ist NICHT Psychologie oder gar Ratgeberei. Sondern wirklich. Die Ablenkung als Rehabilitation.
Auf den seltsamen Titel und die komplizierte Einleitung hat mich die frühere Ministerin Bärbel Bas gebracht. Die Medien sind voll von ihr, und viele heucheln oder meinen sogar Empathie oder Hilfsbereitschaft. Aber da war auch etwas anderes: Politik UND menschliches Leben. Die seltsam dogmatische Trennung der beiden ist nicht selten, nur seltsam. Und selten ist das UND so wichtig. Als ob die unendliche Überlastung und Überarbeitung in der Politik geradezu die Reduzierung der menschlichen, familiären, kulturellen Lebenspraxis rechtfertigte, wenn diese Reduzierung schon wirklich notwendig wäre…was sie manchmal ist, manchmal nicht. Die Ausnahmen fallen auf, sie sind selten.
Persönlicher Einschub: Für eine längere Zeit meines eigenen Lebens bin ich genau dieser falschen Trennung selbst unterlegen, mit unguten Ergebnissen für meine Lebenspraxis und spätere Erfahrung.
Zurück zu Bärbel Bas, drei Wochen lang verteidigt sie das UND. Das kommt natürlich bei den Meisten in der 0,7 Regierung so wenig vor wie bei anderen PolitikerInnen an der Spitze jeweiliger Hierarchien, das muss nicht die Bundesregierung sein. Ein paar Frauen wie Ricarda Lang oder Elif Eralp wären da zu nennen, und zwar unabhängig davon, ob man ihre Politik schätzt oder kritisiert. Die Veröffentlichung des UND durch PolitikerInnen ist nicht einfach ein Verhaltensvorzug, sie bedeutet ja auch eine Vergesellschaftung, die nur von den übleren Akteuren sofort zur persönlichen Herabwürdigung missbraucht wird. Ich spare mir hier die Aufteilung der Missbräucher, weil es nicht um Parteien geht, sondern um Politik.
Einer der Gründe, warum ich das hier schreibe ist, dass ich viele, auch kluge Menschen kenne, die nicht Politik aktiv und hauptberuflich machen wollen, weil sie das UND nicht wahrnehmen wollen oder meinen, zu können. Naja, wer bleibt dann in der Politik? Andererseits, wer hält was wie durch?
Die Antworten sind wichtige Werkzeuge der Demokratie. Einzelne und Gruppen, aber nicht „ganze Parteien“ haben eine Fülle von Antworten. Mir hat aber immer gefallen, wenn Politikerinnen ihre Kinder mit in die öffentlichen oder brisanten Politikszenen eingebracht hatten. Das ist ein Beispiel für sehr viel mehr.
Ich hatte ja Beispiele für menschliches Glück aufgezeigt, und frage zum Abschied: was ist politisches Unglück? Die Gegenfrage ist: für wen? für die Bürgerinnen und Bürger, oder für einen selbst? Das geht nicht so einfach zusammen. Aber daran können wir weiter arbeiten…